Wie kann ich eine Livestream-Messe gut mitfeiern?

Paula K. hat drei Video-Impulse erstellt, in denen sie Tipps gibt, wie man eine Livestream-Messe gut mitfeiern kann. Hier die wichtigsten Gedanken daraus. Eine schriftliche Zusammenfassung der Impulse könnt ihr am Ende dieses Beitrags als PDF herunterladen. Den Link zu Teil 2 und Teil 3 der Videos findet Ihr ebenfalls unten.

1. Mitfeiern

Bei einer Livestream-Messe wäre es ideal, wenn ich nicht nur zuschaue, sondern mitfeiere. Genauso wie bei einer Messe, an der ich leibhaftig teilnehme – also nicht nur konsumieren, sondern wirklich dabei sein.

2. Wahrnehmung der Messe in drei Dimensionen

Von der rein menschlichen Wahrnehmung her betrachtet, erleben wir die Heilige Messe in drei Dimensionen:

  1. Die geistige Dimension: Das, was zwischen Gott und mir und zwischen mir und Gott passiert. Wir tun nicht nur etwas für Gott („Gottes-Dienst“), sondern Gott will auch uns begegnen.
  2. Die leibliche Dimension: Das zeigt sich bei uns Katholiken im Sitzen, Stehen und Knien, im lauten Mitbeten oder Mitsingen sowie darin, dass wir die Kommunion tatsächlich aufessen.
  3. Die soziale Dimension. Die Messe ist eine Feier mit der Gemeinde, wo wir auch einander begegnen, nicht nur beim Friedensgruß.

Bei einer Livestream-Messe fallen die soziale und die leibliche Dimension, vor allem der Kommunionempfang, weitgehend weg. Die Chance in den Livestream-Gottesdiensten besteht darin, sich bewusster in der geistigen Dimension zu üben.

3. Tipps für die Vorbereitung

  1. Schaffe Dir in Deiner Wohnung einen guten Ort, um an der Messe teilzunehmen: zum Beispiel die Umgebung schön herrichten, ein Kreuz hinstellen, eine Kerze anzünden, passende Sitz- und Kniegelegenheit vorbereiten.
  2. Versuche so viel wie möglich von Deiner normalen Routine für die Sonntagsmesse zu übernehmen: zum Beispiel auf Kleidung achten, rechtzeitig vor den Livestream hinsetzen und ein bisschen beten.
  3. Stelle Dich schon vorher innerlich auf die Messfeier ein. Wer bis kurz vorher noch beim Essen sitzt, einen Film schaut oder die Mails checkt, tut sich schwer, von Anfang an ganz dabeizusein.
  4. Alle Ablenkungen ausschalten – Benachrichtigungen und Mail-Programm abschalten, Handy auf Flugmodus stellen; Vollbildmodus ist hilfreich.

4. Wie kann ich die Messe mitfeiern?

  1. Liederbuch organisieren, um die Lieder zuhause mitsingen zu können.
  2. Texte mitlesen, zum Beispiel über Handy-Apps wie „Evangelizo“ oder die Stundenbuch-App. Auf der „Schott“-Webseite der Erzabtei Beuron findet man auch die Gebete, die der Priester spricht. Oder die kleine Monatsschrift Magnificat.
  3. In einem Notizbuch Gedanken aus der Predigt festhalten, die einen ansprechen.
  4. Bewegungen der Messe zuhause mitleben: stehen, sitzen, knien – im Bewusstsein, dass wir damit innerlich vor Gott stehen.
  5. Auch den Friedensgruß bewusst mitleben: entweder den Familienmitgliedern , den Personen auf dem Bildschirm oder in Gedanken den Menschen aus der Gemeinde den Frieden zusprechen.
  6. An Stelle der sakramentalen Kommunion gibt es mit der geistlichen Kommunion eine reelle Möglichkeit, Jesus zu empfangen. Siehe hierzu auch den Impuls von Spiritual Andreas Schmidt.

5. Und nach der Messe?

  1. Wie vielleicht sonst auch noch ein bisschen sitzen bleiben, der Musik zuhören, nochmal kurz nachspüren, was in dieser Messe in meinem Inneren passiert ist.
  2. Statt am Kirchenausgang mit Gemeindemitgliedern zu plaudern, können wir vielleicht dem Pfarrer eine kurze Nachricht schreiben und eine Rückmeldung zur Messe geben – oder demjenigen, der mich auf diesen Online-Gottesdienst aufmerksam gemacht hat.

