Meine Zeit steht in Deinen Händen

2020 war ein turbulentes Jahr: Vieles hat die Welt bewegt, manches hat die Welt verändert, und jeder Einzelne von uns war von der weltweiten Krise betroffen. Das Jahr 2020 werden wir wohl alle nicht vergessen. Wenig überraschend wurde „Corona-Pandemie“ zum Wort des Jahres gekürt. In diesem Jahr ist vieles ganz anders gekommen ist, als wir es gewohnt waren und gekannt haben. Selbst das „Alle Jahre wieder“ an Weihnachten war dieses Jahr irgendwie anders.

Die Umstände in diesem Jahr haben jeden von uns auf unterschiedliche Art und Weise herausgefordert, haben uns kreativ gemacht und vielleicht auch stärker. Uns ist bewusst geworden, wie wichtig persönliche Treffen im Leben von uns Menschen sind und wie viel uns fehlt, wenn körperliche Nähe nur sehr eingeschränkt gelebt werden kann. Wir haben erlebt wie wertvoll und kostbar unsere Gesundheit ist und wie stärkend Solidarität und Gemeinschaft im Geist und im Gebet sein kann.

Was sich nicht geändert hat – und was sich gemäß dem christlichen Glauben auch nie ändern wird –, ist die Zusage Gottes, dass er der „Immanuel“ der „Gott-mit-uns“ ist, der „Ich-bin-da“. Er ist nicht nur in unsere Welt gekommen, sondern auch geblieben. Und das feiern wir nicht nur an Weihnachten. Gott sei Dank dürfen wir das immer wieder auf vielfältige Weise greifbar in unserem Leben erfahren: Die Gegenwart Gottes ist uns geschenkt, auch wenn wir es nicht immer spüren.

Es lohnt sich zum Jahreswechsel einmal innezuhalten und dem Jahr in Gedanken noch einmal nachzuspüren: Was ist in meinem persönlichen Leben im vergangen Jahr geschehen? Welche schönen Dinge habe ich erlebt? Was bekam ich geschenkt, ohne es zu ahnen? Welche Rückschläge, Niederlagen, Sorgen haben mich getroffen? Wofür bin ich dankbar, und was hat mich wachsen lassen?

Was auch immer passiert. Wir glauben, dass unsere Zeit in Gottes Händen steht, und so legen wir auch das vergangene Jahr, mit allem, was dazugehört, in seine Hände. Mir ist ein Gebet von Antoine de Saint-Exupéry in die Hände gefallen, dass ich gerne mit Ihnen teilen möchte.

Gebet um die Wunder des Alltags

Ich bitte dich nicht um Wunder und Visionen, Herr, sondern um Kraft für den Alltag.
Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.
Mach mich findig und erfinderisch, um im Täglichen vielerlei und allerlei rechtzeitig meine Erkenntnisse und Erfahrungen zu notieren, von denen ich betroffen bin.
Mach mich griffsicher in der richtigen Zeiteinteilung.
Schenke mir das Fingerspitzengefühl, um herauszufinden, was erstrangig und was zweitrangig ist.
Ich bitte dich um Kraft für Zucht und Maß, dass ich nicht durch das Leben rutsche, sondern den Tagesablauf vernünftig einteile, auf Lichtblicke und Höhepunkte achte.
Bewahre mich vor dem naiven Glauben, es müsste im Leben alles glatt gehen. Schenke mir die nüchterne Erkenntnis, dass Schwierigkeiten, Niederlagen, Misserfolge, Rückschläge eine selbstverständliche Zugabe zum Leben sind, durch die wir wachsen und reifen.
Schicke mir im rechten Augenblick jemand, der den Mut hat, mir die Wahrheit in Liebe zu sagen.
Ich möchte dich und die anderen immer aussprechen lassen. Die Wahrheit sagt man nicht sich selbst, sie wird einem gesagt.
Ich weiß, dass sich viele Probleme dadurch lösen, dass man nichts tut. Gib, dass ich warten kann.
Du weißt, wie sehr wir der Freundschaft bedürfen. Gib, dass ich diesem schönsten, schwierigsten, riskantesten und zartesten Geschenk des Lebens gewachsen bin.
Verleih mir die nötige Phantasie, im rechten Augenblick ein Päckchen Güte, mit oder ohne Worte, an der richtigen Stelle abzugeben.
Bewahre mich vor der Angst, ich könnte das Leben versäumen.
Gib mir nicht, was ich wünsche, sondern was ich brauche.
Lehre mich dir Kunst der kleinen Schritte!
(Antoine de Saint-Exupéry)

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen gesegneten Übergang ins Jahr 2021!

