Stern der Hoffnung

Die Sehnsucht nach Hoffnung ist groß! Nach der Hoffnung, dass die Pandemie irgendwann aufhört. Nach der Hoffnung, dass Versöhnung stattfindet, da wo Spaltung herrscht. Nach der Hoffnung, dass Leid, Krankheit, Trauer verwandelt wird in Gesundheit, Friede, Freude und Trost.

Wie können wir diese Hoffnung finden? Wie können wir unsere Hoffnung teilen und zusammenlegen, dass sie mehr wird und zu wahrer Freude führt? Wie können wir hoffnungsvoll in jeden Tag gehen, wenn die Sorgen und die schlechten Nachrichten jede Zuversicht rauben?

Der Stern von Bethlehem ist das Symbol der Hoffnung. Er ist Hoffnung, dass wir nicht alleine sind, sondern Gott uns Lebensbegleiter bleibt und Wege zum Leben führt. Er ist die Hoffnung darauf, dass Gott uns Menschen so sehr liebt, dass er in diesem kleinen Kind im Stall von Bethlehem Mensch wird. Er ist die Hoffnung darauf, dass es sich lohnt in schwierigen Zeiten zuversichtlich zu bleiben und an der Hoffnung festzuhalten.

Was kann dabei helfen, die Hoffnung zu stärken – für mich selbst und für andere?

  • Sich selbst im Spiegel anlachen
  • Die Bibel aufschlagen und z. B. in Jeremia 29, 2. Korinther 1 oder die Weihnachtsgeschichte im Lukasevangelium lesen
  • Eine Kerze anzünden
  • Etwas Blühendes suchen
  • Tee oder Kaffee kochen
  • Einen Witz erzählen
  • Jemandem ein Kompliment machen
  • Kontakt aufnehmen zu jemandem, von dem ich lange nichts mehr gehört habe
  • Einen Stern basteln
  • Ein Lied singen
  • In der Stille Gott suchen
  • Beten
  • Jemandem eine Karte schreiben
  • Jemandem ein schönes Foto schicken
  • Jemandem ein Geschenk machen
  • Jemandem Hilfe anbieten
  • Nicht aufgeben – weiter machen
  • Etwas Gutes für jemanden kochen
  • Mir selbst etwas Gutes zu Essen machen
  • Eine Blume verschenken

So wünsche ich Euch allen, dass der Stern der Hoffnung von Bethlehem für Euch – wie für die Heiligen Drei Könige –  Halt und Richtung gibt im Leben und Ihr anderen helfen könnt, dies zu finden!

PS: Nachdem ich die oben genannten Punkte gesammelt hatte, bin ich auf folgende lesenswerte Internetseite gestoßen: https://jetzthoffnungschenken.katholisch.de

(Juliane Schaad, 06.01.2022)

Warten …

In unserer schnelllebigen Zeit fällt es uns heute zunehmend schwer, zu warten. Wir alle – da schließe ich mich ein – sind ungeduldig geworden: Sei es im Straßenverkehr, in der Warteschleife einer Telefonanlage oder beim Anstehen an einem Corona-Testcenter, wie wir es neulich erlebt haben. Trotz gebuchtem Termin kamen wir erst nach ca. einer Stunde dran.

In der Corona-Pandemie warten wir darauf, dass die Inzidenzzahlen so weit heruntergehen, dass wieder normale Begegnungen möglich werden.

Im Advent warten wir Christen auf die Ankunft des Herrn. Hier fällt uns das Warten leichter, denn wir wissen bereits, wann das Ereignis eintritt: am 24. Dezember beginnt die Weihnachtszeit.

Bei Corona ist das schwieriger, denn wir wissen nicht, wann die Pandemie vorbei ist und wie sich die nächsten Monate entwickeln werden. Die Zukunft ist also ungewiss.

Auch wenn wir am Bahnhof auf die Ankunft eines Zuges warten, wissen wir oft nicht, ob wir bei einer Verspätung noch den geplanten Anschluss erreichen. Die Ungewissheit macht uns zu schaffen. Und da kommt die Hoffnung ins Spiel.

Wie eine schwangere Frau auf die Geburt des Kindes wartet und hofft, dass alles gut geht, so waren auch Maria und Elisabeth guter Hoffnung und vertrauten darauf, dass etwas Größeres geschieht, wenn sie durch das Tal der Schwangerschaft hindurch sind. In ihrer Begegnung haben sie über das gesprochen, was sie bewegt. Und im wahrsten Sinne des Wortes bewegte sich bei Elisabeth ihr Kind im Bauch, so erzählt es das Evangelium am 4. Advent (Lukas 1,39-45).

