Primetime in der Familie

In der Corona-Pandemie scheinen Familien die großen Gewinner zu sein. Hier gibt es keine Einsamkeit, sondern permanente Beziehung untereinander mit Austausch und Gesprächen, gemeinsamen Aktivitäten, Spielen und Ausflügen. Je mehr Kinder, desto abwechslungsreicher die sozialen Kontakte. Soweit die Theorie.

Die Praxis sieht oft anders aus. Nicht nur die Teenies hängen viel am Handy oder ziehen sich in ihr Zimmer zurück, leben in ihrer eigenen Welt und lassen sich oft nur zu den Mahlzeiten blicken. Auch wir Eltern haben festgestellt, dass wir viel zu oft mit eigenen Dingen beschäftigt sind und bedauerten, dass es in unserer Familie mitunter nur selten wirklich gute Interaktionen gab – wo doch gerade jetzt im Lockdown so viel Zeit dafür wäre.

Was nicht ist, kann ja noch werden, dachten wir. Also organisierten wir in den Weihnachtsferien eine „Primetime“, in der jeder mit jedem eine Zeit zu zweit hatte (zur Aufteilung gibt es übrigens praktische Turnierplan-Tabellen im Internet). Für das etwa einstündige Gespräch hatten wir drei Impulsfragen vorgeschlagen: Was schätze ich an dir? Was kann ich von dir lernen? Was ich schon immer mal von dir wissen wollte.

Weil wir uns in dem Zweieraustausch nur auf das Positive beschränkten, entstanden unglaublich schöne, auferbauende und hoffnungsvolle Gespräche, von denen wir immer noch zehren. Manchmal gab es einen Spaziergang, ein andermal eine gemütliche Zeit im Kinderzimmer bei einer Tasse Tee oder ein abendlicher Austausch am Kaminfeuer. Um die vertraulichen Gespräche zu schützen, haben wir Stillschweigen über die Inhalte vereinbart.

In jedem Falle wurde durch diese Primetime eine gute Basis gelegt: Gespräche, an die man immer wieder anknüpfen kann. Vielleicht gibt es bald eine zweite Runde …

(Marion und Johannes Lerch, 10.01.2021)

Mit Gottvertrauen ins neue Jahr

„Mit Gott-Vertrauen das Neue Jahr beginnen!“ Unter diesem Motto laden die österreichischen Bischöfe ab 1. Januar zu einem 9-Tage-Gebet während des Corona-Lockdowns ein. Eine solche „Novene“ wird zu besonderen Anlässen und in Krisenzeiten gebetet, um Gottes Hilfe zu erbitten und im Glauben zu wachsen.

Das aktuelle 9-Tages-Gebet in Zeiten der Pandemie beginnt am 1. Januar, dem kirchlichen Hochfest der Gottesmutter Maria, an dem Tag, an dem die katholische Kirche auch den Weltfriedenstag begeht, und dauert bis zum 9. Januar. Die Texte für diese österreichweite Gebetsinitiative werden von der Österreichischen Bischofskonferenz herausgegeben.

Mit der Novene wollen die Bischöfe „eine geistliche Spur ins Neue Jahr hinein legen“, erklärte der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler, der federführend bei der Auswahl der Gebete und der Gestaltung der Handreichung war.

Für jeden der neun Tage gibt es ein eigenes Gebetsmotto, einen Bibeltext und einen Meditationstext. Am Ende steht das eigens für die Novene verfasste Gebet zum Jahresbeginn.

Im Beten sind wir in den neun Tagen verbunden und können so die Zeit, bis reale Treffen wieder möglich sind, geistlich nutzen. Außerdem machen wir uns die Anliegen der Novene zu eigen und beten für das neue Jahr.

Noch ein Hinweis: Wem die angebotenen Vorschläge für jeden Tag zu viel sind, kann die Novene auf seine Bedürfnisse anpassen (zum Beispiel die Texte auf den Morgen und den Abend verteilen). Wichtig ist, jeden Tag das Anliegen der Novene aufzunehmen.

Euch allen ein gesegnetes neues Jahr!

(Ludger Fest, 01.01.2021)

Meine Zeit steht in Deinen Händen

2020 war ein turbulentes Jahr: Vieles hat die Welt bewegt, manches hat die Welt verändert, und jeder Einzelne von uns war von der weltweiten Krise betroffen. Das Jahr 2020 werden wir wohl alle nicht vergessen. Wenig überraschend wurde „Corona-Pandemie“ zum Wort des Jahres gekürt. In diesem Jahr ist vieles ganz anders gekommen ist, als wir es gewohnt waren und gekannt haben. Selbst das „Alle Jahre wieder“ an Weihnachten war dieses Jahr irgendwie anders.

