Wege in die Freiheit

Derzeit wird überall diskutiert, wie, wann und in welchem Umfang es Lockerungen der Corona-Beschränkungen geben kann. Omikron sei Dank. Viele haben lange und ungeduldig darauf gewartet: alte bzw. neue Freiheiten sind in Sicht!

Hoffentlich bleibt es dabei und wir müssen nicht wieder drei Schritte zurückgehen. So wie das Volk Gottes: Es hatte nach dem Auszug aus Ägypten das verheißene Land vor Augen, in dem Milch und Honig fließen. Die Israeliten waren auf dem Weg aus der Gefangenschaft in die Freiheit und schon kurz vor dem Ziel. Aber aufgrund ihres Fehlverhaltens mussten sie wieder zurück in die Wüste und nochmals eine lange, 40-jährige Durststrecke auf sich nehmen.

In der Fastenzeit, den 40 Tagen bis Ostern, können wir dem nachspüren und uns in Geduld üben. Manch einer, der in der Quarantäne gefangen war oder unter dem Lockdown leiden musste, weiß, wie groß die Sehnsucht nach Freiheit sein kann.

Einen ganz besonderen Weg in die Freiheit bieten die Online-Exerzitien „10 Tage Fasten“ an. Letztes Jahr habe ich mich auf dieses Abenteuer eingelassen – 10 Tage heilfasten, jeden Abend einen geistlichen Impuls und anschließend ein Austausch in der Kleingruppe. Man kann körperlichen und geistigen Ballast abstoßen und so das Wesentliche entdecken. Man kann innerlich Platz schaffen, um Gottes Stimme hören zu lernen. Es ist ein bewusster Weg in die Wüste für Geist und Sinne, um zu entdecken, dass sie blüht. Eine tolle Erfahrung. Ich kann es wirklich empfehlen!

Wer Interesse hat, kann sich unter https://10tagefasten.emmanuel.de informieren.

(Johannes Lerch, 19.02.2022)

Spaltpilz Corona

„Früher hatten wir recht unbeschwerte Treffen mit der Familie meines Bruders. Wir lachten viel miteinander und die Stimmung war meist gelöst. Wenn wir uns heute treffen oder auch nur miteinander telefonieren, dann geraten wir ganz schnell in einen Streit über den richtigen Umgang mit der Corona-Pandemie. Das vergiftet mehr und mehr unser Zusammensein. Was kann ich tun?“

Diese Frage aus einem Lebenshilfe-Artikel im Konradsblatt 4/2022 hat mich sehr angesprochen, und ich möchte einige der Gedanken aus der Antwort von Martin Kühlmann wiedergeben und weiterführen.

Auch ich erlebe oft, dass es bei Diskussionen um Corona-Vorschriften und Impfungen oft nur darum geht, wer im Recht ist mit seiner Meinung und im Schlagabtausch mit den besseren Argumenten aufwarten kann. So nehmen Distanz und Unverständnis zu, und man ist geneigt, den Kontakt zu meiden. Damit richtet das Virus schon vor jeder möglichen Infektion großes Unheil an und spaltet Freundschaften, Familien und Gesellschaft. Und oft stehen hinter dem unbarmherzigen Schlagabtausch der Argumente tiefe Gefühle der Unsicherheit und Angst.

„Wir werden einander viel verzeihen müssen“, hat der frühere Gesundheitsminister Jens Spahn für den Umgang miteinander in der Pandemie gesagt. Unser Glauben an die Macht und Möglichkeiten von Wissenschaft und Politik, dem Virus Einhalt zu gebieten, hat Schaden gelitten. Immer wieder müssen Regeln geändert werden und passieren Fehler.

Demut kann helfen

Eine christliche Haltung für den Umgang miteinander ist die Demut (im Gegensatz zum Hochmut – nach dem Motto „Ich habe es schon immer besser gewusst). Denn der Demütige ist bereit, eigene Anteile der Ohnmacht anzunehmen und damit zu leben. Der Hochmütige dagegen verschließt die Augen und verleugnet seine Verwundbarkeit, so Pater Anselm Grün.

Demut – so Anselm Grün – heißt im Lateinischen „humilitas“, und das kommt von Humus, also Erde. Demut heißt demnach, erdhaftig zu sein und zu akzeptieren, dass wir nach dem Tod zerfallen wie die Erde. Demut bedeutet zugleich auch, sich damit auszusöhnen, anstatt dagegen anzukämpfen.

