Wo der Geist schon kräftig wirkt

Um die Kraft des Heiligen Geistes müssen und sollen wir immer wieder neu bitten – aber kam und kommt er auch bei uns an? Ich lade Euch ein, den Blickwinkel zu wechseln: Lasst uns einmal rückblickend schauen, wo der Geist schon kräftig gewirkt hat oder auch noch wirkt – und vielleicht sogar durch jeden Einzelnen von Euch selbst!

Ich bin davon überzeugt, dass sich viele während der Corona-Krise in den letzten Wochen in ihrer Funktion und auf ihrem vorbestimmten Platz nach ihren Fähigkeiten so eingebracht haben, dass davon Betroffene nicht nur dankbar dafür sein konnten, sondern dass für manche von ihnen unser Einsatz wie das Wirken des Heiligen Geistes vorkam.

  • Der Geist wirkte überall dort, wo Ihr als Arzt oder in einem anderen pflegenden Beruf für (Schwer-)Kranke bis zur Belastungsgrenze da wart.
  • Der Geist wirkte überall dort, wo Ihr in politischen Ämtern oder sonstigen exponierten Positionen relevante Entscheidungen weiter vermitteln oder sogar in Eigenverantwortung selbst treffen musstet.
  • Der Geist wirkte überall dort, wo Ihr in den sogenannten systemrelevanten Berufen für die Aufrechterhaltung der wichtigen Infrastrukturen gesorgt habt.
  • Der Geist wirkte überall dort, wo Ihr in die Produktion und Vertrieb von Lebensmitteln involviert wart und damit die Versorgung der Gesellschaft sichergestellt habt.
  • Der Geist wirkte überall dort, wo Ihr als Seelsorger oder als Ansprechpersonen in jeglicher Form der Lebenshilfe psychische und geistliche Stütze für Alleinstehende oder mit ihren Sorgen Alleingelassene geboten habt.
  • Der Geist wirkte überall dort, wo Ihr Jüngere Euren älteren Nachbarn oder Bekannten praktische Hilfe angeboten habt, damit diese nicht unnötig ihr Zuhause verlassen mussten.
  • Der Geist wirkte überall dort, wo Ihr in Eurer kleinen Zelle „Familie“ bedürftige Familienangehörige moralisch oder gar pflegend unterstützt habt, teilweise sogar abgetrennt von jeglichen externen Hilfen.
  • Der Geist wirkte überall dort, wo Ihr im Vollzeiteinsatz für Eure Kinder präsent wart und – teilweise unter verschärften und eingeengten Verhältnissen – die Rolle des Lehrers, Trösters und Spielkameraden auf einmal übernommen habt.
  • Der Geist wirkte überall dort, wo Ihr die durch die Krise in Not geratene Mitmenschen finanziell entlastet habt, indem Ihr Eintrittskarten nicht erstatten ließet, Gastronomen durch Spenden oder vorzeitigen Kauf von Gutscheinen unterstütztet, oder sogar als Verpächter oder Vermieter auf die Euch zustehenden Zahlungen vorübergehend verzichtet habt.
  • Der Geist wirkte aber auch überall dort, wo Ihr einfach durch Homeoffice den Empfehlungen der Fachleute gefolgt seid, auf diese Weise öffentliche Räume und die Raumsituation an Eurem Arbeitsplatz entlastet und dadurch das Infektionsrisiko gemindert habt.
  • Und der Geist wirkt schließlich auch dort, wo Ihr – ob bei mehr oder weniger Einsicht – die Andersartigkeit dieses Jahres annehmt und den Verzicht, der bisher schon geboten war und noch kommen wird, akzeptieren könnt, egal wie schmerzlich er ist.

Seien wir uns also dessen bewusst, dass unser Handeln oft auch dann für andere ein Segen ist und be-geistern kann, wenn wir selbst denken: „Ich habe doch nur meine Pflicht getan …“

Wenn wir dieses Jahr an Pfingsten mit dem Ruf: Komm Heil‘ger Geist um dessen Beistand gebeten haben, uns zugleich aber bei dem Gedanken ertappen: Er kommt doch eh‘ nicht, dann lasst uns erstmal kurz innehalten und dem nachspüren, wo er vielleicht gerade in den letzten Wochen schon sehr wohl gewirkt hat und immer wieder wirkt – in meinem Leben durch andere, aber auch durch mich an anderen.

