Die 3-G-Regel

Mittlerweile ist sie überall präsent – die 3-G-Regel: Wer geimpft, genesen oder getestet ist, kann auch in Corona-Zeiten relativ unbeschwert leben. Aber, was ist mit all den anderen? Wer weder geimpft, noch genesen ist, muss sich testen lassen, und die Tests sollen ab Mitte Oktober nicht mehr kostenlos sein. Der Druck, sich impfen zu lassen, steigt.

Heute hab ich von einer anderen 3-G-Regel gelesen: Gebraut, Gezapft, Getrunken. So kann man natürlich auch durch den Corona-Sommer kommen und mit Alkohol die Sorgen wegspülen. Oder wegessen: Gekauft, Gekocht, Gegessen.

Da müsste es aber doch eigentlich auch christliche G‘s geben, die uns helfen, den Glauben an Gott nicht zu verlieren. Taufschein-Christen könnten sich vielleicht darauf berufen, Getauft und Gefirmt zu sein.

Apropos Gs: Legendär war ja auch das Stück von Heinz Erhard, bei dem alle Worte mit „G“ anfangen: „Geliebte Gisela – geliebter Gregorius“, so beginnt ein Techtelmechtel eines Mannes mit einer verheirateten Frau, bis die beiden vom Ehemann der Frau erwischt werden. „Gnade, gütiger Gatte,“ winselt die Frau, während ihr Liebhaber versucht, alles herunterzuspielen und stottert: „Gewürz-Gurken geplaudert … gänzlich geschäftlich.“ Doch der Ehemann lässt sich nicht beruhigen: „Gemeines Gesindel, greife Gewehr“ und schießt, worauf der Liebhaber Heinz Erhard im Weglaufen noch antwortet: „Gesäß getroffen … Grüß Gott.“

Und schon sind wir wieder bei Gott angekommen. Mir sind drei andere G’s eingefallen, an die zu erinnern ich mir vorgenommen habe: Geliebt, Gewollt, Gesegnet. Wir sind geliebte Kinder Gottes, Er hat uns gewollt, schon vor Erschaffung der Welt und uns immer wieder gesegnet.

Wir können ebenfalls mit 3 G’s antworten: Geliebt, Gebetet, Geholfen – Auch wir zeigen unsere Liebe, indem wir beten und anderen Menschen helfen. Dazu gibt es in der Corona-Krise reichlich Gelegenheit.

(Johannes Lerch, 02.07.2021)

Was meint „geistliche Kommunion“?

Mittlerweile ist der erste Schock über die flächendeckende Absage von Gottesdiensten vorbei. Es ist eine erfreuliche Kreativität entstanden, mit der Seelsorger über Livestreams ihre Gläubigen nah zu bleiben versuchen. Jede Diözese hat Fernsehübertragungen organisiert, durch die man wenigstens medial Gottesdienste mitfeiern kann.

Aber es bleibt ein Gefühl von Mangel, ja ein Schmerz: sich nicht versammeln zu können, Gemeinschaft im Glauben zu erleben – und vor allem auf die Kommunion verzichten zu müssen. Aber halt: Theologisch gesehen stimmt dieser Satz nur zur Hälfte. Ja, man kann nicht mehr in der gewohnten Form zur Kommunion gehen. Man kann sie momentan nicht in der vollen sakramentalen Form empfangen. Aber man könnte genauso gut sagen, und das ist die gute Nachricht: Wir können die Kommunion nach wie vor empfangen! Nur eben anders, eben geistlich.

Mir scheint, den meisten Gläubigen ist nicht bewusst, welche Tiefe und welcher Reichtum in der geistlichen Kommunion steckt. Ja, sie ist eine Notlösung, aber sie ist weit mehr als das. Sie enthält alles wesentliche! Und wenn wir das verstehen, dann können wir aus ihr große Kraft schöpfen, selbst wenn wir die Eucharistie nicht sakramental empfangen können.

Die Lehre von der geistlichen Kommunion geht der Sache nach auf den heiligen Augustinus zurück. Er hat unterschieden zwischen dem „Zeichen eines Sakraments“ und dem „inneren Gehalt“. Das äußere Zeichen der Taufe beispielsweise ist das Übergießen mit Wasser, verbunden mit dem Taufwort auf den dreifaltigen Gott. Der innere Gehalt ist die Befreiung von Sünden, das neue Leben der Kinder Gottes und die Aufnahme in die Gemeinschaft der Kirche.

[…] Der hier folgende Impuls wurde gekürzt, kann aber unten als PDF gelesen werden. […]

In der Praxis stellt sich die Frage: Wie geht das, „geistlich kommunizieren“? Geistliche Kommunion kann in der Weise erfolgen, dass man bei einer heiligen Messe dabei ist und sie innerlich mitfeiert, ohne sakramental zu kommunizieren. Das entspricht der jetzigen Situation, wenn wir die Messe über das Fernsehen oder einen Livestream anschauen – oder besser gesagt eben nicht nur Zuschauer sind, sondern aktiv innerlich daran teilnehmen. Dann kann ich im Moment des Kommunionempfangs mein Herz öffnen und im Glauben den Herrn empfangen, der sich mir schenken will. Ich kann so beten, als ob ich gerade in der Messe sakramental die Kommunion empfangen hätte. Glauben, dass er da ist, mir ganz nah ist. Alle Herzensangelegenheiten mit ihm besprechen. Oder einfach mich seiner Gegenwart freuen, mich lieben lassen, ruhen an seinem Herzen.

