Damit es zur rechten Zeit blühen kann

Zu Beginn des Lockdowns im vergangenen März, in der Zeit als wir diesen Blog gestartet haben, war ich zwei Wochen komplett zuhause. Da ich Erkältungssymptome hatte, verbrachte ich viel Zeit, eingewickelt in eine Decke, im Liegestuhl auf meiner Terrasse.

Ich erinnere mich daran, welche Dinge mir damals zu Beginn der Corona-Zeit geholfen und Mut gemacht haben. Etwas, das mir besonders in Erinnerung geblieben ist, sind die Frühlingsblüher und besonders die Tulpen, die in dieser Zeit in den Blumenkästen und Kübeln auf der Terrasse geblüht haben.

Ich hatte die Tulpen recht spät, aber gerade noch rechtzeitig im Januar in die Erde gesteckt. Als sie mir dann im Frühling sehr lange, etwa drei bis vier Wochen all ihre Farbigkeit, Fröhlichkeit, Lebendigkeit und Energie geschenkt haben, war das eine wunderbare Quelle der Freude und Kraft für mich. Auch in diesem Jahr habe ich die Blumenzwiebeln erst im Januar in die Erde gelegt und freue mich jetzt schon auf jede einzelne Blüte.

Mit den Blumenzwiebeln ist es wie mit anderen Dingen, die uns Kraft, Freude und Energie schenken: Wir müssen ihnen den Boden bereiten, und Vorbereitungen treffen, damit wir zur rechten Zeit Kraft tanken können. Das fängt mit dem Einkaufen des Lieblingstees oder -kaffees an und geht weiter mit dem Planen eines Urlaubs, eines Ausflugs oder von Exerzitien. Größere Pläne kann man ja in Teilen auch jetzt in Zeiten der Corona-Pandemie schon ganz gut vorbereiten, auch wenn wir nicht wissen, wie sich die Dinge weiter entwickeln werden.

Unser Kontakt zu Gott und das Schöpfen aus dieser Quelle des Lebens, bedarf ebenfalls einer gewissen Vorbereitung. Regelmäßig zu beten und dem Herrn durch das Lesen der Bibel, den Besuch von Gottesdiensten oder durch den Empfang der Sakramente zu begegnen, geht im Alltag und auf Dauer oft am einfachsten, wenn ich bewusst Zeit dafür einplane – und mir dann auch nehme. Während die Situation um uns herum unsicher und unabsehbar bleibt, kann mir das Planen von kraftspendenden Dingen – auch von Zeiten mit Gott – Sicherheit und Hoffnung geben.

Und wenn ich mal gar nicht dazu gekommen bin, die Blumenzwiebeln einzupflanzen, kann ich im Zweifelsfall immer noch später die kaufen, die der Gärtner gepflanzt hat.

(Juliane Schaad, 02.03.2021)

Jenseits von richtig oder falsch

„Jenseits von richtig oder falsch liegt ein Ort. Dort begegnen wir uns.“ (Dschalal ad-Din ar-Rumi)

Heute ist wieder einer dieser Tage, wo alle in Deutschland darauf warten, was Kanzlerin Merkel und die Ministerpräsidenten der 16 Bundesländer für die nächste Zeit an Regeln, Geboten und Verboten in Bezug auf die Corona-Pandemie beschließen. Sie müssen entscheiden, was das Beste für die Menschen hier ist und wie ihrer Meinung nach endlich die Zahlen der Infizierten, Toten und Menschen mit Covid-19 auf den Intensivstationen zurückgehen kann.

Auch wenn ich jetzt noch nicht weiß, was uns am Ende der Beratungen verkündet wird, weiß ich doch, dass die Meinungen darüber stark auseinander gehen werden: Für die einen werden die Beschlüsse nicht weit genug gehen und die anderen werden sich darüber empören, welche Einschränkungen und Hindernisse uns aufgebürdet werden.

Was ich auch weiß ist, dass es ein richtig oder falsch objektiv nicht geben wird, schon gar nicht jetzt vor dem nächsten Wegstück in dieser Pandemie. Nach der nächsten Biegung werden wir vielleicht schlauer sein und können nur hoffen, dass die Damen und Herren in der Entscheidungsverantwortung gute Schlüsse gezogen haben aus den Erfahrungen der Wegstücke, die hinter uns liegen.

