Spaltpilz Corona

„Früher hatten wir recht unbeschwerte Treffen mit der Familie meines Bruders. Wir lachten viel miteinander und die Stimmung war meist gelöst. Wenn wir uns heute treffen oder auch nur miteinander telefonieren, dann geraten wir ganz schnell in einen Streit über den richtigen Umgang mit der Corona-Pandemie. Das vergiftet mehr und mehr unser Zusammensein. Was kann ich tun?“

Diese Frage aus einem Lebenshilfe-Artikel im Konradsblatt 4/2022 hat mich sehr angesprochen, und ich möchte einige der Gedanken aus der Antwort von Martin Kühlmann wiedergeben und weiterführen.

Auch ich erlebe oft, dass es bei Diskussionen um Corona-Vorschriften und Impfungen oft nur darum geht, wer im Recht ist mit seiner Meinung und im Schlagabtausch mit den besseren Argumenten aufwarten kann. So nehmen Distanz und Unverständnis zu, und man ist geneigt, den Kontakt zu meiden. Damit richtet das Virus schon vor jeder möglichen Infektion großes Unheil an und spaltet Freundschaften, Familien und Gesellschaft. Und oft stehen hinter dem unbarmherzigen Schlagabtausch der Argumente tiefe Gefühle der Unsicherheit und Angst.

„Wir werden einander viel verzeihen müssen“, hat der frühere Gesundheitsminister Jens Spahn für den Umgang miteinander in der Pandemie gesagt. Unser Glauben an die Macht und Möglichkeiten von Wissenschaft und Politik, dem Virus Einhalt zu gebieten, hat Schaden gelitten. Immer wieder müssen Regeln geändert werden und passieren Fehler.

Demut kann helfen

Eine christliche Haltung für den Umgang miteinander ist die Demut (im Gegensatz zum Hochmut – nach dem Motto „Ich habe es schon immer besser gewusst). Denn der Demütige ist bereit, eigene Anteile der Ohnmacht anzunehmen und damit zu leben. Der Hochmütige dagegen verschließt die Augen und verleugnet seine Verwundbarkeit, so Pater Anselm Grün.

Demut – so Anselm Grün – heißt im Lateinischen „humilitas“, und das kommt von Humus, also Erde. Demut heißt demnach, erdhaftig zu sein und zu akzeptieren, dass wir nach dem Tod zerfallen wie die Erde. Demut bedeutet zugleich auch, sich damit auszusöhnen, anstatt dagegen anzukämpfen.

Die Argumente Pro und Contra spezieller Corona-Maßnahmen sind auf beiden Seiten oft von Ängsten gespeist. Aber sie können auch einen wahren Kern enthalten, der vielleicht notwendig ist, um den Gesamtprozess zu korrigieren. Stellen wir unsere Überzeugungen in aller Demut als momentan für uns persönlich sinnvollste Handlungsweise dar und räumen wir dabei ein, dass sie möglicherweise auch fehlerbelastet sein können.

Wenn wir so behutsam vorgehen, können wir vielleicht wieder in einen echten Dialog kommen, bei dem wir genau hinhören, was der andere meint, nachfragen, warum er so denkt, welche Erfahrungen und Ängste dahinterstecken. Lassen wir zu, dass uns der andere hinter all den Argumenten und Überzeugungen als verwundbaren Menschen wahrnimmt.

(Johannes Lerch, 31.01.2022)

Stern der Hoffnung

Die Sehnsucht nach Hoffnung ist groß! Nach der Hoffnung, dass die Pandemie irgendwann aufhört. Nach der Hoffnung, dass Versöhnung stattfindet, da wo Spaltung herrscht. Nach der Hoffnung, dass Leid, Krankheit, Trauer verwandelt wird in Gesundheit, Friede, Freude und Trost.

Wie können wir diese Hoffnung finden? Wie können wir unsere Hoffnung teilen und zusammenlegen, dass sie mehr wird und zu wahrer Freude führt? Wie können wir hoffnungsvoll in jeden Tag gehen, wenn die Sorgen und die schlechten Nachrichten jede Zuversicht rauben?

