Vom Grundrecht auf Hoffnung

Ein Gedanke von Papst Franziskus bei seiner Predigt in der Osternacht im Petersdom hat mich sehr beschäftigt: Es gibt ein „Grundrecht auf Hoffnung“! Grund genug, das in unserem Blog aufzugreifen.

Wir kennen Grundrechte aus unserem Grundgesetz, zum Beispiel die Menschenwürde, freie Entfaltung der Persönlichkeit, Gleichheit vor dem Gesetz, das Recht auf freie Meinungsäußerung oder die Religionsfreiheit. Nicht nur in einer Zeit, in der der Gottesbezug in der Präämbel des Grundgesetztes heftig diskutiert wurde, sondern auch im Hinblick auf die Corona-Krise ist ein Grundrecht auf Hoffnung ein wohltuender Gedanke: Hoffnung, die von Gott kommt, ist nicht nur einigen wenigen vorbehalten, sondern jeder Mensch darf zu Recht hoffen – das kann niemandem genommen werden.

Wörtlich sagte Papst Franziskus: Heute Nacht erlangen wir ein Grundrecht, das uns nicht genommen werden wird: das Recht auf Hoffnung. Es ist eine neue, lebendige Hoffnung, die von Gott kommt. Sie ist nicht bloßer Optimismus, sie ist nicht ein Schulterklopfen oder eine freundliche Ermutigung. Sie ist eine Gabe des Himmels, die wir uns nicht selbst besorgen konnten. Alles wird gut, so sagen wir beharrlich in diesen Tagen und klammern uns dabei an die Schönheit unserer Menschlichkeit und lassen vom Herzen Worte der Ermutigung aufsteigen. Aber mit dem Verstreichen der Tage und der Zunahme der Ängste kann selbst die kühnste Hoffnung sich verflüchtigen. Die Hoffnung Jesu ist anders. Sie legt die Gewissheit ins Herz, dass Gott alles zum Guten zu wenden vermag, da er sogar aus dem Grab das Leben hervorgehen lässt.

Im weiteren Verlauf seiner Osterpredigt forderte der Papst uns auf, diese Hoffnung weiterzugeben: Das ist die Osterbotschaft, die Botschaft von Hoffnung. Sie enthält dann einen zweiten Teil, die Sendung. Geht und sagt meinen Brüdern, sie sollen nach Galiläa gehen (Mt 28,10), sagt Jesus. Er geht euch voraus nach Galiläa (V. 7), sagt der Engel. Der Herr geht uns voraus. Es ist schön zu wissen, dass er vor uns hergeht, dass er in unser Leben und unseren Tod gekommen ist, um uns nach Galiläa vorauszugehen, an den Ort nämlich, der für ihn und seine Jünger das tägliche Leben, die Familie, die Arbeit bedeutete. Jesus möchte, dass wir die Hoffnung dorthin bringen, in das Leben eines jeden Tages. Aber Galiläa war für die Jünger auch der Ort der Erinnerungen, vor allem an den ersten Ruf. Nach Galiläa zurückkehren heißt sich daran erinnern, dass wir von Gott geliebt und gerufen worden sind. Es ist notwendig, dass wir den Weg wiederaufnehmen, indem wir daran denken, dass wir von einem unentgeltlichen Ruf der Liebe geboren und wiedergeboren werden. Von diesem Punkt aus sollen wir wieder neu aufbrechen, vor allem in Zeiten der Krise und der Prüfung.

Die Botschaft der Hoffnung gelte allen Menschen. Sie dürfe nicht in unsere heiligen Bezirke eingegrenzt werden, sondern müsse zu allen gebracht werden, betonte der Papst weiter. Denn alle bräuchten Ermutigung. Es sei Aufgabe der Christen, Trost zuzusprechen, die Last der anderen zu tragen, zu ermutigen und das Leben in Zeiten des Todes zu verkünden.

(Der vollständige Wortlaut der Papst-Predigt ist in VaticanNews veröffentlicht.)

Und noch ein Gedanke von Papst Franziskus aus der Osteransprache vor dem Urbi et Orbi Segen, der mir gut gefallen hat: Es geht hier um eine andere Art der Ansteckung, die von Herz zu Herz übertragen wird – denn jedes menschliche Herz ersehnt diese Gute Nachricht. Es ist die Ansteckung der Hoffnung:Er lebt, der Herr, meine Hoffnung! Das ist kein Zauberspruch, welcher unsere Probleme verschwinden lässt. Nein, die Auferstehung Christi ist etwas anderes. Sie ist der Sieg der Liebe über die Wurzel des Bösen, ein Sieg, der Leiden und Tod nicht umgeht, sondern durchquert und im Abgrund einen Weg öffnet und damit Böses in Gutes verwandelt.

(Der vollständige Wortlaut der Osteransprache ist ebenfalls in VaticanNews veröffentlicht.)

Johannes Lerch, 12.04.2020

Ist die Krise böse?

Gott lässt Böses geschehen und das ist gut, sagt Thomas von Aquin. Was sagen  Sie dazu?“ So lautete eines der Themen, das wir bei einem Deutschaufsatz in unserer Abiturklasse wählen konnten. Im Vorfeld hatten wir uns im Unterricht mit dem Phänomen des Bösen auseinandergesetzt.

