Menschen mit Zuversicht anstecken

Das Studio für die Mutmacher-Aktion in der Krise steht bereit. © Christian Ruppel

Heute, am 11. November 2020 startet um 18 Uhr der erste Abend einer Online-Sendereihe unter dem Titel „Worms Läuft“. Der ZDF-Wahlexperte und Politikprofessor Karl-Rudolf Korte will in der Corona-Krise Mut machen: „Mit Zuversicht gegen den Corona-Blues“ nennt der in Worms lebende Wissenschaftler die Leitidee seiner Mutmacher-Initiative.

Bürger können ihre Ideen im Dialog vorstellen und von Beispielen erzählen, wie sie in der Krise auf kreative Weise die Chance ergriffen haben. Dadurch soll anderen Menschen in den dunklen und tristen Monaten November und Dezember Hoffnung gegeben werden.

Im Wissen um individuelle Einzelschicksale, die in der Corona-Pandemie auch gar nicht geleugnet werden sollen, will Korte einen Kontrapunkt setzen gegen Infektionsraten, Todeszahlen und Bangen um ausreichende Plätze in den Intensivstationen.

Denn daneben gibt es nach Meinung des Sozial- und Politikwissenschaftlers auch noch eine andere Wirklichkeit: Wir wollen die Menschen anstecken – nicht mit dem Virus, sondern mit Zuversicht“. Mit Zuversicht und Optimismus soll die Demokratie gestärkt werden: Indem man zeigt, was gut läuft, könne man das Demokratie-Potenzial in der Gesellschaft auffüllen.

Die rund zehnteiligen Sendereihe wird im November und Dezember jeweils mittwochs und freitags um 18 Uhr aufgezeichnet und kann über YouTube angeschaut werden: https://bit.ly/32Jnp03. Wer noch Ideen oder ein gelungenes Projekt hat, kann sich bei Karl-Rudolf Korte per E-Mail melden: krkorte@uni-due.de.

(Johannes Lerch 11.11.2020)

Durch verschlossene Tür zu den verängstigten Menschen

Immer wieder sind die Texte von Papst Franziskus für mich Inspiration und Anlass, tiefer zu schauen.

So auch sein Brief, den er dieses Jahr an die Priester in der Diözese Rom geschrieben hat. Darin beschäftigt er sich mit der Bibelstelle Johannes 20,19-22, in der Jesus durch die verschlossenen Türen zu den verängstigten Jüngern kommt, ihnen den Heiligen Geist schenkt und sie aussendet.

Daraus möchte ich ein paar Gedanken mit Euch teilen, weil sie gut zu unserer derzeitigen Corona-Situation passen.

„Obwohl es notwendig war, die soziale Distanzierung einzuhalten, hat dies nicht verhindert, dass sich das Gefühl der Zusammengehörigkeit, der Gemeinschaft und der Mission verstärkte, was uns geholfen hat, dafür zu sorgen, dass die Liebe, vor allem gegenüber den am meisten benachteiligten Menschen und Gemeinschaften, nicht unter Quarantäne gestellt wurde.“

„Die Hoffnung hängt auch von uns ab und erfordert, dass wir einander helfen, damit sie lebendig und aktiv bleibt, jene ansteckende Hoffnung, die in der Begegnung mit den anderen gepflegt und gestärkt wird und die uns als Geschenk und Aufgabe gegeben ist, um die neue »Normalität« aufzubauen, nach der wir uns so sehr sehnen. Ich schreibe euch mit dem Blick auf die erste Gemeinschaft der Apostel, die ebenfalls Momente des Eingeschlossenseins, der Isolierung, der Angst und Unsicherheit durchgemacht hat.“