Der Stern von Bethlehem ist das Symbol der Hoffnung. Er ist Hoffnung, dass wir nicht alleine sind, sondern Gott uns Lebensbegleiter bleibt und Wege zum Leben führt. Er ist die Hoffnung darauf, dass Gott uns Menschen so sehr liebt, dass er in diesem kleinen Kind im Stall von Bethlehem Mensch wird. Er ist die Hoffnung darauf, dass es sich lohnt in schwierigen Zeiten zuversichtlich zu bleiben und an der Hoffnung festzuhalten.

Was kann dabei helfen, die Hoffnung zu stärken – für mich selbst und für andere?

  • Sich selbst im Spiegel anlachen
  • Die Bibel aufschlagen und z. B. in Jeremia 29, 2. Korinther 1 oder die Weihnachtsgeschichte im Lukasevangelium lesen
  • Eine Kerze anzünden
  • Etwas Blühendes suchen
  • Tee oder Kaffee kochen
  • Einen Witz erzählen
  • Jemandem ein Kompliment machen
  • Kontakt aufnehmen zu jemandem, von dem ich lange nichts mehr gehört habe
  • Einen Stern basteln
  • Ein Lied singen
  • In der Stille Gott suchen
  • Beten
  • Jemandem eine Karte schreiben
  • Jemandem ein schönes Foto schicken
  • Jemandem ein Geschenk machen
  • Jemandem Hilfe anbieten
  • Nicht aufgeben – weiter machen
  • Etwas Gutes für jemanden kochen
  • Mir selbst etwas Gutes zu Essen machen
  • Eine Blume verschenken

So wünsche ich Euch allen, dass der Stern der Hoffnung von Bethlehem für Euch – wie für die Heiligen Drei Könige –  Halt und Richtung gibt im Leben und Ihr anderen helfen könnt, dies zu finden!

PS: Nachdem ich die oben genannten Punkte gesammelt hatte, bin ich auf folgende lesenswerte Internetseite gestoßen: https://jetzthoffnungschenken.katholisch.de

(Juliane Schaad, 06.01.2022)

Warten …

In unserer schnelllebigen Zeit fällt es uns heute zunehmend schwer, zu warten. Wir alle – da schließe ich mich ein – sind ungeduldig geworden: Sei es im Straßenverkehr, in der Warteschleife einer Telefonanlage oder beim Anstehen an einem Corona-Testcenter, wie wir es neulich erlebt haben. Trotz gebuchtem Termin kamen wir erst nach ca. einer Stunde dran.

In der Corona-Pandemie warten wir darauf, dass die Inzidenzzahlen so weit heruntergehen, dass wieder normale Begegnungen möglich werden.

Im Advent warten wir Christen auf die Ankunft des Herrn. Hier fällt uns das Warten leichter, denn wir wissen bereits, wann das Ereignis eintritt: am 24. Dezember beginnt die Weihnachtszeit.

Bei Corona ist das schwieriger, denn wir wissen nicht, wann die Pandemie vorbei ist und wie sich die nächsten Monate entwickeln werden. Die Zukunft ist also ungewiss.

Auch wenn wir am Bahnhof auf die Ankunft eines Zuges warten, wissen wir oft nicht, ob wir bei einer Verspätung noch den geplanten Anschluss erreichen. Die Ungewissheit macht uns zu schaffen. Und da kommt die Hoffnung ins Spiel.

Wie eine schwangere Frau auf die Geburt des Kindes wartet und hofft, dass alles gut geht, so waren auch Maria und Elisabeth guter Hoffnung und vertrauten darauf, dass etwas Größeres geschieht, wenn sie durch das Tal der Schwangerschaft hindurch sind. In ihrer Begegnung haben sie über das gesprochen, was sie bewegt. Und im wahrsten Sinne des Wortes bewegte sich bei Elisabeth ihr Kind im Bauch, so erzählt es das Evangelium am 4. Advent (Lukas 1,39-45).

