Ein Brief: Brot und Rosen

Juliane schreibt:

„Wenn ich an den 19.11. zurückdenke, fällt mir ein, dass es der Gedenktag der Heiligen Elisabeth von Thüringen ist. Sie verbinden wir mit der Legende vom Brot und den Rosen:
Elisabeth war eine Königstochter, und der Landgraf von Thüringen war ihr Gemahl. Doch das Herz der heiligen Elisabeth gehörte den Armen. Sie konnte es nicht ertragen, auf der Wartburg in Saus und Braus zu leben, während im Land ringsum sehr viele Menschen Hunger leiden mussten. Darum stieg sie täglich von Wartburg hinab zu den Scharen der Bettler und teilte mit milder Hand aus, was sie zum Leben brauchten. Der Ruf ihrer Barmherzigkeit und Milde verbreitete sich im ganzen Land. Landgraf Ludwig ließ seine Frau zunächst gewähren. Doch sah er es nicht gerne, dass Elisabeth in eigener Person zu armen und verkommenen Leuten ging und sogar die Berührung mit Kranken nicht scheute. Als er sie wieder einmal mit ihrem Gabenkorb auf dem Weg von der Burg traf, hielt er sein Pferd an und fragte sie: „Was tragt Ihr da in Eurem Korbe?“ Elisabeth wollte ihren Gemahl nicht betrüben und doch auch ihre Christenpflicht nicht versäumen. In ihrer Not stammelte sie verwirrt: „Es sind Rosen, Herr“. Da riss der Landgraf zornig die Decke vom Korb. Sein Grimm verwandelte sich in Staunen und Bestürzung. Der Korb der Landgräfin Elisabeth war voller Rosen. Von diesem Tag an ließ Landgraf Ludwig seine Frau schalten und walten, wie ihr liebendes Herz ihr eingab.*

Und was hat das mit Heute zu tun?

Brot und Rosen – dass wir Brot, sinnbildlich für Nahrung jeder Art, zum Leben brauchen, das ist uns allen grundsätzlich mal bewusst. Dass wir als Christen von Jesus her den Auftrag haben Menschen zu helfen das tägliche Brot zum Leben zu haben, ist uns nicht neu. Und dennoch ist es immer wieder gut, sich bewusst zu machen, was das für mich persönlich heißen kann. Neben dem Blick auf die Welt, der in Corona-Zeiten wichtiger bleibt als zuvor, gibt es im Moment für viele von uns die Gelegenheit ganz konkret in der Nachbarschaft oder dem Freundeskreis für das „tägliche Brot“ zu sorgen. Ganz einfach, weil derzeit viele Menschen in unserem Land zeitweise in Quarantäne leben müssen. Da wird bewusst, was nötig ist zum Leben, wenn man nicht jederzeit raus ins nächste Geschäft gehen kann. In einem solchen Zusammenhang hatte ich ein Erlebnis, das mir gezeigt hat, wie wichtig nicht nur das Brot, die Butter, das Gemüse oder vielleicht auch das Stück Schokolade ist, sondern ganz konkret eine Rose. Ich habe eine Tüte zusammengepackt für zwei Menschen in meinem Umfeld, die zu der Zeit in Quarantäne waren, und neben den bestellten Lebensmitteln und einer kleinen Laterne auch eine Rose gesteckt, aus einem Strauß, den ich mir selbst als „Mutmacher“ gekauft hatte. Hinterher habe ich ein Foto geschickt bekommen von den Beiden an einem gedeckten Tisch mit Sahne auf dem Obst, der leuchtenden Laterne und der Rose, mit der sie es sich schön gemacht hatten.

Klein und schön!

Da wurde mir bewusst, wie wichtig die kleinen, schönen Dinge und Zeichen sind, auch über das absolut körperlich lebensnotwendige hinaus. Gerade, wenn wir alle besonders gefordert sind, ist es gut, wenn wir auf uns selbst und aufeinander achten und hin und wieder an die Rose extra denken – für andere und natürlich auch für uns selbst.