Die Umstände in diesem Jahr haben jeden von uns auf unterschiedliche Art und Weise herausgefordert, haben uns kreativ gemacht und vielleicht auch stärker. Uns ist bewusst geworden, wie wichtig persönliche Treffen im Leben von uns Menschen sind und wie viel uns fehlt, wenn körperliche Nähe nur sehr eingeschränkt gelebt werden kann. Wir haben erlebt wie wertvoll und kostbar unsere Gesundheit ist und wie stärkend Solidarität und Gemeinschaft im Geist und im Gebet sein kann.

Was sich nicht geändert hat – und was sich gemäß dem christlichen Glauben auch nie ändern wird –, ist die Zusage Gottes, dass er der „Immanuel“ der „Gott-mit-uns“ ist, der „Ich-bin-da“. Er ist nicht nur in unsere Welt gekommen, sondern auch geblieben. Und das feiern wir nicht nur an Weihnachten. Gott sei Dank dürfen wir das immer wieder auf vielfältige Weise greifbar in unserem Leben erfahren: Die Gegenwart Gottes ist uns geschenkt, auch wenn wir es nicht immer spüren.

Es lohnt sich zum Jahreswechsel einmal innezuhalten und dem Jahr in Gedanken noch einmal nachzuspüren: Was ist in meinem persönlichen Leben im vergangen Jahr geschehen? Welche schönen Dinge habe ich erlebt? Was bekam ich geschenkt, ohne es zu ahnen? Welche Rückschläge, Niederlagen, Sorgen haben mich getroffen? Wofür bin ich dankbar, und was hat mich wachsen lassen?

Was auch immer passiert. Wir glauben, dass unsere Zeit in Gottes Händen steht, und so legen wir auch das vergangene Jahr, mit allem, was dazugehört, in seine Hände. Mir ist ein Gebet von Antoine de Saint-Exupéry in die Hände gefallen, dass ich gerne mit Ihnen teilen möchte.

Gebet um die Wunder des Alltags

Ich bitte dich nicht um Wunder und Visionen, Herr, sondern um Kraft für den Alltag.
Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.
Mach mich findig und erfinderisch, um im Täglichen vielerlei und allerlei rechtzeitig meine Erkenntnisse und Erfahrungen zu notieren, von denen ich betroffen bin.
Mach mich griffsicher in der richtigen Zeiteinteilung.
Schenke mir das Fingerspitzengefühl, um herauszufinden, was erstrangig und was zweitrangig ist.
Ich bitte dich um Kraft für Zucht und Maß, dass ich nicht durch das Leben rutsche, sondern den Tagesablauf vernünftig einteile, auf Lichtblicke und Höhepunkte achte.
Bewahre mich vor dem naiven Glauben, es müsste im Leben alles glatt gehen. Schenke mir die nüchterne Erkenntnis, dass Schwierigkeiten, Niederlagen, Misserfolge, Rückschläge eine selbstverständliche Zugabe zum Leben sind, durch die wir wachsen und reifen.
Schicke mir im rechten Augenblick jemand, der den Mut hat, mir die Wahrheit in Liebe zu sagen.
Ich möchte dich und die anderen immer aussprechen lassen. Die Wahrheit sagt man nicht sich selbst, sie wird einem gesagt.
Ich weiß, dass sich viele Probleme dadurch lösen, dass man nichts tut. Gib, dass ich warten kann.
Du weißt, wie sehr wir der Freundschaft bedürfen. Gib, dass ich diesem schönsten, schwierigsten, riskantesten und zartesten Geschenk des Lebens gewachsen bin.
Verleih mir die nötige Phantasie, im rechten Augenblick ein Päckchen Güte, mit oder ohne Worte, an der richtigen Stelle abzugeben.
Bewahre mich vor der Angst, ich könnte das Leben versäumen.
Gib mir nicht, was ich wünsche, sondern was ich brauche.
Lehre mich dir Kunst der kleinen Schritte!
(Antoine de Saint-Exupéry)

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen gesegneten Übergang ins Jahr 2021!

(Juliane Schaad, 30.12.2020)

Welt ging verloren, Christ ward geboren!