(Juliane Schaad, 30.12.2020)

Das C-Wort

Auf einem Schild über einer geschlossenen Gaststätte in Köln steht „Lockdown – But don’t lock your heart“. © Keystone/dpa/Oliver Berg

In Großbritannien wurde „Lockdown“ zum Wort des Jahres 2020 gekürt, weil es laut Verlag des Collins-Wörterbuchs die geteilte Erfahrung von Milliarden Menschen zusammenfasst, die ihren Alltag einschränken müssen, um das Corona-Virus einzudämmen.

In Deutschland wurde der Begriff „Lost“ zum Jugendwort des Jahres 2020. Damit wird ahnungsloses und unsicheres Verhalten in der jungen Generation beschrieben.

Doch genug der L-Worte. Wenn wir an Corona denken, könnte auch ein C-Wort das Rennen machen: Corona-Virus, Corona-Krise, Corona-Pandemie, Corona-Neuinfektionen, Corona-Tote, Corona-Blues, Corona-Auflagen, CureVac-Impfstoff, Corona-Demos, Corona-Leugner, Corona-Widerstand, Covid 19, Covid-19-Intensivpatienten, Covidioten, …

Es gibt aber auch ein C-Wort, das uns bei allen Sorgen und Ängsten um Corona und bei aller Verwirrung mit Sicherheit helfen kann: CHRISTUS! Als Christen dürfen wir glauben, dass Jesus uns durch die Krise führt und wir im Blick auf seine Barmherzigkeit weder „lost“ sind noch panisch im „Lockdown“ verharren und unser Herz auch nicht verschließen müssen.

Nutzen wir die stärkste Waffe, die es gegen Corona gibt: Das Gebet und die Hinwendung zu Christus.

(Ausgewählte Corona-Gebete haben wir in der Rubrik „Worte der Zuversicht“ zusammengestellt.)

(Johannes Lerch, 12.11.2020)

Die zwei Balken des Kreuzes

Eines der beliebtesten und bekanntesten Symbole, die es überhaupt auf der Welt gibt, ist das Kreuz. Es ist DAS Symbol des Christentums. Und nicht nur Christen tragen Kreuze, sondern auch als Modeschmuck für jedermann und -frau ist dieses Symbol beliebt.

Es gibt verschiedene Kreuzformen. Die bei uns in Deutschland bekannteste und beliebteste Kreuzform ist ein solches mit einem langen vertikalen Balken und einem kürzeren horizontalen Balken, der von der Mitte des vertikalen Balkens aus etwas nach oben verschoben ist.

Wenn ich mit Kindern zum Beispiel in der Kindertagesstätte oder dem Erstkommunionkurs, das Kreuzzeichen übe, spreche ich dabei nicht nur das übliche „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“, sondern erkläre dieses Zeichen danach beispielsweise auch mit: „Gott ist bei uns von oben bis unten und von links nach rechts.“ Oder: „Gott ist in unserem Denken, unserem Herzen und unserem Handeln.“

Ein weiterer Aspekt des Kreuzes, der sehr gut deutlich macht, was das Kreuz bedeutet, ist die Ausrichtung der Balken. Der senkrechte Balken stellt die Verbindung von jedem einzelnen Menschen zu Gott dar und der waagrechte Balken die Verbindung zwischen uns Menschen untereinander. Beide Verbindungen tragen uns. Auf beide Richtungen sind wir angewiesen. So kann ich das zumindest aus meiner eigenen Erfahrung sagen und der Sicht von jemandem, der an Gott glaubt und daran, dass er bedeutsam für die Welt ist. .

In einer Zeit, in der viele von uns kaum Menschen treffen und nur sehr eingeschränkt soziale Kontakte pflegen können, merken wir, wie sehr wir Gemeinschaftswesen und auf andere angewiesen sind.

Die von der Bundesregierung erlassene Kontaktbeschränkung bringt viele Menschen, so sinnvoll und berechtigt sie sein mag, an ihre Grenzen, sei es aus Einsamkeit, Hilflosigkeit oder weil die häusliche Gemeinschaft unbekannten Herausforderungen oder Enge ausgesetzt ist.

