Corona sei Dank!

Keine Frage: Die Corona-Krise hat vielen Menschen Leid gebracht: neben den durch COVID-19 Gestorbenen, den gesundheitlichen Problemen der Infizierten gibt es auch viele, die unter den wirtschaftlichen Folgen leiden oder psychisch angeschlagen sind und zum Beispiel aufgrund von Ausgangsbeschränkungen große Einsamkeit verspüren. Aber in jeder Krise liegt auch eine Chance.

„Corona sei Dank“ hat neulich eine Freundin gesagt, weil ihre Tochter nicht in der Schule präsent sein musste und während ihrer Abwesenheit auf den kleinen Bruder aufpassen konnte. Ja: Es gibt auch positive Aspekte, die ich mal in den Blick nehmen möchte.

  • Ich empfinde es zum Beispiel als sehr angenehm, dass viele Termine ausgefallen sind. Eine wohltuende Entschleunigung! Endlich mal Zeit, wieder mehr im Garten zu arbeiten, (kein Wunder, dass der Absatz in den Baumärkten boomt) ein gutes Buch zu lesen oder mich mehr mit meiner Frau auszutauschen.
  • In einer Kirche unserer Nähe gibt es seit der Corona-Krise den ganzen Tag über Eucharistische Anbetung, wo wir täglich eine Stunde verweilen dürfen. Auch die vielen Livestream-Gottesdienste haben es uns ermöglicht, mehr Gottesdienste mitzufeiern als zuvor, und es gibt unzählige gute Predigten und Impulse im Internet.
  • Christliche Seminare wie Online-Glaubenskurse „Alpha“, Online-Angebote für Paare oder der Missionskurs „Mission Possible“ der Gemeinschaft Emmanuel können eine ganz andere Klientel ansprechen. „Mein Mann wäre nie zu so einem Seminar mitgegangen, aber mal eine Stunde vor den Bildschirm zu sitzen, ist kein Problem“, so die positive Reaktion einer Teilnehmerin.
  • Ein großer Segen ist für mich die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten. Kein Pendeln mehr zum Büro, keine Staus auf den Autobahnen, weniger Umweltbelastung, weniger Benzinkosten.
  • Die Umwelt dürfte insgesamt profitieren: Weniger Luftverkehr, geschrumpfte Industrie-Produktion, geringerer Energieverbrauch: Der weltweite CO2-Ausstoß aufgrund der Corona-Pandemie ist vorübergehend deutlich gesunken. Durch den Rückgang der menschlichen Aktivitäten wurden jetzt auch im Wattenmeer deutlich mehr Robben gezählt.
  • Und so kommt auch das Familienleben wieder in Schwung: Beim Mittagessen und beim Kaffeetrinken bin ich nicht in der Kantine, sondern zuhause und bekomme so viel mehr vom Leben meiner Kinder mit, auch vom Homeschooling oder dem Online-Musikunterricht.
  • Mit meinen Geschwistern und meiner Mutter haben wir jede Woche eine Videokonferenz, wo wir uns austauschen und erzählen. So viel Kontakt wie in den letzten drei Monaten hatten wir in den letzten drei Jahren nicht!
  • Insgesamt ist die Corona-Krise ein Turbo für die Digitalisierung und beschleunigt die digitale Transformation der Gesellschaft. Überall sprießen E-Learning-Angebote, Webinare oder Online-Beratungen aus dem Boden.
  • Eine sehr menschliche Komponente kommt hinzu: die praktizierte Nächstenliebe: Ich habe das Gefühl, dass in der Corona-Krise viel mehr Menschen sich besonders um die Schwachen, Alten und Kranken kümmern. Immer wieder erleben wir, wie es in der Nachbarschaft Angebote zum Einkaufen oder für kleine Fahrdienste gib, Besuche, Einladungen oder Anrufe bei einsamen Menschen.
  • Und verbindend ist auch, dass wir durch COVID-19 alle wieder ein gemeinsames Thema haben, bei dem jeder mitreden und seine Erfahrungen einbringen kann, denn jeder ist irgendwie betroffen und muss versuchen, das beste aus seiner Situation zu machen.

Lassen wir uns nicht von den vielen Negativ-Schlagzeilen verunsichern. Es gibt auch viele positive Entwicklungen: „Corona sei Dank“ oder „Gott sei Dank“?

(Johannes Lerch, 18.07.2020)

Wo der Geist schon kräftig wirkt

Um die Kraft des Heiligen Geistes müssen und sollen wir immer wieder neu bitten – aber kam und kommt er auch bei uns an? Ich lade Euch ein, den Blickwinkel zu wechseln: Lasst uns einmal rückblickend schauen, wo der Geist schon kräftig gewirkt hat oder auch noch wirkt – und vielleicht sogar durch jeden Einzelnen von Euch selbst!