Die geistliche Tradition kennt aber auch die Form, dass die geistliche Kommunion im persönlichen Gebet praktiziert werden kann, außerhalb einer Messfeier oder einer Übertragung durch die Medien. Dann gehören dazu folgende Schritte, die an die Messfeier angelehnt sind:

  • ein innerer Akt der Reue für meine Sünden und die Bitte um Vergebung,
  • ein Akt des Glaubens in die wirkliche Gegenwart des Herrn in der Eucharistie, an seine große Liebe zu uns, in der er uns in der Kommunion mit sich vereinen möchte,
  • ein Akt der Demut, wie wir nach biblischem Beispiel auch in der Messe beten: „Herr, ich bin nicht würdig …“ – um dann in umso größerer Freude dieses ganz unverdiente Geschenk zu empfangen,
  • dann die geistliche Kommunion selbst, wie schon beschrieben,
  • danach Lob und Danksagung dafür, dass der Herr zu mir gekommen ist.

Die jetzigen Umstände sind dramatisch, und wir hoffen, dass die Corona-Pandemie bald eingedämmt wird und wir langsam zur Normalität des Lebens und damit auch der kirchlichen Praxis zurückkehren können.

Aber vielleicht ist ein positiver Nebeneffekt dieser Zeit auch, dass wir die geistliche Kommunion neu entdecken. Diese Form, den Herrn zu empfangen, kann man nämlich auch nach dieser Krisenzeit fortsetzen, wenn normaler Kommunionempfang wieder möglich ist. Nach kirchlicher Lehre kann man die geistliche Kommunion nämlich beliebig oft, zu jeder Tages- und Nachtzeit vollziehen. Nicht nur, wenn man bei einer Live-Übertragung der Hl. Messe dabei ist. Wir können diese Form der geistlichen Kommunion auch praktizieren, z. B. wenn wir gerne unter der Woche in die Messe gegangen wären, aber es zeitlich nicht schaffen. Oder einfach am selben Tag, wenn man schon in der Messe war, im stillen Gebet, um uns bewusst zu machen: Jesus hat diese stete Sehnsucht zu uns zu kommen, ganz nah bei uns zu sein, in uns zu wohnen.

Die geistliche Kommunion ist eine Weise, wie wir ganz einfach und ganz tief die Verbindung mit Jesus Christus immer neu beleben können, der sich in der Eucharistie uns ganz schenken will. So kann diese Zeit vielleicht sogar dazu beitragen, dass wir das große Geheimnis der Eucharistie ein wenig tiefer verstehen und bewusster aus ihr leben.

Spiritual Dr. Andreas Schmidt
( Priesterseminar München, Gemeinschaft Emmanuel)

Diese Katechese gib es auch in einer ausführlichen schriftlichen Fassung:
Komplette Version des Impulses (PDF)

Heilige Corona, bitte für uns

„Corona“ oder „Coronavirus“, könnte zum Wort des Jahres werden. Einige Assoziationen verbinde ich mit dem Begriff, und ich habe mal etwas recherchiert, wo Corona überall vorkommt.

  • Das Wort „Corona“ bedeutet im lateinischen „Krone“. In der griechischen und römischen Antike war die Corona ein als Auszeichnung verliehener Kranz aus Blumen, Blättern oder Zweigen.
  • Corona Extra ist eine mexikanische Biermarke und dort das meistverkaufte Bier. Laut Wikipedia gehört es in 180 Ländern zu den führenden importierten Premium-Biersorten. Seit der starken Verbreitung des Coronavirus hat die Brauerei allerdings mit Absatzproblemen zu kämpfen.
  • Bei uns zuhause wurde viel Musik gemacht. Meine Mutter liebte die vierstimmigen Corona-Sätze – Noten der Edition Corona, die wir häufig spielten.
  • In der Studentenverbindung heißt es „Corona hoch“, wenn die Chargierten einziehen oder ein offizieller Akt folgt. Dann stehen alle Anwesenden auf.
  • Corona ist auch eine Stadt in Kalifornien oder ein Stadtteil in New York (im Stadtbezirk Queens).

Was mich aber in letzter Zeit am meisten überrascht hat, ist die Entdeckung, dass es eine Heilige Corona gibt. Sie wurde um 160 geboren starb 177 n. Chr. Die frühchristliche Märtyrerin wurde im Alter von 16 Jahren zur Zeit der Christenverfolgungen hingerichtet. Ihr Gedenktag ist der 14. Mai. Sie wird besonders in Österreich und Ostbayern verehrt, wo ihr verschiedene Wallfahrten gewidmet sind. Auch Karl der Große verehrte sie und ließ Reliquien von ihr nach Aachen bringen. Sie steht für Standhaftigkeit im Glauben, ist Patronin der Schatzgräber und Metzger, wird bei Geldangelegenheiten und laut dem Ökumenischen Heiligenlexikon auch bei Seuchen und Unwetter angerufen. Was liegt also näher, als in Corona-Zeiten zu beten: Heilige Corona, bitte für uns!

Johannes Lerch, 14.03.2020

Votivbild, 1905, in der Pfarrkirche in St. Corona am Wechsel.
Quelle: https://www.heiligenlexikon.de/BiographienC/Corona_Stephana.html