Die Zuversicht hilft uns, das Warten zu ertragen. Corona macht zwar das ganze Jahr zur Geduldsprobe. Aber die Vorfreude auf das, was danach kommt, lässt uns zuversichtlich werden. Freuen wir uns auf die Begegnungen, die nach der Corona-Zeit wieder möglich sein werden. Und freuen wir uns schon jetzt auf die möglichen Begegnungen in der Weihnachtszeit.

Weihnachten ist das Angebot Gottes, uns Menschen zu begegnen und dadurch unser Leben zu verändern – heute wie vor 2000 Jahren. Wir Menschen sind auf Begegnung hin angelegt und können ohne sie nicht leben, wie Martin Buber sehr treffend formuliert hat: „Alles wirkliche Leben ist Begegnung“.

Johannes Lerch (19.12.2021)

Misstrauen oder Vertrauen?

Die Corona-Pandemie spaltet unsere Gesellschaft zunehmend in Impfbefürworter und Impfgegner. Selbst in Familien gibt es Streit zwischen Geimpften und Ungeimpften. Angesichts der momentan sehr hohen Inzidenzzahlen sollen bestimmte Zusammenkünfte oder Veranstaltungsbesuche künftig nur noch für Covid-Geimpfte oder Genesene möglich sein. Für Ungeimpfte drohen Lockdowns und Ausgrenzung.

In weiten Teilen der Bevölkerung ist das Vertrauen in die Wissenschaft verloren gegangen. Viele hinterfragen die Forschungsergebnisse, Erfahrungen und Erkenntnisse von Medizinern, Virologen, Biologen und Instituten. Oft werden ganz andere Quellen und Statistiken aufgeführt, die gut aufgemacht sind und Menschen gezeigt, die überzeugend wirken. Doch wie soll ich als Einzelner beurteilen können, was wirklich wahr ist? Um alle Aussagen und Statistiken im Detail zu prüfen, fehlen in der Regel das Know-how und auch die Zeit. Es geht also letztlich um Vertrauen oder Misstrauen. Welchen Quellen traue ich und welchen nicht?

So geht der Riss mitten durch die Gesellschaft. Was können wir da tun? Wie können wir unseren Teil dazu beitragen, ihn zu kitten?

Als Geimpfter geht es darum, Verständnis für die Sorgen und Ängste von Impfgegnern und Impfskeptikern aufzubringen. Man kann mit ihnen gemeinsam überlegen, woher diese Sorgen rühren und so die Anliegen ernst nehmen und im Gespräch bleiben.

Für die Nicht-Geimpften stellen die aktuellen und geplanten Maßnahmen, um die Pandemie einzudämmen, sicherlich eine große Belastung dar. Sie müssen akzeptieren, dass ihre Handlungsfreiheit eingeschränkt ist und Zeit und Geld für Tests investiert werden muss. Dabei haben sie zunehmend das Gefühl, ausgegrenzt zu werden.

Doch sie sollten darauf vertrauen dürfen, darüber hinaus nicht auch noch zur Zielscheibe von Häme oder gar Pöbeleien zu werden, wie Klaus Gaßner im Konradsblatt vom 14.11.2021 schreibt. Eine demokratische Gesellschaft muss es ertragen, dass Menschen eine andere Meinung haben, und Mittel und Wege für einen akzeptablen Umgang mit einer nicht unbedeutenden Minderheit finden. Förden wir nicht die Spaltung, sondern setzen wir auf Versöhnung untereinander. Stehen wir in diesen schwierigen Zeiten zusammen, und suchen wir das Gespräch mit denen, die sich ausgegrenzt fühlen.

(Johannes Lerch, 18.11.2021)

Hilferufe wie Bartimäus?

Aus dem Bibelbilderbuch mit Illustrationen von Kees de Kort, www.die-bibel.de

Sehen wir jetzt im Herbst der vierten Corona-Welle entgegen? Die Inzidenzzahlen steigen in den letzten Tagen wieder unaufhörlich und liegen auch in Deutschland schon wieder über 100. Haben wir uns mittlerweile an die Covid-19-Krise gewöhnt oder sehnen wir uns wirklich nach einem Ende der Pandemie?

