Spaltpilz Corona

„Früher hatten wir recht unbeschwerte Treffen mit der Familie meines Bruders. Wir lachten viel miteinander und die Stimmung war meist gelöst. Wenn wir uns heute treffen oder auch nur miteinander telefonieren, dann geraten wir ganz schnell in einen Streit über den richtigen Umgang mit der Corona-Pandemie. Das vergiftet mehr und mehr unser Zusammensein. Was kann ich tun?“

Diese Frage aus einem Lebenshilfe-Artikel im Konradsblatt 4/2022 hat mich sehr angesprochen, und ich möchte einige der Gedanken aus der Antwort von Martin Kühlmann wiedergeben und weiterführen.

Auch ich erlebe oft, dass es bei Diskussionen um Corona-Vorschriften und Impfungen oft nur darum geht, wer im Recht ist mit seiner Meinung und im Schlagabtausch mit den besseren Argumenten aufwarten kann. So nehmen Distanz und Unverständnis zu, und man ist geneigt, den Kontakt zu meiden. Damit richtet das Virus schon vor jeder möglichen Infektion großes Unheil an und spaltet Freundschaften, Familien und Gesellschaft. Und oft stehen hinter dem unbarmherzigen Schlagabtausch der Argumente tiefe Gefühle der Unsicherheit und Angst.

„Wir werden einander viel verzeihen müssen“, hat der frühere Gesundheitsminister Jens Spahn für den Umgang miteinander in der Pandemie gesagt. Unser Glauben an die Macht und Möglichkeiten von Wissenschaft und Politik, dem Virus Einhalt zu gebieten, hat Schaden gelitten. Immer wieder müssen Regeln geändert werden und passieren Fehler.

Demut kann helfen

Eine christliche Haltung für den Umgang miteinander ist die Demut (im Gegensatz zum Hochmut – nach dem Motto „Ich habe es schon immer besser gewusst). Denn der Demütige ist bereit, eigene Anteile der Ohnmacht anzunehmen und damit zu leben. Der Hochmütige dagegen verschließt die Augen und verleugnet seine Verwundbarkeit, so Pater Anselm Grün.

Demut – so Anselm Grün – heißt im Lateinischen „humilitas“, und das kommt von Humus, also Erde. Demut heißt demnach, erdhaftig zu sein und zu akzeptieren, dass wir nach dem Tod zerfallen wie die Erde. Demut bedeutet zugleich auch, sich damit auszusöhnen, anstatt dagegen anzukämpfen.

Die Argumente Pro und Contra spezieller Corona-Maßnahmen sind auf beiden Seiten oft von Ängsten gespeist. Aber sie können auch einen wahren Kern enthalten, der vielleicht notwendig ist, um den Gesamtprozess zu korrigieren. Stellen wir unsere Überzeugungen in aller Demut als momentan für uns persönlich sinnvollste Handlungsweise dar und räumen wir dabei ein, dass sie möglicherweise auch fehlerbelastet sein können.

Wenn wir so behutsam vorgehen, können wir vielleicht wieder in einen echten Dialog kommen, bei dem wir genau hinhören, was der andere meint, nachfragen, warum er so denkt, welche Erfahrungen und Ängste dahinterstecken. Lassen wir zu, dass uns der andere hinter all den Argumenten und Überzeugungen als verwundbaren Menschen wahrnimmt.

(Johannes Lerch, 31.01.2022)

Hängt unser Glück von der Impfung ab?

Die Corona-Krise wird schon seit einiger Zeit zunehmen von den Impfungen geprägt: Welcher Impfstoff wird wann zugelassen und wie und an wen verteilt? Wer darf zuerst, wer muss noch warten, wer drängelt sich vor?

Manchmal habe ich den Eindruck, wir stehen wie die kleinen Kinder vor der Bonbontüte – können es kaum erwarten, bis wir unsere Ration bekommen und denken dabei nur an uns selbst. Oder wir lassen den anderen großzügig den Vortritt, weil wir glauben, dass die Bonbons vergiftet sind: Sollen die anderen doch erst einmal vorkosten.

Die erbitterte Diskussion zwischen Anhängern und Skeptikern von Impfungen führt mittlerweile zum Riss zwischen Freunden und Bekannten, ja zur Entfremdung der Gesellschaft. Über alle Details wird gestritten – einander widersprechende Studien und Aussagen von Virologen werden zum Beleg der eigenen Überzeugung herangezogen. Dabei ist jeder in seiner Medienblase gefangen und konsumiert nur noch die Informationen, die die eigene Einstellung unterstützen. Ein echter Dialog wird dadurch immer schwieriger.