Beim Sortieren von Unterlagen ist mir heute eine Postkarte mit dem oben genannten Spruch in die Hände gefallen: Jenseits von richtig oder falsch liegt ein Ort. Dort begegnen wir uns. Und genau das wünsche ich uns, wenn heute Nachmittag oder Abend die Wegmarken für die nächsten Wochen bekannt gegeben werden, dass wir lernen jenseits von richtig oder falsch im guten Willen das nächste Wegstück zu schaffen, uns begegnen statt uns weiter voneinander zu entfernen – auch wenn diese Begegnung vermutlich leider noch eine ganze Weile digital oder nur von weitem sein wird.

(Juliane Schaad, 19.01.2021)

Primetime in der Familie

In der Corona-Pandemie scheinen Familien die großen Gewinner zu sein. Hier gibt es keine Einsamkeit, sondern permanente Beziehung untereinander mit Austausch und Gesprächen, gemeinsamen Aktivitäten, Spielen und Ausflügen. Je mehr Kinder, desto abwechslungsreicher die sozialen Kontakte. Soweit die Theorie.

Die Praxis sieht oft anders aus. Nicht nur die Teenies hängen viel am Handy oder ziehen sich in ihr Zimmer zurück, leben in ihrer eigenen Welt und lassen sich oft nur zu den Mahlzeiten blicken. Auch wir Eltern haben festgestellt, dass wir viel zu oft mit eigenen Dingen beschäftigt sind und bedauerten, dass es in unserer Familie mitunter nur selten wirklich gute Interaktionen gab – wo doch gerade jetzt im Lockdown so viel Zeit dafür wäre.

Was nicht ist, kann ja noch werden, dachten wir. Also organisierten wir in den Weihnachtsferien eine „Primetime“, in der jeder mit jedem eine Zeit zu zweit hatte (zur Aufteilung gibt es übrigens praktische Turnierplan-Tabellen im Internet). Für das etwa einstündige Gespräch hatten wir drei Impulsfragen vorgeschlagen: Was schätze ich an dir? Was kann ich von dir lernen? Was ich schon immer mal von dir wissen wollte.

Weil wir uns in dem Zweieraustausch nur auf das Positive beschränkten, entstanden unglaublich schöne, auferbauende und hoffnungsvolle Gespräche, von denen wir immer noch zehren. Manchmal gab es einen Spaziergang, ein andermal eine gemütliche Zeit im Kinderzimmer bei einer Tasse Tee oder ein abendlicher Austausch am Kaminfeuer. Um die vertraulichen Gespräche zu schützen, haben wir Stillschweigen über die Inhalte vereinbart.

In jedem Falle wurde durch diese Primetime eine gute Basis gelegt: Gespräche, an die man immer wieder anknüpfen kann. Vielleicht gibt es bald eine zweite Runde …

(Marion und Johannes Lerch, 10.01.2021)

Meine Zeit steht in Deinen Händen

2020 war ein turbulentes Jahr: Vieles hat die Welt bewegt, manches hat die Welt verändert, und jeder Einzelne von uns war von der weltweiten Krise betroffen. Das Jahr 2020 werden wir wohl alle nicht vergessen. Wenig überraschend wurde „Corona-Pandemie“ zum Wort des Jahres gekürt. In diesem Jahr ist vieles ganz anders gekommen ist, als wir es gewohnt waren und gekannt haben. Selbst das „Alle Jahre wieder“ an Weihnachten war dieses Jahr irgendwie anders.

Die Umstände in diesem Jahr haben jeden von uns auf unterschiedliche Art und Weise herausgefordert, haben uns kreativ gemacht und vielleicht auch stärker. Uns ist bewusst geworden, wie wichtig persönliche Treffen im Leben von uns Menschen sind und wie viel uns fehlt, wenn körperliche Nähe nur sehr eingeschränkt gelebt werden kann. Wir haben erlebt wie wertvoll und kostbar unsere Gesundheit ist und wie stärkend Solidarität und Gemeinschaft im Geist und im Gebet sein kann.