Heute ging es im Tagesevangelium um die Heilung des Bartimäus (Markus 10,46-52). Er war blind und bettelte am Straßenrand. Kein Mensch, keine medizinische Behandlung, keine Brille oder Lupe kann ihm helfen. Bartimäus rief laut nach Jesus, der ihn daraufhin zu sich ruft und fragt: „Was soll ich dir tun?“

Eine typische Frage. Jesus handelt nie, ohne uns vorher zu fragen. Wenn wir Hilfe und Heilung erwarten, müssen wir ihn vertrauensvoll bitten. „Rabbuni, ich möchte wieder sehen können“, antwortet Bartimäus. Daraufhin heilt ihn Jesus: „Geh! Dein Glaube hat dir geholfen.“

Wie ist das mit unserer Corona-Pandemie? Wie steht es um unseren Glauben? Versuchen wir nicht vorrangig, die Krise mit unseren eigenen Mitteln in den Griff zu bekommen – Impfungen, Hygienekonzepte, G3- und G2-Regeln? Das ist sicherlich alles gut und wichtig. Aber es gibt auch noch andere Möglichkeiten: die Dimension des Glaubens. Viele Gebetsinitiativen sind schon entstanden …

Der Blinde hatte sich nicht mit seiner Krankheit abgefunden und zu Jesus geschrien. Ich ertappe mich selbst. Wann habe ich so wie Bartimäus lautstark zum Herrn geschrien und ihn vertrauensvoll um Heilung und ein Ende der Krise gebeten? Da bin ich wohl eher kleinlaut, und mein Glaube ist noch lange nicht so groß wie ein Senfkorn.

Bitten wir den Herrn laut und konkret um Heilung und Erlösung und glauben wir, dass er auch heute Wunder tun kann! David, der sich in seiner Not zunächst von Gott verlassen fühlte, macht uns in Psalm 31,23 Mut: „Doch du hast mein lautes Flehen gehört, als ich zu dir um Hilfe rief.“

(Johannes Lerch, 24.10.2021)

Corona-Ostern mit Hoffnung für Neuanfang

Wir feiern das zweite Osterfest unter Corona-Einschränkungen. Während vor einem Jahr alle schockiert waren und die Hoffnung hatten, diese Krise bald zu überwinden, macht sich in diesem Jahr vielerorts Niedergeschlagenheit breit. Über 75.000 Familien haben in Deutschland einen geliebten Menschen durch das Virus verloren, und selbst die Beerdigungen dürfen nur in kleinem Kreis und unter strengsten Auflagen stattfinden.

Hoffnungsschimmer auf Impfstoffe werden immer wieder durchkreuzt, und neue Pandemie-Wellen und Virus-Mutationen lassen uns verzagen. Doch angesichts der drohenden Gefahr für Leib und Leben hat die Botschaft von Ostern eine besondere Kraft. Denn im Zentrum des christlichen Festes steht zunächst eine schreckliche Grenzerfahrung. Dabei geht es nicht nur um den qualvollen Tod eines Menschen, der zuvor gedemütigt und gefoltert wurde, sondern auch um diejenigen, die zurückbleiben. Die Jünger Jesu waren zunächst entmutigt und liefen davon. Angst, Orientierungslosigkeit und Trostlosigkeit machten sich breit.

„In den dunklen Monaten der Pandemie hören wir den auferstandenen Herren, der uns einlädt, niemals die Hoffnung zu verlieren“, sagte Papst Franziskus in der Osternacht im Petersdom. Ein Neuanfang sei immer möglich. Auch aus den Trümmern unserer Herzen könne Gott ein Kunstwerk schaffen, auch aus dem Scherbenhaufen der Menschheitsgeschichte habe Gott etwas Neues entstehen lassen.

