Hände waschen mit Gebet

Wir alle sind aufgefordert, regelmäßig und gründlich die Hände zu waschen, um uns nicht mit dem Coronavirus anzustecken. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung empfiehlt, die Hände mindestens nach dem Toilettengang, beim Nachhausekommen, vor dem Essen, nach dem Müllrausbringen und dem Kontakt mit einem Tier zu reinigen.

Innenseiten und Rücken der Hände, Fingerzwischenräume, Fingernägel und Daumen sollten 20 bis 30 Sekunden lang sorgfältig eingeseift werden. Als Merkhilfe für die richtige Dauer wird vorgeschlagen, zwei Mal hintereinander das Lied „Happy Birthday“ zu summen.

Da kommt mir doch gleich in den Sinn, stattdessen ein christliches Lied zu summen oder ein Gebet zu sprechen: ein Vaterunser und anschließend ein Ave Maria dauert etwa eine halbe Minute und kommt zeitlich gesehen genau hin. Das habe ich mir inzwischen angewöhnt. Und wie schön ist es, so oft am Tag mit diesem Gebet beim Händewaschen alle vor Gott zu bringen, die besonders unter dem Coronavirus leiden, weil sie infiziert sind, Angst davor haben, sich um andere kümmern oder vor schwierigen Entscheidungen stehen.

Kaum hab ich damit angefangen, erhalte ich über WhatsApp eine Grafik „Händewaschen für Katholiken“. Dort wird nach dem Vaterunser und dem Ave Maria noch ein Ehre sei dem Vater angefügt. Dauert dann 30 bis 45 Sekunden. 🙂

Johannes Lerch, 15.03.2020

Heilige Corona, bitte für uns

„Corona“ oder „Coronavirus“, könnte zum Wort des Jahres werden. Einige Assoziationen verbinde ich mit dem Begriff, und ich habe mal etwas recherchiert, wo Corona überall vorkommt.

  • Das Wort „Corona“ bedeutet im lateinischen „Krone“. In der griechischen und römischen Antike war die Corona ein als Auszeichnung verliehener Kranz aus Blumen, Blättern oder Zweigen.
  • Corona Extra ist eine mexikanische Biermarke und dort das meistverkaufte Bier. Laut Wikipedia gehört es in 180 Ländern zu den führenden importierten Premium-Biersorten. Seit der starken Verbreitung des Coronavirus hat die Brauerei allerdings mit Absatzproblemen zu kämpfen.
  • Bei uns zuhause wurde viel Musik gemacht. Meine Mutter liebte die vierstimmigen Corona-Sätze – Noten der Edition Corona, die wir häufig spielten.
  • In der Studentenverbindung heißt es „Corona hoch“, wenn die Chargierten einziehen oder ein offizieller Akt folgt. Dann stehen alle Anwesenden auf.
  • Corona ist auch eine Stadt in Kalifornien oder ein Stadtteil in New York (im Stadtbezirk Queens).

Was mich aber in letzter Zeit am meisten überrascht hat, ist die Entdeckung, dass es eine Heilige Corona gibt. Sie wurde um 160 geboren starb 177 n. Chr. Die frühchristliche Märtyrerin wurde im Alter von 16 Jahren zur Zeit der Christenverfolgungen hingerichtet. Ihr Gedenktag ist der 14. Mai. Sie wird besonders in Österreich und Ostbayern verehrt, wo ihr verschiedene Wallfahrten gewidmet sind. Auch Karl der Große verehrte sie und ließ Reliquien von ihr nach Aachen bringen. Sie steht für Standhaftigkeit im Glauben, ist Patronin der Schatzgräber und Metzger, wird bei Geldangelegenheiten und laut dem Ökumenischen Heiligenlexikon auch bei Seuchen und Unwetter angerufen. Was liegt also näher, als in Corona-Zeiten zu beten: Heilige Corona, bitte für uns!

Johannes Lerch, 14.03.2020

Votivbild, 1905, in der Pfarrkirche in St. Corona am Wechsel.
Quelle: https://www.heiligenlexikon.de/BiographienC/Corona_Stephana.html

Ungeplant planlos

Wir leben in einem Land, in dem wir normalerweise erstmal keine Angst haben müssen, dass sich ungeplant von heute auf morgen unser Leben ändert und auf den Kopf stellt.

Natürlich kann es vorkommen, dass plötzlich ein geliebter Mensch stirbt, eine tödliche Krankheit diagnostiziert wird oder ein Hochwasser oder Unwetter uns die Lebensgrundlage rauben, aber das ist für viele von uns weit weg. Unser Leben ist in aller Regel über Wochen und Monate, zum Teil sogar für Jahre, vorgeplant. Oft sind die Zeitfenster eng gesteckt und jedes kleine Rädchen muss in das andere greifen, damit am Ende alles passt und funktioniert.

Und plötzlich ist da diese un-fassbare Gefahr ganz nah vor unserer Tür, in Form eines uns noch in vielen Aspekten unbekannten Virus. „Juliane, du kannst nicht mehr planen“, hat am Donnerstag eine Kollegin zu mir gesagt. Mit dieser Aussage habe ich so langsam angefangen zu verstehen, dass sich im Moment wirklich unser ganzes Leben durch die Tatsache ändert, dass dieses un-bekannte Virus an unsere Türen klopft. (Ich habe gerade erstmal nachgeschaut welches grammatikalische Geschlecht „Virus“ hat. Aus Duden.de: „das Virus, außerhalb der Fachsprache auch: der Virus; Genitiv: des Virus, Plural: die Viren“)

Schlag auf Schlag ging es dann am Freitag weiter. (By the way: Darüber hat niemand auch nur einen Gedanken verschwendet, dass das ein Freitag der 13. war 😊. Dieser Aspekt gefällt mir, denn Aberglaube macht nur unnötig Angst, aus Sicht einer Christin, die grundsätzlich erstmal an das Gute glaubt.)

