Hausgebet im Advent

In der zweiten Corona-Welle kommen die Einschläge allmählich näher. Immer öfter erleben wir, dass sich ein Bekannter oder Verwandter mit dem Corona-Virus infiziert hat. Immer mehr Menschen müssen in häusliche Quarantäne. Immer ungeduldiger warten viele auf die Fertigstellung eines Impfstoffes gegen Covid 19 und hoffen damit auf ein baldiges Ende der Beschränkungen.

Ungeduld und Hoffnung sind auch zentrale Begriffe in der Adventszeit. Kleine Kinder warten ungeduldig auf das Weihnachtsfest und hoffen auf die Erfüllung ihrer Geschenkwünsche. Christen erwarten, dass Gott wieder spürbar wird in dieser Welt und sehnen sich nach seiner Nähe, die sich in der Geburt Jesu in Bethlehem erfüllt.

Für alle, die in diesen Tagen keine Advents-Gottesdienste besuchen können, gibt es nicht nur unzählige Streaming-Gottesdienste, sondern auch – zum Beispiel von der Diözese Regensburg – eine schöne Vorlage für Hausgebete im Advent (siehe Download unten).

Der Advent erinnert uns daran, dass Gott bereits mitten in unserem Alltag da ist. Wir sind eingeladen, uns aufzumachen und neu auf den Herrn auszurichten, ihm alles hinzuhalten, was uns belastet und schmerzt, was wir nicht verstehen, gerade auch die ganzen Corona-Plagen. Dabei dürfen wir unserer Sehnsucht nach Gottes Gegenwart und Beistand nachspüren und alle unsere Erwartungen auf ihn ausrichten. Die Texte und Lieder der Hausgebete im Advent können uns dabei helfen.

(Johannes Lerch 26.11.2020)

Ein Brief: Brot und Rosen

Juliane schreibt:

„Wenn ich an den 19.11. zurückdenke, fällt mir ein, dass es der Gedenktag der Heiligen Elisabeth von Thüringen ist. Sie verbinden wir mit der Legende vom Brot und den Rosen:
Elisabeth war eine Königstochter, und der Landgraf von Thüringen war ihr Gemahl. Doch das Herz der heiligen Elisabeth gehörte den Armen. Sie konnte es nicht ertragen, auf der Wartburg in Saus und Braus zu leben, während im Land ringsum sehr viele Menschen Hunger leiden mussten. Darum stieg sie täglich von Wartburg hinab zu den Scharen der Bettler und teilte mit milder Hand aus, was sie zum Leben brauchten. Der Ruf ihrer Barmherzigkeit und Milde verbreitete sich im ganzen Land. Landgraf Ludwig ließ seine Frau zunächst gewähren. Doch sah er es nicht gerne, dass Elisabeth in eigener Person zu armen und verkommenen Leuten ging und sogar die Berührung mit Kranken nicht scheute. Als er sie wieder einmal mit ihrem Gabenkorb auf dem Weg von der Burg traf, hielt er sein Pferd an und fragte sie: „Was tragt Ihr da in Eurem Korbe?“ Elisabeth wollte ihren Gemahl nicht betrüben und doch auch ihre Christenpflicht nicht versäumen. In ihrer Not stammelte sie verwirrt: „Es sind Rosen, Herr“. Da riss der Landgraf zornig die Decke vom Korb. Sein Grimm verwandelte sich in Staunen und Bestürzung. Der Korb der Landgräfin Elisabeth war voller Rosen. Von diesem Tag an ließ Landgraf Ludwig seine Frau schalten und walten, wie ihr liebendes Herz ihr eingab.*

Und was hat das mit Heute zu tun?

