Von Mensch zu Mensch

Und plötzlich ist da diese un-fassbare Gefahr ganz nah vor unserer Tür, in Form eines uns noch in vielen Aspekten unbekannten Virus, eines Virus, das durch Menschen übertragen wird – das von Mensch zu Mensch geht.

Wenn wir uns aussuchen könnten, was von Mensch zu Mensch geht, dann sind das vor allem gute Dinge: Freude, Zuversicht, Liebe, Hoffnung, Freundlichkeit, Fröhlichkeit, Zärtlichkeit, Umarmungen, nette Gesten.

Die negativen Worte, Gesten, Stimmungen, Haltungen, die von Mensch zu Mensch gehen können – und erst recht ein Krankheitserreger – sind eher dafür geeignet, uns das Leben schwer zu machen, als dass sie Freude bereiten.

Der entscheidende Unterschied zwischen negativen Worten, Gesten, Stimmungen und Haltungen und einem Virus ist, dass das Virus nichts mit der Absicht oder dem Wesens eines Menschen zu tun hat, sondern ungeliebter Gast im eigenen Körper ist. 

Trotzdem bewirkt der ungeliebte Gast oder allein die Angst vor einem solchen, genau das, was sonst negative Worte, Gesten, Stimmungen und Haltungen bewirken: wir halten Abstand zu anderen Menschen.

Die Herausforderung ist jetzt, dass der eingehaltene äußere Abstand, die abgesagten Veranstaltungen, die Einschränkung des Händeschüttelns usw., keine Auswirkungen auf den inneren Abstand haben.

Auswirkungen wird die Situation auf uns haben. Die Frage ist nur welche. Wie so vieles im Leben wird auch das von uns selbst abhängen. Nun gilt es kreativ zu werden, wie die Verbundenheit und der Kontakt bestehen und gestärkt werden können, wenn direkte Treffen nur sehr eingeschränkt möglich sind. Einige Beispiele sind mir dafür schon begegnet. Immer mehr Gottesdienste oder Gebetszeiten werden live im Internet übertragen und so deutlich gemacht, dass es ein Miteinander im Gebet über die Grenzen der eigenen Wohnung hinaus gibt. Videokonferenzen werden abgehalten oder positive Gedanken und Bilder geteilt.

Beispielsweise war es heute so, dass am laufenden Band jemand von meinen Kontakten bei einem beliebten Messenger-Dienst Bilder hochgeladen hat: vom Spaziergang in der Sonne, von sonnigen Wiesen, Seen, blühenden Blumen oder sich selbst in der Sonne. Das war wie ein Gegenprogramm zu den schlechten Nachrichten und Einschränkungen durch das Corona-Virus. Es kam mir vor, dass alle sagen wollten: Schaut her Leute! Das Leben ist immer noch schön! Trotzdem und gerade jetzt stellen wir das Schöne in die Mitte! Und: Wir lassen uns nicht unterkriegen!

Mein Lieblingspsalm ist seit einiger Zeit der Psalm 27. Er ist ein Psalm voller Zuversicht und Hoffnung. Er passt gut an dieser Stelle. Hier die Verse 1-4 und 11-14 in der Version der Einheitsübersetzung 2016:

1 Der HERR ist mein Licht und mein Heil: Vor wem sollte ich mich fürchten? Der HERR ist die Zuflucht meines Lebens: Vor wem sollte mir bangen? 2 Dringen Böse auf mich ein, um mein Fleisch zu verschlingen, meine Bedränger und Feinde; sie sind gestrauchelt und gefallen. 3 Mag ein Heer mich belagern: Mein Herz wird nicht verzagen. Mag Krieg gegen mich toben: Ich bleibe dennoch voll Zuversicht. 4 Eines habe ich vom HERRN erfragt, dieses erbitte ich: im Haus des HERRN zu wohnen alle Tage meines Lebens; die Freundlichkeit des HERRN zu schauen und nachzusinnen in seinem Tempel. 11 Weise mir, HERR, deinen Weg, leite mich auf ebener Bahn wegen meiner Feinde! 12 Gib mich nicht meinen gierigen Gegnern preis; denn falsche Zeugen standen gegen mich auf und wüten! 13 Ich aber bin gewiss, zu schauen die Güte des HERRN im Land der Lebenden. 14 Hoffe auf den HERRN, sei stark und fest sei dein Herz! Und hoffe auf den HERRN!

