Jerusalema-Song erbittet Gottes Schutz

Ein Song des Südafrikaners DJ Master KJ (Kgaugelo Moagi) und der Sängerin Nomcebo Zikode bringt derzeit die Welt zum Tanzen. Gerade in trüben Corona-Zeiten zaubert die Melodie von „Jerusalema“ Alt und Jung, Arm und Reich, Schwarz und Weiß ein Lächeln ins Gesicht.

Der gospelähnliche Song basiert auf tanzbaren elektronischen Beats, über denen die tiefe, voluminöse Stimme von Zikode zu hören ist. Im Text, der die Schönheit Jerusalems besingt, wird Gottes Schutz und Führung erbeten: „Rette mich … verlass mich nicht … geh mit mir.“  Den Text hat sie in ihrer Muttersprache isiZulu geschrieben, er drückt ihre eigene Sehnsucht aus, ihre Bitte an Gott: „Lass mich nicht hier, dies ist nicht mein Zuhause. Bring mich nach Jerusalema, wo ich Frieden und Glück finden kann.“ Mit ‚Jerusalema‘ ist ein spiritueller Ort gemeint, an dem man Frieden findet, es keine Sorgen, sondern nur Glück und fröhliche Menschen gibt.“

Gerade in diesen Corona-Zeiten sei das wohl auf Resonanz gestoßen, sagt der 24-jährige Musiker. In den sozialen Medien gibt es mittlerweile viele Videos von Menschen, die verzückt lächelnd zu den Rhythmen des Songs tanzen, wie das obige Videobeispiel zeigt. Die afrikanische Lebensfreude, die der Ende 2019 veröffentlichte Gute-Laune-Hit und die Tänze versprühen, traf in der einsetzenden Corona-Pandemie wohl einen Nerv und ist Ursache für die anhaltende Popularität: Mitte August haben bereits 80 Millionen Menschen das Video gesehen.

Die Choreographie kann auch mit ausreichender Corona-Distanz getanzt werden. Weltweit tanzen Menschen mit den gleichen Bewegungen auf der Straße, in Hinterhöfen, Quarantäne-Unterkünften, Kirchen, Slums oder Krankenhäusern.

„Der Lockdown bedeutet natürlich Stress“, erklärt Master KG“, Leute verlieren ihre Jobs und so weiter. Aber ausgerechnet in dieser Zeit zu erleben, dass sie zu unserem Song tanzen und für einen Moment ihre Sorgen vergessen, ist wunderbar. Es macht mich glücklich und noch kreativer.“

Hier drei von unzähligen Tanzvideos zu „Jerusalema“:

(Johannes Lerch 17.08.2020)

Durch verschlossene Tür zu den verängstigten Menschen

Immer wieder sind die Texte von Papst Franziskus für mich Inspiration und Anlass, tiefer zu schauen.

So auch sein Brief, den er dieses Jahr an die Priester in der Diözese Rom geschrieben hat. Darin beschäftigt er sich mit der Bibelstelle Johannes 20,19-22, in der Jesus durch die verschlossenen Türen zu den verängstigten Jüngern kommt, ihnen den Heiligen Geist schenkt und sie aussendet.

Daraus möchte ich ein paar Gedanken mit Euch teilen, weil sie gut zu unserer derzeitigen Corona-Situation passen.

„Obwohl es notwendig war, die soziale Distanzierung einzuhalten, hat dies nicht verhindert, dass sich das Gefühl der Zusammengehörigkeit, der Gemeinschaft und der Mission verstärkte, was uns geholfen hat, dafür zu sorgen, dass die Liebe, vor allem gegenüber den am meisten benachteiligten Menschen und Gemeinschaften, nicht unter Quarantäne gestellt wurde.“

„Die Hoffnung hängt auch von uns ab und erfordert, dass wir einander helfen, damit sie lebendig und aktiv bleibt, jene ansteckende Hoffnung, die in der Begegnung mit den anderen gepflegt und gestärkt wird und die uns als Geschenk und Aufgabe gegeben ist, um die neue »Normalität« aufzubauen, nach der wir uns so sehr sehnen. Ich schreibe euch mit dem Blick auf die erste Gemeinschaft der Apostel, die ebenfalls Momente des Eingeschlossenseins, der Isolierung, der Angst und Unsicherheit durchgemacht hat.“