In seiner Weihnachtspredigt Predigt nimmt Spiritual Dr. Andreas Schmidt drei Sagengestalten der Antike in den Blick, die gerade in der Corona-Zeit unser unerlöstes Lebensgefühl widerspiegeln, und zeigt Wege auf, wie wir uns davon lösen können.

„Freut euch, euch ist der Retter geboren!“ – Gerettet? Wovon, wovor gerettet? Natürlich können wir theologisch antworten: von der Sünde. Damit versteht man aber nicht unbedingt mehr … Oder wenn wir singen: „Welt ging verloren, Christ ward geboren.“ Wieso ist die Welt verloren?

Vor einiger Zeit habe ich eine Karikatur entdeckt, auf der Charlie Brown ein Schild hochhält: „Christus ist die Antwort.“ Im nächsten Bild sieht man Snoopy ebenfalls mit einem Schild: „Und was war die Frage?“ Wir müssen erst der Verlorenheit der Welt – unserer Verlorenheit – auf die Spur kommen, damit Freude über die Rettung – die eigentliche Weihnachtsfreude – aufkommen kann.

Statt theologischer Erklärungen will ich versuchen, einige Helden- und Sagengestalten der Antike zu Hilfe zu nehmen. Sie sind nicht nur Phantasiegestalten, sondern Bilder für unsere Verlorenheit. In ihnen spiegelt sich ein Lebensgefühl der Menschen, das unsere Unerlöstheit und Erlösungsbedürftigkeit zeigt:

Herakles: Er muss zwölf Riesenaufgaben vollbringen – von „Herkulesarbeiten“ sprechen wir heute noch. Erst danach ist er frei zu leben. Er ist ein Bild für die innere Einstellung: „Erst wenn alles erledigt ist, dann darf ich genießen.“ Aber „after the job is before the job“. Wenn das eine erledigt ist, ist schon wieder das nächste zu tun. Ein Leben mit einem dauernden „Erst wenn…“ kann nie das Jetzt auskosten. Es ist nur Mühsal. Das „Leben“, das eigentliche, bleibt in unerreichbarer Zukunft. Auch jetzt können wir uns bei diesem Gedanken ertappen: Wenn Corona erst vorbei ist, dann können wir wieder normal leben, uns am Leben freuen – aber wer weiß, was dann wieder los sein wird…?

Damokles, der Sage nach eingeladen zu einem luxuriösen Festmahl, allerdings schwebt über seinem Kopf ein Schwert, das nur von einem Rosshaar gehalten wird und jederzeit todbringend auf ihn herabfahren kann. Ein Bild für ein Leben mit der inneren Haltung: „Freue dich nicht zu früh. Das dicke Ende kommt noch. Es kann jederzeit etwas Schlimmes passieren.“ Und damit kann ich mich an der Gegenwart, am Leben hier und jetzt, ebenso wenig freuen – selbst wenn ich alles habe, was man sich wünschen kann. Wer weiß, was noch alles kommt an Virusmutationen, an wirtschaftlichen Folgen der aktuellen Krise – mit solchen Nachrichten werden wir momentan dauernd bombardiert. Wenn man sich das alles ausmalt, dann schwebt dauernd ein dunkler, bedrohlicher Schatten über dem Leben, so dass man des Lebens nicht mehr wirklich froh werden kann.

Tantalus hatte von den Göttern folgende Strafe erhalten: Er musste in einem Teich stehen mit frischen Wasser, über seinem Kopf Zweige mit saftigen Früchten. Wenn er sich in seinem Durst aber beugt, um zu trinken, weicht das Wasser; wenn er die Früchte pflücken will, hebt ein Wind sie empor, so dass er sie nicht erreicht. Er steht für das Lebensgefühl: Das Leben, das ich ersehne, steht mir vor Augen. Ich sehe es, medial oder bei anderen – aber ich kann es nicht erreichen. In dem, was ich erlebe, ist immer irgendwie zu wenig. Ich werde nie erreichen, was ich wirklich will, nie Zufriedenheit, Fülle des Lebens erreichen. Auch jetzt wieder: Kontaktbeschränkungen aller Art, so viel fällt aus, ist nicht möglich von dem, was ich mir wünschen und erträumen würde …

Antike Bilder also für Lebensgefühle, die wir auch heute noch sehr gut kennen, und die in der Corona-Situation auf ihre Weise aktuell werden. Vielleicht findet man sich in dem einen Bild mehr, in dem anderen weniger wieder. Aber man spürt: Das betrifft uns. Es beschreibt eine geheimnisvolle Verlorenheit, die über der ganzen Welt, über allen Menschen liegt.