Wir brauchen einander. Und wir brauchen Gott. Immer mehr Menschen fangen (wieder) an zu beten oder beten gerade jetzt sehr intensiv und regelmäßig. Wenn der uns bekannte Alltag wegfällt und trotzdem kein Urlaub ist, wenn Unsicherheit, Sorgen, schlechte Nachrichten und Zweifel das Denken bestimmen, ist die Sehnsucht nach einer höheren Macht, die alles im Griff hat, groß.

Verbindungen müssen gepflegt werden, sonst werden sie marode und brechen ab. Das wissen wir alle aus eigenen Erfahrungen. Eine gut geölte, ab und zu gewartete und genutzte Leitung, ist flexibel, stark und hält auch mal einen Sturm aus. So ist das mit der Leitung zu Gott und so ist das auch mit den Verbindungen zu anderen Menschen.

Diese Zeit besonderer Herausforderungen ist eine gute Gelegenheit, Verbindungen verschiedener Art wieder neu aufzunehmen. Gerade in der Karwoche haben wir die Sehnsucht nach einer Nähe zu Gott. Wir fühlen das Leid in dieser Welt und wir haben Sehnsucht nach Jesus, der den Weg des Leids für alle Menschen in Not gegangen ist. Das Kreuz ist unser Verbindungsweg. Wenn wir in Gedanken, Gebet oder dem Lesen der Bibeltexte den Kreuzweg mit Jesus gehen, sind wir durch das Kreuz mit Gott verbunden und ebenfalls durch das Kreuz mit allen anderen Menschen in ihrem je eigenen Kreuz.

Beispiele für eine Kreuzwegandacht finden Sie im Gotteslob unter Nr. 683 und Nr. 684 und die entsprechenden Bibeltexte in den Evangelien unter Matthäus 26-28, Markus 14-16, Lukas 22-24 und Johannes 18-20.

In der Verbindung zu Gott und zu den anderen Menschen, wie auch immer sie geartet sein mag, können wir dann spüren, dass wir nicht alleine und getragen sind. Und so können wir voller Überzeugung und Freude auch an diesem Fest die Auferstehung Jesu feiern und erfahren: Jesus lebt!

In diesem Sinne wünsche ich allen gesegnete Kartage!

Juliane Schaad, 10.04.2020

Ein Wort für Dein Leben

Wenn ich eines unserer Kommunionkinder frage, „was bedeutet beten?“, bekäme ich (hoffentlich 😉) zur Antwort: „mit Gott reden“.

Wer betet, wünscht sich Kontakt mit Gott. Einen Kontakt, der nicht einseitig ist, sondern eine Antwort erhält. Eine Antwort, die aber nicht immer so direkt ist wie in dem Gespräch mit dem Kommunionkind. Wer an Gott glaubt und dies auch schon länger tut, kennt wahrscheinlich verschiedene Arten der Antwort.

Eine Form des Gebetes, die in der Gemeinschaft Emmanuel gerne gepflegt wird, ist der Lobpreis.* Am Montagfrüh hatte ich mich dem Lobpreis der Geschwister im Emmanuel-House Münster angeschlossen, die diesen in einem Livestream (live.emmanuel.de) übertragen haben.

An einer Stelle ist es üblich, um den Heiligen Geist zu bitten und in diesem Geist die Bibel frei aufzuschlagen und die Stelle zu lesen, auf die ich als erstes schaue. Ich habe mir also eine Bibel genommen und dies getan. Wer mich gut kennt, wird jetzt lachen, wenn ich sage, dass ich im Buch Jesaja den Anfang des 9. Kapitels (Verse 1-6) aufgeschlagen habe. (Die Bibel ist neu und bisher wenig gelesen, da waren keine Eselsohren und kein Lesezeichen an dieser Stelle. 😉)

Das Volk, das in der Finsternis ging, sah ein helles Licht; über denen, die im Land des Todesschattens wohnten, strahlte ein Licht auf. (Version Einheitsübersetzung 2016)“ So lautet der Anfang dieses Textes, der vielen bekannt ist aus den Lesungen der Christmette am Heiligabend. Wenn es einen Bibeltext gibt, von dem ich sagen würde „Das ist mein Text“, dann ist das dieser. Er begleitet mich schon sehr lange durch alle Höhen und Tiefen, und es war der Text, über den ich meine Diplomarbeit geschrieben habe. Und diesen Text, dieses Wort der Zuversicht, schenkt mir Gott als Antwort (auf mein Leben, mein Gebet, meine Sorgen, meine Fragen), mitten in der Corona-Krise, am Montag in der Karwoche.