„Wir haben den plötzlichen Verlust von Familienangehörigen, Nachbarn, Freunden, Gemeindemitgliedern, Beichtvätern, Orientierungspunkten unseres Glaubens, erlitten. Wir haben die untröstlichen Gesichter derjenigen gesehen, die ihren Angehörigen in den letzten Stunden nicht nahe sein durften und sich nicht von ihnen verabschieden konnten. Wir haben das Leid und die Ohnmacht des Krankenhauspersonals gesehen, Ärzte und Pflegekräfte, die sich in nicht enden wollenden Arbeitstagen aufrieben, um die zahllosen Hilferufe zu beantworten.“

„Wir haben die Schwierigkeiten und Nöte der sozialen Einschränkungen gesehen und von ihnen gehört: Einsamkeit und Isolierung vor allem der alten Menschen; Sorge, Angst und das Gefühl der Schutzlosigkeit gegenüber der Unsicherheit in Bezug auf Arbeit und Wohnung; Gewalt und Zermürbung in den Beziehungen. Die uralte Angst vor der Ansteckung hat wieder zugeschlagen. Wir haben auch die beklemmenden Sorgen ganzer Familien geteilt, die nicht wissen, was in der nächsten Woche auf den Tisch kommen soll.“

„Die Merkmale des Virus bringen die Logik zum Verschwinden, nach der wir gewöhnlich die Realität aufgeteilt oder klassifiziert haben. Die Pandemie kennt keine Adjektive, Grenzen und niemand darf meinen, allein zurechtzukommen. Wir sind alle betroffen und beteiligt.“

„Persönlich und gemeinschaftlich gefährdet und getroffen in unserer Verwundbarkeit und Schwäche sowie in unseren Grenzen, ist die Gefahr groß, dass wir uns zurückziehen und weiter über die Trostlosigkeit nachgrübeln, die die Pandemie uns vor Augen stellt, oder dass wir uns auf einen grenzenlosen Optimismus versteifen, der unfähig ist, die reale Dimension der Ereignisse zu akzeptieren.“

„Als der Herr bei verschlossenen Türen in das Obergemach trat, mitten in Isolierung, Angst und Unsicherheit, in der sie lebten, war er in der Lage, jede Logik zu verwandeln und der Geschichte und den Ereignissen eine neue Bedeutung zu verleihen. Jede Zeit ist geeignet, Frieden zu verkünden, keine Situation ist seiner Gnade beraubt … Durch seine Gegenwart ist das Eingeschlossen-Sein fruchtbar geworden und hat der neuen Gemeinschaft der Apostel Leben geschenkt.“

„Wenn eine nicht fassbare Präsenz (das Virus) in der Lage war, die Prioritäten und eine scheinbar unverrückbare globale Agenda … durcheinanderzubringen und auf den Kopf zu stellen, dann wollen wir keine Angst haben, dass die Gegenwart des Auferstandenen uns den Weg bahnt, neue Horizonte eröffnet und uns den Mut gibt, diesen historischen und einzigartigen Augenblick zu leben.“

„Eine Handvoll furchtsamer Männer war in der Lage, eine neue Bewegung ins Leben zu rufen: die Verkündigung des lebendigen Gottes-mit-uns. Habt keine Angst!“

„Von seiner Seitenwunde her, Zeichen dafür, wie hart und ungerecht die Realität wird, möge er es sein, der uns drängt, der harten, schwierigen Realität unserer Brüder und Schwestern nicht den Rücken zu kehren.“

„Der Herr ist derjenige, der uns verwandelt, der sich unser bedient wie des Brotes, der unser Leben in seine Hände nimmt, uns segnet, uns bricht, uns austeilt und seinem Volk gibt.“

Den vollständigen Text, den ich Euch sehr ans Herz lege, findet Ihr unter diesem Link: http://www.vatican.va/content/francesco/de/letters/2020/documents/papa-francesco_20200531_lettera-sacerdoti.html

(Ludger Fest und Johannes Lerch 09.08.2020)

Nähe und Distanz – Schnappatmung und neue Fragen

Wie ist das jetzt eigentlich mit dem Abstands-Gebot? Grade ist wieder mehr erlaubt, aber körperlichen Abstand halte ich nach wie vor – im Unterricht, im Gottesdienst, wenn ich Freunde treffe.