László Strauß, 02.06.2020

Kar- und Ostertage in Corona-Zeiten

Ostern wird auch in Zeiten von Corona nicht abgesagt. Wir feiern es dieses Jahr anders als sonst und müssen auf den persönlichen Besuch der Messen in der Karwoche mit ihrer besonderen Liturgie verzichten. Aber dadurch ist Ostern nicht weniger bedeutsam. Vielleicht erfüllen uns die Tage gerade jetzt noch mehr mit Hoffnung und Freude.

Die digitale Welt eröffnet uns ganz neue Möglichkeiten, Ostern anders und vielleicht sogar intensiver zu erleben und mitzufeiern. Aber die neue Kanzel der Kirche ist nicht nur das Internet. Mittlerweile gibt es viele Initiativen, Materialien und Anregungen, wie man die Kar- und Ostertage in Corona-Zeiten auch zu Hause feiern kann. Hier zwei zur Auswahl.

Kar- und Ostertage für Familien

Eine sehr schöne Handreichung für Familien haben Juliane Glaum und Claudia und Thomas Lütkemeier zusammengestellt. Darin gibt es umfangreiche Materialien und Aktionsvorschläge, wie man mit der Familie die Tage von Palmsonntag bis Ostern begehen kann: Von der Gestaltung eines Ostergartens über Palmbuschen binden und einem Rezept zum Brotbacken bis hin zu einer Osterkerze, die man „mitwachsen“ lassen kann und die in jedem Gottesdienst mit einem weiteren Symbol verziert wird.

Das Begleitheft wurde in einer bedruckten Ostertasche zusammen mit den Utensilien verpackt und an Familien aus der Gemeinde vor Ort und im Umfeld verteilt. Die Handreichung mit den Impulsen und Aktionsvorschlägen kann hier heruntergeladen werden:

Osterforum digital

Das Osterforum der Gemeinschaft Emmanuel ist traditionell ein Angebot für junge Erwachsene. Dieses Jahr wird es in digitaler Form stattfinden, sodass jetzt jeder, der möchte, daran teilnehmen kann. Via Livestream wird aus der Josefsburg in Altötting die Liturgie übertragen, die von den Studenten der Emmanuel School of Mission (ESM) gestaltet wird. Zelebrant ist Pfarrvikar und ESM-Direktor Martin Siodmok.

Außerdem werden Impulse gestreamt, die von Referenten an unterschiedlichen Orten gehalten werden. Es wird auch Zeiten geben, um gemeinsam zu schweigen, Bibelstellen zu betrachten, per Telefon bzw. Internet ins Gespräch zu kommen oder auch zusammen zu beten. Dazu stehen Jugendliche und Erwachsene verschiedener Altersgruppen und Lebensstände von unterschiedlichen Orten aus bereit.

Nach der Osternacht wird DJ Faith für uns auflegen, um gemeinsam, wenn auch räumlich getrennt, die Auferstehung unseres Herrn ordentlich feiern zu können. Mehrere kreative Köpfe bereiten auch noch weitere Punkte vor.

Programmablauf und Link zum Livestream-Kanal, wo es auch jetzt schon tägliche Angebote gibt, stehen unter live.emmanuel.de zur Verfügung. Das genauere Programm und weitere Infos gibt es zudem unter www.emmanuel-ostertage.de

Johannes Lerch, 03.04.2020

Lied der Hoffnung und des Vertrauens

Eines der Lieblingslieder, die unsere ganze Familie gerne hört, ist „Oceans“ der australischen Band „Hillsong United“. In ihm wird die Bibelstelle (Matthäus 14,22-33) aufgenommen, in der Petrus aus dem Boot, das in stürmische See geraten ist, aussteigt und über das Wasser auf Jesus zuläuft. Bekanntermaßen fängt er an zu sinken, als er den Blickkontakt zu Jesus verliert und nur noch die Gefahren sieht. Jesus rettet ihn dann aus dieser Not.

Ich finde, das passt hervorragend zu diesen außergewöhnlichen Zeiten. Deshalb möchte ich mit Euch diesen Text teilen und hoffe, dass er viele von Euch stärkt.

Wer mag, kann sich eine der vielen verschiedenen Versionen anschauen, die es im Internet von diesem Lied gibt, zum Beispiel das YouTube-Video oben.