Jesus Christus lebt, hier und jetzt, betonte der Papst: „Er begleitet dich jeden Tag – bei der Situation, die du gerade erlebst, bei der Prüfung, die du durchmachst, bei den Träumen, die du hegst. Er eröffnet neue Wege, wo du meinst, es gäbe keine, er bringt dich dazu, dagegen anzukämpfen, dem Vergangenen nachzuweinen oder alles als „schon dagewesen“ abzutun. Auch wenn dir alles verloren erscheint, öffne dich staunend für das Neue, das er verheißt: Er wird dich überraschen.“

Nach seiner Auferstehung werden die Jünger nach Galiläa gerufen, um dort den auferstandenen Herrn zu treffen. Das bedeutet, sich wegzubewegen vom Grab, neue Wege zu beschreiten, was ja gerade in der Corona-Krise für uns alle wichtig geworden ist. Unser Glaube muss sich wieder neu auf den Weg machen, wenn er lebendig sein soll. Dazu gehört es auch, Kindheitserinnerungen aufzugeben und sich voll Vertrauen und demütig von Gottes Wegen überraschen lassen.

Nach Galiläa gehen bedeutet auch, an die Grenzen zu gehen, denn Galiläa ist der am weitesten entfernte Ort der dortigen Region. So werden auch wir heute gebeten, dorthin zu gehen, wo die Ausgegrenzten sind, wo sich das tägliche Leben abspielt, in die Straßen, auf denen wir jeden Tag unterwegs sind, in die verschiedenen Winkel unserer Städte – dorthin geht der Herr uns voraus und dort zeigt er sich, gerade im Leben derer, die an unserer Seite leben und mit uns Zeit, Haus, Arbeit, Nöte und Hoffnungen teilen. In Galiläa lernen wir, dass wir den auferstandenen Herrn in den Gesichtern unserer Brüder und Schwestern finden können – im Enthusiasmus derer, die träumen, und in der Resignation derer, die verzagt sind, im Lächeln derer, die sich freuen, und in den Tränen derer, die leiden, besonders in den Armen und in denen, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. Wir werden staunen, wie sich Gottes Größe im Kleinen offenbart, wie seine Schönheit in den Einfachen und Armen aufstrahlt.

Wenn wir also in unserem Herzen eine dunkle Stunde tragen, ein verschüttetes Licht, einen zerbrochenen Traum, dann sind wir aufgerufen, unser Herz voll Staunen für die Osterbotschaft zu öffnen: „Erschrick nicht, er ist auferstanden! Er wartet auf dich in Galiläa“. Deine Erwartungen werden nicht unerfüllt bleiben, deine Tränen werden getrocknet werden, deine Ängste werden von der Hoffnung besiegt werden. Denn weißt du: der Herr geht dir immer voraus, er geht immer vor dir. Und mit ihm beginnt das Leben immer neu.

Die Osterbotschaft kennt den Zustand der Verzweiflung und Aussichtslosigkeit. Aber sie will vor allem ermutigen und Hoffnung spenden, damit Leid, Angst und Tod nicht das letzte Wort haben. „Veränderung kann schneller kommen, als wir glauben. Manchmal von unerwarteter Seite“, so ein Zeitungskommentar.

Quellen: Kommentar Hoffnung bleibt im Mannheimer Morgen | Predigt in der Osternacht von Papst Franziskus

(Johannes Lerch, 04.04.2021)

Mit Gottvertrauen ins neue Jahr

„Mit Gott-Vertrauen das Neue Jahr beginnen!“ Unter diesem Motto laden die österreichischen Bischöfe ab 1. Januar zu einem 9-Tage-Gebet während des Corona-Lockdowns ein. Eine solche „Novene“ wird zu besonderen Anlässen und in Krisenzeiten gebetet, um Gottes Hilfe zu erbitten und im Glauben zu wachsen.

Das aktuelle 9-Tages-Gebet in Zeiten der Pandemie beginnt am 1. Januar, dem kirchlichen Hochfest der Gottesmutter Maria, an dem Tag, an dem die katholische Kirche auch den Weltfriedenstag begeht, und dauert bis zum 9. Januar. Die Texte für diese österreichweite Gebetsinitiative werden von der Österreichischen Bischofskonferenz herausgegeben.

Mit der Novene wollen die Bischöfe „eine geistliche Spur ins Neue Jahr hinein legen“, erklärte der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler, der federführend bei der Auswahl der Gebete und der Gestaltung der Handreichung war.