Brot und Rosen – dass wir Brot, sinnbildlich für Nahrung jeder Art, zum Leben brauchen, das ist uns allen grundsätzlich mal bewusst. Dass wir als Christen von Jesus her den Auftrag haben Menschen zu helfen das tägliche Brot zum Leben zu haben, ist uns nicht neu. Und dennoch ist es immer wieder gut, sich bewusst zu machen, was das für mich persönlich heißen kann. Neben dem Blick auf die Welt, der in Corona-Zeiten wichtiger bleibt als zuvor, gibt es im Moment für viele von uns die Gelegenheit ganz konkret in der Nachbarschaft oder dem Freundeskreis für das „tägliche Brot“ zu sorgen. Ganz einfach, weil derzeit viele Menschen in unserem Land zeitweise in Quarantäne leben müssen. Da wird bewusst, was nötig ist zum Leben, wenn man nicht jederzeit raus ins nächste Geschäft gehen kann. In einem solchen Zusammenhang hatte ich ein Erlebnis, das mir gezeigt hat, wie wichtig nicht nur das Brot, die Butter, das Gemüse oder vielleicht auch das Stück Schokolade ist, sondern ganz konkret eine Rose. Ich habe eine Tüte zusammengepackt für zwei Menschen in meinem Umfeld, die zu der Zeit in Quarantäne waren, und neben den bestellten Lebensmitteln und einer kleinen Laterne auch eine Rose gesteckt, aus einem Strauß, den ich mir selbst als „Mutmacher“ gekauft hatte. Hinterher habe ich ein Foto geschickt bekommen von den Beiden an einem gedeckten Tisch mit Sahne auf dem Obst, der leuchtenden Laterne und der Rose, mit der sie es sich schön gemacht hatten.

Klein und schön!

Da wurde mir bewusst, wie wichtig die kleinen, schönen Dinge und Zeichen sind, auch über das absolut körperlich lebensnotwendige hinaus. Gerade, wenn wir alle besonders gefordert sind, ist es gut, wenn wir auf uns selbst und aufeinander achten und hin und wieder an die Rose extra denken – für andere und natürlich auch für uns selbst.

Gottes Segen für Sie alle und nachträglich einen Herzlichen Glückwunsch an alle, die Elisabeth heißen zum Namenstag!“

*(Quelle: Diese Legendenfassung findet sich auf http://www.bistum-fulda.de und wurde leicht verändert übernommen aus EXODUS 4. Religionsunterricht 4. Schuljahr. Lehrerkommentar. Neuausgabe. Düsseldorf / München 1987, 159.)

(Juliane Schaad, 19.11.2020)

Gebet in Corona-Zeiten
Dich rufen wir an,
heilige Elisabeth,
zu Dir schreien wir
in unserer Not.
Du hast die Ärmsten,
die Kranken, die Schwachen
besucht und ihnen geholfen.
Stark im Glauben und ohne Angst
bist du zu ihnen gegangen,
hast sie getröstet,
hast ihnen Nahrung gebracht
und allen Gefahren getrotzt.
Trage unsere Gebete zu Gott,
heilige Elisabeth,
stärke uns und unseren Glauben,
lass uns nicht in Angst erstarren,
sondern gib uns die Kraft und den Mut,
dort zu sein, wo wir jetzt gebraucht werden. Amen.

Theresia Bongarth, in: Pfarrbriefservice.de

Menschen mit Zuversicht anstecken

Das Studio für die Mutmacher-Aktion in der Krise steht bereit. © Christian Ruppel

Heute, am 11. November 2020 startet um 18 Uhr der erste Abend einer Online-Sendereihe unter dem Titel „Worms Läuft“. Der ZDF-Wahlexperte und Politikprofessor Karl-Rudolf Korte will in der Corona-Krise Mut machen: „Mit Zuversicht gegen den Corona-Blues“ nennt der in Worms lebende Wissenschaftler die Leitidee seiner Mutmacher-Initiative.

Bürger können ihre Ideen im Dialog vorstellen und von Beispielen erzählen, wie sie in der Krise auf kreative Weise die Chance ergriffen haben. Dadurch soll anderen Menschen in den dunklen und tristen Monaten November und Dezember Hoffnung gegeben werden.

Im Wissen um individuelle Einzelschicksale, die in der Corona-Pandemie auch gar nicht geleugnet werden sollen, will Korte einen Kontrapunkt setzen gegen Infektionsraten, Todeszahlen und Bangen um ausreichende Plätze in den Intensivstationen.

Denn daneben gibt es nach Meinung des Sozial- und Politikwissenschaftlers auch noch eine andere Wirklichkeit: Wir wollen die Menschen anstecken – nicht mit dem Virus, sondern mit Zuversicht“. Mit Zuversicht und Optimismus soll die Demokratie gestärkt werden: Indem man zeigt, was gut läuft, könne man das Demokratie-Potenzial in der Gesellschaft auffüllen.