Gottes Segen für Sie alle und nachträglich einen Herzlichen Glückwunsch an alle, die Elisabeth heißen zum Namenstag!“

*(Quelle: Diese Legendenfassung findet sich auf http://www.bistum-fulda.de und wurde leicht verändert übernommen aus EXODUS 4. Religionsunterricht 4. Schuljahr. Lehrerkommentar. Neuausgabe. Düsseldorf / München 1987, 159.)

(Juliane Schaad, 19.11.2020)

Gebet in Corona-Zeiten
Dich rufen wir an,
heilige Elisabeth,
zu Dir schreien wir
in unserer Not.
Du hast die Ärmsten,
die Kranken, die Schwachen
besucht und ihnen geholfen.
Stark im Glauben und ohne Angst
bist du zu ihnen gegangen,
hast sie getröstet,
hast ihnen Nahrung gebracht
und allen Gefahren getrotzt.
Trage unsere Gebete zu Gott,
heilige Elisabeth,
stärke uns und unseren Glauben,
lass uns nicht in Angst erstarren,
sondern gib uns die Kraft und den Mut,
dort zu sein, wo wir jetzt gebraucht werden. Amen.

Theresia Bongarth, in: Pfarrbriefservice.de

Anderen in der Quarantäne Freude machen

Immer häufiger kommt es vor, dass Menschen aus meinem Bekanntenkreis in Quarantäne müssen. Sie dürfen ihren Wohnbereich nicht mehr verlassen und sind auf Unterstützung angewiesen. Wie können wir da helfen?

Kleine Überraschungen sorgen auf beiden Seiten für große Freude. An erster Stelle rangiert oft das Angebot, den notwendigen Einkauf zu übernehmen. Darüber hinaus kann man morgens frische Brötchen an die Wohnungstür hängen, einen knackigen Salat vom Markt mitbringen oder einen Obstkorb zusammenstellen. Dazu vielleicht Vitaminsäfte, einen Energy-Drink oder eine gute Flasche Wein. Auch ein frisch gebackener Kuchen oder ein kleiner Blumenstrauß sind ein liebevolles Zeichen, das die Seele erfreut.

Es müssen aber nicht nur Lebensmittel sein. Die Lieblingsserie auf DVD hilft, wenn keine gute Internetverbindung zum Streamen von Filmen vorhanden ist. Zum Umbauen des Esstisches in eine Tischtennisplatte kann man Schläger und Netz besorgen oder ausleihen. So kommt auch die Bewegung in den eigenen vier Wänden nicht zu kurz. Ich selbst würde mich über ein neues 1.000-Puzzle freuen oder ein Geduldspiel.

Und natürlich gehören Bücher zu den willkommenen Geschenken, denn selten hat man so viel Zeit zum Lesen. Was liest der Eingeschlossene am liebsten oder welche Gedanken aus einem selbst gelesenen Buch würde ich gerne mit ihm teilen? Da kann man dann auch später gut anknüpfen und im Austausch die Freundschaft vertiefen.

Freudenmacher nach Old-School-Art sind zum Beispiel Postkarten oder Briefe. Wann haben wir zuletzt mal etwas per Hand geschrieben und per Post versendet? Kinder können vielleicht selbstgemalte Bilder mitschicken oder mit ihren ersten Schreibversuchen große Freude bereiten.

Wer dagegen viel mit dem Handy unterweg ist, der freut sich auch über Chat-Nachrichten, kleine Filmtipps per SMS oder einen Videogruß aus der Nachbarschaft, Verwandtschaft oder von Kollegen aus dem Büro.

Egal was wir schenken, anbieten oder zusenden. Wichtig ist, in Kontakt zu bleiben, immer wieder neu unsere Hilfe anzubieten und zu signalisieren: Wir haben dich nicht vergessen, denken an dich und halten in diesen herausfordernden Zeiten zusammen!