Welt ging verloren, Christ ward geboren! – Freut euch, heute ist euch der Retter geboren! – Kann uns das Kind aus der Krippe aus dieser Verlorenheit retten, die in den antiken Bildern anschaulich wird?

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Weihnachten findet statt, aber anders

Unser erster gemeinsamer Heiligabend war erbärmlich: Wir waren frisch verheiratet und feierten zum ersten Mal den Weihnachtsabend nicht mit unseren Familien, sondern zu zweit allein in der neuen Wohnung. Nach langen Diskussionen über die Gestaltung des Abends wollten wir im Anschluss an die frühe Christmette Fondue essen. Allerdings wurde ich plötzlich krank und musste mich ins Bett legen, sodass meine Frau alleine vor dem mit Liebe zubereiteten Essen saß und auch den ganzen Abend über alleine war.

Eigentlich ein armseliges Fest – und doch waren wir in dieser Armut Jesus besonders nahe. Schließlich kam Er auch in völliger Armut zur Welt – in einer Notunterkunft, einem Stall, weil für die Familie kein Platz mehr war.

Wie viele Menschen müssen jedes Jahr Heiligabend alleine verbringen, ohne Familie oder Angehörige. Und wie viel mehr sind es dieses Jahr aufgrund der Corona-Beschränkungen!

Bei uns in Mannheim wurden vom 4. Advent bis zum 10. Januar alle Gottesdienste abgesagt. Also auch keine Christmette mehr. Wie kann da Weihnachten überhaupt noch stattfinden? Es geht – aber anders. Und vielleicht deshalb besonders intensiv und tiefer erfahrbar.

Auch in den größten Kriegszeiten wurde Weihnachten gefeiert. Gerade in unserer Armut berühren sich Himmel und Erde und erfüllen die Engel den dunklen Stall in uns mit ihrem Licht. Die Menschen werden kreativ und feiern Weihnachten anders:

  • Musiker ziehen durch die Straßen uns spielen Weihnachtslieder, wie es dieses Video zeigt: https://trotzdemlicht.ch/#video
  • Kinder und Theaterleute spielen an ungewöhnlichen Orten Herbergssuche.
  • An Weihnachtszäunen werden Give-aways zum Mitnehmen verschenkt.
  • Vom Balkon herunter singen Menschen Weihnachtslieder.
  • Es gibt Ideen, mit den Kindern zusammen in den Wald zu gehen, die Weihnachtsgeschichte am Lagerfeuer zu hören und das Fondue über dem Feuer zu essen.
  • Wer lieber zuhause feiern möchte, der kann sich über Videokonferenzen digital mit anderen verbinden.
  • Für Hausgottesdienste gibt es mittlerweile unzählige Vorlagen im Netz, zum Beispiel vom Liturgischen Institut: https://www.liturgie.ch/praxis/gottesdienst-corona/advent-weihnachten/1793-weihnachten-hausgebet-digital.
  • Wer selbst Weihnachtslieder singen möchte, findet im Internet Texte, Noten mit Gitarrengriffen und Musikdateien zum Mitsingen, zum Beispiel in der Liederkiste: https://www.liederkiste.com/index.php?c=weihnachtslieder&l=de

Die Beispiele zeigen, dass Weihnachten nicht von den äußeren Umständen, sondern von unserer inneren Bereitschaft abhängt. Zum Glück gibt es keinen Lockdown der Seelen. Das berührende Weihnachtsvideo von Edeka zeigt, wie Menschen auch in Corona-Zeiten zusammenhalten: https://www.youtube.com/watch?v=Sjo5ue9ZTuw

(Johannes Lerch, 20.12.2020)

Täglich 10 Minuten Stille schenken

Angesichts der aktuellen Herausforderungen durch die Corona-Pandemie und die schwierigen gesellschaftlichen Entwicklungen hat die Akademie für Dialog und Evangelisation in Wien einen schönen Lösungsansatz entwickelt, an dem jede und jeder mitwirken kann. Er ist einfach und herausfordernd zugleich: Schenk dir und anderen täglich 10 Minuten Stille!

Du beginnst einfach damit, nachzudenken, wofür du gerade dankbar bist. Danach kannst du all denjenigen, die es schwer haben, von Herzen Gutes wünschen. Ob du nun gläubig bist oder nicht, jede und jeder kann mitmachen: entweder mit deinen wohlwollenden und positiven Gedanken oder direkt an Gott gerichtet – mit deinem Dank oder einer Bitte für Menschen, die Hilfe brauchen. Ob so oder so, in jedem Fall wird es unser Denken und unser Handeln inspirieren und neu beleben und uns trotz aller Distanzen miteinander verbinden.

