Zurück aus New York – und Ostern im Blick

Letzte Woche ist unser Sohn aus New York zurückgekommen. Er war dort zusammen mit 25 jungen Christen in der Emmanuel School of Mission (ESM). Die neunmonatige katholische Evangelisationsausbildung musste aufgrund des Coronavirus – drei Monate früher als geplant – abgebrochen werden.

Plötzlich betrifft es uns ganz direkt. Die Vereinigten Staaten sind ja inzwischen zum weltweiten Corona-Epizentrum geworden. Der Mannheimer Morgen titelte am Tag der Ankunft unseres Sohnes: „Stillstand in New York, US-Wirtschaft im Sinkflug“. Wir haben uns auf eine 14-tägige Quarantänezeit vorbereitet: Ein eigenes Zimmer im Keller, beim Essen zwei Meter Abstand, jede Berührung vermeiden. Es ist schon seltsam. Doch wir gewöhnen uns daran, werden mit der Zeit aber auch nachlässiger.

Aber auch so werden wir mittlerweile immer direkter mit dem Coronavirus konfrontiert, die „Einschläge“ kommen unaufhaltsam näher: In unserer Stadt Mannheim gab es die ersten Toten. Menschen aus unserem Umfeld kämpfen auf der Intensivstation mit dem Tode. Wir haben Nachbarn, Bekannte und Freunde, die bereits infiziert sind oder über Einsamkeit und Lagerkoller klagen. In unserer Firma wird Kurzarbeit eingeführt. So wird es für uns immer ernster – wir werden von Zuschauern zu Betroffenen.

Das passt gut zum Beginn der Karwoche. Auch hier kommt es darauf an, nicht nur dem religiösen Geschehen am Bildschirm zuzuschauen, sondern mittendrin dabei zu sein, sich ergreifen und ansprechen zu lassen. Wir verbinden uns mit dem Leiden Jesu und haben – im Gegensatz zu den Jüngern damals – den Vorteil, dass die Erlösung und Auferstehung an Ostern fest im Blick ist.

Auch bei der Corona-Krise habe ich die Hoffnung, dass sich an Ostern eine Trendwende vollzieht, dass der Höhepunkt der Infektionen erreicht ist und es langsam besser wird. So wie nach der Auferstehung Christi alles anders wurde, wird auch nach der Corona-Krise manches anders sein als es vorher war. Die Menschheit ist zusammengerückt – wir haben ein Stück weit gelernt, auf das Wesentliche zu schauen, einander zu helfen, manches zu relativieren und auf Dinge zu verzichten, die uns bisher heilig erschienen. So können wir uns in dieser weltweiten Fastenzeit neu ausstrecken nach dem, der Sinn stiftet und Leben spendet.

Johannes Lerch, 04.04.2020

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.