Bei der eucharistischen Anbetung habe ich mich kürzlich gefragt,  wie nahe ich eigentlich an Jesus herandarf. Muss ich da auch zwei Meter Entfernung halten? Wenn die verwandelte Hostie oben auf dem Altar ausgestellt ist, darf ich mich dann davor hinknien – mit ca. 1 Meter Abstand? Halte ich diese Nähe überhaupt aus? Über WhatsApp bekomme ich täglich Impulse zum Tagesevangelium, oft mit der Aufforderung, mich in die Szene hineinzudenken. Dann heißt es zum Beispiel: „Ich stelle mir vor, wie ich unter den Jüngern nahe bei Jesus sitze und seinen Worten lausche.“ Oder sogar: „Ich lehne meinen Kopf an Jesu Brust.“

Da bekomme ich Schnappatmung. Das würde ich mich NIE getrauen. Wenn Jesus jetzt tatsächlich auftauchen würde, hier in die Kirche hereinkäme mit anderen Menschen – wer bin ich, dass ich mich aufrecht ganz nah zu ihm hintrauen würde, mich sogar vordrängeln würde? Wahrscheinlich würde ich im sicheren (für mich sicheren) Abstand Deckung hinter anderen Menschen suchen (und zu ihnen keinen Abstand halten). Da bestünde überhaupt gar nicht die Gefahr, dass ich die 2 Meter zu Jesus hin unterschreite. Hmm, warum eigentlich? Dem sollte ich mal nachgehen …

Was wäre also, wenn Jesus jetzt hier leibhaftig hereinkäme? Halt! Ist er nicht schon da? Hier vor mir, in Gestalt der Hostie? Zumindest glaube ich das als Katholikin, mal eindeutig, mal verschwommen, mal nur im Bemühen. Das hatte ich vergessen. Komisch, dass ich hier keine Angst vor Nähe habe. Wieder Stoff zum Nachsinnen …

Nicht umsonst sind ja der Altarraum und der Tabernakel vom Rest der Kirche abgesetzt. Hier ist ja unser größter Schatz. Das Wichtigste, was es gibt. Hier ist der Herrscher der Welt! Sollte ich da nicht überwältigt und respektvoll Distanz halten, ein bisschen Schnappatmung inklusive?  Glaube ich also vielleicht doch nicht so richtig, dass er wirklich hier ist? Habe ich mehr Angst vor den Menschen als Angst vor Gott? Ist meine Furcht größer als meine Ehrfurcht? Neue Fragen dank Corona.

Auf jeden Fall hat Jesus die Nähe nie gescheut, das beruhigt mich. Den Aussätzigen, in strenger Quarantäne, hat er nicht im Abstand von zwei Metern geheilt, sondern ihn berührt. Die Frau, die an Blutungen litt und als Unreine niemanden berühren durfte, hat sein Gewand berührt – und er hat sich ihr zugewandt. Da wird er auch mein Problem mit Nähe und Distanz auf die Reihe kriegen. Auch deshalb bleibe ich hier, vor ihm.

(Bernadett Groß, 27.06.2020)

Hochspannung

Es staut sich auf und entlädt sich. Was passiert da gerade? Von verschiedenen Leuten aus ganz verschiedenen Ecken höre ich es: Fast zwei Monate Corona haben eine Wirkung auf uns. Viel Gutes und Positives ist geschehen.