Die Argumente Pro und Contra spezieller Corona-Maßnahmen sind auf beiden Seiten oft von Ängsten gespeist. Aber sie können auch einen wahren Kern enthalten, der vielleicht notwendig ist, um den Gesamtprozess zu korrigieren. Stellen wir unsere Überzeugungen in aller Demut als momentan für uns persönlich sinnvollste Handlungsweise dar und räumen wir dabei ein, dass sie möglicherweise auch fehlerbelastet sein können.

Wenn wir so behutsam vorgehen, können wir vielleicht wieder in einen echten Dialog kommen, bei dem wir genau hinhören, was der andere meint, nachfragen, warum er so denkt, welche Erfahrungen und Ängste dahinterstecken. Lassen wir zu, dass uns der andere hinter all den Argumenten und Überzeugungen als verwundbaren Menschen wahrnimmt.

(Johannes Lerch, 31.01.2022)

Angefressen an Weihnachten?

Irgendwie fühlen wir uns doch alle in dieser Corona-Pandemie mittlerweile ziemlich angefressen. Die Einschränkungen des gewohnten Alltagslebens scheinen kein Ende zu nehmen. Und die Zukunft ist nach wie vor ungewiss.

Doch wenn man – wie in diesem Bild – angefressen ist, dann kommt etwas Neues zum Vorschein, etwas bisher Verborgenes, vielleicht ein wertvoller und nützlicher Kern. Und richtig arrangiert, entsteht plötzlich etwas Größeres und ganz Anderes.

Vielleicht kann das in unserem Ärger über die unendliche Corona-Geschichte auch so sein, dass irgendwo die wahre Weihnachtsgeschichte hindurchschimmert.

Angefressen zu sein, heißt, dass wir so richtig genervt sind. Wenn wir uns ärgern, sind unsere übersinnlichen Antennen eingefahren, und wir achten zunächst nur auf unsere Gefühle der Wut – das, was weh tut und uns gereizt macht. Vielleicht erkennen wir aber gar nicht, was sich dadurch innerlich auch zum Positiven verändern kann, was aus der Dunkelheit ins Licht kommen will.

Weihnachten bringt Licht in unsere dunkle Welt, in unseren mühsamen Corona-Alltag und in unser ganz persönliches Leben. Das, was durch das Angefressenwerden an Abfall übrig bleibt, kann zur weichen Unterlage werden, die uns auffängt und weich bettet.

Bitten wir in unserem Angefressensein die Heiligen Familie um Schutz für all die Veränderungen, die auf uns zugekommen sind und noch auf uns zukommen werden.

In diesem Sinne ein gesegnetes zweites Weihnachtsfest unter Corona-Begingungen.

Marion und Johannes Lerch (24.12.2021)

Warten …

In unserer schnelllebigen Zeit fällt es uns heute zunehmend schwer, zu warten. Wir alle – da schließe ich mich ein – sind ungeduldig geworden: Sei es im Straßenverkehr, in der Warteschleife einer Telefonanlage oder beim Anstehen an einem Corona-Testcenter, wie wir es neulich erlebt haben. Trotz gebuchtem Termin kamen wir erst nach ca. einer Stunde dran.

In der Corona-Pandemie warten wir darauf, dass die Inzidenzzahlen so weit heruntergehen, dass wieder normale Begegnungen möglich werden.

Im Advent warten wir Christen auf die Ankunft des Herrn. Hier fällt uns das Warten leichter, denn wir wissen bereits, wann das Ereignis eintritt: am 24. Dezember beginnt die Weihnachtszeit.

Bei Corona ist das schwieriger, denn wir wissen nicht, wann die Pandemie vorbei ist und wie sich die nächsten Monate entwickeln werden. Die Zukunft ist also ungewiss.

Auch wenn wir am Bahnhof auf die Ankunft eines Zuges warten, wissen wir oft nicht, ob wir bei einer Verspätung noch den geplanten Anschluss erreichen. Die Ungewissheit macht uns zu schaffen. Und da kommt die Hoffnung ins Spiel.

Wie eine schwangere Frau auf die Geburt des Kindes wartet und hofft, dass alles gut geht, so waren auch Maria und Elisabeth guter Hoffnung und vertrauten darauf, dass etwas Größeres geschieht, wenn sie durch das Tal der Schwangerschaft hindurch sind. In ihrer Begegnung haben sie über das gesprochen, was sie bewegt. Und im wahrsten Sinne des Wortes bewegte sich bei Elisabeth ihr Kind im Bauch, so erzählt es das Evangelium am 4. Advent (Lukas 1,39-45).