Die Zuversicht hilft uns, das Warten zu ertragen. Corona macht zwar das ganze Jahr zur Geduldsprobe. Aber die Vorfreude auf das, was danach kommt, lässt uns zuversichtlich werden. Freuen wir uns auf die Begegnungen, die nach der Corona-Zeit wieder möglich sein werden. Und freuen wir uns schon jetzt auf die möglichen Begegnungen in der Weihnachtszeit.

Weihnachten ist das Angebot Gottes, uns Menschen zu begegnen und dadurch unser Leben zu verändern – heute wie vor 2000 Jahren. Wir Menschen sind auf Begegnung hin angelegt und können ohne sie nicht leben, wie Martin Buber sehr treffend formuliert hat: „Alles wirkliche Leben ist Begegnung“.

Johannes Lerch (19.12.2021)

Corona-Ostern mit Hoffnung für Neuanfang

Wir feiern das zweite Osterfest unter Corona-Einschränkungen. Während vor einem Jahr alle schockiert waren und die Hoffnung hatten, diese Krise bald zu überwinden, macht sich in diesem Jahr vielerorts Niedergeschlagenheit breit. Über 75.000 Familien haben in Deutschland einen geliebten Menschen durch das Virus verloren, und selbst die Beerdigungen dürfen nur in kleinem Kreis und unter strengsten Auflagen stattfinden.

Hoffnungsschimmer auf Impfstoffe werden immer wieder durchkreuzt, und neue Pandemie-Wellen und Virus-Mutationen lassen uns verzagen. Doch angesichts der drohenden Gefahr für Leib und Leben hat die Botschaft von Ostern eine besondere Kraft. Denn im Zentrum des christlichen Festes steht zunächst eine schreckliche Grenzerfahrung. Dabei geht es nicht nur um den qualvollen Tod eines Menschen, der zuvor gedemütigt und gefoltert wurde, sondern auch um diejenigen, die zurückbleiben. Die Jünger Jesu waren zunächst entmutigt und liefen davon. Angst, Orientierungslosigkeit und Trostlosigkeit machten sich breit.

„In den dunklen Monaten der Pandemie hören wir den auferstandenen Herren, der uns einlädt, niemals die Hoffnung zu verlieren“, sagte Papst Franziskus in der Osternacht im Petersdom. Ein Neuanfang sei immer möglich. Auch aus den Trümmern unserer Herzen könne Gott ein Kunstwerk schaffen, auch aus dem Scherbenhaufen der Menschheitsgeschichte habe Gott etwas Neues entstehen lassen.

Jesus Christus lebt, hier und jetzt, betonte der Papst: „Er begleitet dich jeden Tag – bei der Situation, die du gerade erlebst, bei der Prüfung, die du durchmachst, bei den Träumen, die du hegst. Er eröffnet neue Wege, wo du meinst, es gäbe keine, er bringt dich dazu, dagegen anzukämpfen, dem Vergangenen nachzuweinen oder alles als „schon dagewesen“ abzutun. Auch wenn dir alles verloren erscheint, öffne dich staunend für das Neue, das er verheißt: Er wird dich überraschen.“

Nach seiner Auferstehung werden die Jünger nach Galiläa gerufen, um dort den auferstandenen Herrn zu treffen. Das bedeutet, sich wegzubewegen vom Grab, neue Wege zu beschreiten, was ja gerade in der Corona-Krise für uns alle wichtig geworden ist. Unser Glaube muss sich wieder neu auf den Weg machen, wenn er lebendig sein soll. Dazu gehört es auch, Kindheitserinnerungen aufzugeben und sich voll Vertrauen und demütig von Gottes Wegen überraschen lassen.