„Wir haben den plötzlichen Verlust von Familienangehörigen, Nachbarn, Freunden, Gemeindemitgliedern, Beichtvätern, Orientierungspunkten unseres Glaubens, erlitten. Wir haben die untröstlichen Gesichter derjenigen gesehen, die ihren Angehörigen in den letzten Stunden nicht nahe sein durften und sich nicht von ihnen verabschieden konnten. Wir haben das Leid und die Ohnmacht des Krankenhauspersonals gesehen, Ärzte und Pflegekräfte, die sich in nicht enden wollenden Arbeitstagen aufrieben, um die zahllosen Hilferufe zu beantworten.“

„Wir haben die Schwierigkeiten und Nöte der sozialen Einschränkungen gesehen und von ihnen gehört: Einsamkeit und Isolierung vor allem der alten Menschen; Sorge, Angst und das Gefühl der Schutzlosigkeit gegenüber der Unsicherheit in Bezug auf Arbeit und Wohnung; Gewalt und Zermürbung in den Beziehungen. Die uralte Angst vor der Ansteckung hat wieder zugeschlagen. Wir haben auch die beklemmenden Sorgen ganzer Familien geteilt, die nicht wissen, was in der nächsten Woche auf den Tisch kommen soll.“

„Die Merkmale des Virus bringen die Logik zum Verschwinden, nach der wir gewöhnlich die Realität aufgeteilt oder klassifiziert haben. Die Pandemie kennt keine Adjektive, Grenzen und niemand darf meinen, allein zurechtzukommen. Wir sind alle betroffen und beteiligt.“

„Persönlich und gemeinschaftlich gefährdet und getroffen in unserer Verwundbarkeit und Schwäche sowie in unseren Grenzen, ist die Gefahr groß, dass wir uns zurückziehen und weiter über die Trostlosigkeit nachgrübeln, die die Pandemie uns vor Augen stellt, oder dass wir uns auf einen grenzenlosen Optimismus versteifen, der unfähig ist, die reale Dimension der Ereignisse zu akzeptieren.“

„Als der Herr bei verschlossenen Türen in das Obergemach trat, mitten in Isolierung, Angst und Unsicherheit, in der sie lebten, war er in der Lage, jede Logik zu verwandeln und der Geschichte und den Ereignissen eine neue Bedeutung zu verleihen. Jede Zeit ist geeignet, Frieden zu verkünden, keine Situation ist seiner Gnade beraubt … Durch seine Gegenwart ist das Eingeschlossen-Sein fruchtbar geworden und hat der neuen Gemeinschaft der Apostel Leben geschenkt.“

„Wenn eine nicht fassbare Präsenz (das Virus) in der Lage war, die Prioritäten und eine scheinbar unverrückbare globale Agenda … durcheinanderzubringen und auf den Kopf zu stellen, dann wollen wir keine Angst haben, dass die Gegenwart des Auferstandenen uns den Weg bahnt, neue Horizonte eröffnet und uns den Mut gibt, diesen historischen und einzigartigen Augenblick zu leben.“

„Eine Handvoll furchtsamer Männer war in der Lage, eine neue Bewegung ins Leben zu rufen: die Verkündigung des lebendigen Gottes-mit-uns. Habt keine Angst!“

„Von seiner Seitenwunde her, Zeichen dafür, wie hart und ungerecht die Realität wird, möge er es sein, der uns drängt, der harten, schwierigen Realität unserer Brüder und Schwestern nicht den Rücken zu kehren.“

„Der Herr ist derjenige, der uns verwandelt, der sich unser bedient wie des Brotes, der unser Leben in seine Hände nimmt, uns segnet, uns bricht, uns austeilt und seinem Volk gibt.“

Den vollständigen Text, den ich Euch sehr ans Herz lege, findet Ihr unter diesem Link: http://www.vatican.va/content/francesco/de/letters/2020/documents/papa-francesco_20200531_lettera-sacerdoti.html

(Ludger Fest und Johannes Lerch 09.08.2020)

Jetzt kommt auch noch der Info-Virus

Ich weiß nicht, ob es Euch auch so geht: Seit alle mehr oder weniger zu Hause sind, ertrinke ich in Nachrichten. Ständig kommen Meldungen auf den Messenger-Diensten, per E-Mail oder Newsletter. Bing, bing, bing, … Und fast alle Infos drehen sich um das Coronavirus.