Ich bin davon überzeugt, dass sich viele während der Corona-Krise in den letzten Wochen in ihrer Funktion und auf ihrem vorbestimmten Platz nach ihren Fähigkeiten so eingebracht haben, dass davon Betroffene nicht nur dankbar dafür sein konnten, sondern dass für manche von ihnen unser Einsatz wie das Wirken des Heiligen Geistes vorkam.

  • Der Geist wirkte überall dort, wo Ihr als Arzt oder in einem anderen pflegenden Beruf für (Schwer-)Kranke bis zur Belastungsgrenze da wart.
  • Der Geist wirkte überall dort, wo Ihr in politischen Ämtern oder sonstigen exponierten Positionen relevante Entscheidungen weiter vermitteln oder sogar in Eigenverantwortung selbst treffen musstet.
  • Der Geist wirkte überall dort, wo Ihr in den sogenannten systemrelevanten Berufen für die Aufrechterhaltung der wichtigen Infrastrukturen gesorgt habt.
  • Der Geist wirkte überall dort, wo Ihr in die Produktion und Vertrieb von Lebensmitteln involviert wart und damit die Versorgung der Gesellschaft sichergestellt habt.
  • Der Geist wirkte überall dort, wo Ihr als Seelsorger oder als Ansprechpersonen in jeglicher Form der Lebenshilfe psychische und geistliche Stütze für Alleinstehende oder mit ihren Sorgen Alleingelassene geboten habt.
  • Der Geist wirkte überall dort, wo Ihr Jüngere Euren älteren Nachbarn oder Bekannten praktische Hilfe angeboten habt, damit diese nicht unnötig ihr Zuhause verlassen mussten.
  • Der Geist wirkte überall dort, wo Ihr in Eurer kleinen Zelle „Familie“ bedürftige Familienangehörige moralisch oder gar pflegend unterstützt habt, teilweise sogar abgetrennt von jeglichen externen Hilfen.
  • Der Geist wirkte überall dort, wo Ihr im Vollzeiteinsatz für Eure Kinder präsent wart und – teilweise unter verschärften und eingeengten Verhältnissen – die Rolle des Lehrers, Trösters und Spielkameraden auf einmal übernommen habt.
  • Der Geist wirkte überall dort, wo Ihr die durch die Krise in Not geratene Mitmenschen finanziell entlastet habt, indem Ihr Eintrittskarten nicht erstatten ließet, Gastronomen durch Spenden oder vorzeitigen Kauf von Gutscheinen unterstütztet, oder sogar als Verpächter oder Vermieter auf die Euch zustehenden Zahlungen vorübergehend verzichtet habt.
  • Der Geist wirkte aber auch überall dort, wo Ihr einfach durch Homeoffice den Empfehlungen der Fachleute gefolgt seid, auf diese Weise öffentliche Räume und die Raumsituation an Eurem Arbeitsplatz entlastet und dadurch das Infektionsrisiko gemindert habt.
  • Und der Geist wirkt schließlich auch dort, wo Ihr – ob bei mehr oder weniger Einsicht – die Andersartigkeit dieses Jahres annehmt und den Verzicht, der bisher schon geboten war und noch kommen wird, akzeptieren könnt, egal wie schmerzlich er ist.

Seien wir uns also dessen bewusst, dass unser Handeln oft auch dann für andere ein Segen ist und be-geistern kann, wenn wir selbst denken: „Ich habe doch nur meine Pflicht getan …“

Wenn wir dieses Jahr an Pfingsten mit dem Ruf: Komm Heil‘ger Geist um dessen Beistand gebeten haben, uns zugleich aber bei dem Gedanken ertappen: Er kommt doch eh‘ nicht, dann lasst uns erstmal kurz innehalten und dem nachspüren, wo er vielleicht gerade in den letzten Wochen schon sehr wohl gewirkt hat und immer wieder wirkt – in meinem Leben durch andere, aber auch durch mich an anderen.

László Strauß, 02.06.2020

Soziale Kontakte auf ein Minimum reduziert

In den letzten Tagen geht mir dieser Satz nicht aus dem Kopf, der nun von den Politikern als Verhaltensregel ausgegeben wurde: Wir sollen niemanden mehr treffen, außer der eigenen Familie (falls vorhanden). Das geht durch Mark und Bein. Denn wenn ich meine Freunde und Verwandte nicht mehr treffen kann, was bleibt dann noch übrig von meinem Leben? Was ist mir wichtig? Was kann ich tun? Schließlich möchte ich ja aktiv bleiben. Ohne Aktivität hört mein Leben auf. 

Arbeit im Homeoffice ist zwar möglich, aber eben auch Arbeit in einer Isolation (auch wenn andere Kanäle zur Kommunikation existieren, die helfen). Und wenn man, wie ich gerade, im Büro eine Flaute hat (die nichts mit Corona zu tun hat), dann bleibt nicht viel übrig von der Aktivität … 

Was mich persönlich glücklich macht ist: Zeit mit Menschen zu verbringen, die ich gern habe. Doch meine Zeit ist begrenzt. Ich schreibe hier, weil ich eine andere Hoffnung habe: Ich hoffe auf Jesus. Ja genau, der Jesus, der vor mehr als 2000 Jahren gestorben ist. Denn er ist nicht mehr tot, er ist lebendig! So lebendig, wie ich es bin! Er schenkt mir seine Liebe. 