Nach Galiläa gehen bedeutet auch, an die Grenzen zu gehen, denn Galiläa ist der am weitesten entfernte Ort der dortigen Region. So werden auch wir heute gebeten, dorthin zu gehen, wo die Ausgegrenzten sind, wo sich das tägliche Leben abspielt, in die Straßen, auf denen wir jeden Tag unterwegs sind, in die verschiedenen Winkel unserer Städte – dorthin geht der Herr uns voraus und dort zeigt er sich, gerade im Leben derer, die an unserer Seite leben und mit uns Zeit, Haus, Arbeit, Nöte und Hoffnungen teilen. In Galiläa lernen wir, dass wir den auferstandenen Herrn in den Gesichtern unserer Brüder und Schwestern finden können – im Enthusiasmus derer, die träumen, und in der Resignation derer, die verzagt sind, im Lächeln derer, die sich freuen, und in den Tränen derer, die leiden, besonders in den Armen und in denen, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. Wir werden staunen, wie sich Gottes Größe im Kleinen offenbart, wie seine Schönheit in den Einfachen und Armen aufstrahlt.

Wenn wir also in unserem Herzen eine dunkle Stunde tragen, ein verschüttetes Licht, einen zerbrochenen Traum, dann sind wir aufgerufen, unser Herz voll Staunen für die Osterbotschaft zu öffnen: „Erschrick nicht, er ist auferstanden! Er wartet auf dich in Galiläa“. Deine Erwartungen werden nicht unerfüllt bleiben, deine Tränen werden getrocknet werden, deine Ängste werden von der Hoffnung besiegt werden. Denn weißt du: der Herr geht dir immer voraus, er geht immer vor dir. Und mit ihm beginnt das Leben immer neu.

Die Osterbotschaft kennt den Zustand der Verzweiflung und Aussichtslosigkeit. Aber sie will vor allem ermutigen und Hoffnung spenden, damit Leid, Angst und Tod nicht das letzte Wort haben. „Veränderung kann schneller kommen, als wir glauben. Manchmal von unerwarteter Seite“, so ein Zeitungskommentar.

Quellen: Kommentar Hoffnung bleibt im Mannheimer Morgen | Predigt in der Osternacht von Papst Franziskus

(Johannes Lerch, 04.04.2021)

Zum Palmsonntag: Der König

„In jener Zeit hörte die große Volksmenge, die sich zum Paschafest eingefunden hatte, Jesus komme nach Jerusalem. Da nahmen sie Palmzweige, zogen hinaus, um ihn zu empfangen, und riefen: Hosanna! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn, der König Israels! Jesus fand einen jungen Esel und setzte sich darauf – wie es in der Schrift heißt: Fürchte dich nicht, Tochter Zion! Siehe, dein König kommt; er sitzt auf dem Fohlen einer Eselin.“ (Johannes 12, 12-15)

Ein „König“ ist der „Inhaber der höchsten (monarchischen) Würde“, so kann man in einem Wörterbuch nachlesen. Wer ist mein König? Wer hat für mich die höchste Würde von allen Menschen? Wem vertraue ich? Wem gehorche ich aufs Wort? Wem folge ich nach?

Der große Zug nach Jerusalem ist der Beginn einer Woche, die es in sich hat. Ich denke über den König nach und merke, dass es mir in der aktuellen Corona-Krise eher schwer fällt, den Obrigen unseres Landes zu vertrauen, auch wenn es in Deutschland keine königliche Monarchie gibt und Beschlüsse im Einvernehmen zwischen Bund und Ländern gefasst werden.

Doch was macht einen guten König aus? Was sind die Merkmale eines Herrschers, dem die Menschen gerne glauben und dem folgen, was er vorgibt? Er zeigt den Menschen durch sein Tun, dass er das Gute für die Einzelnen und das Ganze möchte. Er nimmt die Sorgen und Nöte seiner Mitmenschen ernst und tut alles in seiner Macht stehende, um Zufriedenheit, Gesundheit an Leib und Seele und Glück für sie zu schaffen. Jesus war ein „anderer König“ im Vergleich zu den weltlichen Herrschern seiner Zeit.

Weltliche Macht, Geld und oberflächliches Ansehen waren ihm egal. Der Mensch stand im Mittelpunkt seines Lebens, seines Wirkens. Zum Heil jedes einzelnen Menschen ist er auf die Erde gekommen: ein Oberer, ein Herrscher, ein König wie ich ihn mir wünsche.

Der große Zug nach Jerusalem: der Beginn einer Woche, in der Jesus alles auf die eine Karte setzt, um das zur Erfüllung zu bringen, wofür in die Welt gekommen ist. Der Weg, den er geht, ist der Weg mit dem Kreuz. Den Weg, den er geht, führt durch das Kreuz zur Auferstehung. Mit dem Weg, den er geht, erfüllt sich die Verheißung der Erlösung durch den Messias.