Die rund zehnteiligen Sendereihe wird im November und Dezember jeweils mittwochs und freitags um 18 Uhr aufgezeichnet und kann über YouTube angeschaut werden: https://bit.ly/32Jnp03. Wer noch Ideen oder ein gelungenes Projekt hat, kann sich bei Karl-Rudolf Korte per E-Mail melden: krkorte@uni-due.de.

(Johannes Lerch 11.11.2020)

Durch verschlossene Tür zu den verängstigten Menschen

Immer wieder sind die Texte von Papst Franziskus für mich Inspiration und Anlass, tiefer zu schauen.

So auch sein Brief, den er dieses Jahr an die Priester in der Diözese Rom geschrieben hat. Darin beschäftigt er sich mit der Bibelstelle Johannes 20,19-22, in der Jesus durch die verschlossenen Türen zu den verängstigten Jüngern kommt, ihnen den Heiligen Geist schenkt und sie aussendet.

Daraus möchte ich ein paar Gedanken mit Euch teilen, weil sie gut zu unserer derzeitigen Corona-Situation passen.

„Obwohl es notwendig war, die soziale Distanzierung einzuhalten, hat dies nicht verhindert, dass sich das Gefühl der Zusammengehörigkeit, der Gemeinschaft und der Mission verstärkte, was uns geholfen hat, dafür zu sorgen, dass die Liebe, vor allem gegenüber den am meisten benachteiligten Menschen und Gemeinschaften, nicht unter Quarantäne gestellt wurde.“

„Die Hoffnung hängt auch von uns ab und erfordert, dass wir einander helfen, damit sie lebendig und aktiv bleibt, jene ansteckende Hoffnung, die in der Begegnung mit den anderen gepflegt und gestärkt wird und die uns als Geschenk und Aufgabe gegeben ist, um die neue »Normalität« aufzubauen, nach der wir uns so sehr sehnen. Ich schreibe euch mit dem Blick auf die erste Gemeinschaft der Apostel, die ebenfalls Momente des Eingeschlossenseins, der Isolierung, der Angst und Unsicherheit durchgemacht hat.“

„Wir haben den plötzlichen Verlust von Familienangehörigen, Nachbarn, Freunden, Gemeindemitgliedern, Beichtvätern, Orientierungspunkten unseres Glaubens, erlitten. Wir haben die untröstlichen Gesichter derjenigen gesehen, die ihren Angehörigen in den letzten Stunden nicht nahe sein durften und sich nicht von ihnen verabschieden konnten. Wir haben das Leid und die Ohnmacht des Krankenhauspersonals gesehen, Ärzte und Pflegekräfte, die sich in nicht enden wollenden Arbeitstagen aufrieben, um die zahllosen Hilferufe zu beantworten.“

„Wir haben die Schwierigkeiten und Nöte der sozialen Einschränkungen gesehen und von ihnen gehört: Einsamkeit und Isolierung vor allem der alten Menschen; Sorge, Angst und das Gefühl der Schutzlosigkeit gegenüber der Unsicherheit in Bezug auf Arbeit und Wohnung; Gewalt und Zermürbung in den Beziehungen. Die uralte Angst vor der Ansteckung hat wieder zugeschlagen. Wir haben auch die beklemmenden Sorgen ganzer Familien geteilt, die nicht wissen, was in der nächsten Woche auf den Tisch kommen soll.“

„Die Merkmale des Virus bringen die Logik zum Verschwinden, nach der wir gewöhnlich die Realität aufgeteilt oder klassifiziert haben. Die Pandemie kennt keine Adjektive, Grenzen und niemand darf meinen, allein zurechtzukommen. Wir sind alle betroffen und beteiligt.“

„Persönlich und gemeinschaftlich gefährdet und getroffen in unserer Verwundbarkeit und Schwäche sowie in unseren Grenzen, ist die Gefahr groß, dass wir uns zurückziehen und weiter über die Trostlosigkeit nachgrübeln, die die Pandemie uns vor Augen stellt, oder dass wir uns auf einen grenzenlosen Optimismus versteifen, der unfähig ist, die reale Dimension der Ereignisse zu akzeptieren.“

„Als der Herr bei verschlossenen Türen in das Obergemach trat, mitten in Isolierung, Angst und Unsicherheit, in der sie lebten, war er in der Lage, jede Logik zu verwandeln und der Geschichte und den Ereignissen eine neue Bedeutung zu verleihen. Jede Zeit ist geeignet, Frieden zu verkünden, keine Situation ist seiner Gnade beraubt … Durch seine Gegenwart ist das Eingeschlossen-Sein fruchtbar geworden und hat der neuen Gemeinschaft der Apostel Leben geschenkt.“