Für jeden der neun Tage gibt es ein eigenes Gebetsmotto, einen Bibeltext und einen Meditationstext. Am Ende steht das eigens für die Novene verfasste Gebet zum Jahresbeginn.

Im Beten sind wir in den neun Tagen verbunden und können so die Zeit, bis reale Treffen wieder möglich sind, geistlich nutzen. Außerdem machen wir uns die Anliegen der Novene zu eigen und beten für das neue Jahr.

Noch ein Hinweis: Wem die angebotenen Vorschläge für jeden Tag zu viel sind, kann die Novene auf seine Bedürfnisse anpassen (zum Beispiel die Texte auf den Morgen und den Abend verteilen). Wichtig ist, jeden Tag das Anliegen der Novene aufzunehmen.

Euch allen ein gesegnetes neues Jahr!

(Ludger Fest, 01.01.2021)

Jerusalema-Song erbittet Gottes Schutz

Ein Song des Südafrikaners DJ Master KJ (Kgaugelo Moagi) und der Sängerin Nomcebo Zikode bringt derzeit die Welt zum Tanzen. Gerade in trüben Corona-Zeiten zaubert die Melodie von „Jerusalema“ Alt und Jung, Arm und Reich, Schwarz und Weiß ein Lächeln ins Gesicht.

Der gospelähnliche Song basiert auf tanzbaren elektronischen Beats, über denen die tiefe, voluminöse Stimme von Zikode zu hören ist. Im Text, der die Schönheit Jerusalems besingt, wird Gottes Schutz und Führung erbeten: „Rette mich … verlass mich nicht … geh mit mir.“  Den Text hat sie in ihrer Muttersprache isiZulu geschrieben, er drückt ihre eigene Sehnsucht aus, ihre Bitte an Gott: „Lass mich nicht hier, dies ist nicht mein Zuhause. Bring mich nach Jerusalema, wo ich Frieden und Glück finden kann.“ Mit ‚Jerusalema‘ ist ein spiritueller Ort gemeint, an dem man Frieden findet, es keine Sorgen, sondern nur Glück und fröhliche Menschen gibt.“

Gerade in diesen Corona-Zeiten sei das wohl auf Resonanz gestoßen, sagt der 24-jährige Musiker. In den sozialen Medien gibt es mittlerweile viele Videos von Menschen, die verzückt lächelnd zu den Rhythmen des Songs tanzen, wie das obige Videobeispiel zeigt. Die afrikanische Lebensfreude, die der Ende 2019 veröffentlichte Gute-Laune-Hit und die Tänze versprühen, traf in der einsetzenden Corona-Pandemie wohl einen Nerv und ist Ursache für die anhaltende Popularität: Mitte August haben bereits 80 Millionen Menschen das Video gesehen.

Die Choreographie kann auch mit ausreichender Corona-Distanz getanzt werden. Weltweit tanzen Menschen mit den gleichen Bewegungen auf der Straße, in Hinterhöfen, Quarantäne-Unterkünften, Kirchen, Slums oder Krankenhäusern.

„Der Lockdown bedeutet natürlich Stress“, erklärt Master KG“, Leute verlieren ihre Jobs und so weiter. Aber ausgerechnet in dieser Zeit zu erleben, dass sie zu unserem Song tanzen und für einen Moment ihre Sorgen vergessen, ist wunderbar. Es macht mich glücklich und noch kreativer.“

Hier einige von unzähligen Tanzvideos zu „Jerusalema“:

(Johannes Lerch 17.08.2020)

Durch verschlossene Tür zu den verängstigten Menschen

Immer wieder sind die Texte von Papst Franziskus für mich Inspiration und Anlass, tiefer zu schauen.

So auch sein Brief, den er dieses Jahr an die Priester in der Diözese Rom geschrieben hat. Darin beschäftigt er sich mit der Bibelstelle Johannes 20,19-22, in der Jesus durch die verschlossenen Türen zu den verängstigten Jüngern kommt, ihnen den Heiligen Geist schenkt und sie aussendet.

Daraus möchte ich ein paar Gedanken mit Euch teilen, weil sie gut zu unserer derzeitigen Corona-Situation passen.