(Johannes Lerch 19.11.2020)

Durch verschlossene Tür zu den verängstigten Menschen

Immer wieder sind die Texte von Papst Franziskus für mich Inspiration und Anlass, tiefer zu schauen.

So auch sein Brief, den er dieses Jahr an die Priester in der Diözese Rom geschrieben hat. Darin beschäftigt er sich mit der Bibelstelle Johannes 20,19-22, in der Jesus durch die verschlossenen Türen zu den verängstigten Jüngern kommt, ihnen den Heiligen Geist schenkt und sie aussendet.

Daraus möchte ich ein paar Gedanken mit Euch teilen, weil sie gut zu unserer derzeitigen Corona-Situation passen.

„Obwohl es notwendig war, die soziale Distanzierung einzuhalten, hat dies nicht verhindert, dass sich das Gefühl der Zusammengehörigkeit, der Gemeinschaft und der Mission verstärkte, was uns geholfen hat, dafür zu sorgen, dass die Liebe, vor allem gegenüber den am meisten benachteiligten Menschen und Gemeinschaften, nicht unter Quarantäne gestellt wurde.“

„Die Hoffnung hängt auch von uns ab und erfordert, dass wir einander helfen, damit sie lebendig und aktiv bleibt, jene ansteckende Hoffnung, die in der Begegnung mit den anderen gepflegt und gestärkt wird und die uns als Geschenk und Aufgabe gegeben ist, um die neue »Normalität« aufzubauen, nach der wir uns so sehr sehnen. Ich schreibe euch mit dem Blick auf die erste Gemeinschaft der Apostel, die ebenfalls Momente des Eingeschlossenseins, der Isolierung, der Angst und Unsicherheit durchgemacht hat.“

„Wir haben den plötzlichen Verlust von Familienangehörigen, Nachbarn, Freunden, Gemeindemitgliedern, Beichtvätern, Orientierungspunkten unseres Glaubens, erlitten. Wir haben die untröstlichen Gesichter derjenigen gesehen, die ihren Angehörigen in den letzten Stunden nicht nahe sein durften und sich nicht von ihnen verabschieden konnten. Wir haben das Leid und die Ohnmacht des Krankenhauspersonals gesehen, Ärzte und Pflegekräfte, die sich in nicht enden wollenden Arbeitstagen aufrieben, um die zahllosen Hilferufe zu beantworten.“

„Wir haben die Schwierigkeiten und Nöte der sozialen Einschränkungen gesehen und von ihnen gehört: Einsamkeit und Isolierung vor allem der alten Menschen; Sorge, Angst und das Gefühl der Schutzlosigkeit gegenüber der Unsicherheit in Bezug auf Arbeit und Wohnung; Gewalt und Zermürbung in den Beziehungen. Die uralte Angst vor der Ansteckung hat wieder zugeschlagen. Wir haben auch die beklemmenden Sorgen ganzer Familien geteilt, die nicht wissen, was in der nächsten Woche auf den Tisch kommen soll.“

„Die Merkmale des Virus bringen die Logik zum Verschwinden, nach der wir gewöhnlich die Realität aufgeteilt oder klassifiziert haben. Die Pandemie kennt keine Adjektive, Grenzen und niemand darf meinen, allein zurechtzukommen. Wir sind alle betroffen und beteiligt.“

„Persönlich und gemeinschaftlich gefährdet und getroffen in unserer Verwundbarkeit und Schwäche sowie in unseren Grenzen, ist die Gefahr groß, dass wir uns zurückziehen und weiter über die Trostlosigkeit nachgrübeln, die die Pandemie uns vor Augen stellt, oder dass wir uns auf einen grenzenlosen Optimismus versteifen, der unfähig ist, die reale Dimension der Ereignisse zu akzeptieren.“