Die Zuversicht hilft uns, das Warten zu ertragen. Corona macht zwar das ganze Jahr zur Geduldsprobe. Aber die Vorfreude auf das, was danach kommt, lässt uns zuversichtlich werden. Freuen wir uns auf die Begegnungen, die nach der Corona-Zeit wieder möglich sein werden. Und freuen wir uns schon jetzt auf die möglichen Begegnungen in der Weihnachtszeit.

Weihnachten ist das Angebot Gottes, uns Menschen zu begegnen und dadurch unser Leben zu verändern – heute wie vor 2000 Jahren. Wir Menschen sind auf Begegnung hin angelegt und können ohne sie nicht leben, wie Martin Buber sehr treffend formuliert hat: „Alles wirkliche Leben ist Begegnung“.

Johannes Lerch (19.12.2021)

Misstrauen oder Vertrauen?

Die Corona-Pandemie spaltet unsere Gesellschaft zunehmend in Impfbefürworter und Impfgegner. Selbst in Familien gibt es Streit zwischen Geimpften und Ungeimpften. Angesichts der momentan sehr hohen Inzidenzzahlen sollen bestimmte Zusammenkünfte oder Veranstaltungsbesuche künftig nur noch für Covid-Geimpfte oder Genesene möglich sein. Für Ungeimpfte drohen Lockdowns und Ausgrenzung.

In weiten Teilen der Bevölkerung ist das Vertrauen in die Wissenschaft verloren gegangen. Viele hinterfragen die Forschungsergebnisse, Erfahrungen und Erkenntnisse von Medizinern, Virologen, Biologen und Instituten. Oft werden ganz andere Quellen und Statistiken aufgeführt, die gut aufgemacht sind und Menschen gezeigt, die überzeugend wirken. Doch wie soll ich als Einzelner beurteilen können, was wirklich wahr ist? Um alle Aussagen und Statistiken im Detail zu prüfen, fehlen in der Regel das Know-how und auch die Zeit. Es geht also letztlich um Vertrauen oder Misstrauen. Welchen Quellen traue ich und welchen nicht?

So geht der Riss mitten durch die Gesellschaft. Was können wir da tun? Wie können wir unseren Teil dazu beitragen, ihn zu kitten?

Als Geimpfter geht es darum, Verständnis für die Sorgen und Ängste von Impfgegnern und Impfskeptikern aufzubringen. Man kann mit ihnen gemeinsam überlegen, woher diese Sorgen rühren und so die Anliegen ernst nehmen und im Gespräch bleiben.

Für die Nicht-Geimpften stellen die aktuellen und geplanten Maßnahmen, um die Pandemie einzudämmen, sicherlich eine große Belastung dar. Sie müssen akzeptieren, dass ihre Handlungsfreiheit eingeschränkt ist und Zeit und Geld für Tests investiert werden muss. Dabei haben sie zunehmend das Gefühl, ausgegrenzt zu werden.

Doch sie sollten darauf vertrauen dürfen, darüber hinaus nicht auch noch zur Zielscheibe von Häme oder gar Pöbeleien zu werden, wie Klaus Gaßner im Konradsblatt vom 14.11.2021 schreibt. Eine demokratische Gesellschaft muss es ertragen, dass Menschen eine andere Meinung haben, und Mittel und Wege für einen akzeptablen Umgang mit einer nicht unbedeutenden Minderheit finden. Förden wir nicht die Spaltung, sondern setzen wir auf Versöhnung untereinander. Stehen wir in diesen schwierigen Zeiten zusammen, und suchen wir das Gespräch mit denen, die sich ausgegrenzt fühlen.

(Johannes Lerch, 18.11.2021)

Hilferufe wie Bartimäus?

Aus dem Bibelbilderbuch mit Illustrationen von Kees de Kort, www.die-bibel.de

Sehen wir jetzt im Herbst der vierten Corona-Welle entgegen? Die Inzidenzzahlen steigen in den letzten Tagen wieder unaufhörlich und liegen auch in Deutschland schon wieder über 100. Haben wir uns mittlerweile an die Covid-19-Krise gewöhnt oder sehnen wir uns wirklich nach einem Ende der Pandemie?

