Hochspannung

Es staut sich auf und entlädt sich. Was passiert da gerade? Von verschiedenen Leuten aus ganz verschiedenen Ecken höre ich es: Fast zwei Monate Corona haben eine Wirkung auf uns. Viel Gutes und Positives ist geschehen.

Und dennoch – immer wieder kommt es vor, dass Spannung auftritt und zutage kommt. Bisweilen unbeabsichtigt und unbemerkt, doch die Gereiztheit geht weiter, und irgendwann knallt es. Gewitter kann reinigend sein – hoffentlich und bestenfalls. Ich wünsche uns sehr, dass diese Spannung uns nicht auseinander bringt, sondern weiterführt – miteinander.

Gut, dass wir Menschen Menschen sind. Da gehören verschiedene Stimmungslagen einfach dazu. Da ist nicht immer nur eitel Sonnenschein. Auch bei den Menschen in der Bibel hat es mal geknallt. Auch die Priester, Propheten, Apostel und Heiligen waren nicht immer Musterknaben und brave Mädchen.

Die Geschichten von Mose, David, Petrus, Zachäus oder Sara und noch viele mehr zeugen davon. Auch Jesus hat im Tempel die Fetzen fliegen lassen, weil ihm nicht gepasst hat, wie die Händler mit dem heiligen Ort umgegangen sind.

Immer alle Emotionen zurückzustellen macht krank. Sie allezeit unkontrolliert herauslassen, macht aber auch weder Freude noch Freunde. Den goldenen Mittelweg zu finden und dabei aufrichtig, authentisch und liebend zu bleiben, ist eine der größeren Herausforderungen unseres Lebens.

Viele Dinge füllen meinen Kopf, und ich schaue auf das Licht der Kerze auf meinem Fensterbrett. Dieses Licht dringt direkt in mein Herz und lässt mich lächeln. Auf meinem Handy läuft Musik und irgendwann höre ich „Egal wie du aussiehst, egal wie du dich fühlst: Gott liebt dich!“ Und danach: „Sei mutig und stark und fürchte dich nicht! Denn der Herr, dein Gott ist bei dir!“

Juliane Schaad, 30.04.2020

Aktion „Hoffnungslicht“

Über eine schöne Gebetsaktion hat gestern katholisch.de berichtet: „Ein gemeinsames Vaterunser als Hoffnung und Solidarität in Zeiten der Corona-Krise: Wie eine Kerze im Fenster zur Gebetsaktion wurde“.

Nachdem auch in der katholischen Gemeinde St. Pankratius in Oberhausen alle Gottesdienste abgesagt wurden, hat die Pfarrei ihre Mitglieder aufgerufen, täglich um 19 Uhr eine brennende Kerze auf die Fensterbank zu stellen und das Vaterunser zu beten. In nur zwei Tagen hat sich die Aktion „Hoffnungslicht“ wie ein Feuer verbreitet. Auch andere Religionen beteiligen sich mittlerweile in unterschiedlichen Varianten.

„Wir sind dankbar, dass wir mit so einem kleinen Zeichen vielen Menschen Hoffnung schenken können“, freut sich Pfarrer Christoph Wichmann über den großen Zuspruch. Selbst Atheisten wollten ebenfalls eine Kerze in ihr Fenster stellen. „Das ist eigentlich das Bewegendste: Ich bekomme ganz viele Nachrichten von Menschen, die nicht zu unserem Stammklientel gehören, die aber trotzdem sagen: Es ist uns wichtig.“

Für viele sei nach dem kurzen Vaterunser-Gebet aber noch nicht Schluss, berichtet katholisch.de: Die individuelle Spiritualität gehe dann weiter. Einige Priester würden im Anschluss daran die Vesper beten, Familien noch zusammensitzen, den Rosenkranz beten oder die Kerze schon um 18 Uhr entzünden und eine Zeit lang brennen lassen.  

Man spürt die große Sehnsucht der Menschen nach Sinn und Zusammenhalt in diesen besonderen Zeiten …

Johannes Lerch, 19.03.2020