Menschen mit Zuversicht anstecken

Das Studio für die Mutmacher-Aktion in der Krise steht bereit. © Christian Ruppel

Heute, am 11. November 2020 startet um 18 Uhr der erste Abend einer Online-Sendereihe unter dem Titel „Worms Läuft“. Der ZDF-Wahlexperte und Politikprofessor Karl-Rudolf Korte will in der Corona-Krise Mut machen: „Mit Zuversicht gegen den Corona-Blues“ nennt der in Worms lebende Wissenschaftler die Leitidee seiner Mutmacher-Initiative.

Bürger können ihre Ideen im Dialog vorstellen und von Beispielen erzählen, wie sie in der Krise auf kreative Weise die Chance ergriffen haben. Dadurch soll anderen Menschen in den dunklen und tristen Monaten November und Dezember Hoffnung gegeben werden.

Im Wissen um individuelle Einzelschicksale, die in der Corona-Pandemie auch gar nicht geleugnet werden sollen, will Korte einen Kontrapunkt setzen gegen Infektionsraten, Todeszahlen und Bangen um ausreichende Plätze in den Intensivstationen.

Denn daneben gibt es nach Meinung des Sozial- und Politikwissenschaftlers auch noch eine andere Wirklichkeit: Wir wollen die Menschen anstecken – nicht mit dem Virus, sondern mit Zuversicht“. Mit Zuversicht und Optimismus soll die Demokratie gestärkt werden: Indem man zeigt, was gut läuft, könne man das Demokratie-Potenzial in der Gesellschaft auffüllen.

Die rund zehnteiligen Sendereihe wird im November und Dezember jeweils mittwochs und freitags um 18 Uhr aufgezeichnet und kann über YouTube angeschaut werden: https://bit.ly/32Jnp03. Wer noch Ideen oder ein gelungenes Projekt hat, kann sich bei Karl-Rudolf Korte per E-Mail melden: krkorte@uni-due.de.

(Johannes Lerch 11.11.2020)

Weil Du da bist

Es ist Hoffnung da – ein kleines bisschen Hoffnung
Hoffnung in der Traurigkeit
Hoffnung in der Verzweiflung
Hoffnung in der Hilflosigkeit
Hoffnung in aller Trauer
Hoffnung, wenn die Tränen fließen – einfach so
Hoffnung, weil Du versprochen hast
Hoffnung, weil Du es mir gezeigt hast
Hoffnung, dass Du da bist – immer da bist,
bei mir bist,
ganz nah bist
Der Emmanuel bist – oh Herr
Danke dafür.

Kennt Ihr das? In den Momenten, die am schwersten sind, in denen die Tränen fließen und es mir alles andere als gut geht, entstehen bei mir die buntesten Bilder und die hoffnungsvollsten Texte. Das sind Überlebensstrategien.

Ja, es gibt diese Momente. Ja, in extremen Situationen, zum Beispiel wenn man zwei Wochen lang fast keinen direkten persönlichen Kontakt zu anderen Menschen hat, macht sich auch mal Einsamkeit und Verzweiflung breit. Da kommt es vor, dass für Momente die Sorgen mein Herz eng machen und die Zuversicht sich sehr gut versteckt hält.

Dieser Text oben ist gestern, in einem dieser Momente, entstanden. Wie gesagt: Überlebensstrategie. Ich habe – mithilfe von mir sehr wertvollen Menschen (Danke an Euch alle!) – gelernt, was mir dann helfen kann. „Im Hier und Jetzt sein“ ist so ein Stichwort, „Aktiv werden“ ein anderes.

Konkret bedeutet das für mich zum Beispiel: Tief durchatmen, langsam ruhig werden, aufstehen, einen Tee kochen, trinken und mir daran die Hände wärmen (das hilft mir, mich selbst zu spüren), eine Banane essen (Kalium soll helfen), kreativ werden und eine Handlungsstrategie entwickeln.

Da ist zum Beispiel eine Familien-Videokonferenz bei rausgekommen, die ich einberufen habe. Der Blick auf das Kreuz hilft mir auch. Ich weiß, dass Jesus da ist, dass er bei mir ist, dass er versteht, wie es mir geht und dass er mir hilft, jetzt einen Weg zur Zuversicht und zur Hoffnung zu finden.

Es geht weiter – weil Du da bist!

Juliane Schaad, 31.03.2020

Ein Lächeln

Das erste Lächeln des Tages schenkt mir die Sonne bei ihrem Aufgang, wenn ich – wie in den letzten Tagen üblich geworden – sehr früh wach geworden bin.

Das nächste Lächeln zaubert mir ein Foto auf das Gesicht, das mir auf der Suche nach Briefmarken in die Hände gefallen ist: ein Foto von zwei meiner Nichten und mir, das
ca. 6 Jahre alt ist. Das verbindet.

Und gleich habe ich diese Foto meiner Schwägerin geschickt. 😊
Sie hat sich auch darüber gefreut – noch ein Lächeln.

Das nächste Lächeln schenkt mir mein Nachbar, den ich aus der Ferne grüße, als ich gehört, habe, dass er aus dem Haus gekommen ist.

Dann ist da die Familie, die an unserem Zaun vorbei geht, während ich im Liegestuhl liege. Ein Kind ruft: Mama, da liegt eine Frau! Ich winke, sie winkt – noch zwei Lächeln.