Was sich nicht geändert hat – und was sich gemäß dem christlichen Glauben auch nie ändern wird –, ist die Zusage Gottes, dass er der „Immanuel“ der „Gott-mit-uns“ ist, der „Ich-bin-da“. Er ist nicht nur in unsere Welt gekommen, sondern auch geblieben. Und das feiern wir nicht nur an Weihnachten. Gott sei Dank dürfen wir das immer wieder auf vielfältige Weise greifbar in unserem Leben erfahren: Die Gegenwart Gottes ist uns geschenkt, auch wenn wir es nicht immer spüren.

Es lohnt sich zum Jahreswechsel einmal innezuhalten und dem Jahr in Gedanken noch einmal nachzuspüren: Was ist in meinem persönlichen Leben im vergangen Jahr geschehen? Welche schönen Dinge habe ich erlebt? Was bekam ich geschenkt, ohne es zu ahnen? Welche Rückschläge, Niederlagen, Sorgen haben mich getroffen? Wofür bin ich dankbar, und was hat mich wachsen lassen?

Was auch immer passiert. Wir glauben, dass unsere Zeit in Gottes Händen steht, und so legen wir auch das vergangene Jahr, mit allem, was dazugehört, in seine Hände. Mir ist ein Gebet von Antoine de Saint-Exupéry in die Hände gefallen, dass ich gerne mit Ihnen teilen möchte.

Gebet um die Wunder des Alltags

Ich bitte dich nicht um Wunder und Visionen, Herr, sondern um Kraft für den Alltag.
Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.
Mach mich findig und erfinderisch, um im Täglichen vielerlei und allerlei rechtzeitig meine Erkenntnisse und Erfahrungen zu notieren, von denen ich betroffen bin.
Mach mich griffsicher in der richtigen Zeiteinteilung.
Schenke mir das Fingerspitzengefühl, um herauszufinden, was erstrangig und was zweitrangig ist.
Ich bitte dich um Kraft für Zucht und Maß, dass ich nicht durch das Leben rutsche, sondern den Tagesablauf vernünftig einteile, auf Lichtblicke und Höhepunkte achte.
Bewahre mich vor dem naiven Glauben, es müsste im Leben alles glatt gehen. Schenke mir die nüchterne Erkenntnis, dass Schwierigkeiten, Niederlagen, Misserfolge, Rückschläge eine selbstverständliche Zugabe zum Leben sind, durch die wir wachsen und reifen.
Schicke mir im rechten Augenblick jemand, der den Mut hat, mir die Wahrheit in Liebe zu sagen.
Ich möchte dich und die anderen immer aussprechen lassen. Die Wahrheit sagt man nicht sich selbst, sie wird einem gesagt.
Ich weiß, dass sich viele Probleme dadurch lösen, dass man nichts tut. Gib, dass ich warten kann.
Du weißt, wie sehr wir der Freundschaft bedürfen. Gib, dass ich diesem schönsten, schwierigsten, riskantesten und zartesten Geschenk des Lebens gewachsen bin.
Verleih mir die nötige Phantasie, im rechten Augenblick ein Päckchen Güte, mit oder ohne Worte, an der richtigen Stelle abzugeben.
Bewahre mich vor der Angst, ich könnte das Leben versäumen.
Gib mir nicht, was ich wünsche, sondern was ich brauche.
Lehre mich dir Kunst der kleinen Schritte!
(Antoine de Saint-Exupéry)

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen gesegneten Übergang ins Jahr 2021!

(Juliane Schaad, 30.12.2020)

Täglich 10 Minuten Stille schenken

Angesichts der aktuellen Herausforderungen durch die Corona-Pandemie und die schwierigen gesellschaftlichen Entwicklungen hat die Akademie für Dialog und Evangelisation in Wien einen schönen Lösungsansatz entwickelt, an dem jede und jeder mitwirken kann. Er ist einfach und herausfordernd zugleich: Schenk dir und anderen täglich 10 Minuten Stille!