„Oceans“ Songtext

You call me out upon the waters
The great unknown where feet may fail
And there I find You in the mystery
In oceans deep
My faith will stand and I will call upon your name

and keep my eyes upon the waves
when oceans rise my soul rest in your inbrase

And I will call upon Your name
And keep my eyes above the waves
When oceans rise
My soul will rest in Your embrace
For I am Yours and You are mine

Your grace abounds in deepest waters
Your sovereign hand
Will be my guide
Where feet may fail and fear surrounds me
You’ve never failed and You won’t start now


So I will call upon Your name
And keep my eyes above the waves
When oceans rise
My soul will rest in Your embrace
For I am Yours and You are mine

Spirit lead me where my trust is without borders
Let me walk upon the waters
Wherever You would call me
Take me deeper than my feet could ever wander
And my faith will be made stronger
In the presence of my Savior

I will call upon Your Name
Keep my eyes above the waves
My soul will rest in Your embrace
I am Yours and You are mine

Ludger Fest, 01.04.2020

Weil Du da bist

Es ist Hoffnung da – ein kleines bisschen Hoffnung
Hoffnung in der Traurigkeit
Hoffnung in der Verzweiflung
Hoffnung in der Hilflosigkeit
Hoffnung in aller Trauer
Hoffnung, wenn die Tränen fließen – einfach so
Hoffnung, weil Du versprochen hast
Hoffnung, weil Du es mir gezeigt hast
Hoffnung, dass Du da bist – immer da bist,
bei mir bist,
ganz nah bist
Der Emmanuel bist – oh Herr
Danke dafür.

Kennt Ihr das? In den Momenten, die am schwersten sind, in denen die Tränen fließen und es mir alles andere als gut geht, entstehen bei mir die buntesten Bilder und die hoffnungsvollsten Texte. Das sind Überlebensstrategien.

Ja, es gibt diese Momente. Ja, in extremen Situationen, zum Beispiel wenn man zwei Wochen lang fast keinen direkten persönlichen Kontakt zu anderen Menschen hat, macht sich auch mal Einsamkeit und Verzweiflung breit. Da kommt es vor, dass für Momente die Sorgen mein Herz eng machen und die Zuversicht sich sehr gut versteckt hält.

Dieser Text oben ist gestern, in einem dieser Momente, entstanden. Wie gesagt: Überlebensstrategie. Ich habe – mithilfe von mir sehr wertvollen Menschen (Danke an Euch alle!) – gelernt, was mir dann helfen kann. „Im Hier und Jetzt sein“ ist so ein Stichwort, „Aktiv werden“ ein anderes.

Konkret bedeutet das für mich zum Beispiel: Tief durchatmen, langsam ruhig werden, aufstehen, einen Tee kochen, trinken und mir daran die Hände wärmen (das hilft mir, mich selbst zu spüren), eine Banane essen (Kalium soll helfen), kreativ werden und eine Handlungsstrategie entwickeln.

Da ist zum Beispiel eine Familien-Videokonferenz bei rausgekommen, die ich einberufen habe. Der Blick auf das Kreuz hilft mir auch. Ich weiß, dass Jesus da ist, dass er bei mir ist, dass er versteht, wie es mir geht und dass er mir hilft, jetzt einen Weg zur Zuversicht und zur Hoffnung zu finden.

Es geht weiter – weil Du da bist!

Juliane Schaad, 31.03.2020

Mit Abstand betrachtet

Im Moment ist so herrliches Wetter und ich gehe jeden Tag eine Zeit lang an die frische Luft, um Sonne zu tanken und ein bisschen Bewegung zu bekommen.

In unserem Dorf ist nicht viel los, trotzdem trifft man immer wieder jemanden. Wobei, „treffen“ ist ja fast zu viel gesagt. Man versucht, sich so weit es geht aus dem Weg zu gehen.

Ich ertappe mich dabei, dass ich plötzlich misstrauisch geworden bin und bei jedem Entgegenkommenden abschätze, ob er nicht vielleicht schon infiziert sein könnte. Ich mache einen entsprechend großen Bogen und ärgere mich, wenn mein Gegenüber nicht auch deutlich versucht, auf Distanz zu bleiben. Auf diese Art wird der Frühlingsspaziergang schnell zum Spießrutenlauf. Nur wo es menschenleer ist, genieße ich die frische Luft.

