Die 3-G-Regel

Mittlerweile ist sie überall präsent – die 3-G-Regel: Wer geimpft, genesen oder getestet ist, kann auch in Corona-Zeiten relativ unbeschwert leben. Aber, was ist mit all den anderen? Wer weder geimpft, noch genesen ist, muss sich testen lassen, und die Tests sollen ab Mitte Oktober nicht mehr kostenlos sein. Der Druck, sich impfen zu lassen, steigt.

Heute hab ich von einer anderen 3-G-Regel gelesen: Gebraut, Gezapft, Getrunken. So kann man natürlich auch durch den Corona-Sommer kommen und mit Alkohol die Sorgen wegspülen. Oder wegessen: Gekauft, Gekocht, Gegessen.

Da müsste es aber doch eigentlich auch christliche G‘s geben, die uns helfen, den Glauben an Gott nicht zu verlieren. Taufschein-Christen könnten sich vielleicht darauf berufen, Getauft und Gefirmt zu sein.

Apropos Gs: Legendär war ja auch das Stück von Heinz Erhard, bei dem alle Worte mit „G“ anfangen: „Geliebte Gisela – geliebter Gregorius“, so beginnt ein Techtelmechtel eines Mannes mit einer verheirateten Frau, bis die beiden vom Ehemann der Frau erwischt werden. „Gnade, gütiger Gatte,“ winselt die Frau, während ihr Liebhaber versucht, alles herunterzuspielen und stottert: „Gewürz-Gurken geplaudert … gänzlich geschäftlich.“ Doch der Ehemann lässt sich nicht beruhigen: „Gemeines Gesindel, greife Gewehr“ und schießt, worauf der Liebhaber Heinz Erhard im Weglaufen noch antwortet: „Gesäß getroffen … Grüß Gott.“

Und schon sind wir wieder bei Gott angekommen. Mir sind drei andere G’s eingefallen, an die zu erinnern ich mir vorgenommen habe: Geliebt, Gewollt, Gesegnet. Wir sind geliebte Kinder Gottes, Er hat uns gewollt, schon vor Erschaffung der Welt und uns immer wieder gesegnet.

Wir können ebenfalls mit 3 G’s antworten: Geliebt, Gebetet, Geholfen – Auch wir zeigen unsere Liebe, indem wir beten und anderen Menschen helfen. Dazu gibt es in der Corona-Krise reichlich Gelegenheit.

(Johannes Lerch, 02.07.2021)

Corona-Ostern mit Hoffnung für Neuanfang

Wir feiern das zweite Osterfest unter Corona-Einschränkungen. Während vor einem Jahr alle schockiert waren und die Hoffnung hatten, diese Krise bald zu überwinden, macht sich in diesem Jahr vielerorts Niedergeschlagenheit breit. Über 75.000 Familien haben in Deutschland einen geliebten Menschen durch das Virus verloren, und selbst die Beerdigungen dürfen nur in kleinem Kreis und unter strengsten Auflagen stattfinden.

Hoffnungsschimmer auf Impfstoffe werden immer wieder durchkreuzt, und neue Pandemie-Wellen und Virus-Mutationen lassen uns verzagen. Doch angesichts der drohenden Gefahr für Leib und Leben hat die Botschaft von Ostern eine besondere Kraft. Denn im Zentrum des christlichen Festes steht zunächst eine schreckliche Grenzerfahrung. Dabei geht es nicht nur um den qualvollen Tod eines Menschen, der zuvor gedemütigt und gefoltert wurde, sondern auch um diejenigen, die zurückbleiben. Die Jünger Jesu waren zunächst entmutigt und liefen davon. Angst, Orientierungslosigkeit und Trostlosigkeit machten sich breit.

„In den dunklen Monaten der Pandemie hören wir den auferstandenen Herren, der uns einlädt, niemals die Hoffnung zu verlieren“, sagte Papst Franziskus in der Osternacht im Petersdom. Ein Neuanfang sei immer möglich. Auch aus den Trümmern unserer Herzen könne Gott ein Kunstwerk schaffen, auch aus dem Scherbenhaufen der Menschheitsgeschichte habe Gott etwas Neues entstehen lassen.