Vielleicht will er mir sagen: „Vergiss nicht. Viele haben es schon vor dir gesehen und bezeugt. Ich bin das Licht, das scheint, wenn du in der Finsternis bist. Du kennst mich, denn du hast mich schon öfter gesehen und ich bin auch jetzt da; in deiner Finsternis und in der Finsternis der Welt in dieser Zeit.“

Wer im Tunnel der Sorgen und der Angst gefangen ist, wer sich alleine fühlt und hilflos, der kann ein Licht gut gebrauchen. Jesus Christus möchte dieses Licht für uns sein. Dafür ist er den Weg mit dem Kreuz gegangen. Dafür ist er gestorben und auferstanden. Dass Gott Dir Deine eigene Antwort auf Deine Fragen schenkt und dass er für Dich ein Licht ist in dieser Zeit, das wünsche ich Dir.

Juliane Schaad, 09.04.2020

*In Liedern und Gebeten preisen wir Gott als unseren Schöpfer und Erlöser und danken ihm für die vielen kleinen und großen Dinge, die er uns schenkt. Der Lobpreis ist eine Haltung, die uns helfen kann, unser Leben zuerst und vor allem mit Zuversicht und den liebenden Augen Gottes zu betrachten.

Kar- und Ostertage in Corona-Zeiten

Ostern wird auch in Zeiten von Corona nicht abgesagt. Wir feiern es dieses Jahr anders als sonst und müssen auf den persönlichen Besuch der Messen in der Karwoche mit ihrer besonderen Liturgie verzichten. Aber dadurch ist Ostern nicht weniger bedeutsam. Vielleicht erfüllen uns die Tage gerade jetzt noch mehr mit Hoffnung und Freude.

Die digitale Welt eröffnet uns ganz neue Möglichkeiten, Ostern anders und vielleicht sogar intensiver zu erleben und mitzufeiern. Aber die neue Kanzel der Kirche ist nicht nur das Internet. Mittlerweile gibt es viele Initiativen, Materialien und Anregungen, wie man die Kar- und Ostertage in Corona-Zeiten auch zu Hause feiern kann. Hier zwei zur Auswahl.

Kar- und Ostertage für Familien

Eine sehr schöne Handreichung für Familien haben Juliane Glaum und Claudia und Thomas Lütkemeier zusammengestellt. Darin gibt es umfangreiche Materialien und Aktionsvorschläge, wie man mit der Familie die Tage von Palmsonntag bis Ostern begehen kann: Von der Gestaltung eines Ostergartens über Palmbuschen binden und einem Rezept zum Brotbacken bis hin zu einer Osterkerze, die man „mitwachsen“ lassen kann und die in jedem Gottesdienst mit einem weiteren Symbol verziert wird.

Das Begleitheft wurde in einer bedruckten Ostertasche zusammen mit den Utensilien verpackt und an Familien aus der Gemeinde vor Ort und im Umfeld verteilt. Die Handreichung mit den Impulsen und Aktionsvorschlägen kann hier heruntergeladen werden:

Osterforum digital

Das Osterforum der Gemeinschaft Emmanuel ist traditionell ein Angebot für junge Erwachsene. Dieses Jahr wird es in digitaler Form stattfinden, sodass jetzt jeder, der möchte, daran teilnehmen kann. Via Livestream wird aus der Josefsburg in Altötting die Liturgie übertragen, die von den Studenten der Emmanuel School of Mission (ESM) gestaltet wird. Zelebrant ist Pfarrvikar und ESM-Direktor Martin Siodmok.

Außerdem werden Impulse gestreamt, die von Referenten an unterschiedlichen Orten gehalten werden. Es wird auch Zeiten geben, um gemeinsam zu schweigen, Bibelstellen zu betrachten, per Telefon bzw. Internet ins Gespräch zu kommen oder auch zusammen zu beten. Dazu stehen Jugendliche und Erwachsene verschiedener Altersgruppen und Lebensstände von unterschiedlichen Orten aus bereit.

Nach der Osternacht wird DJ Faith für uns auflegen, um gemeinsam, wenn auch räumlich getrennt, die Auferstehung unseres Herrn ordentlich feiern zu können. Mehrere kreative Köpfe bereiten auch noch weitere Punkte vor.

Programmablauf und Link zum Livestream-Kanal, wo es auch jetzt schon tägliche Angebote gibt, stehen unter live.emmanuel.de zur Verfügung. Das genauere Programm und weitere Infos gibt es zudem unter www.emmanuel-ostertage.de

Johannes Lerch, 03.04.2020

Was meint „geistliche Kommunion“?