Stopp! So möchte ich nicht denken! Jeden Menschen unter Generalverdacht zu stellen, baut zu der räumlichen Distanz auch noch eine mentale auf. Dabei sind die allermeisten Menschen bemüht, niemanden in Gefahr zu bringen. Das nehme ich mir zu Herzen.

Beim nächsten Spaziergang mache ich wieder einen großen Bogen, lächle die Leute dabei aber an. Die Leute lächeln zurück. Einmal amüsiert sich ein älteres Paar darüber, dass unsere Großfamilie im Gänsemarsch an ihnen vorbeizieht, schön hintereinander, auf der anderen Straßenseite. Wir lachen.

So ist das doch viel besser zu ertragen. Wir sitzen alle im gleichen Boot.

Alexandra Gottwick, 28.03.2020

Ein Lächeln

Das erste Lächeln des Tages schenkt mir die Sonne bei ihrem Aufgang, wenn ich – wie in den letzten Tagen üblich geworden – sehr früh wach geworden bin.

Das nächste Lächeln zaubert mir ein Foto auf das Gesicht, das mir auf der Suche nach Briefmarken in die Hände gefallen ist: ein Foto von zwei meiner Nichten und mir, das
ca. 6 Jahre alt ist. Das verbindet.

Und gleich habe ich diese Foto meiner Schwägerin geschickt. 😊
Sie hat sich auch darüber gefreut – noch ein Lächeln.

Das nächste Lächeln schenkt mir mein Nachbar, den ich aus der Ferne grüße, als ich gehört, habe, dass er aus dem Haus gekommen ist.

Dann ist da die Familie, die an unserem Zaun vorbei geht, während ich im Liegestuhl liege. Ein Kind ruft: Mama, da liegt eine Frau! Ich winke, sie winkt – noch zwei Lächeln.

Auf dem Weg zum Briefkasten halte ich an, weil eine Frau mir entgegenkommt, die etwas aus ihrem Auto geholt hat. Ich grüße, sie antwortet und lächelt – wieder zwei Lächeln.

Ein Lächeln gehört zu den Dingen, die sich vermehren, wenn man sie verschenkt, sie machen uns selbst glücklich (wenn man sich selbst im Spiegel anlächelt, haben negative Gedanken in diesem Moment automatisch keinen Platz in unserem Kopf) und sie sind ein schönes Zeichen der Verbundenheit und Zuversicht.

Also: Eifrig weiter lächeln …

Es grüßt Euch herzlich mit einem Lächeln

Juliane Schaad, 25.03.2020

Jetzt kommt auch noch der Info-Virus

Ich weiß nicht, ob es Euch auch so geht: Seit alle mehr oder weniger zu Hause sind, ertrinke ich in Nachrichten. Ständig kommen Meldungen auf den Messenger-Diensten, per E-Mail oder Newsletter. Bing, bing, bing, … Und fast alle Infos drehen sich um das Coronavirus.

Über die sozialen Medien werden Kontakte zu Familien-Mitgliedern, Freunden und Bekannten aufgefrischt. Firmen, Schulen, Vereine und Gemeinschaften senden permanent mehr oder weniger wichtige Nachrichten. Unzählige Videos, Livestreams und Kettenbriefe verbreiten sich wie virales Marketing.

Selbst Gebetsinitiativen und Gottesdienstübertragungen prasseln auf uns ein: Soll ich jetzt um 18 Uhr mit allen Musikern „Freude schöner Götterfunken“ aus dem Fenster trompeten, um 19 Uhr bei der weltweiten Lichteraktion mitmachen, eine Kerze ans Fenster stellen und den Rosenkranz beten oder lieber um 21 Uhr auf dem Balkon mit Ovationen dem Gesundheitspersonal danken?

Alles gute Initiativen, die ich gerne unterstützen würde. Aber ich kann leider nicht überall dabei sein. Ich schaffe es auch nicht mehr, auf jede Nachricht zu reagieren, alle erhaltenen Texte zu lesen, geschweige denn jeden YouTube-Link anzusehen, der mir weitergeleitet wird. Mehr denn je muss ich eine sinnvolle Auswahl treffen.