Und dennoch – immer wieder kommt es vor, dass Spannung auftritt und zutage kommt. Bisweilen unbeabsichtigt und unbemerkt, doch die Gereiztheit geht weiter, und irgendwann knallt es. Gewitter kann reinigend sein – hoffentlich und bestenfalls. Ich wünsche uns sehr, dass diese Spannung uns nicht auseinander bringt, sondern weiterführt – miteinander.

Gut, dass wir Menschen Menschen sind. Da gehören verschiedene Stimmungslagen einfach dazu. Da ist nicht immer nur eitel Sonnenschein. Auch bei den Menschen in der Bibel hat es mal geknallt. Auch die Priester, Propheten, Apostel und Heiligen waren nicht immer Musterknaben und brave Mädchen.

Die Geschichten von Mose, David, Petrus, Zachäus oder Sara und noch viele mehr zeugen davon. Auch Jesus hat im Tempel die Fetzen fliegen lassen, weil ihm nicht gepasst hat, wie die Händler mit dem heiligen Ort umgegangen sind.

Immer alle Emotionen zurückzustellen macht krank. Sie allezeit unkontrolliert herauslassen, macht aber auch weder Freude noch Freunde. Den goldenen Mittelweg zu finden und dabei aufrichtig, authentisch und liebend zu bleiben, ist eine der größeren Herausforderungen unseres Lebens.

Viele Dinge füllen meinen Kopf, und ich schaue auf das Licht der Kerze auf meinem Fensterbrett. Dieses Licht dringt direkt in mein Herz und lässt mich lächeln. Auf meinem Handy läuft Musik und irgendwann höre ich „Egal wie du aussiehst, egal wie du dich fühlst: Gott liebt dich!“ Und danach: „Sei mutig und stark und fürchte dich nicht! Denn der Herr, dein Gott ist bei dir!“

Juliane Schaad, 30.04.2020

Und bis wir uns wiedersehen …

Ich hatte Tränen in den Augen, als ich zum ersten Mal ein Video gesehen habe, in dem ein Blasorchester aus dem „Homeoffice“ dieses Lied gespielt hat – den Refrain von „Möge die Straße uns zusammenführen“, nach irischen Segenswünschen und der Melodie von Markus Pytlik: „Und bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in seiner Hand!“

Zum ersten Mal habe ich das Lied als Jugendliche gesungen. Unser damaliger Chorleiter war mit dem Komponisten bekannt und hatte es mitgebracht. Mittlerweile wird es wahrscheinlich in den meisten christlichen Kirchen in Deutschland gesungen und ist sehr bekannt. Und mir wird immer mehr bewusst: Der Text ist wahr und das nicht nur als Verheißung oder Wunsch, sondern als Tatsache.

Besonders der Refrain enthält eine Hoffnung und eine Wahrheit, die uns jetzt in Zeiten der Corona-Krise tragen kann: Wir werden uns wiedersehen! Ganz bestimmt – und das nicht erst im Himmel, sondern bald wieder auch hier auf der Erde. Und bis dahin wissen wir: Gott hält Dich und mich und alle, die wir lieben und gerade nicht treffen oder umarmen können, fest in seiner Hand.

Juliane Schad, 20.04.2019

Hier der Liedtext:

1. Möge die Straße uns zusammenführen
und der Wind in deinem Rücken sein;
sanft falle Regen auf deine Felder
und warm auf dein Gesicht der Sonnenschein.

Refrain: Und bis wir uns wiedersehen,
halte Gott dich fest in seiner Hand;
und bis wir uns wiedersehen,
halte Gott dich fest in seiner Hand.

2. Führe die Straße, die du gehst
immer nur zu deinem Ziel bergab;
hab wenn es kühl wird, warme Gedanken
und den vollen Mond in dunkler Nacht.

3. Hab unterm Kopf ein weiches Kissen,
habe Kleidung und das täglich Brot;
sei über vierzig Jahre im Himmel,
bevor der Teufel merkt du bist schon tot.

4. Bis wir uns mal wiedersehen,
hoffe ich, dass Gott dich nicht verlässt;
er halte dich in seinen Händen,
doch drücke seine Faust dich nicht zu fest.