Mittlerweile ist der erste Schock über die flächendeckende Absage von Gottesdiensten vorbei. Es ist eine erfreuliche Kreativität entstanden, mit der Seelsorger über Livestreams ihre Gläubigen nah zu bleiben versuchen. Jede Diözese hat Fernsehübertragungen organisiert, durch die man wenigstens medial Gottesdienste mitfeiern kann.

Aber es bleibt ein Gefühl von Mangel, ja ein Schmerz: sich nicht versammeln zu können, Gemeinschaft im Glauben zu erleben – und vor allem auf die Kommunion verzichten zu müssen. Aber halt: Theologisch gesehen stimmt dieser Satz nur zur Hälfte. Ja, man kann nicht mehr in der gewohnten Form zur Kommunion gehen. Man kann sie momentan nicht in der vollen sakramentalen Form empfangen. Aber man könnte genauso gut sagen, und das ist die gute Nachricht: Wir können die Kommunion nach wie vor empfangen! Nur eben anders, eben geistlich.

Mir scheint, den meisten Gläubigen ist nicht bewusst, welche Tiefe und welcher Reichtum in der geistlichen Kommunion steckt. Ja, sie ist eine Notlösung, aber sie ist weit mehr als das. Sie enthält alles wesentliche! Und wenn wir das verstehen, dann können wir aus ihr große Kraft schöpfen, selbst wenn wir die Eucharistie nicht sakramental empfangen können.

Die Lehre von der geistlichen Kommunion geht der Sache nach auf den heiligen Augustinus zurück. Er hat unterschieden zwischen dem „Zeichen eines Sakraments“ und dem „inneren Gehalt“. Das äußere Zeichen der Taufe beispielsweise ist das Übergießen mit Wasser, verbunden mit dem Taufwort auf den dreifaltigen Gott. Der innere Gehalt ist die Befreiung von Sünden, das neue Leben der Kinder Gottes und die Aufnahme in die Gemeinschaft der Kirche.

[…] Der hier folgende Impuls wurde gekürzt, kann aber unten als PDF gelesen werden. […]

In der Praxis stellt sich die Frage: Wie geht das, „geistlich kommunizieren“? Geistliche Kommunion kann in der Weise erfolgen, dass man bei einer heiligen Messe dabei ist und sie innerlich mitfeiert, ohne sakramental zu kommunizieren. Das entspricht der jetzigen Situation, wenn wir die Messe über das Fernsehen oder einen Livestream anschauen – oder besser gesagt eben nicht nur Zuschauer sind, sondern aktiv innerlich daran teilnehmen. Dann kann ich im Moment des Kommunionempfangs mein Herz öffnen und im Glauben den Herrn empfangen, der sich mir schenken will. Ich kann so beten, als ob ich gerade in der Messe sakramental die Kommunion empfangen hätte. Glauben, dass er da ist, mir ganz nah ist. Alle Herzensangelegenheiten mit ihm besprechen. Oder einfach mich seiner Gegenwart freuen, mich lieben lassen, ruhen an seinem Herzen.

Die geistliche Tradition kennt aber auch die Form, dass die geistliche Kommunion im persönlichen Gebet praktiziert werden kann, außerhalb einer Messfeier oder einer Übertragung durch die Medien. Dann gehören dazu folgende Schritte, die an die Messfeier angelehnt sind:

  • ein innerer Akt der Reue für meine Sünden und die Bitte um Vergebung,
  • ein Akt des Glaubens in die wirkliche Gegenwart des Herrn in der Eucharistie, an seine große Liebe zu uns, in der er uns in der Kommunion mit sich vereinen möchte,
  • ein Akt der Demut, wie wir nach biblischem Beispiel auch in der Messe beten: „Herr, ich bin nicht würdig …“ – um dann in umso größerer Freude dieses ganz unverdiente Geschenk zu empfangen,
  • dann die geistliche Kommunion selbst, wie schon beschrieben,
  • danach Lob und Danksagung dafür, dass der Herr zu mir gekommen ist.

Die jetzigen Umstände sind dramatisch, und wir hoffen, dass die Corona-Pandemie bald eingedämmt wird und wir langsam zur Normalität des Lebens und damit auch der kirchlichen Praxis zurückkehren können.