Über die sozialen Medien werden Kontakte zu Familien-Mitgliedern, Freunden und Bekannten aufgefrischt. Firmen, Schulen, Vereine und Gemeinschaften senden permanent mehr oder weniger wichtige Nachrichten. Unzählige Videos, Livestreams und Kettenbriefe verbreiten sich wie virales Marketing.

Selbst Gebetsinitiativen und Gottesdienstübertragungen prasseln auf uns ein: Soll ich jetzt um 18 Uhr mit allen Musikern „Freude schöner Götterfunken“ aus dem Fenster trompeten, um 19 Uhr bei der weltweiten Lichteraktion mitmachen, eine Kerze ans Fenster stellen und den Rosenkranz beten oder lieber um 21 Uhr auf dem Balkon mit Ovationen dem Gesundheitspersonal danken?

Alles gute Initiativen, die ich gerne unterstützen würde. Aber ich kann leider nicht überall dabei sein. Ich schaffe es auch nicht mehr, auf jede Nachricht zu reagieren, alle erhaltenen Texte zu lesen, geschweige denn jeden YouTube-Link anzusehen, der mir weitergeleitet wird. Mehr denn je muss ich eine sinnvolle Auswahl treffen.

Das Coronavirus hat uns nicht entschleunigt – im Gegenteil wir laufen Gefahr, uns gegenseitig mit Informationen zuzuballern. Wie schütze ich mich vor der Reizüberflutung? In unserer Familie haben wir schon vor einiger Zeit eingeführt, dass wenigstens beim Essen alle Handys ausbleiben. Wer zuwiderhandelt bekommt einen Strich und bei zwei Strichen muss man einen Kuchen backen. Naja, der erste Kuchen kam von mir. 😉

Ich muss mich aber auch tagsüber bewusst dafür entscheiden, nicht aufs Handy zu schauen, Zeiten der Ruhe einzuplanen. Nicht sofort auf alles reagieren. Oh Mann, das fällt mir echt schwer! Eigentlich wollte ich doch mal ein gutes Buch lesen – und jetzt schreibe ich schon wieder was für diesen Blog …

Johannes Lerch, 22.03.2020

Gottesdienste im Livestream mitfeiern

Die flächendeckende Absage von Gottesdiensten ist schon einmalig in der Kirchengeschichte. Selbst zu Zeiten von Pest und Cholera und in den beiden Weltkriegen hat es das nicht gegeben. Aber auch die Kirchen können, wollen und sollten sich den allgemeinen Schutzmaßnahmen vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus nicht entziehen.

Doch ein Hoch auf die heutige Technik: Wie schön ist es, dass wir Gottesdienste jetzt online mitfeiern können. Inzwischen gibt es ja viele Angebote: ob Radio (z. B. Domradio, Radio Horeb, Deutschlandfunk), Fernsehen (z. B. ZDF, Bibel TV, EWTN) oder Internet (z. B. domradio.de, bibeltv.de, ewtn.de, feiernwir.de).

Mit großer Freude haben wir am vergangenen Sonntag mit der Familie die Messe der Gemeinschaft Emmanuel am großen Bildschirm im Wohnzimmer verfolgt. Übertragen wurde der Gottesdienst mit Pfarrvikar Martin Siodmok aus der Josefsburg in Altötting, gestaltet von den Studenten der Emmanuel School of Mission. (Infos zu den Livestream-Messen der Gemeinschaft Emmanuel gibt es unter https://live.emmanuel.de).