Auf dem Weg zum Briefkasten halte ich an, weil eine Frau mir entgegenkommt, die etwas aus ihrem Auto geholt hat. Ich grüße, sie antwortet und lächelt – wieder zwei Lächeln.

Ein Lächeln gehört zu den Dingen, die sich vermehren, wenn man sie verschenkt, sie machen uns selbst glücklich (wenn man sich selbst im Spiegel anlächelt, haben negative Gedanken in diesem Moment automatisch keinen Platz in unserem Kopf) und sie sind ein schönes Zeichen der Verbundenheit und Zuversicht.

Also: Eifrig weiter lächeln …

Es grüßt Euch herzlich mit einem Lächeln

Juliane Schaad, 25.03.2020

Von Mensch zu Mensch

Und plötzlich ist da diese un-fassbare Gefahr ganz nah vor unserer Tür, in Form eines uns noch in vielen Aspekten unbekannten Virus, eines Virus, das durch Menschen übertragen wird – das von Mensch zu Mensch geht.

Wenn wir uns aussuchen könnten, was von Mensch zu Mensch geht, dann sind das vor allem gute Dinge: Freude, Zuversicht, Liebe, Hoffnung, Freundlichkeit, Fröhlichkeit, Zärtlichkeit, Umarmungen, nette Gesten.

Die negativen Worte, Gesten, Stimmungen, Haltungen, die von Mensch zu Mensch gehen können – und erst recht ein Krankheitserreger – sind eher dafür geeignet, uns das Leben schwer zu machen, als dass sie Freude bereiten.

Der entscheidende Unterschied zwischen negativen Worten, Gesten, Stimmungen und Haltungen und einem Virus ist, dass das Virus nichts mit der Absicht oder dem Wesens eines Menschen zu tun hat, sondern ungeliebter Gast im eigenen Körper ist. 

Trotzdem bewirkt der ungeliebte Gast oder allein die Angst vor einem solchen, genau das, was sonst negative Worte, Gesten, Stimmungen und Haltungen bewirken: wir halten Abstand zu anderen Menschen.

Die Herausforderung ist jetzt, dass der eingehaltene äußere Abstand, die abgesagten Veranstaltungen, die Einschränkung des Händeschüttelns usw., keine Auswirkungen auf den inneren Abstand haben.

Auswirkungen wird die Situation auf uns haben. Die Frage ist nur welche. Wie so vieles im Leben wird auch das von uns selbst abhängen. Nun gilt es kreativ zu werden, wie die Verbundenheit und der Kontakt bestehen und gestärkt werden können, wenn direkte Treffen nur sehr eingeschränkt möglich sind. Einige Beispiele sind mir dafür schon begegnet. Immer mehr Gottesdienste oder Gebetszeiten werden live im Internet übertragen und so deutlich gemacht, dass es ein Miteinander im Gebet über die Grenzen der eigenen Wohnung hinaus gibt. Videokonferenzen werden abgehalten oder positive Gedanken und Bilder geteilt.

Beispielsweise war es heute so, dass am laufenden Band jemand von meinen Kontakten bei einem beliebten Messenger-Dienst Bilder hochgeladen hat: vom Spaziergang in der Sonne, von sonnigen Wiesen, Seen, blühenden Blumen oder sich selbst in der Sonne. Das war wie ein Gegenprogramm zu den schlechten Nachrichten und Einschränkungen durch das Corona-Virus. Es kam mir vor, dass alle sagen wollten: Schaut her Leute! Das Leben ist immer noch schön! Trotzdem und gerade jetzt stellen wir das Schöne in die Mitte! Und: Wir lassen uns nicht unterkriegen!

Mein Lieblingspsalm ist seit einiger Zeit der Psalm 27. Er ist ein Psalm voller Zuversicht und Hoffnung. Er passt gut an dieser Stelle. Hier die Verse 1-4 und 11-14 in der Version der Einheitsübersetzung 2016:

1 Der HERR ist mein Licht und mein Heil: Vor wem sollte ich mich fürchten? Der HERR ist die Zuflucht meines Lebens: Vor wem sollte mir bangen? 2 Dringen Böse auf mich ein, um mein Fleisch zu verschlingen, meine Bedränger und Feinde; sie sind gestrauchelt und gefallen. 3 Mag ein Heer mich belagern: Mein Herz wird nicht verzagen. Mag Krieg gegen mich toben: Ich bleibe dennoch voll Zuversicht. 4 Eines habe ich vom HERRN erfragt, dieses erbitte ich: im Haus des HERRN zu wohnen alle Tage meines Lebens; die Freundlichkeit des HERRN zu schauen und nachzusinnen in seinem Tempel. 11 Weise mir, HERR, deinen Weg, leite mich auf ebener Bahn wegen meiner Feinde! 12 Gib mich nicht meinen gierigen Gegnern preis; denn falsche Zeugen standen gegen mich auf und wüten! 13 Ich aber bin gewiss, zu schauen die Güte des HERRN im Land der Lebenden. 14 Hoffe auf den HERRN, sei stark und fest sei dein Herz! Und hoffe auf den HERRN!

Juliane Schaad, 15.03.2020