Viele empfinden es befreiend, in der Corona-Krise nicht nur auf das Bedrohende zu schauen, denn das ist für viele die normale Blickrichtung. Wer nach der Gnade Ausschau hält, kann das Gute entdecken, das Thomas von Aquin im obigen Satz beschreibt.

Aber es lohnt sich, dem nachzuspüren, was für uns „böse“ bedeutet. Dazu ist es hilfreich, zu fragen, was wir unter „Liebe“ verstehen. Ein gängiges Paradigma ist: Nur DER liebt mich, der meine Wünsche bzw. Erwartungen erfüllt. Wer sie nicht erfüllt, den empfindet man als böse (er tut ja nicht, was ich will), er ist mein Feind. Ist uns bewusst, dass das nicht das Paradigma der Liebe ist, sondern das des Egoismus?

Die Corona-Krise ist alles andere als das, was wir uns wünschen. Und schon sind wir bei der Frage:  Wie kann Gott gut sein, wenn er so etwas zulässt? Ein Atheist erzählte mir, dass sein Vater gestorben sei, als er sieben Jahre alt war. Ein Gott, der so etwas zugelassen hatte, konnte für ihn nicht gut sein. Es war für ihn erträglicher, davon auszugehen, dass es keinen Gott gibt. Enttäuschte Erwartungen (die ja oft ganz unterschwellig sind) können ein großes Hindernis sein, sich näher auf Gott einzulassen.

Jesus gibt in Johannes 15,13 eine ganz andere Definition von Liebe: Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. Jesus gab sein Leben hin für uns. Gott ist die Liebe heißt es in 1 Johannes 4,8b und 16b.

Und in Johannes 10,10b sagt Jesus: Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben. Viele verstehen darunter Sorglosigkeit, aber vor allem Gesundheit: „Ich wünsche dir zum Geburtstag alles Gute, vor allem Gesundheit! Das ist die Hauptsache!“ Doch „Fülle des Lebens“ ist noch etwas ganz anderes.

Ich habe mir 1989 aus der Süddeutschen Zeitung einen Nachruf ausgeschnitten und aufgehoben (9 x 14 cm, kostete grob geschätzt 400 DM). Er war von den Schwestern, Pflegern und Ärzten (!) einer Abteilung eines Münchener Krankenhauses geschaltet worden. Sie schrieben: „In Liebe und Ehrfurcht nehmen wir Abschied von unserer Patientin E… . Sie hat uns 29 Jahre vorgelebt, wie man eine Krankheit annimmt, die die Medizin nicht heilen kann.“ Sie muss wirklich ein Leben innerer Fülle gelebt haben, wenn sie eine solche Ausstrahlung hatte, dass man ihr einen solchen Nachruf widmete. Sie hatte in ihrer sie sicher herausfordernden gesundheitlichen Lage eine ganz besondere Gnade erhalten. Aber sie war auch dafür bereit gewesen, denn Gott zwingt sie niemandem auf. Er achtet voll Ehrfurcht unsere Freiheit.

Für mich ist diese Patientin eine sehr österliche Gestalt, die mich mahnt, mich immer wieder für die Gnade zu öffnen. In diesem Sinn eine sehr gesegnete Karwoche und eine große Offenheit für das Osterfest.

Georg Bickl, 08.04.2020

Soziale Kontakte auf ein Minimum reduziert

In den letzten Tagen geht mir dieser Satz nicht aus dem Kopf, der nun von den Politikern als Verhaltensregel ausgegeben wurde: Wir sollen niemanden mehr treffen, außer der eigenen Familie (falls vorhanden). Das geht durch Mark und Bein. Denn wenn ich meine Freunde und Verwandte nicht mehr treffen kann, was bleibt dann noch übrig von meinem Leben? Was ist mir wichtig? Was kann ich tun? Schließlich möchte ich ja aktiv bleiben. Ohne Aktivität hört mein Leben auf. 

Arbeit im Homeoffice ist zwar möglich, aber eben auch Arbeit in einer Isolation (auch wenn andere Kanäle zur Kommunikation existieren, die helfen). Und wenn man, wie ich gerade, im Büro eine Flaute hat (die nichts mit Corona zu tun hat), dann bleibt nicht viel übrig von der Aktivität … 

Was mich persönlich glücklich macht ist: Zeit mit Menschen zu verbringen, die ich gern habe. Doch meine Zeit ist begrenzt. Ich schreibe hier, weil ich eine andere Hoffnung habe: Ich hoffe auf Jesus. Ja genau, der Jesus, der vor mehr als 2000 Jahren gestorben ist. Denn er ist nicht mehr tot, er ist lebendig! So lebendig, wie ich es bin! Er schenkt mir seine Liebe. 

Wie? Er kommt zu mir, wenn ich mir Zeit nehme, wenn ich still werde. Wenn ich ihn einlade, in mein Leben zu kommen. Er schenkt mir seine Gegenwart. Und ich kann das in mir spüren. Denn ich werde ganz ruhig, friedlich und von einer großen Freude erfüllt. Diese Liebe, die er mir schenkt, ist an keine Bedingungen geknüpft. Kein „wenn du … dann …“. 