Querdenker und Impfgegner machen im Internet massiv mobil. Verschwörungstheoretiker glauben, dass Regierung und Pharmaindustrie unter einer Decke stecken, und dass einige Impfstoffe das Erbgut verändern oder Unfruchtbarkeit entstehen könnten. Außerdem wurde viel Angst vor Zwangsimpfungen geschürt.

Auf der anderen Seite jubilieren die Impfbefürworter dankbar, dass es unseren Wissenschaftlern gelungen ist, Impfstoffe zu entwickeln, die wirksam vor Covid-19 schützen. Das lang ersehnte Schutz-Vakzin wird dabei zum göttlichen Heilsbringer hochstilisiert – der Alltag scheint sich wieder zu entspannen, wenn man vor dem Virus geschützt ist, sodass Familien und Generationen sich endlich wieder zwanglos begegnen können.

Das Bemühen um eine Impfung wurde allerdings eine Zeit lang zum Lotteriespiel. Wer einen Impftermin ergattern konnte, freut sich wie bei einem Lottogewinn und triumphiert glückselig in seinem Bekanntenkreis, wie wenn man ihm Glückshormone verabreicht hätte.

Doch hängt unser Glück wirklich von einer Impfung ab – oder stürzt sie uns ins Unglück? Letztendlich muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er sich impfen lassen will oder nicht. Wer allerdings nur um sich selbst kreist, kann nicht glücklich werden. Tiefes, dauerhaftes Glück entsteht da, wo wir anderen eine Freude bereiten.

Jesus ist der beste Chef-Virologe, ihm können wir uns anvertrauen: „Wer auf den Herrn vertraut, den umgibt er mit Gnade.“ (Psalm 32,10). Gott führt uns durch den Heiligen Geist: Sein Impfstoff besteht aus den Geistesgaben, die durch Weisheit, Erkenntnis, Einsicht, Rat, Stärke, Frömmigkeit und Gottesfurcht zum Ausdruck kommen.

„Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentümer noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch irgendein anderes Geschöpf uns zu scheiden vermag von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.“ (Römer 8,38-39)

(Johannes Lerch, 02.05.2021)

Menschen mit Zuversicht anstecken

Das Studio für die Mutmacher-Aktion in der Krise steht bereit. © Christian Ruppel

Heute, am 11. November 2020 startet um 18 Uhr der erste Abend einer Online-Sendereihe unter dem Titel „Worms Läuft“. Der ZDF-Wahlexperte und Politikprofessor Karl-Rudolf Korte will in der Corona-Krise Mut machen: „Mit Zuversicht gegen den Corona-Blues“ nennt der in Worms lebende Wissenschaftler die Leitidee seiner Mutmacher-Initiative.

Bürger können ihre Ideen im Dialog vorstellen und von Beispielen erzählen, wie sie in der Krise auf kreative Weise die Chance ergriffen haben. Dadurch soll anderen Menschen in den dunklen und tristen Monaten November und Dezember Hoffnung gegeben werden.

Im Wissen um individuelle Einzelschicksale, die in der Corona-Pandemie auch gar nicht geleugnet werden sollen, will Korte einen Kontrapunkt setzen gegen Infektionsraten, Todeszahlen und Bangen um ausreichende Plätze in den Intensivstationen.

Denn daneben gibt es nach Meinung des Sozial- und Politikwissenschaftlers auch noch eine andere Wirklichkeit: Wir wollen die Menschen anstecken – nicht mit dem Virus, sondern mit Zuversicht“. Mit Zuversicht und Optimismus soll die Demokratie gestärkt werden: Indem man zeigt, was gut läuft, könne man das Demokratie-Potenzial in der Gesellschaft auffüllen.

Die rund zehnteiligen Sendereihe wird im November und Dezember jeweils mittwochs und freitags um 18 Uhr aufgezeichnet und kann über YouTube angeschaut werden: https://bit.ly/32Jnp03. Wer noch Ideen oder ein gelungenes Projekt hat, kann sich bei Karl-Rudolf Korte per E-Mail melden: krkorte@uni-due.de.

(Johannes Lerch 11.11.2020)