Fastenzeit? Weil Gott Heil für uns will!

„Auf was soll ich denn noch verzichten?!“ wird so mancher zu Beginn dieser Fastenzeit denken. „Ich muss doch in dieser Corona-Zeit schon auf so vieles verzichten“, könnte ein Gedanke sein.

Wenn weder der wöchentliche Sport, noch der Kaffee mit der Freundin, der Wochenendausflug mit der Familie oder der Besuch der Chorprobe möglich ist, wollen wir uns nicht noch die letzte kleine Freude mit dem Stück Schokolade, dem abendlichen Glas Wein oder der Lieblingsfernsehsendung nehmen …

Was heißt denn Fastenzeit, wenn wir uns die liturgischen Texte des Aschermittwochs anschauen?

„Kehrt um zu mir?“ – „Zerreißt die Herzen, nicht die Kleider!“ – „Kehrt um zum Herrn, eurem Gott!“ So lesen wir im Buch Joel. Wer umkehren muss, hat sich verlaufen, verirrt, ist zu weit gegangen oder auf der falschen Spur. Die Wortspiele gefallen mir.

Weil wir Menschen sind, gibt es jeden Tag in unserem Leben Momente, in denen diese Menschlichkeit durch unsere persönlichen Grenzen sichtbar wird. In vielen Fällen ist das nicht weiter tragisch und schadet weder uns noch anderen elementar. Aber regelmäßig haben Gedanken, Worte oder Taten, die nicht dem Guten dienen, Folgen für uns oder andere.

Okay, manchmal müssen wir umkehren, weil wir schiefgelegen haben – ja, aber wohin denn? Der Lesungstext vom Aschermittwoch (Joël 2, 12–18) gibt da einen konkreten Tipp: zum Herrn, unserem Gott, weil uns das Segen und Heil bringt. Können Sie das bestätigen, dass Gottes Wege diejenigen sind, die dauerhaft zu unserem Glück, Zufriedenheit, Hoffnung und Segen führen?

Einer meiner Lieblingsverse aus der Bibel findet sich im Römerbrief (Römer 8,28): „Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alles zum Guten gereicht.“ Das hab ich erlebt, und das ist meine Hoffnung. So merke ich, dass es mir immer wieder Segen bringt, wenn ich mein Leben Gott hinhalte, ihn um Rat frage und gegebenenfalls an der einen oder anderen Stellschraube drehe. Konkret spüre ich sogar, dass wenn ich mit einer Situation unzufrieden bin und schließlich mir zugestehe, dass ich falsch gelegen habe, innerer Frieden eintritt.

Das ist der erste Schritt. In der Fastenzeit sind wir eingeladen genau dies zu tun: bewusst auf die eigenen Gedanken, Worte und Werke zu schauen, zu prüfen wohin sie mich führen und unter Umständen dann auch die Richtung zu ändern.

Die Kirche gibt uns dafür Hilfsmittel – nicht nur mit dem Evangelium von heute. Das sind zum Beispiel das Gebet, der Empfang der Sakramente, besonders auch das Sakrament der Versöhnung, das Fasten und das Teilen von materiellen Gütern.

Fasten ist ein freiwilliger Verzicht auf etwas, von dem wir ahnen, dass es uns den Blick auf den Kern unseres Lebens versperrt. Es soll uns helfen, frei für eine Umkehr zu Gott zu werden. Was das ist, kann jeder nur für sich selbst entscheiden. Und ja, vielleicht sind das in diesem Jahr ganz andere Dinge als sonst. Aber auch darauf lohnt sich ein Blick, in dem Wissen, dass Gott uns hilft, den Weg zu ihm und mit ihm zu gehen – und damit zu einem Leben im Guten und in Fülle.

Ziel dieses Weges ist die Auferstehung – nicht nur an Ostern 2021! In diesem Sinne wünsche ich uns allen eine gesegnete Fastenzeit!

(Juliane Schaad, 17.02.2021)

Mit Maske zum Hoffnungsträger werden

Am Mannheimer Stephanienufer wurde auch der Statue von Stephanie de Beauharnais, Adoptivtochter von Napoléon Bonaparte und Großherzogin von Baden, ein Mundschutz angezogen.

Jetzt ist sie also da, die Maskenpflicht. Alle Bundesländer haben inzwischen das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes in Teilen des öffentlichen Raums zur Pflicht gemacht, um die weitere Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen.

Was bisher als Zeichen der Abschottung galt, wird jetzt gesetzlich vorgeschrieben. Was verbinden wir mit einer Maske? Wer sich eine Maske aufsetzt, will normalerweise unerkannt bleiben, sich verstecken oder andere täuschen. Er zeigt nicht sein wahres Gesicht. Maskierte Männer assoziieren wir mit Banküberfällen, vermummte Menschen mit ausfälligen Demonstrationen.

Bei mittelalterlichen Turnieren kämpften die Ritter in der Regel mit heruntergeklapptem Visier – nur wer Mut hatte und ehrenvoll war, kämpfte mit offenem Visier und gab sich dem Gegner zu erkennen. Bei Fastnacht oder Karneval kann der Maskenträger für eine Zeitlang eine andere Rolle spielen und unerkannt Schabernack treiben. Doch am Aschermittwoch fallen die Masken, und wir legen unsere Rollen ab. Denn es folgt die Zeit des Fastens, um das Antlitz von „Gottes Ebenbild“ wieder ins Licht des Glaubens zu rücken.

Bei uns zu Hause laufen die Nähmaschinen heiß, bis für alle Familienmitglieder passende Schutzmasken gefertigt sind. Zum Glück gibt es ja in allen Medien genügend Anleitungen. Mittlerweile ist auch ein Wettbewerb entbrannt, wer die schönste Maske hat. Man kann durch das neue modische Kleidungsstück auch Botschaften transportieren, noch auffälliger wie über T-Shirts: Ministerpräsidenten tragen eine Maske in den Landesfarben oder mit Landeswappen. Fußballfans finden Masken im Vereins-Look.

Auch christliche Motive habe ich schon entdeckt: Ein katholischer Pfarrer trägt einen Mundschutz mit dem Motiv des Guten Hirten.  Ein evangelischer Landesbischof hat das Ulmer Münster direkt vor der Nase. Ein amerikanischer Gesichtsmasken-Schal „Gott liebt dich“ trägt die Aufschrift „If You Are Reading This, God Loves You. But You Are Too Close.“ Über den Hashtag #maskeauf kann jeder ein Bild seiner selbstgemachten Kreationen zur Schau stellen. „Das wird der sinnvollste Modetrend aller Zeiten“, heißt es auf der Website www.maskeauf.de.

Doch in der Öffentlichkeit eine Maske zu tragen ist ungewohnt und mir anfangs schwer gefallen. Das Atmen wird deutlich beschwerlicher. Wie schön ist es, wenn man frei und tief Luft holen kann. Aber ich kann diese Beschränkung auch ganz bewusst auf mich nehmen und die Maske als Zeichen der Hoffnung tragen. Denn ich  nehme damit Rücksicht auf die anderen und schütze sie vor einer Ansteckung. Ist das nicht ein Zeichen der Nächstenliebe?

Mit dem Tragen einer Maske, die bisher als Symbol der Abschottung galt, kann ich so zum Hoffnungsträger für einen Sieg gegen die Seuche werden.

Johannes Lerch, 03.05.2020