Jesus Christus lebt, hier und jetzt, betonte der Papst: „Er begleitet dich jeden Tag – bei der Situation, die du gerade erlebst, bei der Prüfung, die du durchmachst, bei den Träumen, die du hegst. Er eröffnet neue Wege, wo du meinst, es gäbe keine, er bringt dich dazu, dagegen anzukämpfen, dem Vergangenen nachzuweinen oder alles als „schon dagewesen“ abzutun. Auch wenn dir alles verloren erscheint, öffne dich staunend für das Neue, das er verheißt: Er wird dich überraschen.“

Nach seiner Auferstehung werden die Jünger nach Galiläa gerufen, um dort den auferstandenen Herrn zu treffen. Das bedeutet, sich wegzubewegen vom Grab, neue Wege zu beschreiten, was ja gerade in der Corona-Krise für uns alle wichtig geworden ist. Unser Glaube muss sich wieder neu auf den Weg machen, wenn er lebendig sein soll. Dazu gehört es auch, Kindheitserinnerungen aufzugeben und sich voll Vertrauen und demütig von Gottes Wegen überraschen lassen.

Nach Galiläa gehen bedeutet auch, an die Grenzen zu gehen, denn Galiläa ist der am weitesten entfernte Ort der dortigen Region. So werden auch wir heute gebeten, dorthin zu gehen, wo die Ausgegrenzten sind, wo sich das tägliche Leben abspielt, in die Straßen, auf denen wir jeden Tag unterwegs sind, in die verschiedenen Winkel unserer Städte – dorthin geht der Herr uns voraus und dort zeigt er sich, gerade im Leben derer, die an unserer Seite leben und mit uns Zeit, Haus, Arbeit, Nöte und Hoffnungen teilen. In Galiläa lernen wir, dass wir den auferstandenen Herrn in den Gesichtern unserer Brüder und Schwestern finden können – im Enthusiasmus derer, die träumen, und in der Resignation derer, die verzagt sind, im Lächeln derer, die sich freuen, und in den Tränen derer, die leiden, besonders in den Armen und in denen, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. Wir werden staunen, wie sich Gottes Größe im Kleinen offenbart, wie seine Schönheit in den Einfachen und Armen aufstrahlt.

Wenn wir also in unserem Herzen eine dunkle Stunde tragen, ein verschüttetes Licht, einen zerbrochenen Traum, dann sind wir aufgerufen, unser Herz voll Staunen für die Osterbotschaft zu öffnen: „Erschrick nicht, er ist auferstanden! Er wartet auf dich in Galiläa“. Deine Erwartungen werden nicht unerfüllt bleiben, deine Tränen werden getrocknet werden, deine Ängste werden von der Hoffnung besiegt werden. Denn weißt du: der Herr geht dir immer voraus, er geht immer vor dir. Und mit ihm beginnt das Leben immer neu.

Die Osterbotschaft kennt den Zustand der Verzweiflung und Aussichtslosigkeit. Aber sie will vor allem ermutigen und Hoffnung spenden, damit Leid, Angst und Tod nicht das letzte Wort haben. „Veränderung kann schneller kommen, als wir glauben. Manchmal von unerwarteter Seite“, so ein Zeitungskommentar.

Quellen: Kommentar Hoffnung bleibt im Mannheimer Morgen | Predigt in der Osternacht von Papst Franziskus

(Johannes Lerch, 04.04.2021)

Zum Palmsonntag: Der König

„In jener Zeit hörte die große Volksmenge, die sich zum Paschafest eingefunden hatte, Jesus komme nach Jerusalem. Da nahmen sie Palmzweige, zogen hinaus, um ihn zu empfangen, und riefen: Hosanna! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn, der König Israels! Jesus fand einen jungen Esel und setzte sich darauf – wie es in der Schrift heißt: Fürchte dich nicht, Tochter Zion! Siehe, dein König kommt; er sitzt auf dem Fohlen einer Eselin.“ (Johannes 12, 12-15)

Ein „König“ ist der „Inhaber der höchsten (monarchischen) Würde“, so kann man in einem Wörterbuch nachlesen. Wer ist mein König? Wer hat für mich die höchste Würde von allen Menschen? Wem vertraue ich? Wem gehorche ich aufs Wort? Wem folge ich nach?

Der große Zug nach Jerusalem ist der Beginn einer Woche, die es in sich hat. Ich denke über den König nach und merke, dass es mir in der aktuellen Corona-Krise eher schwer fällt, den Obrigen unseres Landes zu vertrauen, auch wenn es in Deutschland keine königliche Monarchie gibt und Beschlüsse im Einvernehmen zwischen Bund und Ländern gefasst werden.