„Obwohl es notwendig war, die soziale Distanzierung einzuhalten, hat dies nicht verhindert, dass sich das Gefühl der Zusammengehörigkeit, der Gemeinschaft und der Mission verstärkte, was uns geholfen hat, dafür zu sorgen, dass die Liebe, vor allem gegenüber den am meisten benachteiligten Menschen und Gemeinschaften, nicht unter Quarantäne gestellt wurde.“

„Die Hoffnung hängt auch von uns ab und erfordert, dass wir einander helfen, damit sie lebendig und aktiv bleibt, jene ansteckende Hoffnung, die in der Begegnung mit den anderen gepflegt und gestärkt wird und die uns als Geschenk und Aufgabe gegeben ist, um die neue »Normalität« aufzubauen, nach der wir uns so sehr sehnen. Ich schreibe euch mit dem Blick auf die erste Gemeinschaft der Apostel, die ebenfalls Momente des Eingeschlossenseins, der Isolierung, der Angst und Unsicherheit durchgemacht hat.“

„Wir haben den plötzlichen Verlust von Familienangehörigen, Nachbarn, Freunden, Gemeindemitgliedern, Beichtvätern, Orientierungspunkten unseres Glaubens, erlitten. Wir haben die untröstlichen Gesichter derjenigen gesehen, die ihren Angehörigen in den letzten Stunden nicht nahe sein durften und sich nicht von ihnen verabschieden konnten. Wir haben das Leid und die Ohnmacht des Krankenhauspersonals gesehen, Ärzte und Pflegekräfte, die sich in nicht enden wollenden Arbeitstagen aufrieben, um die zahllosen Hilferufe zu beantworten.“

„Wir haben die Schwierigkeiten und Nöte der sozialen Einschränkungen gesehen und von ihnen gehört: Einsamkeit und Isolierung vor allem der alten Menschen; Sorge, Angst und das Gefühl der Schutzlosigkeit gegenüber der Unsicherheit in Bezug auf Arbeit und Wohnung; Gewalt und Zermürbung in den Beziehungen. Die uralte Angst vor der Ansteckung hat wieder zugeschlagen. Wir haben auch die beklemmenden Sorgen ganzer Familien geteilt, die nicht wissen, was in der nächsten Woche auf den Tisch kommen soll.“

„Die Merkmale des Virus bringen die Logik zum Verschwinden, nach der wir gewöhnlich die Realität aufgeteilt oder klassifiziert haben. Die Pandemie kennt keine Adjektive, Grenzen und niemand darf meinen, allein zurechtzukommen. Wir sind alle betroffen und beteiligt.“

„Persönlich und gemeinschaftlich gefährdet und getroffen in unserer Verwundbarkeit und Schwäche sowie in unseren Grenzen, ist die Gefahr groß, dass wir uns zurückziehen und weiter über die Trostlosigkeit nachgrübeln, die die Pandemie uns vor Augen stellt, oder dass wir uns auf einen grenzenlosen Optimismus versteifen, der unfähig ist, die reale Dimension der Ereignisse zu akzeptieren.“

„Als der Herr bei verschlossenen Türen in das Obergemach trat, mitten in Isolierung, Angst und Unsicherheit, in der sie lebten, war er in der Lage, jede Logik zu verwandeln und der Geschichte und den Ereignissen eine neue Bedeutung zu verleihen. Jede Zeit ist geeignet, Frieden zu verkünden, keine Situation ist seiner Gnade beraubt … Durch seine Gegenwart ist das Eingeschlossen-Sein fruchtbar geworden und hat der neuen Gemeinschaft der Apostel Leben geschenkt.“

„Wenn eine nicht fassbare Präsenz (das Virus) in der Lage war, die Prioritäten und eine scheinbar unverrückbare globale Agenda … durcheinanderzubringen und auf den Kopf zu stellen, dann wollen wir keine Angst haben, dass die Gegenwart des Auferstandenen uns den Weg bahnt, neue Horizonte eröffnet und uns den Mut gibt, diesen historischen und einzigartigen Augenblick zu leben.“

