Corona-Ostern mit Hoffnung für Neuanfang

Wir feiern das zweite Osterfest unter Corona-Einschränkungen. Während vor einem Jahr alle schockiert waren und die Hoffnung hatten, diese Krise bald zu überwinden, macht sich in diesem Jahr vielerorts Niedergeschlagenheit breit. Über 75.000 Familien haben in Deutschland einen geliebten Menschen durch das Virus verloren, und selbst die Beerdigungen dürfen nur in kleinem Kreis und unter strengsten Auflagen stattfinden.

Hoffnungsschimmer auf Impfstoffe werden immer wieder durchkreuzt, und neue Pandemie-Wellen und Virus-Mutationen lassen uns verzagen. Doch angesichts der drohenden Gefahr für Leib und Leben hat die Botschaft von Ostern eine besondere Kraft. Denn im Zentrum des christlichen Festes steht zunächst eine schreckliche Grenzerfahrung. Dabei geht es nicht nur um den qualvollen Tod eines Menschen, der zuvor gedemütigt und gefoltert wurde, sondern auch um diejenigen, die zurückbleiben. Die Jünger Jesu waren zunächst entmutigt und liefen davon. Angst, Orientierungslosigkeit und Trostlosigkeit machten sich breit.

„In den dunklen Monaten der Pandemie hören wir den auferstandenen Herren, der uns einlädt, niemals die Hoffnung zu verlieren“, sagte Papst Franziskus in der Osternacht im Petersdom. Ein Neuanfang sei immer möglich. Auch aus den Trümmern unserer Herzen könne Gott ein Kunstwerk schaffen, auch aus dem Scherbenhaufen der Menschheitsgeschichte habe Gott etwas Neues entstehen lassen.

Jesus Christus lebt, hier und jetzt, betonte der Papst: „Er begleitet dich jeden Tag – bei der Situation, die du gerade erlebst, bei der Prüfung, die du durchmachst, bei den Träumen, die du hegst. Er eröffnet neue Wege, wo du meinst, es gäbe keine, er bringt dich dazu, dagegen anzukämpfen, dem Vergangenen nachzuweinen oder alles als „schon dagewesen“ abzutun. Auch wenn dir alles verloren erscheint, öffne dich staunend für das Neue, das er verheißt: Er wird dich überraschen.“

Nach seiner Auferstehung werden die Jünger nach Galiläa gerufen, um dort den auferstandenen Herrn zu treffen. Das bedeutet, sich wegzubewegen vom Grab, neue Wege zu beschreiten, was ja gerade in der Corona-Krise für uns alle wichtig geworden ist. Unser Glaube muss sich wieder neu auf den Weg machen, wenn er lebendig sein soll. Dazu gehört es auch, Kindheitserinnerungen aufzugeben und sich voll Vertrauen und demütig von Gottes Wegen überraschen lassen.

Nach Galiläa gehen bedeutet auch, an die Grenzen zu gehen, denn Galiläa ist der am weitesten entfernte Ort der dortigen Region. So werden auch wir heute gebeten, dorthin zu gehen, wo die Ausgegrenzten sind, wo sich das tägliche Leben abspielt, in die Straßen, auf denen wir jeden Tag unterwegs sind, in die verschiedenen Winkel unserer Städte – dorthin geht der Herr uns voraus und dort zeigt er sich, gerade im Leben derer, die an unserer Seite leben und mit uns Zeit, Haus, Arbeit, Nöte und Hoffnungen teilen. In Galiläa lernen wir, dass wir den auferstandenen Herrn in den Gesichtern unserer Brüder und Schwestern finden können – im Enthusiasmus derer, die träumen, und in der Resignation derer, die verzagt sind, im Lächeln derer, die sich freuen, und in den Tränen derer, die leiden, besonders in den Armen und in denen, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. Wir werden staunen, wie sich Gottes Größe im Kleinen offenbart, wie seine Schönheit in den Einfachen und Armen aufstrahlt.

Wenn wir also in unserem Herzen eine dunkle Stunde tragen, ein verschüttetes Licht, einen zerbrochenen Traum, dann sind wir aufgerufen, unser Herz voll Staunen für die Osterbotschaft zu öffnen: „Erschrick nicht, er ist auferstanden! Er wartet auf dich in Galiläa“. Deine Erwartungen werden nicht unerfüllt bleiben, deine Tränen werden getrocknet werden, deine Ängste werden von der Hoffnung besiegt werden. Denn weißt du: der Herr geht dir immer voraus, er geht immer vor dir. Und mit ihm beginnt das Leben immer neu.

Die Osterbotschaft kennt den Zustand der Verzweiflung und Aussichtslosigkeit. Aber sie will vor allem ermutigen und Hoffnung spenden, damit Leid, Angst und Tod nicht das letzte Wort haben. „Veränderung kann schneller kommen, als wir glauben. Manchmal von unerwarteter Seite“, so ein Zeitungskommentar.

Quellen: Kommentar Hoffnung bleibt im Mannheimer Morgen | Predigt in der Osternacht von Papst Franziskus

(Johannes Lerch, 04.04.2021)

Weil Du da bist

Es ist Hoffnung da – ein kleines bisschen Hoffnung
Hoffnung in der Traurigkeit
Hoffnung in der Verzweiflung
Hoffnung in der Hilflosigkeit
Hoffnung in aller Trauer
Hoffnung, wenn die Tränen fließen – einfach so
Hoffnung, weil Du versprochen hast
Hoffnung, weil Du es mir gezeigt hast
Hoffnung, dass Du da bist – immer da bist,
bei mir bist,
ganz nah bist
Der Emmanuel bist – oh Herr
Danke dafür.

Kennt Ihr das? In den Momenten, die am schwersten sind, in denen die Tränen fließen und es mir alles andere als gut geht, entstehen bei mir die buntesten Bilder und die hoffnungsvollsten Texte. Das sind Überlebensstrategien.

Ja, es gibt diese Momente. Ja, in extremen Situationen, zum Beispiel wenn man zwei Wochen lang fast keinen direkten persönlichen Kontakt zu anderen Menschen hat, macht sich auch mal Einsamkeit und Verzweiflung breit. Da kommt es vor, dass für Momente die Sorgen mein Herz eng machen und die Zuversicht sich sehr gut versteckt hält.

Dieser Text oben ist gestern, in einem dieser Momente, entstanden. Wie gesagt: Überlebensstrategie. Ich habe – mithilfe von mir sehr wertvollen Menschen (Danke an Euch alle!) – gelernt, was mir dann helfen kann. „Im Hier und Jetzt sein“ ist so ein Stichwort, „Aktiv werden“ ein anderes.

Konkret bedeutet das für mich zum Beispiel: Tief durchatmen, langsam ruhig werden, aufstehen, einen Tee kochen, trinken und mir daran die Hände wärmen (das hilft mir, mich selbst zu spüren), eine Banane essen (Kalium soll helfen), kreativ werden und eine Handlungsstrategie entwickeln.

Da ist zum Beispiel eine Familien-Videokonferenz bei rausgekommen, die ich einberufen habe. Der Blick auf das Kreuz hilft mir auch. Ich weiß, dass Jesus da ist, dass er bei mir ist, dass er versteht, wie es mir geht und dass er mir hilft, jetzt einen Weg zur Zuversicht und zur Hoffnung zu finden.

Es geht weiter – weil Du da bist!

Juliane Schaad, 31.03.2020