Es gibt mittlerweile immer mehr Möglichkeiten, die Messe oder auch andere Gebete online mitzufeiern und ich wünsche euch allen, dass euch dies hilft, in dieser besonderen Zeit euren Glauben und eure Beziehung mit Gott zu vertiefen und das dann auch mitzunehmen in den neuen Alltag nach der Corona-Krise. Alles Gute und Gottes Segen!

Video Teil 1: Grundsätzliche Gedanken

Video Teil 3: Die Feier entlang des Ablaufs der Hl. Messe

Gottesdienste im Livestream mitfeiern

Die flächendeckende Absage von Gottesdiensten ist schon einmalig in der Kirchengeschichte. Selbst zu Zeiten von Pest und Cholera und in den beiden Weltkriegen hat es das nicht gegeben. Aber auch die Kirchen können, wollen und sollten sich den allgemeinen Schutzmaßnahmen vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus nicht entziehen.

Doch ein Hoch auf die heutige Technik: Wie schön ist es, dass wir Gottesdienste jetzt online mitfeiern können. Inzwischen gibt es ja viele Angebote: ob Radio (z. B. Domradio, Radio Horeb, Deutschlandfunk), Fernsehen (z. B. ZDF, Bibel TV, EWTN) oder Internet (z. B. domradio.de, bibeltv.de, ewtn.de, feiernwir.de).

Mit großer Freude haben wir am vergangenen Sonntag mit der Familie die Messe der Gemeinschaft Emmanuel am großen Bildschirm im Wohnzimmer verfolgt. Übertragen wurde der Gottesdienst mit Pfarrvikar Martin Siodmok aus der Josefsburg in Altötting, gestaltet von den Studenten der Emmanuel School of Mission. (Infos zu den Livestream-Messen der Gemeinschaft Emmanuel gibt es unter https://live.emmanuel.de).

Natürlich sind viele von uns verwöhnt von den profesionellen Gottesdienst-Übertragungen im Fernsehen mit den vielen unterschiedlichen und abwechslungsreichen Kameraeinstellungen, dem perfekt abgemischten Ton und den schönen eingeblendeten Bildern. Aber auch eine einfache Kameraeinstellung genügt. Es fühlt sich dadurch irgendwie authentischer an.

Für mich stellte sich aber zunächst die Frage: Wie verhalte ich mich im Wohnzimmer während der Gottesdienstübertragung?

  • Klar, wir singen mit großer Freude die uns bekannten Emmanuel-Lieder, machen zu Beginn das Kreuzzeichen und sprechen die Gebete mit, was anfangs in den eigenen vier Wänden etwas ungewohnt war.
  • Aber wie verhalte ich mich bei der Eucharistiefeier: Knie ich mich auch zuhause hin bei der Präfation? Vor dem Fernseher? (Das habe ich zuletzt beim Elfmeterkrimi Deutschland–Italien während der WM 2016 erlebt :-)) Glaube ich, dass Jesus auch am Bildschirm gegenwärtig ist, und in dieser Umgebung verehrt werden will?
  • Stehe ich beim Vaterunser auf oder bleibe ich als Zuschauer auf dem Sofa sitzen?
  • Wenn der Priester einlädt, sich beim Friedensgruß freundlich zuzulächeln (gerichtet an die Anwesenden vor Ort): Kann ich dann meiner Frau und meinen Kindern trotzdem die Hand geben?
  • Dann schaue ich zu, wie die anderen zur Kommunion gehen. Und ich überlege mir: Wie sehr vermisse ich die sakramentale Kommunion? Wie groß ist meine Sehnsucht und mein Verlangen wirklich? Ganz neu lerne ich die geistliche Kommunion kennen – ich hatte mich bisher kaum damit beschäftigt. Aber ich habe ein schönes Gebet des Heiligen Pater Pio gefunden:
    Mein Jesus, ich glaube, dass Du im allerheiligsten Sakrament des Altares zugegen bist. Ich liebe dich über alles und meine Seele sehnt sich nach Dir. Da ich Dich aber jetzt im Sakrament des Altares nicht empfangen kann, so komme wenigstens geistigerweise zu mir. Ich umfange Dich, als wärest Du schon bei mir und vereinige mich mit Dir! Ich bete Dich in tiefster Ehrfurcht an. Lass nicht zu, dass ich mich je von Dir trenne. Amen .

Soweit mal einige Gedanken, die mich bei den Online-Gottesdiensten beschäftigen. Das Gute an den Livestream-Messen ist, dass wir vieles neu hinterfragen und einzelne Elemente der Liturgie dadurch wieder ganz neu kennenlernen können.

Johannes Lerch, 18.03.2020