Heute ging es im Tagesevangelium um die Heilung des Bartimäus (Markus 10,46-52). Er war blind und bettelte am Straßenrand. Kein Mensch, keine medizinische Behandlung, keine Brille oder Lupe kann ihm helfen. Bartimäus rief laut nach Jesus, der ihn daraufhin zu sich ruft und fragt: „Was soll ich dir tun?“

Eine typische Frage. Jesus handelt nie, ohne uns vorher zu fragen. Wenn wir Hilfe und Heilung erwarten, müssen wir ihn vertrauensvoll bitten. „Rabbuni, ich möchte wieder sehen können“, antwortet Bartimäus. Daraufhin heilt ihn Jesus: „Geh! Dein Glaube hat dir geholfen.“

Wie ist das mit unserer Corona-Pandemie? Wie steht es um unseren Glauben? Versuchen wir nicht vorrangig, die Krise mit unseren eigenen Mitteln in den Griff zu bekommen – Impfungen, Hygienekonzepte, G3- und G2-Regeln? Das ist sicherlich alles gut und wichtig. Aber es gibt auch noch andere Möglichkeiten: die Dimension des Glaubens. Viele Gebetsinitiativen sind schon entstanden …

Der Blinde hatte sich nicht mit seiner Krankheit abgefunden und zu Jesus geschrien. Ich ertappe mich selbst. Wann habe ich so wie Bartimäus lautstark zum Herrn geschrien und ihn vertrauensvoll um Heilung und ein Ende der Krise gebeten? Da bin ich wohl eher kleinlaut, und mein Glaube ist noch lange nicht so groß wie ein Senfkorn.

Bitten wir den Herrn laut und konkret um Heilung und Erlösung und glauben wir, dass er auch heute Wunder tun kann! David, der sich in seiner Not zunächst von Gott verlassen fühlte, macht uns in Psalm 31,23 Mut: „Doch du hast mein lautes Flehen gehört, als ich zu dir um Hilfe rief.“

(Johannes Lerch, 24.10.2021)

Die 3-G-Regel

Mittlerweile ist sie überall präsent – die 3-G-Regel: Wer geimpft, genesen oder getestet ist, kann auch in Corona-Zeiten relativ unbeschwert leben. Aber, was ist mit all den anderen? Wer weder geimpft, noch genesen ist, muss sich testen lassen, und die Tests sollen ab Mitte Oktober nicht mehr kostenlos sein. Der Druck, sich impfen zu lassen, steigt.

Heute hab ich von einer anderen 3-G-Regel gelesen: Gebraut, Gezapft, Getrunken. So kann man natürlich auch durch den Corona-Sommer kommen und mit Alkohol die Sorgen wegspülen. Oder wegessen: Gekauft, Gekocht, Gegessen.

Da müsste es aber doch eigentlich auch christliche G‘s geben, die uns helfen, den Glauben an Gott nicht zu verlieren. Taufschein-Christen könnten sich vielleicht darauf berufen, Getauft und Gefirmt zu sein.

Apropos Gs: Legendär war ja auch das Stück von Heinz Erhard, bei dem alle Worte mit „G“ anfangen: „Geliebte Gisela – geliebter Gregorius“, so beginnt ein Techtelmechtel eines Mannes mit einer verheirateten Frau, bis die beiden vom Ehemann der Frau erwischt werden. „Gnade, gütiger Gatte,“ winselt die Frau, während ihr Liebhaber versucht, alles herunterzuspielen und stottert: „Gewürz-Gurken geplaudert … gänzlich geschäftlich.“ Doch der Ehemann lässt sich nicht beruhigen: „Gemeines Gesindel, greife Gewehr“ und schießt, worauf der Liebhaber Heinz Erhard im Weglaufen noch antwortet: „Gesäß getroffen … Grüß Gott.“

Und schon sind wir wieder bei Gott angekommen. Mir sind drei andere G’s eingefallen, an die zu erinnern ich mir vorgenommen habe: Geliebt, Gewollt, Gesegnet. Wir sind geliebte Kinder Gottes, Er hat uns gewollt, schon vor Erschaffung der Welt und uns immer wieder gesegnet.

Wir können ebenfalls mit 3 G’s antworten: Geliebt, Gebetet, Geholfen – Auch wir zeigen unsere Liebe, indem wir beten und anderen Menschen helfen. Dazu gibt es in der Corona-Krise reichlich Gelegenheit.