Ohne echtes Innehalten gibt es nämlich keine Hoffnung für einen neuen Zusammenhalt und eine großherzige Solidarität, die heute so dringend gebraucht werden. Ganz begeistert von dem ungewöhnlichen Aufruf ist Philippe Pozzo di Borgo, der Welterfolgs-Autor von „Ziemlich beste Freunde“. Sein verfilmtes Schicksal als schwer Gelähmter nach einem  Paragleiter-Unfall und seine Freundschaft mit dem unprofessionellen Pfleger Driss bewegten weltweit viele Menschen. Nicht alle könnten gleich „Ziemlich beste Freunde“ werden, aber unsere zerrissene Gesellschaft könne sich nur erneuern, so Philippe, „wenn wir im Anderen seine Vielschichtigkeit, Zerbrechlichkeit und sein Ruf nach Würde“ neu entdeckten. Das „Virus der Hoffnung“ wachse erst in der „bewohnten Stille“, wo wir nämlich unseren „inneren Reichtum“ fänden.
 
Die Resonanz auf die ersten Einladungen an Menschen unterschiedlichster Weltanschauungen und politischer Richtungen ist gewaltig. Dass nun Stille wie ein geheimes Heilmittel wirkt, scheint nicht nur Bischöfe wie Hermann Glettler und Kardinal Christoph Schönborn zu überzeugen, auch Schauspielerin Maria Happel oder Kollege Cornelius Obonya, ORF-TV-Moderatorin Barbara Stöckl, der Psychiater Michael Lehofer und der Genetiker Markus Hengstschläger haben sich bereits der Aktion angeschlossen.

Wer mitmachen möchte, kann sich auf der Website oder über Facebook eintragen und sich von vielen konkreten Beispielen inspirieren lassen: www.stilleschenken.com
 
(Otto Neubauer, 03.12.2020)

Hausgebet im Advent

In der zweiten Corona-Welle kommen die Einschläge allmählich näher. Immer öfter erleben wir, dass sich ein Bekannter oder Verwandter mit dem Corona-Virus infiziert hat. Immer mehr Menschen müssen in häusliche Quarantäne. Immer ungeduldiger warten viele auf die Fertigstellung eines Impfstoffes gegen Covid 19 und hoffen damit auf ein baldiges Ende der Beschränkungen.

Ungeduld und Hoffnung sind auch zentrale Begriffe in der Adventszeit. Kleine Kinder warten ungeduldig auf das Weihnachtsfest und hoffen auf die Erfüllung ihrer Geschenkwünsche. Christen erwarten, dass Gott wieder spürbar wird in dieser Welt und sehnen sich nach seiner Nähe, die sich in der Geburt Jesu in Bethlehem erfüllt.

Für alle, die in diesen Tagen keine Advents-Gottesdienste besuchen können, gibt es nicht nur unzählige Streaming-Gottesdienste, sondern auch – zum Beispiel von der Diözese Regensburg – eine schöne Vorlage für Hausgebete im Advent (siehe Download unten).

Der Advent erinnert uns daran, dass Gott bereits mitten in unserem Alltag da ist. Wir sind eingeladen, uns aufzumachen und neu auf den Herrn auszurichten, ihm alles hinzuhalten, was uns belastet und schmerzt, was wir nicht verstehen, gerade auch die ganzen Corona-Plagen. Dabei dürfen wir unserer Sehnsucht nach Gottes Gegenwart und Beistand nachspüren und alle unsere Erwartungen auf ihn ausrichten. Die Texte und Lieder der Hausgebete im Advent können uns dabei helfen.

(Johannes Lerch 26.11.2020)