Doch was macht einen guten König aus? Was sind die Merkmale eines Herrschers, dem die Menschen gerne glauben und dem folgen, was er vorgibt? Er zeigt den Menschen durch sein Tun, dass er das Gute für die Einzelnen und das Ganze möchte. Er nimmt die Sorgen und Nöte seiner Mitmenschen ernst und tut alles in seiner Macht stehende, um Zufriedenheit, Gesundheit an Leib und Seele und Glück für sie zu schaffen. Jesus war ein „anderer König“ im Vergleich zu den weltlichen Herrschern seiner Zeit.

Weltliche Macht, Geld und oberflächliches Ansehen waren ihm egal. Der Mensch stand im Mittelpunkt seines Lebens, seines Wirkens. Zum Heil jedes einzelnen Menschen ist er auf die Erde gekommen: ein Oberer, ein Herrscher, ein König wie ich ihn mir wünsche.

Der große Zug nach Jerusalem: der Beginn einer Woche, in der Jesus alles auf die eine Karte setzt, um das zur Erfüllung zu bringen, wofür in die Welt gekommen ist. Der Weg, den er geht, ist der Weg mit dem Kreuz. Den Weg, den er geht, führt durch das Kreuz zur Auferstehung. Mit dem Weg, den er geht, erfüllt sich die Verheißung der Erlösung durch den Messias.

Jesus, ein besonderer König, der Inhaber der höchsten Würde; einer Würde, die uns durch unsere Taufe geschenkt ist. Ihm kann ich vertrauen, seinem Wort glaube ich. Wenn wir jetzt in die zweite Karwoche in der Corona-Pandemie gehen, wünsche ich uns allen, dass die Hoffnung, die dieser König Jesus uns schenkt, uns durch diese Zeit trägt.

(Juliane Schaad, 28.03.2021)

Mit dem heiligen Josef durch die Corona-Krise

Am 19. März feiert die Kirche das Hochfest des heiligen Josef, dem Papst Franziskus auch ein weltkirchliches Festjahr gewidmet hat, das noch bis zum 8. Dezember dauert. Warum kann uns der heilige Josef ein „verlässlicher Coach“ in der Corona-Krise sein, wie der Innsbucker Bischof Hermann Glettler es formuliert hat?

Der heilige Josef hatte genügend Krisenerfahrung, um „ermutigende Leitfigur und Bewährungs-Hilfe“ zu sein. Wirkliches Vertrauen schenkt man im Allgemeinen nicht erfolgreichen Karrieremenschen, sondern eher denen, die selbst schon handfeste Schwierigkeiten durchgemacht haben und sich bewähren mussten.

Der Bräutigam von Maria bewährte sich gleich in mehreren Krisen: Als er erfährt, dass seine Verlobte schwanger war, aber nicht von ihm, plante er, sich in Stille von ihr zu trennen. Doch dann folgte er der Aufforderung Gottes in einem Traum, sie zur Frau zu nehmen. Eine weitere Krise gab es zu bestehen, als das Paar kurz vor der Geburt nach Bethlehem wandern musste und dort keine Herberge fand. Schließlich gebot ihm ein weiterer Traum, mit Maria und Jesus nach Ägypten zu fliehen, und nach zwei Jahren wurde er wieder zurück nach Israel geschickt. Immer wieder musste er seine Pläne kurzfristig ändern und an die Grenze seiner Kräfte gehen, um den Auftrag Gottes, seine Familie zu schützen, zu erfüllen. Auch wir müssen uns in der Corona-Krise immer wieder neu orientieren, unsere Pläne ändern und aus unseren Kraftreserven leben.

Von Josef ist keine einzige Aussage in der Bibel überliefert. Der Mann ohne Worte war still und demütig. Alleinsein und Einsamkeit waren ihm nicht fremd. Auch in der Corona-Krise leiden viele Menschen unter Einsamkeit. Ein Leben ohne Worte, ohne Austausch, ohne Kommunikation ist auf Dauer kaum vorstellbar. Der schweigende Josef kann das gut verstehen. Sein bescheidender Dienst im Hintergrund – ohne jede Wichtigtuerei – kann uns Wegweisung sein. Denn Josef war in seiner tiefen Gottverbundenheit auch stark und mutig und hat die Botschaften des Engels konsequent umgesetzt. So ist er heute zurecht Schutzpatron der Kirche.