Natürlich sind viele von uns verwöhnt von den profesionellen Gottesdienst-Übertragungen im Fernsehen mit den vielen unterschiedlichen und abwechslungsreichen Kameraeinstellungen, dem perfekt abgemischten Ton und den schönen eingeblendeten Bildern. Aber auch eine einfache Kameraeinstellung genügt. Es fühlt sich dadurch irgendwie authentischer an.

Für mich stellte sich aber zunächst die Frage: Wie verhalte ich mich im Wohnzimmer während der Gottesdienstübertragung?

  • Klar, wir singen mit großer Freude die uns bekannten Emmanuel-Lieder, machen zu Beginn das Kreuzzeichen und sprechen die Gebete mit, was anfangs in den eigenen vier Wänden etwas ungewohnt war.
  • Aber wie verhalte ich mich bei der Eucharistiefeier: Knie ich mich auch zuhause hin bei der Präfation? Vor dem Fernseher? (Das habe ich zuletzt beim Elfmeterkrimi Deutschland–Italien während der WM 2016 erlebt :-)) Glaube ich, dass Jesus auch am Bildschirm gegenwärtig ist, und in dieser Umgebung verehrt werden will?
  • Stehe ich beim Vaterunser auf oder bleibe ich als Zuschauer auf dem Sofa sitzen?
  • Wenn der Priester einlädt, sich beim Friedensgruß freundlich zuzulächeln (gerichtet an die Anwesenden vor Ort): Kann ich dann meiner Frau und meinen Kindern trotzdem die Hand geben?
  • Dann schaue ich zu, wie die anderen zur Kommunion gehen. Und ich überlege mir: Wie sehr vermisse ich die sakramentale Kommunion? Wie groß ist meine Sehnsucht und mein Verlangen wirklich? Ganz neu lerne ich die geistliche Kommunion kennen – ich hatte mich bisher kaum damit beschäftigt. Aber ich habe ein schönes Gebet des Heiligen Pater Pio gefunden:
    Mein Jesus, ich glaube, dass Du im allerheiligsten Sakrament des Altares zugegen bist. Ich liebe dich über alles und meine Seele sehnt sich nach Dir. Da ich Dich aber jetzt im Sakrament des Altares nicht empfangen kann, so komme wenigstens geistigerweise zu mir. Ich umfange Dich, als wärest Du schon bei mir und vereinige mich mit Dir! Ich bete Dich in tiefster Ehrfurcht an. Lass nicht zu, dass ich mich je von Dir trenne. Amen .

Soweit mal einige Gedanken, die mich bei den Online-Gottesdiensten beschäftigen. Das Gute an den Livestream-Messen ist, dass wir vieles neu hinterfragen und einzelne Elemente der Liturgie dadurch wieder ganz neu kennenlernen können.

Johannes Lerch, 18.03.2020

Geschenkte Zeit sinnvoll nutzen

Mit großer Spannung haben unsere Kinder am Freitag die Pressekonferenz des Landes Baden-Württemberg zur Corona-Krise verfolgt: Groß war der Jubel, dass die Schulen ab Dienstag bis nach den Osterferien geschlossen bleiben.

Natürlich geben die Lehrer viel Stoff zum Lernen mit, aber da auch Sportvereine, Musikunterricht und andere Hobbies ausfallen, bleibt plötzlich viel Zeit, die es sinnvoll zu nutzen gilt. Meine Tochter hat sich gleich ein Plakat gemalt mit dem Titel „Corona-Langeweile“. Darunter sind viele Aktivitäten aufgelistet, was sie in dieser geschenkten Zeit alles tun könnte.

In meiner Firma wurde Homeoffice angeordnet. Ich spare mir jeden Tag 30 Minuten Hin- und 30 Minuten Rückfahrt – das sind fünf Stunden pro Arbeitswoche. Wie gehe ich mit der geschenkten Zeit um? Für einen sinnvollen Einsatz brauchen wir – um es mit Jogi Löw zu sagen – „Högschde Disziplin“. Sonst verlieren wir uns zu schnell in Belanglosigkeiten oder hängen nur am Smartphone.