„Als der Herr bei verschlossenen Türen in das Obergemach trat, mitten in Isolierung, Angst und Unsicherheit, in der sie lebten, war er in der Lage, jede Logik zu verwandeln und der Geschichte und den Ereignissen eine neue Bedeutung zu verleihen. Jede Zeit ist geeignet, Frieden zu verkünden, keine Situation ist seiner Gnade beraubt … Durch seine Gegenwart ist das Eingeschlossen-Sein fruchtbar geworden und hat der neuen Gemeinschaft der Apostel Leben geschenkt.“

„Wenn eine nicht fassbare Präsenz (das Virus) in der Lage war, die Prioritäten und eine scheinbar unverrückbare globale Agenda … durcheinanderzubringen und auf den Kopf zu stellen, dann wollen wir keine Angst haben, dass die Gegenwart des Auferstandenen uns den Weg bahnt, neue Horizonte eröffnet und uns den Mut gibt, diesen historischen und einzigartigen Augenblick zu leben.“

„Eine Handvoll furchtsamer Männer war in der Lage, eine neue Bewegung ins Leben zu rufen: die Verkündigung des lebendigen Gottes-mit-uns. Habt keine Angst!“

„Von seiner Seitenwunde her, Zeichen dafür, wie hart und ungerecht die Realität wird, möge er es sein, der uns drängt, der harten, schwierigen Realität unserer Brüder und Schwestern nicht den Rücken zu kehren.“

„Der Herr ist derjenige, der uns verwandelt, der sich unser bedient wie des Brotes, der unser Leben in seine Hände nimmt, uns segnet, uns bricht, uns austeilt und seinem Volk gibt.“

Den vollständigen Text, den ich Euch sehr ans Herz lege, findet Ihr unter diesem Link: http://www.vatican.va/content/francesco/de/letters/2020/documents/papa-francesco_20200531_lettera-sacerdoti.html

(Ludger Fest und Johannes Lerch 09.08.2020)

Pfingsten nach Corona

„Vor Pfingsten waren die Jünger in Quarantäne. Aber was passierte dann?“

Ein lustiges Video der Emmanuel School of Mission (ESM) zeigt, welche Freude der Heilige Geist schenken kann, wenn wir aus der Quarantäne in die Welt hinaus gesendet werden.

Johannes Lerch, 01.06.2020

Mit Jona in der Quarantäne

In diesen außergewöhnlichen Zeiten kommt mir immer wieder das Buch Jona aus dem Alten Testament in den Sinn, genauer gesagt die Szene, in der der Prophet Jona drei Tage im Bauch eines großen Fisches verbringt.

Ich frage mich, ob wir nicht alle gerade auch im „Bauch des Fisches“ leben, weil wir auf uns und unsere engste Umgebung zurückgeworfen sind.

Jona landete im Fisch, weil er vor dem Auftrag, den Gott ihm gegeben hat, davongelaufen ist.

Wie steht es mit mir, mit uns? Kennen wir unsere Aufgabe(n)? Kennen wir den Willen Gottes für unser Leben, für die jetzige Situation? Laufen wir vielleicht vor unserem Auftrag davon und suchen uns andere Dinge, um das, was Gott von uns möchte, nicht tun zu müssen? Sind wir bereit, unser Leben gegebenenfalls zu ändern und neu auszurichten?

Es wäre doch spannend, sich mit diesen und ähnlichen Fragen in dieser Zeit auseinandersetzen.

Jona kapierte jedenfalls, wie es weitergehen soll, nachdem der Fisch ihn wieder ausgespien hat, und er führte seine Aufgabe sehr erfolgreich aus. Warum er trotzdem nicht zufrieden war, könnt Ihr selbst im wirklich sehr kurzen Buch Jona nachlesen. Nur so viel sei verraten: Die Geschichte hat einen überraschenden Ausgang.

Und nun: Nutzen wir die vielfach geschenkte Zeit, um wie Jona zu lernen?

Ludger Fest, 15.04.2020