Aber vielleicht ist ein positiver Nebeneffekt dieser Zeit auch, dass wir die geistliche Kommunion neu entdecken. Diese Form, den Herrn zu empfangen, kann man nämlich auch nach dieser Krisenzeit fortsetzen, wenn normaler Kommunionempfang wieder möglich ist. Nach kirchlicher Lehre kann man die geistliche Kommunion nämlich beliebig oft, zu jeder Tages- und Nachtzeit vollziehen. Nicht nur, wenn man bei einer Live-Übertragung der Hl. Messe dabei ist. Wir können diese Form der geistlichen Kommunion auch praktizieren, z. B. wenn wir gerne unter der Woche in die Messe gegangen wären, aber es zeitlich nicht schaffen. Oder einfach am selben Tag, wenn man schon in der Messe war, im stillen Gebet, um uns bewusst zu machen: Jesus hat diese stete Sehnsucht zu uns zu kommen, ganz nah bei uns zu sein, in uns zu wohnen.

Die geistliche Kommunion ist eine Weise, wie wir ganz einfach und ganz tief die Verbindung mit Jesus Christus immer neu beleben können, der sich in der Eucharistie uns ganz schenken will. So kann diese Zeit vielleicht sogar dazu beitragen, dass wir das große Geheimnis der Eucharistie ein wenig tiefer verstehen und bewusster aus ihr leben.

Spiritual Dr. Andreas Schmidt
( Priesterseminar München, Gemeinschaft Emmanuel)

Diese Katechese gib es auch in einer ausführlichen schriftlichen Fassung:
Komplette Version des Impulses (PDF)

Aktion „Hoffnungslicht“

Über eine schöne Gebetsaktion hat gestern katholisch.de berichtet: „Ein gemeinsames Vaterunser als Hoffnung und Solidarität in Zeiten der Corona-Krise: Wie eine Kerze im Fenster zur Gebetsaktion wurde“.

Nachdem auch in der katholischen Gemeinde St. Pankratius in Oberhausen alle Gottesdienste abgesagt wurden, hat die Pfarrei ihre Mitglieder aufgerufen, täglich um 19 Uhr eine brennende Kerze auf die Fensterbank zu stellen und das Vaterunser zu beten. In nur zwei Tagen hat sich die Aktion „Hoffnungslicht“ wie ein Feuer verbreitet. Auch andere Religionen beteiligen sich mittlerweile in unterschiedlichen Varianten.

„Wir sind dankbar, dass wir mit so einem kleinen Zeichen vielen Menschen Hoffnung schenken können“, freut sich Pfarrer Christoph Wichmann über den großen Zuspruch. Selbst Atheisten wollten ebenfalls eine Kerze in ihr Fenster stellen. „Das ist eigentlich das Bewegendste: Ich bekomme ganz viele Nachrichten von Menschen, die nicht zu unserem Stammklientel gehören, die aber trotzdem sagen: Es ist uns wichtig.“

Für viele sei nach dem kurzen Vaterunser-Gebet aber noch nicht Schluss, berichtet katholisch.de: Die individuelle Spiritualität gehe dann weiter. Einige Priester würden im Anschluss daran die Vesper beten, Familien noch zusammensitzen, den Rosenkranz beten oder die Kerze schon um 18 Uhr entzünden und eine Zeit lang brennen lassen.  

Man spürt die große Sehnsucht der Menschen nach Sinn und Zusammenhalt in diesen besonderen Zeiten …

Johannes Lerch, 19.03.2020

Gottesdienste im Livestream mitfeiern

Die flächendeckende Absage von Gottesdiensten ist schon einmalig in der Kirchengeschichte. Selbst zu Zeiten von Pest und Cholera und in den beiden Weltkriegen hat es das nicht gegeben. Aber auch die Kirchen können, wollen und sollten sich den allgemeinen Schutzmaßnahmen vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus nicht entziehen.

Doch ein Hoch auf die heutige Technik: Wie schön ist es, dass wir Gottesdienste jetzt online mitfeiern können. Inzwischen gibt es ja viele Angebote: ob Radio (z. B. Domradio, Radio Horeb, Deutschlandfunk), Fernsehen (z. B. ZDF, Bibel TV, EWTN) oder Internet (z. B. domradio.de, bibeltv.de, ewtn.de, feiernwir.de).