Der heilige Josef hat auch das Unrecht der römischen Besatzungsmacht miterlebt, mit großer Armut und hohen Steuern. Gerade in der aktuellen Corona-Krise, in der viele in finanzielle Nöte geraten, kann der Heilige Josef daher ein guter Fürsprecher sein. Er ist Beschützer von Familien, Frauen und Kindern. Als Tischler konnte er selbst für den Unterhalt seiner Familie sorgen. „Handwerker kommen überall zurecht“, sagte Pater Paulus-Maria Tautz CFR beim Josefsabend der Emmanuel Jugend am 19. März in München. So gilt Josef auch als Patron der Arbeiter.

Für Jesus war Josef Vater, Erzieher und Lehrmeister zugleich. Das Oberhaupt der Heiligen Familie ist auch ein wichtiges Vorbild für alle Väter, schreibt Papst Franziskus bei der Ausrufung des „Jahres des heiligen Josef“. Vater werde man nicht, „indem man ein Kind in die Welt setzt, sondern indem man sich verantwortungsvoll um es kümmert“.

Viele Wesenszüge von Josef sind auch in der Corona-Krise vonnöten und machen ihn zum idealen Fürsprecher. „Wir brauchen einsatzbereite Leute, die nicht nur aus der Distanz kommentieren oder Theorien huldigen, sondern selbst Verantwortung übernehmen – so wie Josef“, forderte Bischof Glettler.

Und Papst Franziskus wird durch den stillen und unauffälligen Josef im Apostolischen Schreiben „Patris Corde“ an die vielen Menschen erinnert, die seit dem Beginn der Corona-Pandemie im Verborgenen einen wertvollen Beitrag für die Bewältigung dieser Krise leisten: „Wie viele Menschen üben sich jeden Tag in Geduld und flößen Hoffnung ein und sind darauf bedacht, keine Panik zu verbreiten, sondern Mitverantwortung zu fördern.“ Geschichte schreiben heute all jene, die nicht im Rampenlicht stehen: „Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger, Supermarktangestellte, Reinigungspersonal, Betreuungskräfte, Spediteure, Ordnungskräfte, ehrenamtliche Helfer, Priester, Ordensleute und viele andere, die verstanden haben, dass niemand sich allein rettet.“ Sie alle leisten tagtäglich ihren Dienst ohne viel Aufhebens und helfen so, dass wir gemeinsam diese herausfordernde Zeit durchstehen.

Siehe auch Gebet zum Heiligen Josef

(Johannes Lerch, 19.03.2021)

Damit es zur rechten Zeit blühen kann

Zu Beginn des Lockdowns im vergangenen März, in der Zeit als wir diesen Blog gestartet haben, war ich zwei Wochen komplett zuhause. Da ich Erkältungssymptome hatte, verbrachte ich viel Zeit, eingewickelt in eine Decke, im Liegestuhl auf meiner Terrasse.

Ich erinnere mich daran, welche Dinge mir damals zu Beginn der Corona-Zeit geholfen und Mut gemacht haben. Etwas, das mir besonders in Erinnerung geblieben ist, sind die Frühlingsblüher und besonders die Tulpen, die in dieser Zeit in den Blumenkästen und Kübeln auf der Terrasse geblüht haben.

Ich hatte die Tulpen recht spät, aber gerade noch rechtzeitig im Januar in die Erde gesteckt. Als sie mir dann im Frühling sehr lange, etwa drei bis vier Wochen all ihre Farbigkeit, Fröhlichkeit, Lebendigkeit und Energie geschenkt haben, war das eine wunderbare Quelle der Freude und Kraft für mich. Auch in diesem Jahr habe ich die Blumenzwiebeln erst im Januar in die Erde gelegt und freue mich jetzt schon auf jede einzelne Blüte.

Mit den Blumenzwiebeln ist es wie mit anderen Dingen, die uns Kraft, Freude und Energie schenken: Wir müssen ihnen den Boden bereiten, und Vorbereitungen treffen, damit wir zur rechten Zeit Kraft tanken können. Das fängt mit dem Einkaufen des Lieblingstees oder -kaffees an und geht weiter mit dem Planen eines Urlaubs, eines Ausflugs oder von Exerzitien. Größere Pläne kann man ja in Teilen auch jetzt in Zeiten der Corona-Pandemie schon ganz gut vorbereiten, auch wenn wir nicht wissen, wie sich die Dinge weiter entwickeln werden.