Jesus, ein besonderer König, der Inhaber der höchsten Würde; einer Würde, die uns durch unsere Taufe geschenkt ist. Ihm kann ich vertrauen, seinem Wort glaube ich. Wenn wir jetzt in die zweite Karwoche in der Corona-Pandemie gehen, wünsche ich uns allen, dass die Hoffnung, die dieser König Jesus uns schenkt, uns durch diese Zeit trägt.

(Juliane Schaad, 28.03.2021)

Mit dem heiligen Josef durch die Corona-Krise

Am 19. März feiert die Kirche das Hochfest des heiligen Josef, dem Papst Franziskus auch ein weltkirchliches Festjahr gewidmet hat, das noch bis zum 8. Dezember dauert. Warum kann uns der heilige Josef ein „verlässlicher Coach“ in der Corona-Krise sein, wie der Innsbucker Bischof Hermann Glettler es formuliert hat?

Der heilige Josef hatte genügend Krisenerfahrung, um „ermutigende Leitfigur und Bewährungs-Hilfe“ zu sein. Wirkliches Vertrauen schenkt man im Allgemeinen nicht erfolgreichen Karrieremenschen, sondern eher denen, die selbst schon handfeste Schwierigkeiten durchgemacht haben und sich bewähren mussten.

Der Bräutigam von Maria bewährte sich gleich in mehreren Krisen: Als er erfährt, dass seine Verlobte schwanger war, aber nicht von ihm, plante er, sich in Stille von ihr zu trennen. Doch dann folgte er der Aufforderung Gottes in einem Traum, sie zur Frau zu nehmen. Eine weitere Krise gab es zu bestehen, als das Paar kurz vor der Geburt nach Bethlehem wandern musste und dort keine Herberge fand. Schließlich gebot ihm ein weiterer Traum, mit Maria und Jesus nach Ägypten zu fliehen, und nach zwei Jahren wurde er wieder zurück nach Israel geschickt. Immer wieder musste er seine Pläne kurzfristig ändern und an die Grenze seiner Kräfte gehen, um den Auftrag Gottes, seine Familie zu schützen, zu erfüllen. Auch wir müssen uns in der Corona-Krise immer wieder neu orientieren, unsere Pläne ändern und aus unseren Kraftreserven leben.

Von Josef ist keine einzige Aussage in der Bibel überliefert. Der Mann ohne Worte war still und demütig. Alleinsein und Einsamkeit waren ihm nicht fremd. Auch in der Corona-Krise leiden viele Menschen unter Einsamkeit. Ein Leben ohne Worte, ohne Austausch, ohne Kommunikation ist auf Dauer kaum vorstellbar. Der schweigende Josef kann das gut verstehen. Sein bescheidender Dienst im Hintergrund – ohne jede Wichtigtuerei – kann uns Wegweisung sein. Denn Josef war in seiner tiefen Gottverbundenheit auch stark und mutig und hat die Botschaften des Engels konsequent umgesetzt. So ist er heute zurecht Schutzpatron der Kirche.

Der heilige Josef hat auch das Unrecht der römischen Besatzungsmacht miterlebt, mit großer Armut und hohen Steuern. Gerade in der aktuellen Corona-Krise, in der viele in finanzielle Nöte geraten, kann der Heilige Josef daher ein guter Fürsprecher sein. Er ist Beschützer von Familien, Frauen und Kindern. Als Tischler konnte er selbst für den Unterhalt seiner Familie sorgen. „Handwerker kommen überall zurecht“, sagte Pater Paulus-Maria Tautz CFR beim Josefsabend der Emmanuel Jugend am 19. März in München. So gilt Josef auch als Patron der Arbeiter.

Für Jesus war Josef Vater, Erzieher und Lehrmeister zugleich. Das Oberhaupt der Heiligen Familie ist auch ein wichtiges Vorbild für alle Väter, schreibt Papst Franziskus bei der Ausrufung des „Jahres des heiligen Josef“. Vater werde man nicht, „indem man ein Kind in die Welt setzt, sondern indem man sich verantwortungsvoll um es kümmert“.

Viele Wesenszüge von Josef sind auch in der Corona-Krise vonnöten und machen ihn zum idealen Fürsprecher. „Wir brauchen einsatzbereite Leute, die nicht nur aus der Distanz kommentieren oder Theorien huldigen, sondern selbst Verantwortung übernehmen – so wie Josef“, forderte Bischof Glettler.