Du beginnst einfach damit, nachzudenken, wofür du gerade dankbar bist. Danach kannst du all denjenigen, die es schwer haben, von Herzen Gutes wünschen. Ob du nun gläubig bist oder nicht, jede und jeder kann mitmachen: entweder mit deinen wohlwollenden und positiven Gedanken oder direkt an Gott gerichtet – mit deinem Dank oder einer Bitte für Menschen, die Hilfe brauchen. Ob so oder so, in jedem Fall wird es unser Denken und unser Handeln inspirieren und neu beleben und uns trotz aller Distanzen miteinander verbinden.

Ohne echtes Innehalten gibt es nämlich keine Hoffnung für einen neuen Zusammenhalt und eine großherzige Solidarität, die heute so dringend gebraucht werden. Ganz begeistert von dem ungewöhnlichen Aufruf ist Philippe Pozzo di Borgo, der Welterfolgs-Autor von „Ziemlich beste Freunde“. Sein verfilmtes Schicksal als schwer Gelähmter nach einem  Paragleiter-Unfall und seine Freundschaft mit dem unprofessionellen Pfleger Driss bewegten weltweit viele Menschen. Nicht alle könnten gleich „Ziemlich beste Freunde“ werden, aber unsere zerrissene Gesellschaft könne sich nur erneuern, so Philippe, „wenn wir im Anderen seine Vielschichtigkeit, Zerbrechlichkeit und sein Ruf nach Würde“ neu entdeckten. Das „Virus der Hoffnung“ wachse erst in der „bewohnten Stille“, wo wir nämlich unseren „inneren Reichtum“ fänden.
 
Die Resonanz auf die ersten Einladungen an Menschen unterschiedlichster Weltanschauungen und politischer Richtungen ist gewaltig. Dass nun Stille wie ein geheimes Heilmittel wirkt, scheint nicht nur Bischöfe wie Hermann Glettler und Kardinal Christoph Schönborn zu überzeugen, auch Schauspielerin Maria Happel oder Kollege Cornelius Obonya, ORF-TV-Moderatorin Barbara Stöckl, der Psychiater Michael Lehofer und der Genetiker Markus Hengstschläger haben sich bereits der Aktion angeschlossen.

Wer mitmachen möchte, kann sich auf der Website oder über Facebook eintragen und sich von vielen konkreten Beispielen inspirieren lassen: www.stilleschenken.com
 
(Otto Neubauer, 03.12.2020)

Das C-Wort

Auf einem Schild über einer geschlossenen Gaststätte in Köln steht „Lockdown – But don’t lock your heart“. © Keystone/dpa/Oliver Berg

In Großbritannien wurde „Lockdown“ zum Wort des Jahres 2020 gekürt, weil es laut Verlag des Collins-Wörterbuchs die geteilte Erfahrung von Milliarden Menschen zusammenfasst, die ihren Alltag einschränken müssen, um das Corona-Virus einzudämmen.

In Deutschland wurde der Begriff „Lost“ zum Jugendwort des Jahres 2020. Damit wird ahnungsloses und unsicheres Verhalten in der jungen Generation beschrieben.

Doch genug der L-Worte. Wenn wir an Corona denken, könnte auch ein C-Wort das Rennen machen: Corona-Virus, Corona-Krise, Corona-Pandemie, Corona-Neuinfektionen, Corona-Tote, Corona-Blues, Corona-Auflagen, CureVac-Impfstoff, Corona-Demos, Corona-Leugner, Corona-Widerstand, Covid 19, Covid-19-Intensivpatienten, Covidioten, …

Es gibt aber auch ein C-Wort, das uns bei allen Sorgen und Ängsten um Corona und bei aller Verwirrung mit Sicherheit helfen kann: CHRISTUS! Als Christen dürfen wir glauben, dass Jesus uns durch die Krise führt und wir im Blick auf seine Barmherzigkeit weder „lost“ sind noch panisch im „Lockdown“ verharren und unser Herz auch nicht verschließen müssen.

Nutzen wir die stärkste Waffe, die es gegen Corona gibt: Das Gebet und die Hinwendung zu Christus.

(Ausgewählte Corona-Gebete haben wir in der Rubrik „Worte der Zuversicht“ zusammengestellt.)

(Johannes Lerch, 12.11.2020)