Unser Kontakt zu Gott und das Schöpfen aus dieser Quelle des Lebens, bedarf ebenfalls einer gewissen Vorbereitung. Regelmäßig zu beten und dem Herrn durch das Lesen der Bibel, den Besuch von Gottesdiensten oder durch den Empfang der Sakramente zu begegnen, geht im Alltag und auf Dauer oft am einfachsten, wenn ich bewusst Zeit dafür einplane – und mir dann auch nehme. Während die Situation um uns herum unsicher und unabsehbar bleibt, kann mir das Planen von kraftspendenden Dingen – auch von Zeiten mit Gott – Sicherheit und Hoffnung geben.

Und wenn ich mal gar nicht dazu gekommen bin, die Blumenzwiebeln einzupflanzen, kann ich im Zweifelsfall immer noch später die kaufen, die der Gärtner gepflanzt hat.

(Juliane Schaad, 02.03.2021)

Fastenzeit? Weil Gott Heil für uns will!

„Auf was soll ich denn noch verzichten?!“ wird so mancher zu Beginn dieser Fastenzeit denken. „Ich muss doch in dieser Corona-Zeit schon auf so vieles verzichten“, könnte ein Gedanke sein.

Wenn weder der wöchentliche Sport, noch der Kaffee mit der Freundin, der Wochenendausflug mit der Familie oder der Besuch der Chorprobe möglich ist, wollen wir uns nicht noch die letzte kleine Freude mit dem Stück Schokolade, dem abendlichen Glas Wein oder der Lieblingsfernsehsendung nehmen …

Was heißt denn Fastenzeit, wenn wir uns die liturgischen Texte des Aschermittwochs anschauen?

„Kehrt um zu mir?“ – „Zerreißt die Herzen, nicht die Kleider!“ – „Kehrt um zum Herrn, eurem Gott!“ So lesen wir im Buch Joel. Wer umkehren muss, hat sich verlaufen, verirrt, ist zu weit gegangen oder auf der falschen Spur. Die Wortspiele gefallen mir.

Weil wir Menschen sind, gibt es jeden Tag in unserem Leben Momente, in denen diese Menschlichkeit durch unsere persönlichen Grenzen sichtbar wird. In vielen Fällen ist das nicht weiter tragisch und schadet weder uns noch anderen elementar. Aber regelmäßig haben Gedanken, Worte oder Taten, die nicht dem Guten dienen, Folgen für uns oder andere.

Okay, manchmal müssen wir umkehren, weil wir schiefgelegen haben – ja, aber wohin denn? Der Lesungstext vom Aschermittwoch (Joël 2, 12–18) gibt da einen konkreten Tipp: zum Herrn, unserem Gott, weil uns das Segen und Heil bringt. Können Sie das bestätigen, dass Gottes Wege diejenigen sind, die dauerhaft zu unserem Glück, Zufriedenheit, Hoffnung und Segen führen?

Einer meiner Lieblingsverse aus der Bibel findet sich im Römerbrief (Römer 8,28): „Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alles zum Guten gereicht.“ Das hab ich erlebt, und das ist meine Hoffnung. So merke ich, dass es mir immer wieder Segen bringt, wenn ich mein Leben Gott hinhalte, ihn um Rat frage und gegebenenfalls an der einen oder anderen Stellschraube drehe. Konkret spüre ich sogar, dass wenn ich mit einer Situation unzufrieden bin und schließlich mir zugestehe, dass ich falsch gelegen habe, innerer Frieden eintritt.

Das ist der erste Schritt. In der Fastenzeit sind wir eingeladen genau dies zu tun: bewusst auf die eigenen Gedanken, Worte und Werke zu schauen, zu prüfen wohin sie mich führen und unter Umständen dann auch die Richtung zu ändern.

Die Kirche gibt uns dafür Hilfsmittel – nicht nur mit dem Evangelium von heute. Das sind zum Beispiel das Gebet, der Empfang der Sakramente, besonders auch das Sakrament der Versöhnung, das Fasten und das Teilen von materiellen Gütern.

Fasten ist ein freiwilliger Verzicht auf etwas, von dem wir ahnen, dass es uns den Blick auf den Kern unseres Lebens versperrt. Es soll uns helfen, frei für eine Umkehr zu Gott zu werden. Was das ist, kann jeder nur für sich selbst entscheiden. Und ja, vielleicht sind das in diesem Jahr ganz andere Dinge als sonst. Aber auch darauf lohnt sich ein Blick, in dem Wissen, dass Gott uns hilft, den Weg zu ihm und mit ihm zu gehen – und damit zu einem Leben im Guten und in Fülle.