(Johannes Lerch, 02.07.2021)

Corona-Ostern mit Hoffnung für Neuanfang

Wir feiern das zweite Osterfest unter Corona-Einschränkungen. Während vor einem Jahr alle schockiert waren und die Hoffnung hatten, diese Krise bald zu überwinden, macht sich in diesem Jahr vielerorts Niedergeschlagenheit breit. Über 75.000 Familien haben in Deutschland einen geliebten Menschen durch das Virus verloren, und selbst die Beerdigungen dürfen nur in kleinem Kreis und unter strengsten Auflagen stattfinden.

Hoffnungsschimmer auf Impfstoffe werden immer wieder durchkreuzt, und neue Pandemie-Wellen und Virus-Mutationen lassen uns verzagen. Doch angesichts der drohenden Gefahr für Leib und Leben hat die Botschaft von Ostern eine besondere Kraft. Denn im Zentrum des christlichen Festes steht zunächst eine schreckliche Grenzerfahrung. Dabei geht es nicht nur um den qualvollen Tod eines Menschen, der zuvor gedemütigt und gefoltert wurde, sondern auch um diejenigen, die zurückbleiben. Die Jünger Jesu waren zunächst entmutigt und liefen davon. Angst, Orientierungslosigkeit und Trostlosigkeit machten sich breit.

„In den dunklen Monaten der Pandemie hören wir den auferstandenen Herren, der uns einlädt, niemals die Hoffnung zu verlieren“, sagte Papst Franziskus in der Osternacht im Petersdom. Ein Neuanfang sei immer möglich. Auch aus den Trümmern unserer Herzen könne Gott ein Kunstwerk schaffen, auch aus dem Scherbenhaufen der Menschheitsgeschichte habe Gott etwas Neues entstehen lassen.

Jesus Christus lebt, hier und jetzt, betonte der Papst: „Er begleitet dich jeden Tag – bei der Situation, die du gerade erlebst, bei der Prüfung, die du durchmachst, bei den Träumen, die du hegst. Er eröffnet neue Wege, wo du meinst, es gäbe keine, er bringt dich dazu, dagegen anzukämpfen, dem Vergangenen nachzuweinen oder alles als „schon dagewesen“ abzutun. Auch wenn dir alles verloren erscheint, öffne dich staunend für das Neue, das er verheißt: Er wird dich überraschen.“

Nach seiner Auferstehung werden die Jünger nach Galiläa gerufen, um dort den auferstandenen Herrn zu treffen. Das bedeutet, sich wegzubewegen vom Grab, neue Wege zu beschreiten, was ja gerade in der Corona-Krise für uns alle wichtig geworden ist. Unser Glaube muss sich wieder neu auf den Weg machen, wenn er lebendig sein soll. Dazu gehört es auch, Kindheitserinnerungen aufzugeben und sich voll Vertrauen und demütig von Gottes Wegen überraschen lassen.

Nach Galiläa gehen bedeutet auch, an die Grenzen zu gehen, denn Galiläa ist der am weitesten entfernte Ort der dortigen Region. So werden auch wir heute gebeten, dorthin zu gehen, wo die Ausgegrenzten sind, wo sich das tägliche Leben abspielt, in die Straßen, auf denen wir jeden Tag unterwegs sind, in die verschiedenen Winkel unserer Städte – dorthin geht der Herr uns voraus und dort zeigt er sich, gerade im Leben derer, die an unserer Seite leben und mit uns Zeit, Haus, Arbeit, Nöte und Hoffnungen teilen. In Galiläa lernen wir, dass wir den auferstandenen Herrn in den Gesichtern unserer Brüder und Schwestern finden können – im Enthusiasmus derer, die träumen, und in der Resignation derer, die verzagt sind, im Lächeln derer, die sich freuen, und in den Tränen derer, die leiden, besonders in den Armen und in denen, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. Wir werden staunen, wie sich Gottes Größe im Kleinen offenbart, wie seine Schönheit in den Einfachen und Armen aufstrahlt.

Wenn wir also in unserem Herzen eine dunkle Stunde tragen, ein verschüttetes Licht, einen zerbrochenen Traum, dann sind wir aufgerufen, unser Herz voll Staunen für die Osterbotschaft zu öffnen: „Erschrick nicht, er ist auferstanden! Er wartet auf dich in Galiläa“. Deine Erwartungen werden nicht unerfüllt bleiben, deine Tränen werden getrocknet werden, deine Ängste werden von der Hoffnung besiegt werden. Denn weißt du: der Herr geht dir immer voraus, er geht immer vor dir. Und mit ihm beginnt das Leben immer neu.