Wie? Er kommt zu mir, wenn ich mir Zeit nehme, wenn ich still werde. Wenn ich ihn einlade, in mein Leben zu kommen. Er schenkt mir seine Gegenwart. Und ich kann das in mir spüren. Denn ich werde ganz ruhig, friedlich und von einer großen Freude erfüllt. Diese Liebe, die er mir schenkt, ist an keine Bedingungen geknüpft. Kein „wenn du … dann …“. 

Einbildung? Ganz sicher nicht. Ich kenne mich genau: In Wirklichkeit bin ich ein Angsthase, auch feige. Woher sollte ich diesen Frieden nehmen? Woher? Ich habe nichts davon in mir. Ich bekomme ihn geschenkt. Egal, wie meine Lebensumstände sind!

Versuch‘ es auch mal: Sag zu Jesus: „Komm zu mir, tröste mich!“ Gegen alle Corona-Angst. Gegen alle sonstige Angst: Er ist der Retter.

Gabi Gelhausen, 25.03.2020

Geschenkte Zeit sinnvoll nutzen

Mit großer Spannung haben unsere Kinder am Freitag die Pressekonferenz des Landes Baden-Württemberg zur Corona-Krise verfolgt: Groß war der Jubel, dass die Schulen ab Dienstag bis nach den Osterferien geschlossen bleiben.

Natürlich geben die Lehrer viel Stoff zum Lernen mit, aber da auch Sportvereine, Musikunterricht und andere Hobbies ausfallen, bleibt plötzlich viel Zeit, die es sinnvoll zu nutzen gilt. Meine Tochter hat sich gleich ein Plakat gemalt mit dem Titel „Corona-Langeweile“. Darunter sind viele Aktivitäten aufgelistet, was sie in dieser geschenkten Zeit alles tun könnte.

In meiner Firma wurde Homeoffice angeordnet. Ich spare mir jeden Tag 30 Minuten Hin- und 30 Minuten Rückfahrt – das sind fünf Stunden pro Arbeitswoche. Wie gehe ich mit der geschenkten Zeit um? Für einen sinnvollen Einsatz brauchen wir – um es mit Jogi Löw zu sagen – „Högschde Disziplin“. Sonst verlieren wir uns zu schnell in Belanglosigkeiten oder hängen nur am Smartphone.

Natürlich haben wir erst einmal mehr Zeit in und für die Familie. Wir haben als erstes ein 3000er Puzzle ausgepackt und genießen es, gemeinsam ein Bild entstehen zu lassen und nebenher spannende Audiobooks zu hören („Sherlock Holmes“ oder „Die drei Fragezeichen“).

Apropos Audiobooks: Ich höre zurzeit „Skandal der Skandale“ von Manfred Lütz in Spotify. Der Autor erzählt die spannende Geschichte des Christentums, wie sie nach Erkenntnissen der neusten Forschung wirklich war. Was ist dran an der Skandalgeschichte des Christentums?  Das spannende Aufklärungsbuch bietet spektakuläre Überraschungen.

Und weil wir in der Fastenzeit aufs Fernsehen verzichten, ist das die Gelegenheit, mal ein gutes geistliches Buch zu lesen. Auf meinem Programm steht aktuell „The Biggest Lie in the History of Christianity“ (Bestsellerautor Matthew Kelly beschreibt, wie wir uns von den Lügen der modernen Gesellschaft täuschen lassen und zeigt den Weg zurück zu Freunde und Glück).

Aber ich kann auch mein Gebetsleben intensivieren. Jetzt ist mehr Zeit für den morgendlichen Lobpreis. Da viele Abendtermine wegfallen, könnte ich auch mal abends die Komplet beten. Das häufige Händewaschen (siehe Beitrag „Hände waschen mit Gebet“) gibt mir die Gelegenheit für viele Stoßgebete.

Als Christ bin ich aber auch zur konkreten Nächstenliebe aufgerufen: Ich habe mir vorgenommen, mal bei einsamen oder älteren Bekannten anzurufen, nachzufragen, wie es geht, Einkäufe anzubieten. Vielleicht jeden Tag ein Anruf?

Eigentlich wäre es schön, wenn man über die Kirche nicht in den Medien liest, ob und wann sie ihre Gottesdienste absagt, sondern weil sich ihre Mitglieder für andere einsetzen, die Seelsorgeangebote aufstockt, für Hilfsbedürftige spendet, die aufgrund des Coronavirus ihren Job verlieren, und hilft, den Glauben neu erfahrbar zu machen und das Vertrauen in die Existenz Gott zu stärken.

Was macht Ihr mit Eurer geschenkten Zeit? Wir sind gespannt auf Eure Kommentare!

Johannes Lerch, 15.03.2020