Natürlich haben wir erst einmal mehr Zeit in und für die Familie. Wir haben als erstes ein 3000er Puzzle ausgepackt und genießen es, gemeinsam ein Bild entstehen zu lassen und nebenher spannende Audiobooks zu hören („Sherlock Holmes“ oder „Die drei Fragezeichen“).

Apropos Audiobooks: Ich höre zurzeit „Skandal der Skandale“ von Manfred Lütz in Spotify. Der Autor erzählt die spannende Geschichte des Christentums, wie sie nach Erkenntnissen der neusten Forschung wirklich war. Was ist dran an der Skandalgeschichte des Christentums?  Das spannende Aufklärungsbuch bietet spektakuläre Überraschungen.

Und weil wir in der Fastenzeit aufs Fernsehen verzichten, ist das die Gelegenheit, mal ein gutes geistliches Buch zu lesen. Auf meinem Programm steht aktuell „The Biggest Lie in the History of Christianity“ (Bestsellerautor Matthew Kelly beschreibt, wie wir uns von den Lügen der modernen Gesellschaft täuschen lassen und zeigt den Weg zurück zu Freunde und Glück).

Aber ich kann auch mein Gebetsleben intensivieren. Jetzt ist mehr Zeit für den morgendlichen Lobpreis. Da viele Abendtermine wegfallen, könnte ich auch mal abends die Komplet beten. Das häufige Händewaschen (siehe Beitrag „Hände waschen mit Gebet“) gibt mir die Gelegenheit für viele Stoßgebete.

Als Christ bin ich aber auch zur konkreten Nächstenliebe aufgerufen: Ich habe mir vorgenommen, mal bei einsamen oder älteren Bekannten anzurufen, nachzufragen, wie es geht, Einkäufe anzubieten. Vielleicht jeden Tag ein Anruf?

Eigentlich wäre es schön, wenn man über die Kirche nicht in den Medien liest, ob und wann sie ihre Gottesdienste absagt, sondern weil sich ihre Mitglieder für andere einsetzen, die Seelsorgeangebote aufstockt, für Hilfsbedürftige spendet, die aufgrund des Coronavirus ihren Job verlieren, und hilft, den Glauben neu erfahrbar zu machen und das Vertrauen in die Existenz Gott zu stärken.

Was macht Ihr mit Eurer geschenkten Zeit? Wir sind gespannt auf Eure Kommentare!

Johannes Lerch, 15.03.2020

Von Mensch zu Mensch

Und plötzlich ist da diese un-fassbare Gefahr ganz nah vor unserer Tür, in Form eines uns noch in vielen Aspekten unbekannten Virus, eines Virus, das durch Menschen übertragen wird – das von Mensch zu Mensch geht.

Wenn wir uns aussuchen könnten, was von Mensch zu Mensch geht, dann sind das vor allem gute Dinge: Freude, Zuversicht, Liebe, Hoffnung, Freundlichkeit, Fröhlichkeit, Zärtlichkeit, Umarmungen, nette Gesten.

Die negativen Worte, Gesten, Stimmungen, Haltungen, die von Mensch zu Mensch gehen können – und erst recht ein Krankheitserreger – sind eher dafür geeignet, uns das Leben schwer zu machen, als dass sie Freude bereiten.

Der entscheidende Unterschied zwischen negativen Worten, Gesten, Stimmungen und Haltungen und einem Virus ist, dass das Virus nichts mit der Absicht oder dem Wesens eines Menschen zu tun hat, sondern ungeliebter Gast im eigenen Körper ist. 

Trotzdem bewirkt der ungeliebte Gast oder allein die Angst vor einem solchen, genau das, was sonst negative Worte, Gesten, Stimmungen und Haltungen bewirken: wir halten Abstand zu anderen Menschen.