Das Coronavirus hat uns nicht entschleunigt – im Gegenteil wir laufen Gefahr, uns gegenseitig mit Informationen zuzuballern. Wie schütze ich mich vor der Reizüberflutung? In unserer Familie haben wir schon vor einiger Zeit eingeführt, dass wenigstens beim Essen alle Handys ausbleiben. Wer zuwiderhandelt bekommt einen Strich und bei zwei Strichen muss man einen Kuchen backen. Naja, der erste Kuchen kam von mir. 😉

Ich muss mich aber auch tagsüber bewusst dafür entscheiden, nicht aufs Handy zu schauen, Zeiten der Ruhe einzuplanen. Nicht sofort auf alles reagieren. Oh Mann, das fällt mir echt schwer! Eigentlich wollte ich doch mal ein gutes Buch lesen – und jetzt schreibe ich schon wieder was für diesen Blog …

Johannes Lerch, 22.03.2020

Aktion „Hoffnungslicht“

Über eine schöne Gebetsaktion hat gestern katholisch.de berichtet: „Ein gemeinsames Vaterunser als Hoffnung und Solidarität in Zeiten der Corona-Krise: Wie eine Kerze im Fenster zur Gebetsaktion wurde“.

Nachdem auch in der katholischen Gemeinde St. Pankratius in Oberhausen alle Gottesdienste abgesagt wurden, hat die Pfarrei ihre Mitglieder aufgerufen, täglich um 19 Uhr eine brennende Kerze auf die Fensterbank zu stellen und das Vaterunser zu beten. In nur zwei Tagen hat sich die Aktion „Hoffnungslicht“ wie ein Feuer verbreitet. Auch andere Religionen beteiligen sich mittlerweile in unterschiedlichen Varianten.

„Wir sind dankbar, dass wir mit so einem kleinen Zeichen vielen Menschen Hoffnung schenken können“, freut sich Pfarrer Christoph Wichmann über den großen Zuspruch. Selbst Atheisten wollten ebenfalls eine Kerze in ihr Fenster stellen. „Das ist eigentlich das Bewegendste: Ich bekomme ganz viele Nachrichten von Menschen, die nicht zu unserem Stammklientel gehören, die aber trotzdem sagen: Es ist uns wichtig.“

Für viele sei nach dem kurzen Vaterunser-Gebet aber noch nicht Schluss, berichtet katholisch.de: Die individuelle Spiritualität gehe dann weiter. Einige Priester würden im Anschluss daran die Vesper beten, Familien noch zusammensitzen, den Rosenkranz beten oder die Kerze schon um 18 Uhr entzünden und eine Zeit lang brennen lassen.  

Man spürt die große Sehnsucht der Menschen nach Sinn und Zusammenhalt in diesen besonderen Zeiten …

Johannes Lerch, 19.03.2020

Gottesdienste im Livestream mitfeiern

Die flächendeckende Absage von Gottesdiensten ist schon einmalig in der Kirchengeschichte. Selbst zu Zeiten von Pest und Cholera und in den beiden Weltkriegen hat es das nicht gegeben. Aber auch die Kirchen können, wollen und sollten sich den allgemeinen Schutzmaßnahmen vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus nicht entziehen.

Doch ein Hoch auf die heutige Technik: Wie schön ist es, dass wir Gottesdienste jetzt online mitfeiern können. Inzwischen gibt es ja viele Angebote: ob Radio (z. B. Domradio, Radio Horeb, Deutschlandfunk), Fernsehen (z. B. ZDF, Bibel TV, EWTN) oder Internet (z. B. domradio.de, bibeltv.de, ewtn.de, feiernwir.de).

Mit großer Freude haben wir am vergangenen Sonntag mit der Familie die Messe der Gemeinschaft Emmanuel am großen Bildschirm im Wohnzimmer verfolgt. Übertragen wurde der Gottesdienst mit Pfarrvikar Martin Siodmok aus der Josefsburg in Altötting, gestaltet von den Studenten der Emmanuel School of Mission. (Infos zu den Livestream-Messen der Gemeinschaft Emmanuel gibt es unter https://live.emmanuel.de).

Natürlich sind viele von uns verwöhnt von den profesionellen Gottesdienst-Übertragungen im Fernsehen mit den vielen unterschiedlichen und abwechslungsreichen Kameraeinstellungen, dem perfekt abgemischten Ton und den schönen eingeblendeten Bildern. Aber auch eine einfache Kameraeinstellung genügt. Es fühlt sich dadurch irgendwie authentischer an.

Für mich stellte sich aber zunächst die Frage: Wie verhalte ich mich im Wohnzimmer während der Gottesdienstübertragung?

