Mit Maske zum Hoffnungsträger werden

Am Mannheimer Stephanienufer wurde auch der Statue von Stephanie de Beauharnais, Adoptivtochter von Napoléon Bonaparte und Großherzogin von Baden, ein Mundschutz angezogen.

Jetzt ist sie also da, die Maskenpflicht. Alle Bundesländer haben inzwischen das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes in Teilen des öffentlichen Raums zur Pflicht gemacht, um die weitere Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen.

Was bisher als Zeichen der Abschottung galt, wird jetzt gesetzlich vorgeschrieben. Was verbinden wir mit einer Maske? Wer sich eine Maske aufsetzt, will normalerweise unerkannt bleiben, sich verstecken oder andere täuschen. Er zeigt nicht sein wahres Gesicht. Maskierte Männer assoziieren wir mit Banküberfällen, vermummte Menschen mit ausfälligen Demonstrationen.

Bei mittelalterlichen Turnieren kämpften die Ritter in der Regel mit heruntergeklapptem Visier – nur wer Mut hatte und ehrenvoll war, kämpfte mit offenem Visier und gab sich dem Gegner zu erkennen. Bei Fastnacht oder Karneval kann der Maskenträger für eine Zeitlang eine andere Rolle spielen und unerkannt Schabernack treiben. Doch am Aschermittwoch fallen die Masken, und wir legen unsere Rollen ab. Denn es folgt die Zeit des Fastens, um das Antlitz von „Gottes Ebenbild“ wieder ins Licht des Glaubens zu rücken.

Bei uns zu Hause laufen die Nähmaschinen heiß, bis für alle Familienmitglieder passende Schutzmasken gefertigt sind. Zum Glück gibt es ja in allen Medien genügend Anleitungen. Mittlerweile ist auch ein Wettbewerb entbrannt, wer die schönste Maske hat. Man kann durch das neue modische Kleidungsstück auch Botschaften transportieren, noch auffälliger wie über T-Shirts: Ministerpräsidenten tragen eine Maske in den Landesfarben oder mit Landeswappen. Fußballfans finden Masken im Vereins-Look.

Auch christliche Motive habe ich schon entdeckt: Ein katholischer Pfarrer trägt einen Mundschutz mit dem Motiv des Guten Hirten.  Ein evangelischer Landesbischof hat das Ulmer Münster direkt vor der Nase. Ein amerikanischer Gesichtsmasken-Schal „Gott liebt dich“ trägt die Aufschrift „If You Are Reading This, God Loves You. But You Are Too Close.“ Über den Hashtag #maskeauf kann jeder ein Bild seiner selbstgemachten Kreationen zur Schau stellen. „Das wird der sinnvollste Modetrend aller Zeiten“, heißt es auf der Website www.maskeauf.de.

Doch in der Öffentlichkeit eine Maske zu tragen ist ungewohnt und mir anfangs schwer gefallen. Das Atmen wird deutlich beschwerlicher. Wie schön ist es, wenn man frei und tief Luft holen kann. Aber ich kann diese Beschränkung auch ganz bewusst auf mich nehmen und die Maske als Zeichen der Hoffnung tragen. Denn ich  nehme damit Rücksicht auf die anderen und schütze sie vor einer Ansteckung. Ist das nicht ein Zeichen der Nächstenliebe?

Mit dem Tragen einer Maske, die bisher als Symbol der Abschottung galt, kann ich so zum Hoffnungsträger für einen Sieg gegen die Seuche werden.

Johannes Lerch, 03.05.2020

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