Auf allen Ebenen wurden Krisensitzungen einberufen, getagt und Maßnahmen beschlossen mit dem Ziel, möglichst viele Menschen möglichst lange vor einer Ansteckung mit dem Virus zu schützen. Die Devise wurde immer klarer: Niemand will etwas riskieren oder die Verantwortung für unnötige Ansteckungen übernehmen.

Und plötzlich stehen viele von uns Menschen in Deutschland (und so manchem anderen Land auf dieser Welt) da und wissen nicht mehr, was morgen ist. Für manche mag das ein Grund zur Freude sein, anderen macht das Angst, weil die Befürchtung groß ist, dass die Leere im Kalender unmittelbar zur Leere im Geldbeutel oder auf dem Konto führt.

Floskeln und Plattitüden helfen da nicht weiter, alles auf die Politik schieben jedoch auch nicht. Helfen kann die Erfahrung, dass es im eigenen Leben bisher immer einen Weg gab, wie es weiter ging und dass sich gerade in Notsituationen so manches gut gefügt hat, was nicht zu erwarten war. Gläubige Menschen nennen das Fügung, andere Schicksal. Mein Glaube hilft mir heute zuerst zu sehen, dass die Sonne scheint ist und die Blumen blühen und dann erst das zu betrachten, was als Herausforderungen oder Steine vor mir liegt.

Achtsamkeit, im „Hier-und-Jetzt-Leben“ sind Schlagworte, die in den letzten Jahren immer mal wieder Konjunktur hatten. Vielleicht ist es genau das, was uns jetzt weiter hilft: einfach nur für heute Leben. Das Morgen, kommt morgen.

Der bekannteste Bibeltext hierzu stammt aus der Bergpredigt im Matthäusevangelium (Matthäus 6, 25-29 – hier aus der Einheitsübersetzung 2016): „Deswegen sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen oder trinken sollt, noch um euren Leib, was ihr anziehen sollt! Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung? Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen; euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie? Wer von euch kann mit all seiner Sorge sein Leben auch nur um eine kleine Spanne verlängern? Und was sorgt ihr euch um eure Kleidung? Lernt von den Lilien des Feldes, wie sie wachsen: Sie arbeiten nicht und spinnen nicht. Doch ich sage euch: Selbst Salomo war in all seiner Pracht nicht gekleidet wie eine von ihnen.

Was noch hilft, machen wir hier in diesem Blog: positiv bleiben, kreativ werden und weiter-denken. In diesem Sinne wünsche ich allen einen gesegneten und zuversichtlichen Tag.

Juliane Schaad, 14.03.2020

Ausgangssperre

Ja, da ist Angst.
Ja, da ist Isolation.
Ja, da sind Hamsterkäufe.
Ja, da ist Krankheit.
Ja, da ist auch Tod.

Aber,
in Wuhan sind nach so vielen Jahren Lärm,
wieder die Vögel zu hören.

Schon nach wenigen Wochen Ruhe
ist der Himmel nicht mehr trüb vom Dunst,
sondern blau und grau und klar.

In den Straßen von Assisi
singen die Menschen einander zu
quer über die leeren Plätze,
lassen ihre Fenster offen,
damit, die, die allein sind,
den Familien um sie herum zuhören können.

Ein Hotel im Westen von Irland
liefert kostenlose Mahlzeiten an die Menschen in Quarantäne.

Ich hörte, dass eine junge Frau
Zettel mit ihrer Telefonnummer
in der Nachbarschaft verteilt,
damit die Alten jemanden anrufen können.

Kirchen, Synagogen, Moscheen und Tempel
bereiten sich darauf vor,
die Obdachlosen, die Kranken und Erschöpften
zu empfangen und zu beherbergen.

Überall auf der Welt
werden die Menschen langsamer und nachdenklicher.
Überall auf der Welt
schauen die Menschen ihre Nachbarn mit anderen Augen an.
Überall auf der Welt
erwachen die Menschen zu einer neuen Wirklichkeit,
sehen, wie groß wir wirklich sind,
wie wenig wir kontrollieren können,
was wirklich wichtig ist,
die Liebe.

Lasst uns beten und uns daran erinnern,
dass Angst nicht
in Hass umschlagen muss,
dass Isolation
nicht einsam machen muss,
dass Hamsterkäufe
nicht zu Gemeinheiten führen müssen,
dass körperliche Krankheit
nicht auch die Seele krank machen muss,
dass der Tod sogar
die Liebe auferstehen lassen kann.

Lasst uns darauf achten, für welches Leben wir uns jetzt entscheiden.

Heute, atmen.
Durch den Fabriklärm unserer Panik hindurch
die Vögel wieder singen hören,
den Himmel sich aufklaren sehen,
der Frühling kommt,
und wir sind immer umgeben von Liebe.

Öffnen wir die Fenster unserer Seele
um fähig zu werden,
uns über leere Plätze hinweg zu berühren,
zu singen.

(Fr. Richard Hendrick, OFM)