„Wenn eine nicht fassbare Präsenz (das Virus) in der Lage war, die Prioritäten und eine scheinbar unverrückbare globale Agenda … durcheinanderzubringen und auf den Kopf zu stellen, dann wollen wir keine Angst haben, dass die Gegenwart des Auferstandenen uns den Weg bahnt, neue Horizonte eröffnet und uns den Mut gibt, diesen historischen und einzigartigen Augenblick zu leben.“

„Eine Handvoll furchtsamer Männer war in der Lage, eine neue Bewegung ins Leben zu rufen: die Verkündigung des lebendigen Gottes-mit-uns. Habt keine Angst!“

„Von seiner Seitenwunde her, Zeichen dafür, wie hart und ungerecht die Realität wird, möge er es sein, der uns drängt, der harten, schwierigen Realität unserer Brüder und Schwestern nicht den Rücken zu kehren.“

„Der Herr ist derjenige, der uns verwandelt, der sich unser bedient wie des Brotes, der unser Leben in seine Hände nimmt, uns segnet, uns bricht, uns austeilt und seinem Volk gibt.“

Den vollständigen Text, den ich Euch sehr ans Herz lege, findet Ihr unter diesem Link: http://www.vatican.va/content/francesco/de/letters/2020/documents/papa-francesco_20200531_lettera-sacerdoti.html

(Ludger Fest und Johannes Lerch 09.08.2020)

Platzkarten in der Kirche?

Fast überall können nach der Lockerung der Corona-Maßnahmen jetzt wieder Gottesdienste gefeiert werden. Wir waren gestern mit unseren Kindern dabei, und ich hatte mir im Vorfeld viele Gedanken gemacht, denn die Zahl der zugelassenen Besucher war limitiert.

Zählt jeder von unserer Familie einzeln oder wird unsere häusliche Gemeinschaft als ein Besucher gezählt? Werden wir abgewiesen, wenn wir zu spät kommen? Müsste ich nicht aus Nächstenliebe vorsichtshalber auf den Gottesdienstbesuch verzichten, um anderen nicht den Platz wegzunehmen?

Um Menschen nicht vor der Kirche abweisen zu müssen, vergeben einige Gemeinden Platzkarten, für die man sich vorher anmelden muss. Meine Mutter hatte sich eine Platzkarte telefonisch bestellt und per Post zugesandt bekommen. Was für ein Aufwand. Wenn das so weitergeht, gibt es vielleicht bald eine komfortable Online-Registrierung für den Gottesdienstbesuch – und die Logenplätze auf der Empore? Nein, denn wir wollen den Gottesdienst ja aktiv mitfeiern und nicht nur zuschauen wie im Kino. Vielleicht haben wir uns bei den Livestream-Messen der letzten Wochen auch daran gewöhnt, dass wir gut in der ersten Reihe sitzen können und wagen uns jetzt auch in der Kirche, mal einen Platz weiter vorne einzunehmen.

Aber ob wir überhaupt einen Platz bekommen? Was mir in den Sinn kommt, ist erst einmal der Wirtschaftskundeunterricht über Angebot und Nachfrage. Oft erleben wir unsere Gottesdienste als Angebot mit nur geringer Nachfrage. Wenn jetzt aber das Angebot begrenzt und nur wenige Menschen einen Gottesdienst besuchen dürfen, die Nachfrage von ausgehungerten Christen also steigt, dann müsste der Wert einer Messe ja höher eingeschätzt werden. Vielleicht setzt ja bald ein Run auf die letzten freien Plätze ein – und die Nachfrage wird so groß, dass Platzkarten auf dem Schwarzmarkt verkauft werden? J

Genug der Träumerei. In unserem Gottesdienst haben alle einen Platz bekommen, auch ohne Registrierung. Der Besuch war schon eine eigenartige Erfahrung, aber durchaus mit interessanten, positiven und hoffnungsvollen Aspekten:

  • Am Eingang der Kirche werde ich von freundlichen Helfern begrüßt, die mir Desinfektionsmittel auf die Hände sprühen – wie schön ist doch so eine persönlich Begrüßung: Hier fühle ich mich willkommen.
  • Am Kircheneingang ist kein Weihwasser im Becken. Das lässt mich innehalten: Wozu war noch einmal das Weihwasser? Ach ja, ich erneuere mein Taufversprechen. Dann mache ich das Kreuzzeichen jetzt nicht mechanisch, sondern ganz bewusst.
  • Ein Ordner erklärt mir freundlich, wo ich meinen Sitzplatz einnehmen kann und geleitet mich ein Stück. Ich fühle mich wie im Kino.
  • Auf den Bänken liegen Infozettel für Gottesdienstbesucher aus. Dort stehen alle wichtigen Hygiene-Hinweise, und es wird sehr verständlich und genau erklärt, wie ich mich im Kirchenraum zu verhalten habe. Könnte man da nicht auch mal einen Flyer mit erklärenden Hinweisen zum Messablauf und den liturgischen Elementen des Gottesdienstes auslegen – gerade für Menschen, die nach der Krise wieder neu eine Heilige Messe besuchen und für die eine Orientierung hilfreich wäre?
  • Mitsingen war nicht erlaubt – aber durch innerliches Mitsummen und Hören der Liedtexte kann ich die Inhalte fast noch bewusster wahrnehmen und meinen Gedanken freien Lauf lassen, sodass auch der verinnerlichte Gesang zum doppelten Gebet werden kann.
  • Dass wir uns beim Friedensgruß nicht die Hände geben sollen, sondern durch ein freundliches Zunicken den Frieden wünschen, sind wir bereits gewohnt – allerdings muss ich noch lernen, beim empfohlenen Tragen des Mund-Nasen-Schutzes, mit den Augen zu lächeln. Aber mit einem freundlichen Blick kann ich weitaus mehr Menschen erreichen als nur meinen Banknachbarn.
  • Beim Kommunionempfang wurden wir aufgefordert, unsere Hände weit nach vorne strecken, um möglichst großen Abstand zum Priester oder Kommunionhelfer einzuhalten – diese Geste ist ungewohnt, aber unterstreicht, dass wir uns zum Herrn ausstrecken und ihn bewusst empfangen dürfen.

Alles in allem waren also meine Erfahrungen des ersten Gottesdienstes unter Corona-Auflagen auch ohne Platzkarte sehr positiv – ein erster Schritt nach vorn und ein Zeichen der Hoffnung.

Johannes Lerch, 18.05.2020

Und bis wir uns wiedersehen …

Ich hatte Tränen in den Augen, als ich zum ersten Mal ein Video gesehen habe, in dem ein Blasorchester aus dem „Homeoffice“ dieses Lied gespielt hat – den Refrain von „Möge die Straße uns zusammenführen“, nach irischen Segenswünschen und der Melodie von Markus Pytlik: „Und bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in seiner Hand!“

Zum ersten Mal habe ich das Lied als Jugendliche gesungen. Unser damaliger Chorleiter war mit dem Komponisten bekannt und hatte es mitgebracht. Mittlerweile wird es wahrscheinlich in den meisten christlichen Kirchen in Deutschland gesungen und ist sehr bekannt. Und mir wird immer mehr bewusst: Der Text ist wahr und das nicht nur als Verheißung oder Wunsch, sondern als Tatsache.

Besonders der Refrain enthält eine Hoffnung und eine Wahrheit, die uns jetzt in Zeiten der Corona-Krise tragen kann: Wir werden uns wiedersehen! Ganz bestimmt – und das nicht erst im Himmel, sondern bald wieder auch hier auf der Erde. Und bis dahin wissen wir: Gott hält Dich und mich und alle, die wir lieben und gerade nicht treffen oder umarmen können, fest in seiner Hand.

Juliane Schad, 20.04.2019

Hier der Liedtext:

1. Möge die Straße uns zusammenführen
und der Wind in deinem Rücken sein;
sanft falle Regen auf deine Felder
und warm auf dein Gesicht der Sonnenschein.

Refrain: Und bis wir uns wiedersehen,
halte Gott dich fest in seiner Hand;
und bis wir uns wiedersehen,
halte Gott dich fest in seiner Hand.

2. Führe die Straße, die du gehst
immer nur zu deinem Ziel bergab;
hab wenn es kühl wird, warme Gedanken
und den vollen Mond in dunkler Nacht.

3. Hab unterm Kopf ein weiches Kissen,
habe Kleidung und das täglich Brot;
sei über vierzig Jahre im Himmel,
bevor der Teufel merkt du bist schon tot.