(Markus Pytlik)

Mit Jona in der Quarantäne

In diesen außergewöhnlichen Zeiten kommt mir immer wieder das Buch Jona aus dem Alten Testament in den Sinn, genauer gesagt die Szene, in der der Prophet Jona drei Tage im Bauch eines großen Fisches verbringt.

Ich frage mich, ob wir nicht alle gerade auch im „Bauch des Fisches“ leben, weil wir auf uns und unsere engste Umgebung zurückgeworfen sind.

Jona landete im Fisch, weil er vor dem Auftrag, den Gott ihm gegeben hat, davongelaufen ist.

Wie steht es mit mir, mit uns? Kennen wir unsere Aufgabe(n)? Kennen wir den Willen Gottes für unser Leben, für die jetzige Situation? Laufen wir vielleicht vor unserem Auftrag davon und suchen uns andere Dinge, um das, was Gott von uns möchte, nicht tun zu müssen? Sind wir bereit, unser Leben gegebenenfalls zu ändern und neu auszurichten?

Es wäre doch spannend, sich mit diesen und ähnlichen Fragen in dieser Zeit auseinandersetzen.

Jona kapierte jedenfalls, wie es weitergehen soll, nachdem der Fisch ihn wieder ausgespien hat, und er führte seine Aufgabe sehr erfolgreich aus. Warum er trotzdem nicht zufrieden war, könnt Ihr selbst im wirklich sehr kurzen Buch Jona nachlesen. Nur so viel sei verraten: Die Geschichte hat einen überraschenden Ausgang.

Und nun: Nutzen wir die vielfach geschenkte Zeit, um wie Jona zu lernen?

Ludger Fest, 15.04.2020

Die zwei Balken des Kreuzes

Eines der beliebtesten und bekanntesten Symbole, die es überhaupt auf der Welt gibt, ist das Kreuz. Es ist DAS Symbol des Christentums. Und nicht nur Christen tragen Kreuze, sondern auch als Modeschmuck für jedermann und -frau ist dieses Symbol beliebt.

Es gibt verschiedene Kreuzformen. Die bei uns in Deutschland bekannteste und beliebteste Kreuzform ist ein solches mit einem langen vertikalen Balken und einem kürzeren horizontalen Balken, der von der Mitte des vertikalen Balkens aus etwas nach oben verschoben ist.

Wenn ich mit Kindern zum Beispiel in der Kindertagesstätte oder dem Erstkommunionkurs, das Kreuzzeichen übe, spreche ich dabei nicht nur das übliche „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“, sondern erkläre dieses Zeichen danach beispielsweise auch mit: „Gott ist bei uns von oben bis unten und von links nach rechts.“ Oder: „Gott ist in unserem Denken, unserem Herzen und unserem Handeln.“

Ein weiterer Aspekt des Kreuzes, der sehr gut deutlich macht, was das Kreuz bedeutet, ist die Ausrichtung der Balken. Der senkrechte Balken stellt die Verbindung von jedem einzelnen Menschen zu Gott dar und der waagrechte Balken die Verbindung zwischen uns Menschen untereinander. Beide Verbindungen tragen uns. Auf beide Richtungen sind wir angewiesen. So kann ich das zumindest aus meiner eigenen Erfahrung sagen und der Sicht von jemandem, der an Gott glaubt und daran, dass er bedeutsam für die Welt ist. .

In einer Zeit, in der viele von uns kaum Menschen treffen und nur sehr eingeschränkt soziale Kontakte pflegen können, merken wir, wie sehr wir Gemeinschaftswesen und auf andere angewiesen sind.

Die von der Bundesregierung erlassene Kontaktbeschränkung bringt viele Menschen, so sinnvoll und berechtigt sie sein mag, an ihre Grenzen, sei es aus Einsamkeit, Hilflosigkeit oder weil die häusliche Gemeinschaft unbekannten Herausforderungen oder Enge ausgesetzt ist.