Juliane Schaad, 15.03.2020

Hände waschen mit Gebet

Wir alle sind aufgefordert, regelmäßig und gründlich die Hände zu waschen, um uns nicht mit dem Coronavirus anzustecken. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung empfiehlt, die Hände mindestens nach dem Toilettengang, beim Nachhausekommen, vor dem Essen, nach dem Müllrausbringen und dem Kontakt mit einem Tier zu reinigen.

Innenseiten und Rücken der Hände, Fingerzwischenräume, Fingernägel und Daumen sollten 20 bis 30 Sekunden lang sorgfältig eingeseift werden. Als Merkhilfe für die richtige Dauer wird vorgeschlagen, zwei Mal hintereinander das Lied „Happy Birthday“ zu summen.

Da kommt mir doch gleich in den Sinn, stattdessen ein christliches Lied zu summen oder ein Gebet zu sprechen: ein Vaterunser und anschließend ein Ave Maria dauert etwa eine halbe Minute und kommt zeitlich gesehen genau hin. Das habe ich mir inzwischen angewöhnt. Und wie schön ist es, so oft am Tag mit diesem Gebet beim Händewaschen alle vor Gott zu bringen, die besonders unter dem Coronavirus leiden, weil sie infiziert sind, Angst davor haben, sich um andere kümmern oder vor schwierigen Entscheidungen stehen.

Kaum hab ich damit angefangen, erhalte ich über WhatsApp eine Grafik „Händewaschen für Katholiken“. Dort wird nach dem Vaterunser und dem Ave Maria noch ein Ehre sei dem Vater angefügt. Dauert dann 30 bis 45 Sekunden. 🙂

Johannes Lerch, 15.03.2020

Heilige Corona, bitte für uns

„Corona“ oder „Coronavirus“, könnte zum Wort des Jahres werden. Einige Assoziationen verbinde ich mit dem Begriff, und ich habe mal etwas recherchiert, wo Corona überall vorkommt.

  • Das Wort „Corona“ bedeutet im lateinischen „Krone“. In der griechischen und römischen Antike war die Corona ein als Auszeichnung verliehener Kranz aus Blumen, Blättern oder Zweigen.
  • Corona Extra ist eine mexikanische Biermarke und dort das meistverkaufte Bier. Laut Wikipedia gehört es in 180 Ländern zu den führenden importierten Premium-Biersorten. Seit der starken Verbreitung des Coronavirus hat die Brauerei allerdings mit Absatzproblemen zu kämpfen.
  • Bei uns zuhause wurde viel Musik gemacht. Meine Mutter liebte die vierstimmigen Corona-Sätze – Noten der Edition Corona, die wir häufig spielten.
  • In der Studentenverbindung heißt es „Corona hoch“, wenn die Chargierten einziehen oder ein offizieller Akt folgt. Dann stehen alle Anwesenden auf.
  • Corona ist auch eine Stadt in Kalifornien oder ein Stadtteil in New York (im Stadtbezirk Queens).

Was mich aber in letzter Zeit am meisten überrascht hat, ist die Entdeckung, dass es eine Heilige Corona gibt. Sie wurde um 160 geboren starb 177 n. Chr. Die frühchristliche Märtyrerin wurde im Alter von 16 Jahren zur Zeit der Christenverfolgungen hingerichtet. Ihr Gedenktag ist der 14. Mai. Sie wird besonders in Österreich und Ostbayern verehrt, wo ihr verschiedene Wallfahrten gewidmet sind. Auch Karl der Große verehrte sie und ließ Reliquien von ihr nach Aachen bringen. Sie steht für Standhaftigkeit im Glauben, ist Patronin der Schatzgräber und Metzger, wird bei Geldangelegenheiten und laut dem Ökumenischen Heiligenlexikon auch bei Seuchen und Unwetter angerufen. Was liegt also näher, als in Corona-Zeiten zu beten: Heilige Corona, bitte für uns!

Johannes Lerch, 14.03.2020

Votivbild, 1905, in der Pfarrkirche in St. Corona am Wechsel.
Quelle: https://www.heiligenlexikon.de/BiographienC/Corona_Stephana.html

Ungeplant planlos

Wir leben in einem Land, in dem wir normalerweise erstmal keine Angst haben müssen, dass sich ungeplant von heute auf morgen unser Leben ändert und auf den Kopf stellt.