Mit großer Freude haben wir am vergangenen Sonntag mit der Familie die Messe der Gemeinschaft Emmanuel am großen Bildschirm im Wohnzimmer verfolgt. Übertragen wurde der Gottesdienst mit Pfarrvikar Martin Siodmok aus der Josefsburg in Altötting, gestaltet von den Studenten der Emmanuel School of Mission. (Infos zu den Livestream-Messen der Gemeinschaft Emmanuel gibt es unter https://live.emmanuel.de).

Natürlich sind viele von uns verwöhnt von den profesionellen Gottesdienst-Übertragungen im Fernsehen mit den vielen unterschiedlichen und abwechslungsreichen Kameraeinstellungen, dem perfekt abgemischten Ton und den schönen eingeblendeten Bildern. Aber auch eine einfache Kameraeinstellung genügt. Es fühlt sich dadurch irgendwie authentischer an.

Für mich stellte sich aber zunächst die Frage: Wie verhalte ich mich im Wohnzimmer während der Gottesdienstübertragung?

  • Klar, wir singen mit großer Freude die uns bekannten Emmanuel-Lieder, machen zu Beginn das Kreuzzeichen und sprechen die Gebete mit, was anfangs in den eigenen vier Wänden etwas ungewohnt war.
  • Aber wie verhalte ich mich bei der Eucharistiefeier: Knie ich mich auch zuhause hin bei der Präfation? Vor dem Fernseher? (Das habe ich zuletzt beim Elfmeterkrimi Deutschland–Italien während der WM 2016 erlebt :-)) Glaube ich, dass Jesus auch am Bildschirm gegenwärtig ist, und in dieser Umgebung verehrt werden will?
  • Stehe ich beim Vaterunser auf oder bleibe ich als Zuschauer auf dem Sofa sitzen?
  • Wenn der Priester einlädt, sich beim Friedensgruß freundlich zuzulächeln (gerichtet an die Anwesenden vor Ort): Kann ich dann meiner Frau und meinen Kindern trotzdem die Hand geben?
  • Dann schaue ich zu, wie die anderen zur Kommunion gehen. Und ich überlege mir: Wie sehr vermisse ich die sakramentale Kommunion? Wie groß ist meine Sehnsucht und mein Verlangen wirklich? Ganz neu lerne ich die geistliche Kommunion kennen – ich hatte mich bisher kaum damit beschäftigt. Aber ich habe ein schönes Gebet des Heiligen Pater Pio gefunden:
    Mein Jesus, ich glaube, dass Du im allerheiligsten Sakrament des Altares zugegen bist. Ich liebe dich über alles und meine Seele sehnt sich nach Dir. Da ich Dich aber jetzt im Sakrament des Altares nicht empfangen kann, so komme wenigstens geistigerweise zu mir. Ich umfange Dich, als wärest Du schon bei mir und vereinige mich mit Dir! Ich bete Dich in tiefster Ehrfurcht an. Lass nicht zu, dass ich mich je von Dir trenne. Amen .

Soweit mal einige Gedanken, die mich bei den Online-Gottesdiensten beschäftigen. Das Gute an den Livestream-Messen ist, dass wir vieles neu hinterfragen und einzelne Elemente der Liturgie dadurch wieder ganz neu kennenlernen können.

Johannes Lerch, 18.03.2020

Fastenzeit

Es gibt viele Möglichkeiten, in den vierzig Tagen vor Ostern zu fasten. Man kann zum Beispiel Konsum reduzieren, Ballast abwerfen, bewusst Gutes tun, um sich einfach wieder neu auszurichten.

Ich habe mir dieses Jahr vorgenommen, zwei Tage pro Woche wirklich auf Nahrung zu verzichten. Die dadurch gewonnene Zeit lässt sich sinnvoll nutzen, zum Beispiel zum Lesen oder Beten.

Ein weiterer Nebeneffekt ist, dass ich üben kann, mich nicht von meinen Gefühlen beherrschen zu lassen. Hunger macht mich, sagen wir mal, unausgeglichen und ich übe, trotzdem erträglich für meine Mitmenschen zu sein.

Dieses Jahr hat die Fastenzeit aber eine ganz neue Dimension. Wir müssen unfreiwillig auf sehr vieles verzichten: den Eiscafébesuch zur Begrüßung der ersten Sonnenstrahlen, den Abend mit Freunden, Besuche und Erledigungen hier und da, Hobbies, Umarmungen, …

Was bis vor kurzem ganz normal war, ist plötzlich weg. Schon jetzt, nach wenigen Tagen, vermisse ich meine Freiheit und den persönlichen Kontakt zu den Menschen um mich herum.