4. Bis wir uns mal wiedersehen,
hoffe ich, dass Gott dich nicht verlässt;
er halte dich in seinen Händen,
doch drücke seine Faust dich nicht zu fest.

(Markus Pytlik)

Vom Grundrecht auf Hoffnung

Ein Gedanke von Papst Franziskus bei seiner Predigt in der Osternacht im Petersdom hat mich sehr beschäftigt: Es gibt ein „Grundrecht auf Hoffnung“! Grund genug, das in unserem Blog aufzugreifen.

Wir kennen Grundrechte aus unserem Grundgesetz, zum Beispiel die Menschenwürde, freie Entfaltung der Persönlichkeit, Gleichheit vor dem Gesetz, das Recht auf freie Meinungsäußerung oder die Religionsfreiheit. Nicht nur in einer Zeit, in der der Gottesbezug in der Präämbel des Grundgesetztes heftig diskutiert wurde, sondern auch im Hinblick auf die Corona-Krise ist ein Grundrecht auf Hoffnung ein wohltuender Gedanke: Hoffnung, die von Gott kommt, ist nicht nur einigen wenigen vorbehalten, sondern jeder Mensch darf zu Recht hoffen – das kann niemandem genommen werden.

Wörtlich sagte Papst Franziskus: Heute Nacht erlangen wir ein Grundrecht, das uns nicht genommen werden wird: das Recht auf Hoffnung. Es ist eine neue, lebendige Hoffnung, die von Gott kommt. Sie ist nicht bloßer Optimismus, sie ist nicht ein Schulterklopfen oder eine freundliche Ermutigung. Sie ist eine Gabe des Himmels, die wir uns nicht selbst besorgen konnten. Alles wird gut, so sagen wir beharrlich in diesen Tagen und klammern uns dabei an die Schönheit unserer Menschlichkeit und lassen vom Herzen Worte der Ermutigung aufsteigen. Aber mit dem Verstreichen der Tage und der Zunahme der Ängste kann selbst die kühnste Hoffnung sich verflüchtigen. Die Hoffnung Jesu ist anders. Sie legt die Gewissheit ins Herz, dass Gott alles zum Guten zu wenden vermag, da er sogar aus dem Grab das Leben hervorgehen lässt.

Im weiteren Verlauf seiner Osterpredigt forderte der Papst uns auf, diese Hoffnung weiterzugeben: Das ist die Osterbotschaft, die Botschaft von Hoffnung. Sie enthält dann einen zweiten Teil, die Sendung. Geht und sagt meinen Brüdern, sie sollen nach Galiläa gehen (Mt 28,10), sagt Jesus. Er geht euch voraus nach Galiläa (V. 7), sagt der Engel. Der Herr geht uns voraus. Es ist schön zu wissen, dass er vor uns hergeht, dass er in unser Leben und unseren Tod gekommen ist, um uns nach Galiläa vorauszugehen, an den Ort nämlich, der für ihn und seine Jünger das tägliche Leben, die Familie, die Arbeit bedeutete. Jesus möchte, dass wir die Hoffnung dorthin bringen, in das Leben eines jeden Tages. Aber Galiläa war für die Jünger auch der Ort der Erinnerungen, vor allem an den ersten Ruf. Nach Galiläa zurückkehren heißt sich daran erinnern, dass wir von Gott geliebt und gerufen worden sind. Es ist notwendig, dass wir den Weg wiederaufnehmen, indem wir daran denken, dass wir von einem unentgeltlichen Ruf der Liebe geboren und wiedergeboren werden. Von diesem Punkt aus sollen wir wieder neu aufbrechen, vor allem in Zeiten der Krise und der Prüfung.

Die Botschaft der Hoffnung gelte allen Menschen. Sie dürfe nicht in unsere heiligen Bezirke eingegrenzt werden, sondern müsse zu allen gebracht werden, betonte der Papst weiter. Denn alle bräuchten Ermutigung. Es sei Aufgabe der Christen, Trost zuzusprechen, die Last der anderen zu tragen, zu ermutigen und das Leben in Zeiten des Todes zu verkünden.

(Der vollständige Wortlaut der Papst-Predigt ist in VaticanNews veröffentlicht.)