Ein Brief: Brot und Rosen

Wenn ich an den 19.11. zurückdenke, fällt mir ein, dass es der Gedenktag der Heiligen Elisabeth von Thüringen ist. Sie verbinden wir mit der Legende vom Brot und den Rosen:
Elisabeth war eine Königstochter, und der Landgraf von Thüringen war ihr Gemahl. Doch das Herz der heiligen Elisabeth gehörte den Armen. Sie konnte es nicht ertragen, auf der Wartburg in Saus und Braus zu leben, während im Land ringsum sehr viele Menschen Hunger leiden mussten. Darum stieg sie täglich von Wartburg hinab zu den Scharen der Bettler und teilte mit milder Hand aus, was sie zum Leben brauchten. Der Ruf ihrer Barmherzigkeit und Milde verbreitete sich im ganzen Land. Landgraf Ludwig ließ seine Frau zunächst gewähren. Doch sah er es nicht gerne, dass Elisabeth in eigener Person zu armen und verkommenen Leuten ging und sogar die Berührung mit Kranken nicht scheute. Als er sie wieder einmal mit ihrem Gabenkorb auf dem Weg von der Burg traf, hielt er sein Pferd an und fragte sie: „Was tragt Ihr da in Eurem Korbe?“ Elisabeth wollte ihren Gemahl nicht betrüben und doch auch ihre Christenpflicht nicht versäumen. In ihrer Not stammelte sie verwirrt: „Es sind Rosen, Herr“. Da riss der Landgraf zornig die Decke vom Korb. Sein Grimm verwandelte sich in Staunen und Bestürzung. Der Korb der Landgräfin Elisabeth war voller Rosen. Von diesem Tag an ließ Landgraf Ludwig seine Frau schalten und walten, wie ihr liebendes Herz ihr eingab.*

Und was hat das mit Heute zu tun?

Brot und Rosen – dass wir Brot, sinnbildlich für Nahrung jeder Art, zum Leben brauchen, das ist uns allen grundsätzlich mal bewusst. Dass wir als Christen von Jesus her den Auftrag haben, Menschen zu helfen, das tägliche Brot zum Leben zu haben, ist uns nicht neu. Und dennoch ist es immer wieder gut, sich bewusst zu machen, was das für mich persönlich heißen kann. Neben dem Blick auf die Welt, der in Corona-Zeiten wichtiger bleibt als zuvor, gibt es im Moment für viele von uns die Gelegenheit, ganz konkret in der Nachbarschaft oder dem Freundeskreis für das „tägliche Brot“ zu sorgen. Ganz einfach, weil derzeit viele Menschen in unserem Land zeitweise in Quarantäne leben müssen. Da wird bewusst, was nötig ist zum Leben, wenn man nicht jederzeit raus ins nächste Geschäft gehen kann. In einem solchen Zusammenhang hatte ich ein Erlebnis, das mir gezeigt hat, wie wichtig nicht nur das Brot, die Butter, das Gemüse oder vielleicht auch das Stück Schokolade ist, sondern ganz konkret eine Rose. Ich habe eine Tüte zusammengepackt für zwei Menschen in meinem Umfeld, die zu der Zeit in Quarantäne waren, und neben den bestellten Lebensmitteln und einer kleinen Laterne auch eine Rose gesteckt, aus einem Strauß, den ich mir selbst als „Mutmacher“ gekauft hatte. Hinterher habe ich ein Foto geschickt bekommen von den Beiden an einem gedeckten Tisch mit Sahne auf dem Obst, der leuchtenden Laterne und der Rose, mit der sie es sich schön gemacht hatten.

Klein und schön!

Da wurde mir bewusst, wie wichtig die kleinen, schönen Dinge und Zeichen sind, auch über das absolut körperlich Lebensnotwendige hinaus. Gerade, wenn wir alle besonders gefordert sind, ist es gut, wenn wir auf uns selbst und aufeinander achten und hin und wieder an die Rose extra denken – für andere und natürlich auch für uns selbst.

Gottes Segen für Sie alle und nachträglich einen herzlichen Glückwunsch an alle, die Elisabeth heißen zum Namenstag!

*(Quelle: Diese Legendenfassung findet sich auf http://www.bistum-fulda.de und wurde leicht verändert übernommen aus EXODUS 4. Religionsunterricht 4. Schuljahr. Lehrerkommentar. Neuausgabe. Düsseldorf / München 1987, 159.)

(Juliane Schaad, 19.11.2020)

Gebet in Corona-Zeiten
Dich rufen wir an,
heilige Elisabeth,
zu Dir schreien wir
in unserer Not.
Du hast die Ärmsten,
die Kranken, die Schwachen
besucht und ihnen geholfen.
Stark im Glauben und ohne Angst
bist du zu ihnen gegangen,
hast sie getröstet,
hast ihnen Nahrung gebracht
und allen Gefahren getrotzt.
Trage unsere Gebete zu Gott,
heilige Elisabeth,
stärke uns und unseren Glauben,
lass uns nicht in Angst erstarren,
sondern gib uns die Kraft und den Mut,
dort zu sein, wo wir jetzt gebraucht werden. Amen.