Wir brauchen einander. Und wir brauchen Gott. Immer mehr Menschen fangen (wieder) an zu beten oder beten gerade jetzt sehr intensiv und regelmäßig. Wenn der uns bekannte Alltag wegfällt und trotzdem kein Urlaub ist, wenn Unsicherheit, Sorgen, schlechte Nachrichten und Zweifel das Denken bestimmen, ist die Sehnsucht nach einer höheren Macht, die alles im Griff hat, groß.

Verbindungen müssen gepflegt werden, sonst werden sie marode und brechen ab. Das wissen wir alle aus eigenen Erfahrungen. Eine gut geölte, ab und zu gewartete und genutzte Leitung, ist flexibel, stark und hält auch mal einen Sturm aus. So ist das mit der Leitung zu Gott und so ist das auch mit den Verbindungen zu anderen Menschen.

Diese Zeit besonderer Herausforderungen ist eine gute Gelegenheit, Verbindungen verschiedener Art wieder neu aufzunehmen. Gerade in der Karwoche haben wir die Sehnsucht nach einer Nähe zu Gott. Wir fühlen das Leid in dieser Welt und wir haben Sehnsucht nach Jesus, der den Weg des Leids für alle Menschen in Not gegangen ist. Das Kreuz ist unser Verbindungsweg. Wenn wir in Gedanken, Gebet oder dem Lesen der Bibeltexte den Kreuzweg mit Jesus gehen, sind wir durch das Kreuz mit Gott verbunden und ebenfalls durch das Kreuz mit allen anderen Menschen in ihrem je eigenen Kreuz.

Beispiele für eine Kreuzwegandacht finden Sie im Gotteslob unter Nr. 683 und Nr. 684 und die entsprechenden Bibeltexte in den Evangelien unter Matthäus 26-28, Markus 14-16, Lukas 22-24 und Johannes 18-20.

In der Verbindung zu Gott und zu den anderen Menschen, wie auch immer sie geartet sein mag, können wir dann spüren, dass wir nicht alleine und getragen sind. Und so können wir voller Überzeugung und Freude auch an diesem Fest die Auferstehung Jesu feiern und erfahren: Jesus lebt!

In diesem Sinne wünsche ich allen gesegnete Kartage!

Juliane Schaad, 10.04.2020

Ein Wort für Dein Leben

Wenn ich eines unserer Kommunionkinder frage, „was bedeutet beten?“, bekäme ich (hoffentlich 😉) zur Antwort: „mit Gott reden“.

Wer betet, wünscht sich Kontakt mit Gott. Einen Kontakt, der nicht einseitig ist, sondern eine Antwort erhält. Eine Antwort, die aber nicht immer so direkt ist wie in dem Gespräch mit dem Kommunionkind. Wer an Gott glaubt und dies auch schon länger tut, kennt wahrscheinlich verschiedene Arten der Antwort.

Eine Form des Gebetes, die in der Gemeinschaft Emmanuel gerne gepflegt wird, ist der Lobpreis.* Am Montagfrüh hatte ich mich dem Lobpreis der Geschwister im Emmanuel-House Münster angeschlossen, die diesen in einem Livestream (live.emmanuel.de) übertragen haben.

An einer Stelle ist es üblich, um den Heiligen Geist zu bitten und in diesem Geist die Bibel frei aufzuschlagen und die Stelle zu lesen, auf die ich als erstes schaue. Ich habe mir also eine Bibel genommen und dies getan. Wer mich gut kennt, wird jetzt lachen, wenn ich sage, dass ich im Buch Jesaja den Anfang des 9. Kapitels (Verse 1-6) aufgeschlagen habe. (Die Bibel ist neu und bisher wenig gelesen, da waren keine Eselsohren und kein Lesezeichen an dieser Stelle. 😉)

Das Volk, das in der Finsternis ging, sah ein helles Licht; über denen, die im Land des Todesschattens wohnten, strahlte ein Licht auf. (Version Einheitsübersetzung 2016)“ So lautet der Anfang dieses Textes, der vielen bekannt ist aus den Lesungen der Christmette am Heiligabend. Wenn es einen Bibeltext gibt, von dem ich sagen würde „Das ist mein Text“, dann ist das dieser. Er begleitet mich schon sehr lange durch alle Höhen und Tiefen, und es war der Text, über den ich meine Diplomarbeit geschrieben habe. Und diesen Text, dieses Wort der Zuversicht, schenkt mir Gott als Antwort (auf mein Leben, mein Gebet, meine Sorgen, meine Fragen), mitten in der Corona-Krise, am Montag in der Karwoche.