Die Herausforderung ist jetzt, dass der eingehaltene äußere Abstand, die abgesagten Veranstaltungen, die Einschränkung des Händeschüttelns usw., keine Auswirkungen auf den inneren Abstand haben.

Auswirkungen wird die Situation auf uns haben. Die Frage ist nur welche. Wie so vieles im Leben wird auch das von uns selbst abhängen. Nun gilt es kreativ zu werden, wie die Verbundenheit und der Kontakt bestehen und gestärkt werden können, wenn direkte Treffen nur sehr eingeschränkt möglich sind. Einige Beispiele sind mir dafür schon begegnet. Immer mehr Gottesdienste oder Gebetszeiten werden live im Internet übertragen und so deutlich gemacht, dass es ein Miteinander im Gebet über die Grenzen der eigenen Wohnung hinaus gibt. Videokonferenzen werden abgehalten oder positive Gedanken und Bilder geteilt.

Beispielsweise war es heute so, dass am laufenden Band jemand von meinen Kontakten bei einem beliebten Messenger-Dienst Bilder hochgeladen hat: vom Spaziergang in der Sonne, von sonnigen Wiesen, Seen, blühenden Blumen oder sich selbst in der Sonne. Das war wie ein Gegenprogramm zu den schlechten Nachrichten und Einschränkungen durch das Corona-Virus. Es kam mir vor, dass alle sagen wollten: Schaut her Leute! Das Leben ist immer noch schön! Trotzdem und gerade jetzt stellen wir das Schöne in die Mitte! Und: Wir lassen uns nicht unterkriegen!

Mein Lieblingspsalm ist seit einiger Zeit der Psalm 27. Er ist ein Psalm voller Zuversicht und Hoffnung. Er passt gut an dieser Stelle. Hier die Verse 1-4 und 11-14 in der Version der Einheitsübersetzung 2016:

1 Der HERR ist mein Licht und mein Heil: Vor wem sollte ich mich fürchten? Der HERR ist die Zuflucht meines Lebens: Vor wem sollte mir bangen? 2 Dringen Böse auf mich ein, um mein Fleisch zu verschlingen, meine Bedränger und Feinde; sie sind gestrauchelt und gefallen. 3 Mag ein Heer mich belagern: Mein Herz wird nicht verzagen. Mag Krieg gegen mich toben: Ich bleibe dennoch voll Zuversicht. 4 Eines habe ich vom HERRN erfragt, dieses erbitte ich: im Haus des HERRN zu wohnen alle Tage meines Lebens; die Freundlichkeit des HERRN zu schauen und nachzusinnen in seinem Tempel. 11 Weise mir, HERR, deinen Weg, leite mich auf ebener Bahn wegen meiner Feinde! 12 Gib mich nicht meinen gierigen Gegnern preis; denn falsche Zeugen standen gegen mich auf und wüten! 13 Ich aber bin gewiss, zu schauen die Güte des HERRN im Land der Lebenden. 14 Hoffe auf den HERRN, sei stark und fest sei dein Herz! Und hoffe auf den HERRN!

Juliane Schaad, 15.03.2020

Hände waschen mit Gebet

Wir alle sind aufgefordert, regelmäßig und gründlich die Hände zu waschen, um uns nicht mit dem Coronavirus anzustecken. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung empfiehlt, die Hände mindestens nach dem Toilettengang, beim Nachhausekommen, vor dem Essen, nach dem Müllrausbringen und dem Kontakt mit einem Tier zu reinigen.

Innenseiten und Rücken der Hände, Fingerzwischenräume, Fingernägel und Daumen sollten 20 bis 30 Sekunden lang sorgfältig eingeseift werden. Als Merkhilfe für die richtige Dauer wird vorgeschlagen, zwei Mal hintereinander das Lied „Happy Birthday“ zu summen.

