Hilferufe wie Bartimäus?

Aus dem Bibelbilderbuch mit Illustrationen von Kees de Kort, www.die-bibel.de

Sehen wir jetzt im Herbst der vierten Corona-Welle entgegen? Die Inzidenzzahlen steigen in den letzten Tagen wieder unaufhörlich und liegen auch in Deutschland schon wieder über 100. Haben wir uns mittlerweile an die Covid-19-Krise gewöhnt oder sehnen wir uns wirklich nach einem Ende der Pandemie?

Heute ging es im Tagesevangelium um die Heilung des Bartimäus (Markus 10,46-52). Er war blind und bettelte am Straßenrand. Kein Mensch, keine medizinische Behandlung, keine Brille oder Lupe kann ihm helfen. Bartimäus rief laut nach Jesus, der ihn daraufhin zu sich ruft und fragt: „Was soll ich dir tun?“

Eine typische Frage. Jesus handelt nie, ohne uns vorher zu fragen. Wenn wir Hilfe und Heilung erwarten, müssen wir ihn vertrauensvoll bitten. „Rabbuni, ich möchte wieder sehen können“, antwortet Bartimäus. Daraufhin heilt ihn Jesus: „Geh! Dein Glaube hat dir geholfen.“

Wie ist das mit unserer Corona-Pandemie? Wie steht es um unseren Glauben? Versuchen wir nicht vorrangig, die Krise mit unseren eigenen Mitteln in den Griff zu bekommen – Impfungen, Hygienekonzepte, G3- und G2-Regeln? Das ist sicherlich alles gut und wichtig. Aber es gibt auch noch andere Möglichkeiten: die Dimension des Glaubens. Viele Gebetsinitiativen sind schon entstanden …

Der Blinde hatte sich nicht mit seiner Krankheit abgefunden und zu Jesus geschrien. Ich ertappe mich selbst. Wann habe ich so wie Bartimäus lautstark zum Herrn geschrien und ihn vertrauensvoll um Heilung und ein Ende der Krise gebeten? Da bin ich wohl eher kleinlaut, und mein Glaube ist noch lange nicht so groß wie ein Senfkorn.

Bitten wir den Herrn laut und konkret um Heilung und Erlösung und glauben wir, dass er auch heute Wunder tun kann! David, der sich in seiner Not zunächst von Gott verlassen fühlte, macht uns in Psalm 31,23 Mut: „Doch du hast mein lautes Flehen gehört, als ich zu dir um Hilfe rief.“

(Johannes Lerch, 24.10.2021)

Zum Palmsonntag: Der König

„In jener Zeit hörte die große Volksmenge, die sich zum Paschafest eingefunden hatte, Jesus komme nach Jerusalem. Da nahmen sie Palmzweige, zogen hinaus, um ihn zu empfangen, und riefen: Hosanna! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn, der König Israels! Jesus fand einen jungen Esel und setzte sich darauf – wie es in der Schrift heißt: Fürchte dich nicht, Tochter Zion! Siehe, dein König kommt; er sitzt auf dem Fohlen einer Eselin.“ (Johannes 12, 12-15)

Ein „König“ ist der „Inhaber der höchsten (monarchischen) Würde“, so kann man in einem Wörterbuch nachlesen. Wer ist mein König? Wer hat für mich die höchste Würde von allen Menschen? Wem vertraue ich? Wem gehorche ich aufs Wort? Wem folge ich nach?

Der große Zug nach Jerusalem ist der Beginn einer Woche, die es in sich hat. Ich denke über den König nach und merke, dass es mir in der aktuellen Corona-Krise eher schwer fällt, den Obrigen unseres Landes zu vertrauen, auch wenn es in Deutschland keine königliche Monarchie gibt und Beschlüsse im Einvernehmen zwischen Bund und Ländern gefasst werden.

Doch was macht einen guten König aus? Was sind die Merkmale eines Herrschers, dem die Menschen gerne glauben und dem folgen, was er vorgibt? Er zeigt den Menschen durch sein Tun, dass er das Gute für die Einzelnen und das Ganze möchte. Er nimmt die Sorgen und Nöte seiner Mitmenschen ernst und tut alles in seiner Macht stehende, um Zufriedenheit, Gesundheit an Leib und Seele und Glück für sie zu schaffen. Jesus war ein „anderer König“ im Vergleich zu den weltlichen Herrschern seiner Zeit.

Weltliche Macht, Geld und oberflächliches Ansehen waren ihm egal. Der Mensch stand im Mittelpunkt seines Lebens, seines Wirkens. Zum Heil jedes einzelnen Menschen ist er auf die Erde gekommen: ein Oberer, ein Herrscher, ein König wie ich ihn mir wünsche.

Der große Zug nach Jerusalem: der Beginn einer Woche, in der Jesus alles auf die eine Karte setzt, um das zur Erfüllung zu bringen, wofür in die Welt gekommen ist. Der Weg, den er geht, ist der Weg mit dem Kreuz. Den Weg, den er geht, führt durch das Kreuz zur Auferstehung. Mit dem Weg, den er geht, erfüllt sich die Verheißung der Erlösung durch den Messias.