Vielleicht will er mir sagen: „Vergiss nicht. Viele haben es schon vor dir gesehen und bezeugt. Ich bin das Licht, das scheint, wenn du in der Finsternis bist. Du kennst mich, denn du hast mich schon öfter gesehen und ich bin auch jetzt da; in deiner Finsternis und in der Finsternis der Welt in dieser Zeit.“

Wer im Tunnel der Sorgen und der Angst gefangen ist, wer sich alleine fühlt und hilflos, der kann ein Licht gut gebrauchen. Jesus Christus möchte dieses Licht für uns sein. Dafür ist er den Weg mit dem Kreuz gegangen. Dafür ist er gestorben und auferstanden. Dass Gott Dir Deine eigene Antwort auf Deine Fragen schenkt und dass er für Dich ein Licht ist in dieser Zeit, das wünsche ich Dir.

Juliane Schaad, 09.04.2020

*In Liedern und Gebeten preisen wir Gott als unseren Schöpfer und Erlöser und danken ihm für die vielen kleinen und großen Dinge, die er uns schenkt. Der Lobpreis ist eine Haltung, die uns helfen kann, unser Leben zuerst und vor allem mit Zuversicht und den liebenden Augen Gottes zu betrachten.

Ist die Krise böse?

Gott lässt Böses geschehen und das ist gut, sagt Thomas von Aquin. Was sagen  Sie dazu?“ So lautete eines der Themen, das wir bei einem Deutschaufsatz in unserer Abiturklasse wählen konnten. Im Vorfeld hatten wir uns im Unterricht mit dem Phänomen des Bösen auseinandergesetzt.

Viele empfinden es befreiend, in der Corona-Krise nicht nur auf das Bedrohende zu schauen, denn das ist für viele die normale Blickrichtung. Wer nach der Gnade Ausschau hält, kann das Gute entdecken, das Thomas von Aquin im obigen Satz beschreibt.

Aber es lohnt sich, dem nachzuspüren, was für uns „böse“ bedeutet. Dazu ist es hilfreich, zu fragen, was wir unter „Liebe“ verstehen. Ein gängiges Paradigma ist: Nur DER liebt mich, der meine Wünsche bzw. Erwartungen erfüllt. Wer sie nicht erfüllt, den empfindet man als böse (er tut ja nicht, was ich will), er ist mein Feind. Ist uns bewusst, dass das nicht das Paradigma der Liebe ist, sondern das des Egoismus?

Die Corona-Krise ist alles andere als das, was wir uns wünschen. Und schon sind wir bei der Frage:  Wie kann Gott gut sein, wenn er so etwas zulässt? Ein Atheist erzählte mir, dass sein Vater gestorben sei, als er sieben Jahre alt war. Ein Gott, der so etwas zugelassen hatte, konnte für ihn nicht gut sein. Es war für ihn erträglicher, davon auszugehen, dass es keinen Gott gibt. Enttäuschte Erwartungen (die ja oft ganz unterschwellig sind) können ein großes Hindernis sein, sich näher auf Gott einzulassen.

Jesus gibt in Johannes 15,13 eine ganz andere Definition von Liebe: Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. Jesus gab sein Leben hin für uns. Gott ist die Liebe heißt es in 1 Johannes 4,8b und 16b.

Und in Johannes 10,10b sagt Jesus: Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben. Viele verstehen darunter Sorglosigkeit, aber vor allem Gesundheit: „Ich wünsche dir zum Geburtstag alles Gute, vor allem Gesundheit! Das ist die Hauptsache!“ Doch „Fülle des Lebens“ ist noch etwas ganz anderes.