Und noch ein Gedanke von Papst Franziskus aus der Osteransprache vor dem Urbi et Orbi Segen, der mir gut gefallen hat: Es geht hier um eine andere Art der Ansteckung, die von Herz zu Herz übertragen wird – denn jedes menschliche Herz ersehnt diese Gute Nachricht. Es ist die Ansteckung der Hoffnung:Er lebt, der Herr, meine Hoffnung! Das ist kein Zauberspruch, welcher unsere Probleme verschwinden lässt. Nein, die Auferstehung Christi ist etwas anderes. Sie ist der Sieg der Liebe über die Wurzel des Bösen, ein Sieg, der Leiden und Tod nicht umgeht, sondern durchquert und im Abgrund einen Weg öffnet und damit Böses in Gutes verwandelt.

(Der vollständige Wortlaut der Osteransprache ist ebenfalls in VaticanNews veröffentlicht.)

Johannes Lerch, 12.04.2020

Zurück aus New York – und Ostern im Blick

Letzte Woche ist unser Sohn aus New York zurückgekommen. Er war dort zusammen mit 25 jungen Christen in der Emmanuel School of Mission (ESM). Die neunmonatige katholische Evangelisationsausbildung musste aufgrund des Coronavirus – drei Monate früher als geplant – abgebrochen werden.

Plötzlich betrifft es uns ganz direkt. Die Vereinigten Staaten sind ja inzwischen zum weltweiten Corona-Epizentrum geworden. Der Mannheimer Morgen titelte am Tag der Ankunft unseres Sohnes: „Stillstand in New York, US-Wirtschaft im Sinkflug“. Wir haben uns auf eine 14-tägige Quarantänezeit vorbereitet: Ein eigenes Zimmer im Keller, beim Essen zwei Meter Abstand, jede Berührung vermeiden. Es ist schon seltsam. Doch wir gewöhnen uns daran, werden mit der Zeit aber auch nachlässiger.

Aber auch so werden wir mittlerweile immer direkter mit dem Coronavirus konfrontiert, die „Einschläge“ kommen unaufhaltsam näher: In unserer Stadt Mannheim gab es die ersten Toten. Menschen aus unserem Umfeld kämpfen auf der Intensivstation mit dem Tode. Wir haben Nachbarn, Bekannte und Freunde, die bereits infiziert sind oder über Einsamkeit und Lagerkoller klagen. In unserer Firma wird Kurzarbeit eingeführt. So wird es für uns immer ernster – wir werden von Zuschauern zu Betroffenen.

Das passt gut zum Beginn der Karwoche. Auch hier kommt es darauf an, nicht nur dem religiösen Geschehen am Bildschirm zuzuschauen, sondern mittendrin dabei zu sein, sich ergreifen und ansprechen zu lassen. Wir verbinden uns mit dem Leiden Jesu und haben – im Gegensatz zu den Jüngern damals – den Vorteil, dass die Erlösung und Auferstehung an Ostern fest im Blick ist.

Auch bei der Corona-Krise habe ich die Hoffnung, dass sich an Ostern eine Trendwende vollzieht, dass der Höhepunkt der Infektionen erreicht ist und es langsam besser wird. So wie nach der Auferstehung Christi alles anders wurde, wird auch nach der Corona-Krise manches anders sein als es vorher war. Die Menschheit ist zusammengerückt – wir haben ein Stück weit gelernt, auf das Wesentliche zu schauen, einander zu helfen, manches zu relativieren und auf Dinge zu verzichten, die uns bisher heilig erschienen. So können wir uns in dieser weltweiten Fastenzeit neu ausstrecken nach dem, der Sinn stiftet und Leben spendet.

Johannes Lerch, 04.04.2020

Kar- und Ostertage in Corona-Zeiten

Ostern wird auch in Zeiten von Corona nicht abgesagt. Wir feiern es dieses Jahr anders als sonst und müssen auf den persönlichen Besuch der Messen in der Karwoche mit ihrer besonderen Liturgie verzichten. Aber dadurch ist Ostern nicht weniger bedeutsam. Vielleicht erfüllen uns die Tage gerade jetzt noch mehr mit Hoffnung und Freude.

Die digitale Welt eröffnet uns ganz neue Möglichkeiten, Ostern anders und vielleicht sogar intensiver zu erleben und mitzufeiern. Aber die neue Kanzel der Kirche ist nicht nur das Internet. Mittlerweile gibt es viele Initiativen, Materialien und Anregungen, wie man die Kar- und Ostertage in Corona-Zeiten auch zu Hause feiern kann. Hier zwei zur Auswahl.