Ziel dieses Weges ist die Auferstehung – nicht nur an Ostern 2021! In diesem Sinne wünsche ich uns allen eine gesegnete Fastenzeit!

(Juliane Schaad, 17.02.2021)

Mit Gottvertrauen ins neue Jahr

„Mit Gott-Vertrauen das Neue Jahr beginnen!“ Unter diesem Motto laden die österreichischen Bischöfe ab 1. Januar zu einem 9-Tage-Gebet während des Corona-Lockdowns ein. Eine solche „Novene“ wird zu besonderen Anlässen und in Krisenzeiten gebetet, um Gottes Hilfe zu erbitten und im Glauben zu wachsen.

Das aktuelle 9-Tages-Gebet in Zeiten der Pandemie beginnt am 1. Januar, dem kirchlichen Hochfest der Gottesmutter Maria, an dem Tag, an dem die katholische Kirche auch den Weltfriedenstag begeht, und dauert bis zum 9. Januar. Die Texte für diese österreichweite Gebetsinitiative werden von der Österreichischen Bischofskonferenz herausgegeben.

Mit der Novene wollen die Bischöfe „eine geistliche Spur ins Neue Jahr hinein legen“, erklärte der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler, der federführend bei der Auswahl der Gebete und der Gestaltung der Handreichung war.

Für jeden der neun Tage gibt es ein eigenes Gebetsmotto, einen Bibeltext und einen Meditationstext. Am Ende steht das eigens für die Novene verfasste Gebet zum Jahresbeginn.

Im Beten sind wir in den neun Tagen verbunden und können so die Zeit, bis reale Treffen wieder möglich sind, geistlich nutzen. Außerdem machen wir uns die Anliegen der Novene zu eigen und beten für das neue Jahr.

Noch ein Hinweis: Wem die angebotenen Vorschläge für jeden Tag zu viel sind, kann die Novene auf seine Bedürfnisse anpassen (zum Beispiel die Texte auf den Morgen und den Abend verteilen). Wichtig ist, jeden Tag das Anliegen der Novene aufzunehmen.

Euch allen ein gesegnetes neues Jahr!

(Ludger Fest, 01.01.2021)

Welt ging verloren, Christ ward geboren!

In seiner Weihnachtspredigt Predigt nimmt Spiritual Dr. Andreas Schmidt drei Sagengestalten der Antike in den Blick, die gerade in der Corona-Zeit unser unerlöstes Lebensgefühl widerspiegeln, und zeigt Wege auf, wie wir uns davon lösen können.

„Freut euch, euch ist der Retter geboren!“ – Gerettet? Wovon, wovor gerettet? Natürlich können wir theologisch antworten: von der Sünde. Damit versteht man aber nicht unbedingt mehr … Oder wenn wir singen: „Welt ging verloren, Christ ward geboren.“ Wieso ist die Welt verloren?

Vor einiger Zeit habe ich eine Karikatur entdeckt, auf der Charlie Brown ein Schild hochhält: „Christus ist die Antwort.“ Im nächsten Bild sieht man Snoopy ebenfalls mit einem Schild: „Und was war die Frage?“ Wir müssen erst der Verlorenheit der Welt – unserer Verlorenheit – auf die Spur kommen, damit Freude über die Rettung – die eigentliche Weihnachtsfreude – aufkommen kann.

Statt theologischer Erklärungen will ich versuchen, einige Helden- und Sagengestalten der Antike zu Hilfe zu nehmen. Sie sind nicht nur Phantasiegestalten, sondern Bilder für unsere Verlorenheit. In ihnen spiegelt sich ein Lebensgefühl der Menschen, das unsere Unerlöstheit und Erlösungsbedürftigkeit zeigt:

Herakles: Er muss zwölf Riesenaufgaben vollbringen – von „Herkulesarbeiten“ sprechen wir heute noch. Erst danach ist er frei zu leben. Er ist ein Bild für die innere Einstellung: „Erst wenn alles erledigt ist, dann darf ich genießen.“ Aber „after the job is before the job“. Wenn das eine erledigt ist, ist schon wieder das nächste zu tun. Ein Leben mit einem dauernden „Erst wenn…“ kann nie das Jetzt auskosten. Es ist nur Mühsal. Das „Leben“, das eigentliche, bleibt in unerreichbarer Zukunft. Auch jetzt können wir uns bei diesem Gedanken ertappen: Wenn Corona erst vorbei ist, dann können wir wieder normal leben, uns am Leben freuen – aber wer weiß, was dann wieder los sein wird…?