Natürlich kann es vorkommen, dass plötzlich ein geliebter Mensch stirbt, eine tödliche Krankheit diagnostiziert wird oder ein Hochwasser oder Unwetter uns die Lebensgrundlage rauben, aber das ist für viele von uns weit weg. Unser Leben ist in aller Regel über Wochen und Monate, zum Teil sogar für Jahre, vorgeplant. Oft sind die Zeitfenster eng gesteckt und jedes kleine Rädchen muss in das andere greifen, damit am Ende alles passt und funktioniert.

Und plötzlich ist da diese un-fassbare Gefahr ganz nah vor unserer Tür, in Form eines uns noch in vielen Aspekten unbekannten Virus. „Juliane, du kannst nicht mehr planen“, hat am Donnerstag eine Kollegin zu mir gesagt. Mit dieser Aussage habe ich so langsam angefangen zu verstehen, dass sich im Moment wirklich unser ganzes Leben durch die Tatsache ändert, dass dieses un-bekannte Virus an unsere Türen klopft. (Ich habe gerade erstmal nachgeschaut welches grammatikalische Geschlecht „Virus“ hat. Aus Duden.de: „das Virus, außerhalb der Fachsprache auch: der Virus; Genitiv: des Virus, Plural: die Viren“)

Schlag auf Schlag ging es dann am Freitag weiter. (By the way: Darüber hat niemand auch nur einen Gedanken verschwendet, dass das ein Freitag der 13. war 😊. Dieser Aspekt gefällt mir, denn Aberglaube macht nur unnötig Angst, aus Sicht einer Christin, die grundsätzlich erstmal an das Gute glaubt.)

Auf allen Ebenen wurden Krisensitzungen einberufen, getagt und Maßnahmen beschlossen mit dem Ziel, möglichst viele Menschen möglichst lange vor einer Ansteckung mit dem Virus zu schützen. Die Devise wurde immer klarer: Niemand will etwas riskieren oder die Verantwortung für unnötige Ansteckungen übernehmen.

Und plötzlich stehen viele von uns Menschen in Deutschland (und so manchem anderen Land auf dieser Welt) da und wissen nicht mehr, was morgen ist. Für manche mag das ein Grund zur Freude sein, anderen macht das Angst, weil die Befürchtung groß ist, dass die Leere im Kalender unmittelbar zur Leere im Geldbeutel oder auf dem Konto führt.

Floskeln und Plattitüden helfen da nicht weiter, alles auf die Politik schieben jedoch auch nicht. Helfen kann die Erfahrung, dass es im eigenen Leben bisher immer einen Weg gab, wie es weiter ging und dass sich gerade in Notsituationen so manches gut gefügt hat, was nicht zu erwarten war. Gläubige Menschen nennen das Fügung, andere Schicksal. Mein Glaube hilft mir heute zuerst zu sehen, dass die Sonne scheint ist und die Blumen blühen und dann erst das zu betrachten, was als Herausforderungen oder Steine vor mir liegt.

Achtsamkeit, im „Hier-und-Jetzt-Leben“ sind Schlagworte, die in den letzten Jahren immer mal wieder Konjunktur hatten. Vielleicht ist es genau das, was uns jetzt weiter hilft: einfach nur für heute Leben. Das Morgen, kommt morgen.

Der bekannteste Bibeltext hierzu stammt aus der Bergpredigt im Matthäusevangelium (Matthäus 6, 25-29 – hier aus der Einheitsübersetzung 2016): „Deswegen sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen oder trinken sollt, noch um euren Leib, was ihr anziehen sollt! Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung? Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen; euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie? Wer von euch kann mit all seiner Sorge sein Leben auch nur um eine kleine Spanne verlängern? Und was sorgt ihr euch um eure Kleidung? Lernt von den Lilien des Feldes, wie sie wachsen: Sie arbeiten nicht und spinnen nicht. Doch ich sage euch: Selbst Salomo war in all seiner Pracht nicht gekleidet wie eine von ihnen.

Was noch hilft, machen wir hier in diesem Blog: positiv bleiben, kreativ werden und weiter-denken. In diesem Sinne wünsche ich allen einen gesegneten und zuversichtlichen Tag.

Juliane Schaad, 14.03.2020