Kar- und Ostertage für Familien

Eine sehr schöne Handreichung für Familien haben Juliane Glaum und Claudia und Thomas Lütkemeier zusammengestellt. Darin gibt es umfangreiche Materialien und Aktionsvorschläge, wie man mit der Familie die Tage von Palmsonntag bis Ostern begehen kann: Von der Gestaltung eines Ostergartens über Palmbuschen binden und einem Rezept zum Brotbacken bis hin zu einer Osterkerze, die man „mitwachsen“ lassen kann und die in jedem Gottesdienst mit einem weiteren Symbol verziert wird.

Das Begleitheft wurde in einer bedruckten Ostertasche zusammen mit den Utensilien verpackt und an Familien aus der Gemeinde vor Ort und im Umfeld verteilt. Die Handreichung mit den Impulsen und Aktionsvorschlägen kann hier heruntergeladen werden:

Osterforum digital

Das Osterforum der Gemeinschaft Emmanuel ist traditionell ein Angebot für junge Erwachsene. Dieses Jahr wird es in digitaler Form stattfinden, sodass jetzt jeder, der möchte, daran teilnehmen kann. Via Livestream wird aus der Josefsburg in Altötting die Liturgie übertragen, die von den Studenten der Emmanuel School of Mission (ESM) gestaltet wird. Zelebrant ist Pfarrvikar und ESM-Direktor Martin Siodmok.

Außerdem werden Impulse gestreamt, die von Referenten an unterschiedlichen Orten gehalten werden. Es wird auch Zeiten geben, um gemeinsam zu schweigen, Bibelstellen zu betrachten, per Telefon bzw. Internet ins Gespräch zu kommen oder auch zusammen zu beten. Dazu stehen Jugendliche und Erwachsene verschiedener Altersgruppen und Lebensstände von unterschiedlichen Orten aus bereit.

Nach der Osternacht wird DJ Faith für uns auflegen, um gemeinsam, wenn auch räumlich getrennt, die Auferstehung unseres Herrn ordentlich feiern zu können. Mehrere kreative Köpfe bereiten auch noch weitere Punkte vor.

Programmablauf und Link zum Livestream-Kanal, wo es auch jetzt schon tägliche Angebote gibt, stehen unter live.emmanuel.de zur Verfügung. Das genauere Programm und weitere Infos gibt es zudem unter www.emmanuel-ostertage.de

Johannes Lerch, 03.04.2020

Lied der Hoffnung und des Vertrauens

Eines der Lieblingslieder, die unsere ganze Familie gerne hört, ist „Oceans“ der australischen Band „Hillsong United“. In ihm wird die Bibelstelle (Matthäus 14,22-33) aufgenommen, in der Petrus aus dem Boot, das in stürmische See geraten ist, aussteigt und über das Wasser auf Jesus zuläuft. Bekanntermaßen fängt er an zu sinken, als er den Blickkontakt zu Jesus verliert und nur noch die Gefahren sieht. Jesus rettet ihn dann aus dieser Not.

Ich finde, das passt hervorragend zu diesen außergewöhnlichen Zeiten. Deshalb möchte ich mit Euch diesen Text teilen und hoffe, dass er viele von Euch stärkt.

Wer mag, kann sich eine der vielen verschiedenen Versionen anschauen, die es im Internet von diesem Lied gibt, zum Beispiel das YouTube-Video oben.

„Oceans“ Songtext

You call me out upon the waters
The great unknown where feet may fail
And there I find You in the mystery
In oceans deep
My faith will stand and I will call upon your name

and keep my eyes upon the waves
when oceans rise my soul rest in your inbrase

And I will call upon Your name
And keep my eyes above the waves
When oceans rise
My soul will rest in Your embrace
For I am Yours and You are mine

Your grace abounds in deepest waters
Your sovereign hand
Will be my guide
Where feet may fail and fear surrounds me
You’ve never failed and You won’t start now


So I will call upon Your name
And keep my eyes above the waves
When oceans rise
My soul will rest in Your embrace
For I am Yours and You are mine

Spirit lead me where my trust is without borders
Let me walk upon the waters
Wherever You would call me
Take me deeper than my feet could ever wander
And my faith will be made stronger
In the presence of my Savior

I will call upon Your Name
Keep my eyes above the waves
My soul will rest in Your embrace
I am Yours and You are mine

Ludger Fest, 01.04.2020