Und Papst Franziskus wird durch den stillen und unauffälligen Josef im Apostolischen Schreiben „Patris Corde“ an die vielen Menschen erinnert, die seit dem Beginn der Corona-Pandemie im Verborgenen einen wertvollen Beitrag für die Bewältigung dieser Krise leisten: „Wie viele Menschen üben sich jeden Tag in Geduld und flößen Hoffnung ein und sind darauf bedacht, keine Panik zu verbreiten, sondern Mitverantwortung zu fördern.“ Geschichte schreiben heute all jene, die nicht im Rampenlicht stehen: „Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger, Supermarktangestellte, Reinigungspersonal, Betreuungskräfte, Spediteure, Ordnungskräfte, ehrenamtliche Helfer, Priester, Ordensleute und viele andere, die verstanden haben, dass niemand sich allein rettet.“ Sie alle leisten tagtäglich ihren Dienst ohne viel Aufhebens und helfen so, dass wir gemeinsam diese herausfordernde Zeit durchstehen.

Siehe auch Gebet zum Heiligen Josef

(Johannes Lerch, 19.03.2021)

Damit es zur rechten Zeit blühen kann

Zu Beginn des Lockdowns im vergangenen März, in der Zeit als wir diesen Blog gestartet haben, war ich zwei Wochen komplett zuhause. Da ich Erkältungssymptome hatte, verbrachte ich viel Zeit, eingewickelt in eine Decke, im Liegestuhl auf meiner Terrasse.

Ich erinnere mich daran, welche Dinge mir damals zu Beginn der Corona-Zeit geholfen und Mut gemacht haben. Etwas, das mir besonders in Erinnerung geblieben ist, sind die Frühlingsblüher und besonders die Tulpen, die in dieser Zeit in den Blumenkästen und Kübeln auf der Terrasse geblüht haben.

Ich hatte die Tulpen recht spät, aber gerade noch rechtzeitig im Januar in die Erde gesteckt. Als sie mir dann im Frühling sehr lange, etwa drei bis vier Wochen all ihre Farbigkeit, Fröhlichkeit, Lebendigkeit und Energie geschenkt haben, war das eine wunderbare Quelle der Freude und Kraft für mich. Auch in diesem Jahr habe ich die Blumenzwiebeln erst im Januar in die Erde gelegt und freue mich jetzt schon auf jede einzelne Blüte.

Mit den Blumenzwiebeln ist es wie mit anderen Dingen, die uns Kraft, Freude und Energie schenken: Wir müssen ihnen den Boden bereiten, und Vorbereitungen treffen, damit wir zur rechten Zeit Kraft tanken können. Das fängt mit dem Einkaufen des Lieblingstees oder -kaffees an und geht weiter mit dem Planen eines Urlaubs, eines Ausflugs oder von Exerzitien. Größere Pläne kann man ja in Teilen auch jetzt in Zeiten der Corona-Pandemie schon ganz gut vorbereiten, auch wenn wir nicht wissen, wie sich die Dinge weiter entwickeln werden.

Unser Kontakt zu Gott und das Schöpfen aus dieser Quelle des Lebens, bedarf ebenfalls einer gewissen Vorbereitung. Regelmäßig zu beten und dem Herrn durch das Lesen der Bibel, den Besuch von Gottesdiensten oder durch den Empfang der Sakramente zu begegnen, geht im Alltag und auf Dauer oft am einfachsten, wenn ich bewusst Zeit dafür einplane – und mir dann auch nehme. Während die Situation um uns herum unsicher und unabsehbar bleibt, kann mir das Planen von kraftspendenden Dingen – auch von Zeiten mit Gott – Sicherheit und Hoffnung geben.

Und wenn ich mal gar nicht dazu gekommen bin, die Blumenzwiebeln einzupflanzen, kann ich im Zweifelsfall immer noch später die kaufen, die der Gärtner gepflanzt hat.

(Juliane Schaad, 02.03.2021)

Fastenzeit? Weil Gott Heil für uns will!

„Auf was soll ich denn noch verzichten?!“ wird so mancher zu Beginn dieser Fastenzeit denken. „Ich muss doch in dieser Corona-Zeit schon auf so vieles verzichten“, könnte ein Gedanke sein.

Wenn weder der wöchentliche Sport, noch der Kaffee mit der Freundin, der Wochenendausflug mit der Familie oder der Besuch der Chorprobe möglich ist, wollen wir uns nicht noch die letzte kleine Freude mit dem Stück Schokolade, dem abendlichen Glas Wein oder der Lieblingsfernsehsendung nehmen …

Was heißt denn Fastenzeit, wenn wir uns die liturgischen Texte des Aschermittwochs anschauen?