Jesus, ein besonderer König, der Inhaber der höchsten Würde; einer Würde, die uns durch unsere Taufe geschenkt ist. Ihm kann ich vertrauen, seinem Wort glaube ich. Wenn wir jetzt in die zweite Karwoche in der Corona-Pandemie gehen, wünsche ich uns allen, dass die Hoffnung, die dieser König Jesus uns schenkt, uns durch diese Zeit trägt.

(Juliane Schaad, 28.03.2021)

Welt ging verloren, Christ ward geboren!

In seiner Weihnachtspredigt Predigt nimmt Spiritual Dr. Andreas Schmidt drei Sagengestalten der Antike in den Blick, die gerade in der Corona-Zeit unser unerlöstes Lebensgefühl widerspiegeln, und zeigt Wege auf, wie wir uns davon lösen können.

„Freut euch, euch ist der Retter geboren!“ – Gerettet? Wovon, wovor gerettet? Natürlich können wir theologisch antworten: von der Sünde. Damit versteht man aber nicht unbedingt mehr … Oder wenn wir singen: „Welt ging verloren, Christ ward geboren.“ Wieso ist die Welt verloren?

Vor einiger Zeit habe ich eine Karikatur entdeckt, auf der Charlie Brown ein Schild hochhält: „Christus ist die Antwort.“ Im nächsten Bild sieht man Snoopy ebenfalls mit einem Schild: „Und was war die Frage?“ Wir müssen erst der Verlorenheit der Welt – unserer Verlorenheit – auf die Spur kommen, damit Freude über die Rettung – die eigentliche Weihnachtsfreude – aufkommen kann.

Statt theologischer Erklärungen will ich versuchen, einige Helden- und Sagengestalten der Antike zu Hilfe zu nehmen. Sie sind nicht nur Phantasiegestalten, sondern Bilder für unsere Verlorenheit. In ihnen spiegelt sich ein Lebensgefühl der Menschen, das unsere Unerlöstheit und Erlösungsbedürftigkeit zeigt:

Herakles: Er muss zwölf Riesenaufgaben vollbringen – von „Herkulesarbeiten“ sprechen wir heute noch. Erst danach ist er frei zu leben. Er ist ein Bild für die innere Einstellung: „Erst wenn alles erledigt ist, dann darf ich genießen.“ Aber „after the job is before the job“. Wenn das eine erledigt ist, ist schon wieder das nächste zu tun. Ein Leben mit einem dauernden „Erst wenn…“ kann nie das Jetzt auskosten. Es ist nur Mühsal. Das „Leben“, das eigentliche, bleibt in unerreichbarer Zukunft. Auch jetzt können wir uns bei diesem Gedanken ertappen: Wenn Corona erst vorbei ist, dann können wir wieder normal leben, uns am Leben freuen – aber wer weiß, was dann wieder los sein wird…?

Damokles, der Sage nach eingeladen zu einem luxuriösen Festmahl, allerdings schwebt über seinem Kopf ein Schwert, das nur von einem Rosshaar gehalten wird und jederzeit todbringend auf ihn herabfahren kann. Ein Bild für ein Leben mit der inneren Haltung: „Freue dich nicht zu früh. Das dicke Ende kommt noch. Es kann jederzeit etwas Schlimmes passieren.“ Und damit kann ich mich an der Gegenwart, am Leben hier und jetzt, ebenso wenig freuen – selbst wenn ich alles habe, was man sich wünschen kann. Wer weiß, was noch alles kommt an Virusmutationen, an wirtschaftlichen Folgen der aktuellen Krise – mit solchen Nachrichten werden wir momentan dauernd bombardiert. Wenn man sich das alles ausmalt, dann schwebt dauernd ein dunkler, bedrohlicher Schatten über dem Leben, so dass man des Lebens nicht mehr wirklich froh werden kann.

Tantalus hatte von den Göttern folgende Strafe erhalten: Er musste in einem Teich stehen mit frischen Wasser, über seinem Kopf Zweige mit saftigen Früchten. Wenn er sich in seinem Durst aber beugt, um zu trinken, weicht das Wasser; wenn er die Früchte pflücken will, hebt ein Wind sie empor, so dass er sie nicht erreicht. Er steht für das Lebensgefühl: Das Leben, das ich ersehne, steht mir vor Augen. Ich sehe es, medial oder bei anderen – aber ich kann es nicht erreichen. In dem, was ich erlebe, ist immer irgendwie zu wenig. Ich werde nie erreichen, was ich wirklich will, nie Zufriedenheit, Fülle des Lebens erreichen. Auch jetzt wieder: Kontaktbeschränkungen aller Art, so viel fällt aus, ist nicht möglich von dem, was ich mir wünschen und erträumen würde …

Antike Bilder also für Lebensgefühle, die wir auch heute noch sehr gut kennen, und die in der Corona-Situation auf ihre Weise aktuell werden. Vielleicht findet man sich in dem einen Bild mehr, in dem anderen weniger wieder. Aber man spürt: Das betrifft uns. Es beschreibt eine geheimnisvolle Verlorenheit, die über der ganzen Welt, über allen Menschen liegt.

Welt ging verloren, Christ ward geboren! – Freut euch, heute ist euch der Retter geboren! – Kann uns das Kind aus der Krippe aus dieser Verlorenheit retten, die in den antiken Bildern anschaulich wird?

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