Von morgens bis abends werde ich im Moment mit Dingen konfrontiert, die ich normalerweise ganz selbstverständlich tun kann ohne darüber nachzudenken. Ich nehme sie jetzt wahr, weil sie plötzlich nicht machbar sind. Das ist lästig, aber ich spüre auch: Ich habe es gut. Sogar hier und jetzt.

Diese Fastenzeit dauert möglicherweise länger als sonst. Umso mehr freue ich mich schon darauf, jemandem (außerhalb der Familie) die Hand zu geben, ins Theater zu gehen, an einer Sitzung teilzunehmen, eigentlich sogar mit den Kindern für den Schulbesuch früher aufzustehen.

Bis dahin sammle ich Gründe, dankbar zu sein.

Alexandra Gottwick, 17.03.2020

Geschenkte Zeit sinnvoll nutzen

Mit großer Spannung haben unsere Kinder am Freitag die Pressekonferenz des Landes Baden-Württemberg zur Corona-Krise verfolgt: Groß war der Jubel, dass die Schulen ab Dienstag bis nach den Osterferien geschlossen bleiben.

Natürlich geben die Lehrer viel Stoff zum Lernen mit, aber da auch Sportvereine, Musikunterricht und andere Hobbies ausfallen, bleibt plötzlich viel Zeit, die es sinnvoll zu nutzen gilt. Meine Tochter hat sich gleich ein Plakat gemalt mit dem Titel „Corona-Langeweile“. Darunter sind viele Aktivitäten aufgelistet, was sie in dieser geschenkten Zeit alles tun könnte.

In meiner Firma wurde Homeoffice angeordnet. Ich spare mir jeden Tag 30 Minuten Hin- und 30 Minuten Rückfahrt – das sind fünf Stunden pro Arbeitswoche. Wie gehe ich mit der geschenkten Zeit um? Für einen sinnvollen Einsatz brauchen wir – um es mit Jogi Löw zu sagen – „Högschde Disziplin“. Sonst verlieren wir uns zu schnell in Belanglosigkeiten oder hängen nur am Smartphone.

Natürlich haben wir erst einmal mehr Zeit in und für die Familie. Wir haben als erstes ein 3000er Puzzle ausgepackt und genießen es, gemeinsam ein Bild entstehen zu lassen und nebenher spannende Audiobooks zu hören („Sherlock Holmes“ oder „Die drei Fragezeichen“).

Apropos Audiobooks: Ich höre zurzeit „Skandal der Skandale“ von Manfred Lütz in Spotify. Der Autor erzählt die spannende Geschichte des Christentums, wie sie nach Erkenntnissen der neusten Forschung wirklich war. Was ist dran an der Skandalgeschichte des Christentums?  Das spannende Aufklärungsbuch bietet spektakuläre Überraschungen.

Und weil wir in der Fastenzeit aufs Fernsehen verzichten, ist das die Gelegenheit, mal ein gutes geistliches Buch zu lesen. Auf meinem Programm steht aktuell „The Biggest Lie in the History of Christianity“ (Bestsellerautor Matthew Kelly beschreibt, wie wir uns von den Lügen der modernen Gesellschaft täuschen lassen und zeigt den Weg zurück zu Freunde und Glück).

Aber ich kann auch mein Gebetsleben intensivieren. Jetzt ist mehr Zeit für den morgendlichen Lobpreis. Da viele Abendtermine wegfallen, könnte ich auch mal abends die Komplet beten. Das häufige Händewaschen (siehe Beitrag „Hände waschen mit Gebet“) gibt mir die Gelegenheit für viele Stoßgebete.

Als Christ bin ich aber auch zur konkreten Nächstenliebe aufgerufen: Ich habe mir vorgenommen, mal bei einsamen oder älteren Bekannten anzurufen, nachzufragen, wie es geht, Einkäufe anzubieten. Vielleicht jeden Tag ein Anruf?

Eigentlich wäre es schön, wenn man über die Kirche nicht in den Medien liest, ob und wann sie ihre Gottesdienste absagt, sondern weil sich ihre Mitglieder für andere einsetzen, die Seelsorgeangebote aufstockt, für Hilfsbedürftige spendet, die aufgrund des Coronavirus ihren Job verlieren, und hilft, den Glauben neu erfahrbar zu machen und das Vertrauen in die Existenz Gott zu stärken.

Was macht Ihr mit Eurer geschenkten Zeit? Wir sind gespannt auf Eure Kommentare!

Johannes Lerch, 15.03.2020