Ich habe mir 1989 aus der Süddeutschen Zeitung einen Nachruf ausgeschnitten und aufgehoben (9 x 14 cm, kostete grob geschätzt 400 DM). Er war von den Schwestern, Pflegern und Ärzten (!) einer Abteilung eines Münchener Krankenhauses geschaltet worden. Sie schrieben: „In Liebe und Ehrfurcht nehmen wir Abschied von unserer Patientin E… . Sie hat uns 29 Jahre vorgelebt, wie man eine Krankheit annimmt, die die Medizin nicht heilen kann.“ Sie muss wirklich ein Leben innerer Fülle gelebt haben, wenn sie eine solche Ausstrahlung hatte, dass man ihr einen solchen Nachruf widmete. Sie hatte in ihrer sie sicher herausfordernden gesundheitlichen Lage eine ganz besondere Gnade erhalten. Aber sie war auch dafür bereit gewesen, denn Gott zwingt sie niemandem auf. Er achtet voll Ehrfurcht unsere Freiheit.

Für mich ist diese Patientin eine sehr österliche Gestalt, die mich mahnt, mich immer wieder für die Gnade zu öffnen. In diesem Sinn eine sehr gesegnete Karwoche und eine große Offenheit für das Osterfest.

Georg Bickl, 08.04.2020

Zu Hause sein

In diesen Tagen erleben viele von uns, was es heißt „zu Hause zu sein“. Es bedeutet auch, dass wir neue Strukturen und Rituale finden müssen in dieser Zeit.

Zu Hause sein – bedeutet auch: Zeit zu haben für mich selbst. Wenn der Fernseher, die Hörbücher, das Radio, die Livestreams ausgeschaltet sind und Telefon oder Handy außer Betrieb sind, kommen plötzlich die Gedanken und die Erkenntnis, dass Ablenkung mich nicht immer weiterbringt. Da bin ich ausgeliefert – mir selbst und meinen eigenen Gedanken und Gefühlen. Gar nicht so leicht, bisweilen. Und auch irgendwie eine große Chance.

Ich merke, dass die Zeit alleine zu Hause für mich auch etwas von Exerzitien* hat. Ich fange an darüber nachzudenken, was mir wichtig ist und was nicht. Ich fange an bei mir selbst anzukommen, bei mir selbst zu Hause zu sein. Und das ist ein sehr schönes Gefühl. Ich werde ruhig.

Immer wieder gelingt es mir, die Grübel-Stopp-Taste in meinem Kopf zu drücken (die Idee dazu habe ich übrigens vor einigen Jahren von meiner Begleiterin bei Heilungsexerzitien bekommen) und meinem Fastenvorsatz zu folgen (voller Zuversicht bleiben! 7-Wochen-ohne-Pessimismus nach der Fastenaktion der evangelischen Kirche). Und dann entsteht da auch Raum, den Gott füllen kann – mit seiner Liebe.

Liebe Leserin, lieber Leser: Ich wünsche Dir, dass das Zu-Hause-sein Dir hilft, auch innerlich zu Hause anzukommen, unabhängig von den Umständen, in denen Du zu Hause bist.

(Dieser Text ist aus der Perspektive einer alleinlebenden Frau geschrieben und mir ist bewusst, dass beispielsweise die Ausgangssituation für Familien mit Kindern eine ganz andere ist.)

Juliane Schaad, 21.03.2020

*Exerzitien sind geistliche Übungen, um mithilfe von inhaltlichen Anregungen, Stille, Gesprächen mit einem Begleiter oder einer Begleiterin über sich und das eigene Leben ins Nachdenken zu kommen. Wichtige Elemente sind Zeit in Stille, Zeit für sich allein und Zeit, um mit Gott ins Gespräch zu kommen und oft auch Zeit in der Natur. Es gibt unendlich verschiedene Formen von Exerzitien, von Exerzitien im Alltag zu Hause, über Schweigeexerzitien im Kloster, bis hin zu Sport-, Wander-, Musikexerzitien oder Exerzitien auf der Straße in einer Großstadt usw.