Einbildung? Ganz sicher nicht. Ich kenne mich genau: In Wirklichkeit bin ich ein Angsthase, auch feige. Woher sollte ich diesen Frieden nehmen? Woher? Ich habe nichts davon in mir. Ich bekomme ihn geschenkt. Egal, wie meine Lebensumstände sind!

Versuch‘ es auch mal: Sag zu Jesus: „Komm zu mir, tröste mich!“ Gegen alle Corona-Angst. Gegen alle sonstige Angst: Er ist der Retter.

Gabi Gelhausen, 25.03.2020

Von Mensch zu Mensch

Und plötzlich ist da diese un-fassbare Gefahr ganz nah vor unserer Tür, in Form eines uns noch in vielen Aspekten unbekannten Virus, eines Virus, das durch Menschen übertragen wird – das von Mensch zu Mensch geht.

Wenn wir uns aussuchen könnten, was von Mensch zu Mensch geht, dann sind das vor allem gute Dinge: Freude, Zuversicht, Liebe, Hoffnung, Freundlichkeit, Fröhlichkeit, Zärtlichkeit, Umarmungen, nette Gesten.

Die negativen Worte, Gesten, Stimmungen, Haltungen, die von Mensch zu Mensch gehen können – und erst recht ein Krankheitserreger – sind eher dafür geeignet, uns das Leben schwer zu machen, als dass sie Freude bereiten.

Der entscheidende Unterschied zwischen negativen Worten, Gesten, Stimmungen und Haltungen und einem Virus ist, dass das Virus nichts mit der Absicht oder dem Wesens eines Menschen zu tun hat, sondern ungeliebter Gast im eigenen Körper ist. 

Trotzdem bewirkt der ungeliebte Gast oder allein die Angst vor einem solchen, genau das, was sonst negative Worte, Gesten, Stimmungen und Haltungen bewirken: wir halten Abstand zu anderen Menschen.

Die Herausforderung ist jetzt, dass der eingehaltene äußere Abstand, die abgesagten Veranstaltungen, die Einschränkung des Händeschüttelns usw., keine Auswirkungen auf den inneren Abstand haben.

Auswirkungen wird die Situation auf uns haben. Die Frage ist nur welche. Wie so vieles im Leben wird auch das von uns selbst abhängen. Nun gilt es kreativ zu werden, wie die Verbundenheit und der Kontakt bestehen und gestärkt werden können, wenn direkte Treffen nur sehr eingeschränkt möglich sind. Einige Beispiele sind mir dafür schon begegnet. Immer mehr Gottesdienste oder Gebetszeiten werden live im Internet übertragen und so deutlich gemacht, dass es ein Miteinander im Gebet über die Grenzen der eigenen Wohnung hinaus gibt. Videokonferenzen werden abgehalten oder positive Gedanken und Bilder geteilt.

Beispielsweise war es heute so, dass am laufenden Band jemand von meinen Kontakten bei einem beliebten Messenger-Dienst Bilder hochgeladen hat: vom Spaziergang in der Sonne, von sonnigen Wiesen, Seen, blühenden Blumen oder sich selbst in der Sonne. Das war wie ein Gegenprogramm zu den schlechten Nachrichten und Einschränkungen durch das Corona-Virus. Es kam mir vor, dass alle sagen wollten: Schaut her Leute! Das Leben ist immer noch schön! Trotzdem und gerade jetzt stellen wir das Schöne in die Mitte! Und: Wir lassen uns nicht unterkriegen!

Mein Lieblingspsalm ist seit einiger Zeit der Psalm 27. Er ist ein Psalm voller Zuversicht und Hoffnung. Er passt gut an dieser Stelle. Hier die Verse 1-4 und 11-14 in der Version der Einheitsübersetzung 2016:

1 Der HERR ist mein Licht und mein Heil: Vor wem sollte ich mich fürchten? Der HERR ist die Zuflucht meines Lebens: Vor wem sollte mir bangen? 2 Dringen Böse auf mich ein, um mein Fleisch zu verschlingen, meine Bedränger und Feinde; sie sind gestrauchelt und gefallen. 3 Mag ein Heer mich belagern: Mein Herz wird nicht verzagen. Mag Krieg gegen mich toben: Ich bleibe dennoch voll Zuversicht. 4 Eines habe ich vom HERRN erfragt, dieses erbitte ich: im Haus des HERRN zu wohnen alle Tage meines Lebens; die Freundlichkeit des HERRN zu schauen und nachzusinnen in seinem Tempel. 11 Weise mir, HERR, deinen Weg, leite mich auf ebener Bahn wegen meiner Feinde! 12 Gib mich nicht meinen gierigen Gegnern preis; denn falsche Zeugen standen gegen mich auf und wüten! 13 Ich aber bin gewiss, zu schauen die Güte des HERRN im Land der Lebenden. 14 Hoffe auf den HERRN, sei stark und fest sei dein Herz! Und hoffe auf den HERRN!

Juliane Schaad, 15.03.2020