„Kehrt um zu mir?“ – „Zerreißt die Herzen, nicht die Kleider!“ – „Kehrt um zum Herrn, eurem Gott!“ So lesen wir im Buch Joel. Wer umkehren muss, hat sich verlaufen, verirrt, ist zu weit gegangen oder auf der falschen Spur. Die Wortspiele gefallen mir.

Weil wir Menschen sind, gibt es jeden Tag in unserem Leben Momente, in denen diese Menschlichkeit durch unsere persönlichen Grenzen sichtbar wird. In vielen Fällen ist das nicht weiter tragisch und schadet weder uns noch anderen elementar. Aber regelmäßig haben Gedanken, Worte oder Taten, die nicht dem Guten dienen, Folgen für uns oder andere.

Okay, manchmal müssen wir umkehren, weil wir schiefgelegen haben – ja, aber wohin denn? Der Lesungstext vom Aschermittwoch (Joël 2, 12–18) gibt da einen konkreten Tipp: zum Herrn, unserem Gott, weil uns das Segen und Heil bringt. Können Sie das bestätigen, dass Gottes Wege diejenigen sind, die dauerhaft zu unserem Glück, Zufriedenheit, Hoffnung und Segen führen?

Einer meiner Lieblingsverse aus der Bibel findet sich im Römerbrief (Römer 8,28): „Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alles zum Guten gereicht.“ Das hab ich erlebt, und das ist meine Hoffnung. So merke ich, dass es mir immer wieder Segen bringt, wenn ich mein Leben Gott hinhalte, ihn um Rat frage und gegebenenfalls an der einen oder anderen Stellschraube drehe. Konkret spüre ich sogar, dass wenn ich mit einer Situation unzufrieden bin und schließlich mir zugestehe, dass ich falsch gelegen habe, innerer Frieden eintritt.

Das ist der erste Schritt. In der Fastenzeit sind wir eingeladen genau dies zu tun: bewusst auf die eigenen Gedanken, Worte und Werke zu schauen, zu prüfen wohin sie mich führen und unter Umständen dann auch die Richtung zu ändern.

Die Kirche gibt uns dafür Hilfsmittel – nicht nur mit dem Evangelium von heute. Das sind zum Beispiel das Gebet, der Empfang der Sakramente, besonders auch das Sakrament der Versöhnung, das Fasten und das Teilen von materiellen Gütern.

Fasten ist ein freiwilliger Verzicht auf etwas, von dem wir ahnen, dass es uns den Blick auf den Kern unseres Lebens versperrt. Es soll uns helfen, frei für eine Umkehr zu Gott zu werden. Was das ist, kann jeder nur für sich selbst entscheiden. Und ja, vielleicht sind das in diesem Jahr ganz andere Dinge als sonst. Aber auch darauf lohnt sich ein Blick, in dem Wissen, dass Gott uns hilft, den Weg zu ihm und mit ihm zu gehen – und damit zu einem Leben im Guten und in Fülle.

Ziel dieses Weges ist die Auferstehung – nicht nur an Ostern 2021! In diesem Sinne wünsche ich uns allen eine gesegnete Fastenzeit!

(Juliane Schaad, 17.02.2021)

Täglich 10 Minuten Stille schenken

Angesichts der aktuellen Herausforderungen durch die Corona-Pandemie und die schwierigen gesellschaftlichen Entwicklungen hat die Akademie für Dialog und Evangelisation in Wien einen schönen Lösungsansatz entwickelt, an dem jede und jeder mitwirken kann. Er ist einfach und herausfordernd zugleich: Schenk dir und anderen täglich 10 Minuten Stille!

Du beginnst einfach damit, nachzudenken, wofür du gerade dankbar bist. Danach kannst du all denjenigen, die es schwer haben, von Herzen Gutes wünschen. Ob du nun gläubig bist oder nicht, jede und jeder kann mitmachen: entweder mit deinen wohlwollenden und positiven Gedanken oder direkt an Gott gerichtet – mit deinem Dank oder einer Bitte für Menschen, die Hilfe brauchen. Ob so oder so, in jedem Fall wird es unser Denken und unser Handeln inspirieren und neu beleben und uns trotz aller Distanzen miteinander verbinden.