Damokles, der Sage nach eingeladen zu einem luxuriösen Festmahl, allerdings schwebt über seinem Kopf ein Schwert, das nur von einem Rosshaar gehalten wird und jederzeit todbringend auf ihn herabfahren kann. Ein Bild für ein Leben mit der inneren Haltung: „Freue dich nicht zu früh. Das dicke Ende kommt noch. Es kann jederzeit etwas Schlimmes passieren.“ Und damit kann ich mich an der Gegenwart, am Leben hier und jetzt, ebenso wenig freuen – selbst wenn ich alles habe, was man sich wünschen kann. Wer weiß, was noch alles kommt an Virusmutationen, an wirtschaftlichen Folgen der aktuellen Krise – mit solchen Nachrichten werden wir momentan dauernd bombardiert. Wenn man sich das alles ausmalt, dann schwebt dauernd ein dunkler, bedrohlicher Schatten über dem Leben, so dass man des Lebens nicht mehr wirklich froh werden kann.

Tantalus hatte von den Göttern folgende Strafe erhalten: Er musste in einem Teich stehen mit frischen Wasser, über seinem Kopf Zweige mit saftigen Früchten. Wenn er sich in seinem Durst aber beugt, um zu trinken, weicht das Wasser; wenn er die Früchte pflücken will, hebt ein Wind sie empor, so dass er sie nicht erreicht. Er steht für das Lebensgefühl: Das Leben, das ich ersehne, steht mir vor Augen. Ich sehe es, medial oder bei anderen – aber ich kann es nicht erreichen. In dem, was ich erlebe, ist immer irgendwie zu wenig. Ich werde nie erreichen, was ich wirklich will, nie Zufriedenheit, Fülle des Lebens erreichen. Auch jetzt wieder: Kontaktbeschränkungen aller Art, so viel fällt aus, ist nicht möglich von dem, was ich mir wünschen und erträumen würde …

Antike Bilder also für Lebensgefühle, die wir auch heute noch sehr gut kennen, und die in der Corona-Situation auf ihre Weise aktuell werden. Vielleicht findet man sich in dem einen Bild mehr, in dem anderen weniger wieder. Aber man spürt: Das betrifft uns. Es beschreibt eine geheimnisvolle Verlorenheit, die über der ganzen Welt, über allen Menschen liegt.

Welt ging verloren, Christ ward geboren! – Freut euch, heute ist euch der Retter geboren! – Kann uns das Kind aus der Krippe aus dieser Verlorenheit retten, die in den antiken Bildern anschaulich wird?

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Weihnachten findet statt, aber anders

Unser erster gemeinsamer Heiligabend war erbärmlich: Wir waren frisch verheiratet und feierten zum ersten Mal den Weihnachtsabend nicht mit unseren Familien, sondern zu zweit allein in der neuen Wohnung. Nach langen Diskussionen über die Gestaltung des Abends wollten wir im Anschluss an die frühe Christmette Fondue essen. Allerdings wurde ich plötzlich krank und musste mich ins Bett legen, sodass meine Frau alleine vor dem mit Liebe zubereiteten Essen saß und auch den ganzen Abend über alleine war.

Eigentlich ein armseliges Fest – und doch waren wir in dieser Armut Jesus besonders nahe. Schließlich kam Er auch in völliger Armut zur Welt – in einer Notunterkunft, einem Stall, weil für die Familie kein Platz mehr war.

Wie viele Menschen müssen jedes Jahr Heiligabend alleine verbringen, ohne Familie oder Angehörige. Und wie viel mehr sind es dieses Jahr aufgrund der Corona-Beschränkungen!

Bei uns in Mannheim wurden vom 4. Advent bis zum 10. Januar alle Gottesdienste abgesagt. Also auch keine Christmette mehr. Wie kann da Weihnachten überhaupt noch stattfinden? Es geht – aber anders. Und vielleicht deshalb besonders intensiv und tiefer erfahrbar.