„Eine Handvoll furchtsamer Männer war in der Lage, eine neue Bewegung ins Leben zu rufen: die Verkündigung des lebendigen Gottes-mit-uns. Habt keine Angst!“

„Von seiner Seitenwunde her, Zeichen dafür, wie hart und ungerecht die Realität wird, möge er es sein, der uns drängt, der harten, schwierigen Realität unserer Brüder und Schwestern nicht den Rücken zu kehren.“

„Der Herr ist derjenige, der uns verwandelt, der sich unser bedient wie des Brotes, der unser Leben in seine Hände nimmt, uns segnet, uns bricht, uns austeilt und seinem Volk gibt.“

Den vollständigen Text, den ich Euch sehr ans Herz lege, findet Ihr unter diesem Link: http://www.vatican.va/content/francesco/de/letters/2020/documents/papa-francesco_20200531_lettera-sacerdoti.html

(Ludger Fest und Johannes Lerch 09.08.2020)

Ist die Maskenpflicht wirklich so schlimm?

Anfangs wollte keiner die Maske haben, mittlerweile wird sie als wirksames Schutzmittel vor einer Corona-Ansteckung anerkannt. Dennoch gibt es viele Maskengegner, die das überflüssig finden. Aber was ist eigentlich so schlimm daran, bei zu wenig Abstand eine Maske zu tragen?

Vor Kurzem habe ich über WhatsApp ein Video bekommen, in dem der Autor und Motivationstrainer Dr. Biyon Kattilathu unsere Vergangenheit mit den vielen schrecklichen Kriegen, Krankheiten und Toten vor Augen führt. Da ist die Pflicht zum Maskentragen und eine zeitweilige Ausgangsbeschränkung wirklich kein Grund, sich aufzuregen …

Hier der Inhalt des Videos:

Stell dir für einen Moment vor, du wärst im Jahr 1900 geboren.

Wenn du 14 Jahre alt bist, beginnt der 1. Weltkrieg und endet, wenn du 18 Jahre alt bist, mit 22 Millionen Todesopfern.

Kurz darauf beginnt eine weltweite Pandemie, die Spanische Grippe, mit 50 Millionen Todesopfern und endet, wenn du 20 Jahre alt bist.

Wenn du 29 Jahre alt bist, beginnt die Weltwirtschaftskrise mit dem Börsencrash in New York. Die Folge sind Inflation und Massenarbeitslosigkeit.

Wenn du 33 Jahre alt bist, gelangen die Nazis an die Macht.

Wenn du 39 Jahre alt bist, beginnt der 2. Weltkrieg und endet, wenn du 45 Jahre alt bist mit 60 Millionen Todesopfern. Im Holocaust sterben 6 Millionen Juden.

Wenn du 52 Jahre alt bist, beginnt der Koreakrieg.

Wenn du 64 Jahre alt bist, beginnt der Vietnamkrieg und endet, wenn du 75 Jahre alt bist.

Ein Kind im Jahre 1985 dachte, dass Oma und Opa keine Ahnung haben, wie schwer das Leben sei, doch die beiden haben bereits mehrere Kriege überlebt.

Heute befinden wir uns mit allen Bequemlichkeiten der modernen Welt in einer neuen Pandemie. Menschen beklagten sich, weil sie mal für ein paar Wochen das Haus nicht verlassen durften. Sie haben Strom, Handy, genug Essen, warmes Wasser und ein sicheres Dach über dem Kopf.

All dies gab es in früheren Zeiten nicht, doch die Menschen haben auch diese Zeiten überstanden und niemals ihre Lebensfreude verloren. Heute beklagen wir uns, weil wir im Supermarkt Masken tragen müssen.

Ein kleiner Perspektivwechsel kann Wunder wirken. Lass uns beide dankbar sein für die Zeit, in der wir leben, und lass uns beide alles tun, was uns gegenseitig schützt und hilft. Und ich finde, diese Botschaft muss um die Welt gehen, muss ganz viele Menschen erreichen. Wenn du das auch so siehst, dann hilf mir dabei und teile dieses Video jetzt mit deinen Freunden.

Schön, dass es dich gibt. Dein Biyon.

(Johannes Lerch, 23.05.2020)