Ohne echtes Innehalten gibt es nämlich keine Hoffnung für einen neuen Zusammenhalt und eine großherzige Solidarität, die heute so dringend gebraucht werden. Ganz begeistert von dem ungewöhnlichen Aufruf ist Philippe Pozzo di Borgo, der Welterfolgs-Autor von „Ziemlich beste Freunde“. Sein verfilmtes Schicksal als schwer Gelähmter nach einem  Paragleiter-Unfall und seine Freundschaft mit dem unprofessionellen Pfleger Driss bewegten weltweit viele Menschen. Nicht alle könnten gleich „Ziemlich beste Freunde“ werden, aber unsere zerrissene Gesellschaft könne sich nur erneuern, so Philippe, „wenn wir im Anderen seine Vielschichtigkeit, Zerbrechlichkeit und sein Ruf nach Würde“ neu entdeckten. Das „Virus der Hoffnung“ wachse erst in der „bewohnten Stille“, wo wir nämlich unseren „inneren Reichtum“ fänden.
 
Die Resonanz auf die ersten Einladungen an Menschen unterschiedlichster Weltanschauungen und politischer Richtungen ist gewaltig. Dass nun Stille wie ein geheimes Heilmittel wirkt, scheint nicht nur Bischöfe wie Hermann Glettler und Kardinal Christoph Schönborn zu überzeugen, auch Schauspielerin Maria Happel oder Kollege Cornelius Obonya, ORF-TV-Moderatorin Barbara Stöckl, der Psychiater Michael Lehofer und der Genetiker Markus Hengstschläger haben sich bereits der Aktion angeschlossen.

Wer mitmachen möchte, kann sich auf der Website oder über Facebook eintragen und sich von vielen konkreten Beispielen inspirieren lassen: www.stilleschenken.com
 
(Otto Neubauer, 03.12.2020)

Hausgebet im Advent

In der zweiten Corona-Welle kommen die Einschläge allmählich näher. Immer öfter erleben wir, dass sich ein Bekannter oder Verwandter mit dem Corona-Virus infiziert hat. Immer mehr Menschen müssen in häusliche Quarantäne. Immer ungeduldiger warten viele auf die Fertigstellung eines Impfstoffes gegen Covid 19 und hoffen damit auf ein baldiges Ende der Beschränkungen.

Ungeduld und Hoffnung sind auch zentrale Begriffe in der Adventszeit. Kleine Kinder warten ungeduldig auf das Weihnachtsfest und hoffen auf die Erfüllung ihrer Geschenkwünsche. Christen erwarten, dass Gott wieder spürbar wird in dieser Welt und sehnen sich nach seiner Nähe, die sich in der Geburt Jesu in Bethlehem erfüllt.

Für alle, die in diesen Tagen keine Advents-Gottesdienste besuchen können, gibt es nicht nur unzählige Streaming-Gottesdienste, sondern auch – zum Beispiel von der Diözese Regensburg – eine schöne Vorlage für Hausgebete im Advent (siehe Download unten).

Der Advent erinnert uns daran, dass Gott bereits mitten in unserem Alltag da ist. Wir sind eingeladen, uns aufzumachen und neu auf den Herrn auszurichten, ihm alles hinzuhalten, was uns belastet und schmerzt, was wir nicht verstehen, gerade auch die ganzen Corona-Plagen. Dabei dürfen wir unserer Sehnsucht nach Gottes Gegenwart und Beistand nachspüren und alle unsere Erwartungen auf ihn ausrichten. Die Texte und Lieder der Hausgebete im Advent können uns dabei helfen.

(Johannes Lerch 26.11.2020)