Die Osterbotschaft kennt den Zustand der Verzweiflung und Aussichtslosigkeit. Aber sie will vor allem ermutigen und Hoffnung spenden, damit Leid, Angst und Tod nicht das letzte Wort haben. „Veränderung kann schneller kommen, als wir glauben. Manchmal von unerwarteter Seite“, so ein Zeitungskommentar.

Quellen: Kommentar Hoffnung bleibt im Mannheimer Morgen | Predigt in der Osternacht von Papst Franziskus

(Johannes Lerch, 04.04.2021)

Zum Palmsonntag: Der König

„In jener Zeit hörte die große Volksmenge, die sich zum Paschafest eingefunden hatte, Jesus komme nach Jerusalem. Da nahmen sie Palmzweige, zogen hinaus, um ihn zu empfangen, und riefen: Hosanna! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn, der König Israels! Jesus fand einen jungen Esel und setzte sich darauf – wie es in der Schrift heißt: Fürchte dich nicht, Tochter Zion! Siehe, dein König kommt; er sitzt auf dem Fohlen einer Eselin.“ (Johannes 12, 12-15)

Ein „König“ ist der „Inhaber der höchsten (monarchischen) Würde“, so kann man in einem Wörterbuch nachlesen. Wer ist mein König? Wer hat für mich die höchste Würde von allen Menschen? Wem vertraue ich? Wem gehorche ich aufs Wort? Wem folge ich nach?

Der große Zug nach Jerusalem ist der Beginn einer Woche, die es in sich hat. Ich denke über den König nach und merke, dass es mir in der aktuellen Corona-Krise eher schwer fällt, den Obrigen unseres Landes zu vertrauen, auch wenn es in Deutschland keine königliche Monarchie gibt und Beschlüsse im Einvernehmen zwischen Bund und Ländern gefasst werden.

Doch was macht einen guten König aus? Was sind die Merkmale eines Herrschers, dem die Menschen gerne glauben und dem folgen, was er vorgibt? Er zeigt den Menschen durch sein Tun, dass er das Gute für die Einzelnen und das Ganze möchte. Er nimmt die Sorgen und Nöte seiner Mitmenschen ernst und tut alles in seiner Macht stehende, um Zufriedenheit, Gesundheit an Leib und Seele und Glück für sie zu schaffen. Jesus war ein „anderer König“ im Vergleich zu den weltlichen Herrschern seiner Zeit.

Weltliche Macht, Geld und oberflächliches Ansehen waren ihm egal. Der Mensch stand im Mittelpunkt seines Lebens, seines Wirkens. Zum Heil jedes einzelnen Menschen ist er auf die Erde gekommen: ein Oberer, ein Herrscher, ein König wie ich ihn mir wünsche.

Der große Zug nach Jerusalem: der Beginn einer Woche, in der Jesus alles auf die eine Karte setzt, um das zur Erfüllung zu bringen, wofür in die Welt gekommen ist. Der Weg, den er geht, ist der Weg mit dem Kreuz. Den Weg, den er geht, führt durch das Kreuz zur Auferstehung. Mit dem Weg, den er geht, erfüllt sich die Verheißung der Erlösung durch den Messias.

Jesus, ein besonderer König, der Inhaber der höchsten Würde; einer Würde, die uns durch unsere Taufe geschenkt ist. Ihm kann ich vertrauen, seinem Wort glaube ich. Wenn wir jetzt in die zweite Karwoche in der Corona-Pandemie gehen, wünsche ich uns allen, dass die Hoffnung, die dieser König Jesus uns schenkt, uns durch diese Zeit trägt.

(Juliane Schaad, 28.03.2021)

Mit dem heiligen Josef durch die Corona-Krise

Am 19. März feiert die Kirche das Hochfest des heiligen Josef, dem Papst Franziskus auch ein weltkirchliches Festjahr gewidmet hat, das noch bis zum 8. Dezember dauert. Warum kann uns der heilige Josef ein „verlässlicher Coach“ in der Corona-Krise sein, wie der Innsbucker Bischof Hermann Glettler es formuliert hat?

Der heilige Josef hatte genügend Krisenerfahrung, um „ermutigende Leitfigur und Bewährungs-Hilfe“ zu sein. Wirkliches Vertrauen schenkt man im Allgemeinen nicht erfolgreichen Karrieremenschen, sondern eher denen, die selbst schon handfeste Schwierigkeiten durchgemacht haben und sich bewähren mussten.