Auch in den größten Kriegszeiten wurde Weihnachten gefeiert. Gerade in unserer Armut berühren sich Himmel und Erde und erfüllen die Engel den dunklen Stall in uns mit ihrem Licht. Die Menschen werden kreativ und feiern Weihnachten anders:

  • Musiker ziehen durch die Straßen uns spielen Weihnachtslieder, wie es dieses Video zeigt: https://trotzdemlicht.ch/#video
  • Kinder und Theaterleute spielen an ungewöhnlichen Orten Herbergssuche.
  • An Weihnachtszäunen werden Give-aways zum Mitnehmen verschenkt.
  • Vom Balkon herunter singen Menschen Weihnachtslieder.
  • Es gibt Ideen, mit den Kindern zusammen in den Wald zu gehen, die Weihnachtsgeschichte am Lagerfeuer zu hören und das Fondue über dem Feuer zu essen.
  • Wer lieber zuhause feiern möchte, der kann sich über Videokonferenzen digital mit anderen verbinden.
  • Für Hausgottesdienste gibt es mittlerweile unzählige Vorlagen im Netz, zum Beispiel vom Liturgischen Institut: https://www.liturgie.ch/praxis/gottesdienst-corona/advent-weihnachten/1793-weihnachten-hausgebet-digital.
  • Wer selbst Weihnachtslieder singen möchte, findet im Internet Texte, Noten mit Gitarrengriffen und Musikdateien zum Mitsingen, zum Beispiel in der Liederkiste: https://www.liederkiste.com/index.php?c=weihnachtslieder&l=de

Die Beispiele zeigen, dass Weihnachten nicht von den äußeren Umständen, sondern von unserer inneren Bereitschaft abhängt. Zum Glück gibt es keinen Lockdown der Seelen. Das berührende Weihnachtsvideo von Edeka zeigt, wie Menschen auch in Corona-Zeiten zusammenhalten: https://www.youtube.com/watch?v=Sjo5ue9ZTuw

(Johannes Lerch, 20.12.2020)

Täglich 10 Minuten Stille schenken

Angesichts der aktuellen Herausforderungen durch die Corona-Pandemie und die schwierigen gesellschaftlichen Entwicklungen hat die Akademie für Dialog und Evangelisation in Wien einen schönen Lösungsansatz entwickelt, an dem jede und jeder mitwirken kann. Er ist einfach und herausfordernd zugleich: Schenk dir und anderen täglich 10 Minuten Stille!

Du beginnst einfach damit, nachzudenken, wofür du gerade dankbar bist. Danach kannst du all denjenigen, die es schwer haben, von Herzen Gutes wünschen. Ob du nun gläubig bist oder nicht, jede und jeder kann mitmachen: entweder mit deinen wohlwollenden und positiven Gedanken oder direkt an Gott gerichtet – mit deinem Dank oder einer Bitte für Menschen, die Hilfe brauchen. Ob so oder so, in jedem Fall wird es unser Denken und unser Handeln inspirieren und neu beleben und uns trotz aller Distanzen miteinander verbinden.

Ohne echtes Innehalten gibt es nämlich keine Hoffnung für einen neuen Zusammenhalt und eine großherzige Solidarität, die heute so dringend gebraucht werden. Ganz begeistert von dem ungewöhnlichen Aufruf ist Philippe Pozzo di Borgo, der Welterfolgs-Autor von „Ziemlich beste Freunde“. Sein verfilmtes Schicksal als schwer Gelähmter nach einem  Paragleiter-Unfall und seine Freundschaft mit dem unprofessionellen Pfleger Driss bewegten weltweit viele Menschen. Nicht alle könnten gleich „Ziemlich beste Freunde“ werden, aber unsere zerrissene Gesellschaft könne sich nur erneuern, so Philippe, „wenn wir im Anderen seine Vielschichtigkeit, Zerbrechlichkeit und sein Ruf nach Würde“ neu entdeckten. Das „Virus der Hoffnung“ wachse erst in der „bewohnten Stille“, wo wir nämlich unseren „inneren Reichtum“ fänden.
 
Die Resonanz auf die ersten Einladungen an Menschen unterschiedlichster Weltanschauungen und politischer Richtungen ist gewaltig. Dass nun Stille wie ein geheimes Heilmittel wirkt, scheint nicht nur Bischöfe wie Hermann Glettler und Kardinal Christoph Schönborn zu überzeugen, auch Schauspielerin Maria Happel oder Kollege Cornelius Obonya, ORF-TV-Moderatorin Barbara Stöckl, der Psychiater Michael Lehofer und der Genetiker Markus Hengstschläger haben sich bereits der Aktion angeschlossen.

Wer mitmachen möchte, kann sich auf der Website oder über Facebook eintragen und sich von vielen konkreten Beispielen inspirieren lassen: www.stilleschenken.com
 
(Otto Neubauer, 03.12.2020)