(Theresia Bongarth, in: Pfarrbriefservice.de)

Corona-Witze

Lachen ist gesund. Lachen ist die beste Medizin. Lachen entspannt, und Entspannung können wir gerade alle gut gebrauchen. Wir wollen den Ernst der Lage keinesfalls schmälern und nicht ins Lächerliche ziehen. Die folgende Auswahl an Corona-Witzen soll uns vielmehr ein Schmunzeln auf die Lippen zaubern, um uns – wenn vielleicht auch nur für einen Augenblick – vom Ernst der Lage abzulenken. Schwierige Situation können wir mit Lachen kreativ bewältigen – vielleicht ein Ventil für so manchen Stress.

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Es ist doch ganz einfach: Wenn die Waage drei Tage eine Inzidenz unter 100 anzeigt, sind wieder Öffnungen des Kühlschranks nach 21 uhr erlaubt.

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Unser Mitgefühl gilt allen verheirateten Männern, die ihrer Frau mal gesagt haben: ‚Ich mache es, wenn ich mal Zeit habe!

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Früher bin ich einfach nur so rumgesessen, heute rette ich dadurch Leben!

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Liebe Mitbürger, dass Sie in Quarantänezeiten mit ihren Haustieren reden, ist völlig normal. Deswegen müssen Sie sich nicht bei uns melden. Eine fachliche Hilfe sollten Sie erst aufsuchen, wenn diese Ihnen anfangen zu antworten!
Besten Dank, Ihre überlasteten Psychiater und Psychotherapeuten.

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Deine Großeltern wurden aufgerufen, in den Krieg zu ziehen.
Du wirst aufgerufen, auf der Couch zu bleiben. Du schaffst das! 

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Hallo Schatz, sitze mit den Jungs in der Kneipe. Hier hat einer gehustet und jetzt ist alles hier abgeriegelt. Komme dann in 14 Tagen nach Hause. Macht Euch keine Sorgen, mir geht es gut.

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Heute kamen zwei Leute mit Atemschutzmasken zur Post. Sofort entstand Panik. Gott sei Dank war es nur ein Überfall, so haben wir uns alle schnell beruhigt.

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Textaufgabe (Immunologische Mengenlehre):  Schwester Uschi hatte 24 Ampullen Impfstoff. Mit 18 davon hat sie die Bewohner eines Pflegeheims immunisiert. Jede Ampulle enthält Material für fünf Impfungen. Das reicht für sechs Impfungen. Jeder Impfling muss zum Zeitpunkt X eine zweite Dosis bekommen. 1,3 Milliarden Dosen sollen 2021 produziert werden, davon 250 Millionen bis Sommer in der 77 000-Einwohner-Stadt Marburg. 30 bis 90 Prozent der Pfleger wollen sich impfen lassen. 300 Millionen weitere Dosen sind bestellt, 200 „fest“, 75 Millionen bis Juli. Wann endet die Pandemie?
(Quelle: FAZ vom 9.1.2021)

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Jetzt wird gesagt, man könnte an Weihnachten mit 10 Leuten ohne Probleme feiern. Aber wer kennt schon 10 Leute ohne Probleme?

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Das einzige, was am heutigen Tag positiv war, ist mein Corona-Test.

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„Warum hast du denn schon am 1. Dezember alle Türchen
an deinem Adventskalender geöffnet?“
Antwort: „Stoßlüften wegen Corona!“

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Chuck Norris hatte Kontakt mit dem Corona-Virus!
Der Corona-Virus muss jetzt für 14 Tage in Quarantäne.

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Ein Kranker ruft die Corona-Zentrale an. Corona-Zentrale:
„Bitte wählen Sie die 1 wenn Sie an Corona erkrankt sind.“
Der Kranke wählt die 1.
Daraufhin die Zentrale: „Sie werden in den nächsten 14 Tagen mit einem freien Mitarbeiter verbunden … legen Sie nicht auf.“

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Sagt gerade ein Virologe im Fernsehen:
„Die beste Waffe im Krieg gegen den Corona-Virus ist der gesunde Menschenverstand!“ … Wir sind verloren! Die meisten von uns sind unbewaffnet!

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Ich habe meiner Nachbarin in der Corona-Krise Hilfe beim Einkaufen angeboten. Sie gab mir ihren Einkaufszettel. Da habe ich alle Rechtschreibfehler korrigiert und ihr den Zettel zurück gegeben. Jetzt dürfte sie keine Probleme mehr haben, die Sachen zu besorgen.