  • Klar, wir singen mit großer Freude die uns bekannten Emmanuel-Lieder, machen zu Beginn das Kreuzzeichen und sprechen die Gebete mit, was anfangs in den eigenen vier Wänden etwas ungewohnt war.
  • Aber wie verhalte ich mich bei der Eucharistiefeier: Knie ich mich auch zuhause hin bei der Präfation? Vor dem Fernseher? (Das habe ich zuletzt beim Elfmeterkrimi Deutschland–Italien während der WM 2016 erlebt :-)) Glaube ich, dass Jesus auch am Bildschirm gegenwärtig ist, und in dieser Umgebung verehrt werden will?
  • Stehe ich beim Vaterunser auf oder bleibe ich als Zuschauer auf dem Sofa sitzen?
  • Wenn der Priester einlädt, sich beim Friedensgruß freundlich zuzulächeln (gerichtet an die Anwesenden vor Ort): Kann ich dann meiner Frau und meinen Kindern trotzdem die Hand geben?
  • Dann schaue ich zu, wie die anderen zur Kommunion gehen. Und ich überlege mir: Wie sehr vermisse ich die sakramentale Kommunion? Wie groß ist meine Sehnsucht und mein Verlangen wirklich? Ganz neu lerne ich die geistliche Kommunion kennen – ich hatte mich bisher kaum damit beschäftigt. Aber ich habe ein schönes Gebet des Heiligen Pater Pio gefunden:
    Mein Jesus, ich glaube, dass Du im allerheiligsten Sakrament des Altares zugegen bist. Ich liebe dich über alles und meine Seele sehnt sich nach Dir. Da ich Dich aber jetzt im Sakrament des Altares nicht empfangen kann, so komme wenigstens geistigerweise zu mir. Ich umfange Dich, als wärest Du schon bei mir und vereinige mich mit Dir! Ich bete Dich in tiefster Ehrfurcht an. Lass nicht zu, dass ich mich je von Dir trenne. Amen .

Soweit mal einige Gedanken, die mich bei den Online-Gottesdiensten beschäftigen. Das Gute an den Livestream-Messen ist, dass wir vieles neu hinterfragen und einzelne Elemente der Liturgie dadurch wieder ganz neu kennenlernen können.

Johannes Lerch, 18.03.2020

Fastenzeit

Es gibt viele Möglichkeiten, in den vierzig Tagen vor Ostern zu fasten. Man kann zum Beispiel Konsum reduzieren, Ballast abwerfen, bewusst Gutes tun, um sich einfach wieder neu auszurichten.

Ich habe mir dieses Jahr vorgenommen, zwei Tage pro Woche wirklich auf Nahrung zu verzichten. Die dadurch gewonnene Zeit lässt sich sinnvoll nutzen, zum Beispiel zum Lesen oder Beten.

Ein weiterer Nebeneffekt ist, dass ich üben kann, mich nicht von meinen Gefühlen beherrschen zu lassen. Hunger macht mich, sagen wir mal, unausgeglichen und ich übe, trotzdem erträglich für meine Mitmenschen zu sein.

Dieses Jahr hat die Fastenzeit aber eine ganz neue Dimension. Wir müssen unfreiwillig auf sehr vieles verzichten: den Eiscafébesuch zur Begrüßung der ersten Sonnenstrahlen, den Abend mit Freunden, Besuche und Erledigungen hier und da, Hobbies, Umarmungen, …

Was bis vor kurzem ganz normal war, ist plötzlich weg. Schon jetzt, nach wenigen Tagen, vermisse ich meine Freiheit und den persönlichen Kontakt zu den Menschen um mich herum.

Von morgens bis abends werde ich im Moment mit Dingen konfrontiert, die ich normalerweise ganz selbstverständlich tun kann ohne darüber nachzudenken. Ich nehme sie jetzt wahr, weil sie plötzlich nicht machbar sind. Das ist lästig, aber ich spüre auch: Ich habe es gut. Sogar hier und jetzt.

Diese Fastenzeit dauert möglicherweise länger als sonst. Umso mehr freue ich mich schon darauf, jemandem (außerhalb der Familie) die Hand zu geben, ins Theater zu gehen, an einer Sitzung teilzunehmen, eigentlich sogar mit den Kindern für den Schulbesuch früher aufzustehen.

Bis dahin sammle ich Gründe, dankbar zu sein.

Alexandra Gottwick, 17.03.2020