Da kommt mir doch gleich in den Sinn, stattdessen ein christliches Lied zu summen oder ein Gebet zu sprechen: ein Vaterunser und anschließend ein Ave Maria dauert etwa eine halbe Minute und kommt zeitlich gesehen genau hin. Das habe ich mir inzwischen angewöhnt. Und wie schön ist es, so oft am Tag mit diesem Gebet beim Händewaschen alle vor Gott zu bringen, die besonders unter dem Coronavirus leiden, weil sie infiziert sind, Angst davor haben, sich um andere kümmern oder vor schwierigen Entscheidungen stehen.

Kaum hab ich damit angefangen, erhalte ich über WhatsApp eine Grafik „Händewaschen für Katholiken“. Dort wird nach dem Vaterunser und dem Ave Maria noch ein Ehre sei dem Vater angefügt. Dauert dann 30 bis 45 Sekunden. 🙂

Johannes Lerch, 15.03.2020

Heilige Corona, bitte für uns

„Corona“ oder „Coronavirus“, könnte zum Wort des Jahres werden. Einige Assoziationen verbinde ich mit dem Begriff, und ich habe mal etwas recherchiert, wo Corona überall vorkommt.

  • Das Wort „Corona“ bedeutet im lateinischen „Krone“. In der griechischen und römischen Antike war die Corona ein als Auszeichnung verliehener Kranz aus Blumen, Blättern oder Zweigen.
  • Corona Extra ist eine mexikanische Biermarke und dort das meistverkaufte Bier. Laut Wikipedia gehört es in 180 Ländern zu den führenden importierten Premium-Biersorten. Seit der starken Verbreitung des Coronavirus hat die Brauerei allerdings mit Absatzproblemen zu kämpfen.
  • Bei uns zuhause wurde viel Musik gemacht. Meine Mutter liebte die vierstimmigen Corona-Sätze – Noten der Edition Corona, die wir häufig spielten.
  • In der Studentenverbindung heißt es „Corona hoch“, wenn die Chargierten einziehen oder ein offizieller Akt folgt. Dann stehen alle Anwesenden auf.
  • Corona ist auch eine Stadt in Kalifornien oder ein Stadtteil in New York (im Stadtbezirk Queens).

Was mich aber in letzter Zeit am meisten überrascht hat, ist die Entdeckung, dass es eine Heilige Corona gibt. Sie wurde um 160 geboren starb 177 n. Chr. Die frühchristliche Märtyrerin wurde im Alter von 16 Jahren zur Zeit der Christenverfolgungen hingerichtet. Ihr Gedenktag ist der 14. Mai. Sie wird besonders in Österreich und Ostbayern verehrt, wo ihr verschiedene Wallfahrten gewidmet sind. Auch Karl der Große verehrte sie und ließ Reliquien von ihr nach Aachen bringen. Sie steht für Standhaftigkeit im Glauben, ist Patronin der Schatzgräber und Metzger, wird bei Geldangelegenheiten und laut dem Ökumenischen Heiligenlexikon auch bei Seuchen und Unwetter angerufen. Was liegt also näher, als in Corona-Zeiten zu beten: Heilige Corona, bitte für uns!

Johannes Lerch, 14.03.2020

Votivbild, 1905, in der Pfarrkirche in St. Corona am Wechsel.
Quelle: https://www.heiligenlexikon.de/BiographienC/Corona_Stephana.html

Ungeplant planlos

Wir leben in einem Land, in dem wir normalerweise erstmal keine Angst haben müssen, dass sich ungeplant von heute auf morgen unser Leben ändert und auf den Kopf stellt.

Natürlich kann es vorkommen, dass plötzlich ein geliebter Mensch stirbt, eine tödliche Krankheit diagnostiziert wird oder ein Hochwasser oder Unwetter uns die Lebensgrundlage rauben, aber das ist für viele von uns weit weg. Unser Leben ist in aller Regel über Wochen und Monate, zum Teil sogar für Jahre, vorgeplant. Oft sind die Zeitfenster eng gesteckt und jedes kleine Rädchen muss in das andere greifen, damit am Ende alles passt und funktioniert.

