Misstrauen oder Vertrauen?

Die Corona-Pandemie spaltet unsere Gesellschaft zunehmend in Impfbefürworter und Impfgegner. Selbst in Familien gibt es Streit zwischen Geimpften und Ungeimpften. Angesichts der momentan sehr hohen Inzidenzzahlen sollen bestimmte Zusammenkünfte oder Veranstaltungsbesuche künftig nur noch für Covid-Geimpfte oder Genesene möglich sein. Für Ungeimpfte drohen Lockdowns und Ausgrenzung.

In weiten Teilen der Bevölkerung ist das Vertrauen in die Wissenschaft verloren gegangen. Viele hinterfragen die Forschungsergebnisse, Erfahrungen und Erkenntnisse von Medizinern, Virologen, Biologen und Instituten. Oft werden ganz andere Quellen und Statistiken aufgeführt, die gut aufgemacht sind und Menschen gezeigt, die überzeugend wirken. Doch wie soll ich als Einzelner beurteilen können, was wirklich wahr ist? Um alle Aussagen und Statistiken im Detail zu prüfen, fehlen in der Regel das Know-how und auch die Zeit. Es geht also letztlich um Vertrauen oder Misstrauen. Welchen Quellen traue ich und welchen nicht?

So geht der Riss mitten durch die Gesellschaft. Was können wir da tun? Wie können wir unseren Teil dazu beitragen, ihn zu kitten?

Als Geimpfter geht es darum, Verständnis für die Sorgen und Ängste von Impfgegnern und Impfskeptikern aufzubringen. Man kann mit ihnen gemeinsam überlegen, woher diese Sorgen rühren und so die Anliegen ernst nehmen und im Gespräch bleiben.

Für die Nicht-Geimpften stellen die aktuellen und geplanten Maßnahmen, um die Pandemie einzudämmen, sicherlich eine große Belastung dar. Sie müssen akzeptieren, dass ihre Handlungsfreiheit eingeschränkt ist und Zeit und Geld für Tests investiert werden muss. Dabei haben sie zunehmend das Gefühl, ausgegrenzt zu werden.

Doch sie sollten darauf vertrauen dürfen, darüber hinaus nicht auch noch zur Zielscheibe von Häme oder gar Pöbeleien zu werden, wie Klaus Gaßner im Konradsblatt vom 14.11.2021 schreibt. Eine demokratische Gesellschaft muss es ertragen, dass Menschen eine andere Meinung haben, und Mittel und Wege für einen akzeptablen Umgang mit einer nicht unbedeutenden Minderheit finden. Förden wir nicht die Spaltung, sondern setzen wir auf Versöhnung untereinander. Stehen wir in diesen schwierigen Zeiten zusammen, und suchen wir das Gespräch mit denen, die sich ausgegrenzt fühlen.

(Johannes Lerch, 18.11.2021)

Hängt unser Glück von der Impfung ab?

Die Corona-Krise wird schon seit einiger Zeit zunehmen von den Impfungen geprägt: Welcher Impfstoff wird wann zugelassen und wie und an wen verteilt? Wer darf zuerst, wer muss noch warten, wer drängelt sich vor?

Manchmal habe ich den Eindruck, wir stehen wie die kleinen Kinder vor der Bonbontüte – können es kaum erwarten, bis wir unsere Ration bekommen und denken dabei nur an uns selbst. Oder wir lassen den anderen großzügig den Vortritt, weil wir glauben, dass die Bonbons vergiftet sind: Sollen die anderen doch erst einmal vorkosten.

Die erbitterte Diskussion zwischen Anhängern und Skeptikern von Impfungen führt mittlerweile zum Riss zwischen Freunden und Bekannten, ja zur Entfremdung der Gesellschaft. Über alle Details wird gestritten – einander widersprechende Studien und Aussagen von Virologen werden zum Beleg der eigenen Überzeugung herangezogen. Dabei ist jeder in seiner Medienblase gefangen und konsumiert nur noch die Informationen, die die eigene Einstellung unterstützen. Ein echter Dialog wird dadurch immer schwieriger.

Querdenker und Impfgegner machen im Internet massiv mobil. Verschwörungstheoretiker glauben, dass Regierung und Pharmaindustrie unter einer Decke stecken, und dass einige Impfstoffe das Erbgut verändern oder Unfruchtbarkeit entstehen könnten. Außerdem wurde viel Angst vor Zwangsimpfungen geschürt.

Auf der anderen Seite jubilieren die Impfbefürworter dankbar, dass es unseren Wissenschaftlern gelungen ist, Impfstoffe zu entwickeln, die wirksam vor Covid-19 schützen. Das lang ersehnte Schutz-Vakzin wird dabei zum göttlichen Heilsbringer hochstilisiert – der Alltag scheint sich wieder zu entspannen, wenn man vor dem Virus geschützt ist, sodass Familien und Generationen sich endlich wieder zwanglos begegnen können.

Das Bemühen um eine Impfung wurde allerdings eine Zeit lang zum Lotteriespiel. Wer einen Impftermin ergattern konnte, freut sich wie bei einem Lottogewinn und triumphiert glückselig in seinem Bekanntenkreis, wie wenn man ihm Glückshormone verabreicht hätte.

Doch hängt unser Glück wirklich von einer Impfung ab – oder stürzt sie uns ins Unglück? Letztendlich muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er sich impfen lassen will oder nicht. Wer allerdings nur um sich selbst kreist, kann nicht glücklich werden. Tiefes, dauerhaftes Glück entsteht da, wo wir anderen eine Freude bereiten.

Jesus ist der beste Chef-Virologe, ihm können wir uns anvertrauen: „Wer auf den Herrn vertraut, den umgibt er mit Gnade.“ (Psalm 32,10). Gott führt uns durch den Heiligen Geist: Sein Impfstoff besteht aus den Geistesgaben, die durch Weisheit, Erkenntnis, Einsicht, Rat, Stärke, Frömmigkeit und Gottesfurcht zum Ausdruck kommen.

„Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentümer noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch irgendein anderes Geschöpf uns zu scheiden vermag von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.“ (Römer 8,38-39)

(Johannes Lerch, 02.05.2021)