Ein Brief: Brot und Rosen

Wenn ich an den 19.11. zurückdenke, fällt mir ein, dass es der Gedenktag der Heiligen Elisabeth von Thüringen ist. Sie verbinden wir mit der Legende vom Brot und den Rosen:
Elisabeth war eine Königstochter, und der Landgraf von Thüringen war ihr Gemahl. Doch das Herz der heiligen Elisabeth gehörte den Armen. Sie konnte es nicht ertragen, auf der Wartburg in Saus und Braus zu leben, während im Land ringsum sehr viele Menschen Hunger leiden mussten. Darum stieg sie täglich von Wartburg hinab zu den Scharen der Bettler und teilte mit milder Hand aus, was sie zum Leben brauchten. Der Ruf ihrer Barmherzigkeit und Milde verbreitete sich im ganzen Land. Landgraf Ludwig ließ seine Frau zunächst gewähren. Doch sah er es nicht gerne, dass Elisabeth in eigener Person zu armen und verkommenen Leuten ging und sogar die Berührung mit Kranken nicht scheute. Als er sie wieder einmal mit ihrem Gabenkorb auf dem Weg von der Burg traf, hielt er sein Pferd an und fragte sie: „Was tragt Ihr da in Eurem Korbe?“ Elisabeth wollte ihren Gemahl nicht betrüben und doch auch ihre Christenpflicht nicht versäumen. In ihrer Not stammelte sie verwirrt: „Es sind Rosen, Herr“. Da riss der Landgraf zornig die Decke vom Korb. Sein Grimm verwandelte sich in Staunen und Bestürzung. Der Korb der Landgräfin Elisabeth war voller Rosen. Von diesem Tag an ließ Landgraf Ludwig seine Frau schalten und walten, wie ihr liebendes Herz ihr eingab.*

Und was hat das mit Heute zu tun?

Brot und Rosen – dass wir Brot, sinnbildlich für Nahrung jeder Art, zum Leben brauchen, das ist uns allen grundsätzlich mal bewusst. Dass wir als Christen von Jesus her den Auftrag haben, Menschen zu helfen, das tägliche Brot zum Leben zu haben, ist uns nicht neu. Und dennoch ist es immer wieder gut, sich bewusst zu machen, was das für mich persönlich heißen kann. Neben dem Blick auf die Welt, der in Corona-Zeiten wichtiger bleibt als zuvor, gibt es im Moment für viele von uns die Gelegenheit, ganz konkret in der Nachbarschaft oder dem Freundeskreis für das „tägliche Brot“ zu sorgen. Ganz einfach, weil derzeit viele Menschen in unserem Land zeitweise in Quarantäne leben müssen. Da wird bewusst, was nötig ist zum Leben, wenn man nicht jederzeit raus ins nächste Geschäft gehen kann. In einem solchen Zusammenhang hatte ich ein Erlebnis, das mir gezeigt hat, wie wichtig nicht nur das Brot, die Butter, das Gemüse oder vielleicht auch das Stück Schokolade ist, sondern ganz konkret eine Rose. Ich habe eine Tüte zusammengepackt für zwei Menschen in meinem Umfeld, die zu der Zeit in Quarantäne waren, und neben den bestellten Lebensmitteln und einer kleinen Laterne auch eine Rose gesteckt, aus einem Strauß, den ich mir selbst als „Mutmacher“ gekauft hatte. Hinterher habe ich ein Foto geschickt bekommen von den Beiden an einem gedeckten Tisch mit Sahne auf dem Obst, der leuchtenden Laterne und der Rose, mit der sie es sich schön gemacht hatten.

Klein und schön!

Da wurde mir bewusst, wie wichtig die kleinen, schönen Dinge und Zeichen sind, auch über das absolut körperlich Lebensnotwendige hinaus. Gerade, wenn wir alle besonders gefordert sind, ist es gut, wenn wir auf uns selbst und aufeinander achten und hin und wieder an die Rose extra denken – für andere und natürlich auch für uns selbst.

Gottes Segen für Sie alle und nachträglich einen herzlichen Glückwunsch an alle, die Elisabeth heißen zum Namenstag!

*(Quelle: Diese Legendenfassung findet sich auf http://www.bistum-fulda.de und wurde leicht verändert übernommen aus EXODUS 4. Religionsunterricht 4. Schuljahr. Lehrerkommentar. Neuausgabe. Düsseldorf / München 1987, 159.)

(Juliane Schaad, 19.11.2020)

Gebet in Corona-Zeiten
Dich rufen wir an,
heilige Elisabeth,
zu Dir schreien wir
in unserer Not.
Du hast die Ärmsten,
die Kranken, die Schwachen
besucht und ihnen geholfen.
Stark im Glauben und ohne Angst
bist du zu ihnen gegangen,
hast sie getröstet,
hast ihnen Nahrung gebracht
und allen Gefahren getrotzt.
Trage unsere Gebete zu Gott,
heilige Elisabeth,
stärke uns und unseren Glauben,
lass uns nicht in Angst erstarren,
sondern gib uns die Kraft und den Mut,
dort zu sein, wo wir jetzt gebraucht werden. Amen.

(Theresia Bongarth, in: Pfarrbriefservice.de)