Und plötzlich ist da diese un-fassbare Gefahr ganz nah vor unserer Tür, in Form eines uns noch in vielen Aspekten unbekannten Virus. „Juliane, du kannst nicht mehr planen“, hat am Donnerstag eine Kollegin zu mir gesagt. Mit dieser Aussage habe ich so langsam angefangen zu verstehen, dass sich im Moment wirklich unser ganzes Leben durch die Tatsache ändert, dass dieses un-bekannte Virus an unsere Türen klopft. (Ich habe gerade erstmal nachgeschaut welches grammatikalische Geschlecht „Virus“ hat. Aus Duden.de: „das Virus, außerhalb der Fachsprache auch: der Virus; Genitiv: des Virus, Plural: die Viren“)

Schlag auf Schlag ging es dann am Freitag weiter. (By the way: Darüber hat niemand auch nur einen Gedanken verschwendet, dass das ein Freitag der 13. war 😊. Dieser Aspekt gefällt mir, denn Aberglaube macht nur unnötig Angst, aus Sicht einer Christin, die grundsätzlich erstmal an das Gute glaubt.)

Auf allen Ebenen wurden Krisensitzungen einberufen, getagt und Maßnahmen beschlossen mit dem Ziel, möglichst viele Menschen möglichst lange vor einer Ansteckung mit dem Virus zu schützen. Die Devise wurde immer klarer: Niemand will etwas riskieren oder die Verantwortung für unnötige Ansteckungen übernehmen.

Und plötzlich stehen viele von uns Menschen in Deutschland (und so manchem anderen Land auf dieser Welt) da und wissen nicht mehr, was morgen ist. Für manche mag das ein Grund zur Freude sein, anderen macht das Angst, weil die Befürchtung groß ist, dass die Leere im Kalender unmittelbar zur Leere im Geldbeutel oder auf dem Konto führt.

Floskeln und Plattitüden helfen da nicht weiter, alles auf die Politik schieben jedoch auch nicht. Helfen kann die Erfahrung, dass es im eigenen Leben bisher immer einen Weg gab, wie es weiter ging und dass sich gerade in Notsituationen so manches gut gefügt hat, was nicht zu erwarten war. Gläubige Menschen nennen das Fügung, andere Schicksal. Mein Glaube hilft mir heute zuerst zu sehen, dass die Sonne scheint ist und die Blumen blühen und dann erst das zu betrachten, was als Herausforderungen oder Steine vor mir liegt.

Achtsamkeit, im „Hier-und-Jetzt-Leben“ sind Schlagworte, die in den letzten Jahren immer mal wieder Konjunktur hatten. Vielleicht ist es genau das, was uns jetzt weiter hilft: einfach nur für heute Leben. Das Morgen, kommt morgen.

Der bekannteste Bibeltext hierzu stammt aus der Bergpredigt im Matthäusevangelium (Matthäus 6, 25-29 – hier aus der Einheitsübersetzung 2016): „Deswegen sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen oder trinken sollt, noch um euren Leib, was ihr anziehen sollt! Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung? Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen; euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie? Wer von euch kann mit all seiner Sorge sein Leben auch nur um eine kleine Spanne verlängern? Und was sorgt ihr euch um eure Kleidung? Lernt von den Lilien des Feldes, wie sie wachsen: Sie arbeiten nicht und spinnen nicht. Doch ich sage euch: Selbst Salomo war in all seiner Pracht nicht gekleidet wie eine von ihnen.

Was noch hilft, machen wir hier in diesem Blog: positiv bleiben, kreativ werden und weiter-denken. In diesem Sinne wünsche ich allen einen gesegneten und zuversichtlichen Tag.

Juliane Schaad, 14.03.2020