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Ich wollte einen Witz über den Corona-Virus machen.
Aber: Lachen ist ansteckend, darum lass ich es sein.

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Wenn wir dann eines Tages auf die Corona-Zeit zurückblicken, werden wir uns lachend in den Armen liegen und sagen: „Das waren vielleicht verrückte zwölf Jahre!“

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Meine Großmutter ist ganz vernarrt in ihre Singgruppe. Sie hat den Chor-Oma-Virus.
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Unsere Familie bildet sich jetzt in der Corona-Zeit weiter: Meine Schwester macht einen Französisch-Kurs, meine Mutter einen Kochkurs und mein Vater macht Konkurs!

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Es hieß, wir sollten mindestens eineinhalb Meter Abstand voneinander halten. Ich habe sogar 5 Meter Abstand gehalten und muss trotzdem eine hohe Strafe zahlen.
Auf der Autobahn gelten wohl andere Regeln …

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Gegen den Corona-Virus isst man am besten zwei Knoblauchzehen täglich. Das hilft zwar nicht direkt gegen den Virus, sorgt aber für einen ausreichenden Mindestabstand.

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Also wenn der ganze Corona-Stress endlich vorbei ist,
gönn ich mir erstmal ein paar schöne Tage Zuhause auf der Couch!

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Ich kann mich nicht entscheiden, wo ich dieses Jahr die Weihnachtsferien verbringen soll: Im Schlafzimmer oder im Wohnzimmer.

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Die Kriminalpolizei rät: Seien Sie achtsam und schließen Sie alle Wertsachen ein:
Geldbörse, Handy, Schmuck oder Klopapierrollen.

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Was sagst du? Corona macht doof und gleichgültig?
Keine Ahnung, ist mir auch egal.

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(Johannes Lerch, 22.11.2020)

Anderen in der Quarantäne Freude machen

Immer häufiger kommt es vor, dass Menschen aus meinem Bekanntenkreis in Quarantäne müssen. Sie dürfen ihren Wohnbereich nicht mehr verlassen und sind auf Unterstützung angewiesen. Wie können wir da helfen?

Kleine Überraschungen sorgen auf beiden Seiten für große Freude. An erster Stelle rangiert oft das Angebot, den notwendigen Einkauf zu übernehmen. Darüber hinaus kann man morgens frische Brötchen an die Wohnungstür hängen, einen knackigen Salat vom Markt mitbringen oder einen Obstkorb zusammenstellen. Dazu vielleicht Vitaminsäfte, einen Energy-Drink oder eine gute Flasche Wein. Auch ein frisch gebackener Kuchen oder ein kleiner Blumenstrauß sind ein liebevolles Zeichen, das die Seele erfreut.

Es müssen aber nicht nur Lebensmittel sein. Die Lieblingsserie auf DVD hilft, wenn keine gute Internetverbindung zum Streamen von Filmen vorhanden ist. Zum Umbauen des Esstisches in eine Tischtennisplatte kann man Schläger und Netz besorgen oder ausleihen. So kommt auch die Bewegung in den eigenen vier Wänden nicht zu kurz. Ich selbst würde mich über ein neues 1.000-Puzzle freuen oder ein Geduldspiel.

Und natürlich gehören Bücher zu den willkommenen Geschenken, denn selten hat man so viel Zeit zum Lesen. Was liest der Eingeschlossene am liebsten oder welche Gedanken aus einem selbst gelesenen Buch würde ich gerne mit ihm teilen? Da kann man dann auch später gut anknüpfen und im Austausch die Freundschaft vertiefen.

Freudenmacher nach Old-School-Art sind zum Beispiel Postkarten oder Briefe. Wann haben wir zuletzt mal etwas per Hand geschrieben und per Post versendet? Kinder können vielleicht selbstgemalte Bilder mitschicken oder mit ihren ersten Schreibversuchen große Freude bereiten.

Wer dagegen viel mit dem Handy unterweg ist, der freut sich auch über Chat-Nachrichten, kleine Filmtipps per SMS oder einen Videogruß aus der Nachbarschaft, Verwandtschaft oder von Kollegen aus dem Büro.

Egal was wir schenken, anbieten oder zusenden. Wichtig ist, in Kontakt zu bleiben, immer wieder neu unsere Hilfe anzubieten und zu signalisieren: Wir haben dich nicht vergessen, denken an dich und halten in diesen herausfordernden Zeiten zusammen!

(Johannes Lerch 19.11.2020)