Der Bräutigam von Maria bewährte sich gleich in mehreren Krisen: Als er erfährt, dass seine Verlobte schwanger war, aber nicht von ihm, plante er, sich in Stille von ihr zu trennen. Doch dann folgte er der Aufforderung Gottes in einem Traum, sie zur Frau zu nehmen. Eine weitere Krise gab es zu bestehen, als das Paar kurz vor der Geburt nach Bethlehem wandern musste und dort keine Herberge fand. Schließlich gebot ihm ein weiterer Traum, mit Maria und Jesus nach Ägypten zu fliehen, und nach zwei Jahren wurde er wieder zurück nach Israel geschickt. Immer wieder musste er seine Pläne kurzfristig ändern und an die Grenze seiner Kräfte gehen, um den Auftrag Gottes, seine Familie zu schützen, zu erfüllen. Auch wir müssen uns in der Corona-Krise immer wieder neu orientieren, unsere Pläne ändern und aus unseren Kraftreserven leben.

Von Josef ist keine einzige Aussage in der Bibel überliefert. Der Mann ohne Worte war still und demütig. Alleinsein und Einsamkeit waren ihm nicht fremd. Auch in der Corona-Krise leiden viele Menschen unter Einsamkeit. Ein Leben ohne Worte, ohne Austausch, ohne Kommunikation ist auf Dauer kaum vorstellbar. Der schweigende Josef kann das gut verstehen. Sein bescheidender Dienst im Hintergrund – ohne jede Wichtigtuerei – kann uns Wegweisung sein. Denn Josef war in seiner tiefen Gottverbundenheit auch stark und mutig und hat die Botschaften des Engels konsequent umgesetzt. So ist er heute zurecht Schutzpatron der Kirche.

Der heilige Josef hat auch das Unrecht der römischen Besatzungsmacht miterlebt, mit großer Armut und hohen Steuern. Gerade in der aktuellen Corona-Krise, in der viele in finanzielle Nöte geraten, kann der Heilige Josef daher ein guter Fürsprecher sein. Er ist Beschützer von Familien, Frauen und Kindern. Als Tischler konnte er selbst für den Unterhalt seiner Familie sorgen. „Handwerker kommen überall zurecht“, sagte Pater Paulus-Maria Tautz CFR beim Josefsabend der Emmanuel Jugend am 19. März in München. So gilt Josef auch als Patron der Arbeiter.

Für Jesus war Josef Vater, Erzieher und Lehrmeister zugleich. Das Oberhaupt der Heiligen Familie ist auch ein wichtiges Vorbild für alle Väter, schreibt Papst Franziskus bei der Ausrufung des „Jahres des heiligen Josef“. Vater werde man nicht, „indem man ein Kind in die Welt setzt, sondern indem man sich verantwortungsvoll um es kümmert“.

Viele Wesenszüge von Josef sind auch in der Corona-Krise vonnöten und machen ihn zum idealen Fürsprecher. „Wir brauchen einsatzbereite Leute, die nicht nur aus der Distanz kommentieren oder Theorien huldigen, sondern selbst Verantwortung übernehmen – so wie Josef“, forderte Bischof Glettler.

Und Papst Franziskus wird durch den stillen und unauffälligen Josef im Apostolischen Schreiben „Patris Corde“ an die vielen Menschen erinnert, die seit dem Beginn der Corona-Pandemie im Verborgenen einen wertvollen Beitrag für die Bewältigung dieser Krise leisten: „Wie viele Menschen üben sich jeden Tag in Geduld und flößen Hoffnung ein und sind darauf bedacht, keine Panik zu verbreiten, sondern Mitverantwortung zu fördern.“ Geschichte schreiben heute all jene, die nicht im Rampenlicht stehen: „Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger, Supermarktangestellte, Reinigungspersonal, Betreuungskräfte, Spediteure, Ordnungskräfte, ehrenamtliche Helfer, Priester, Ordensleute und viele andere, die verstanden haben, dass niemand sich allein rettet.“ Sie alle leisten tagtäglich ihren Dienst ohne viel Aufhebens und helfen so, dass wir gemeinsam diese herausfordernde Zeit durchstehen.

Siehe auch Gebet zum Heiligen Josef

(Johannes Lerch, 19.03.2021)