Fastenzeit

Es gibt viele Möglichkeiten, in den vierzig Tagen vor Ostern zu fasten. Man kann zum Beispiel Konsum reduzieren, Ballast abwerfen, bewusst Gutes tun, um sich einfach wieder neu auszurichten.

Ich habe mir dieses Jahr vorgenommen, zwei Tage pro Woche wirklich auf Nahrung zu verzichten. Die dadurch gewonnene Zeit lässt sich sinnvoll nutzen, zum Beispiel zum Lesen oder Beten.

Ein weiterer Nebeneffekt ist, dass ich üben kann, mich nicht von meinen Gefühlen beherrschen zu lassen. Hunger macht mich, sagen wir mal, unausgeglichen und ich übe, trotzdem erträglich für meine Mitmenschen zu sein.

Dieses Jahr hat die Fastenzeit aber eine ganz neue Dimension. Wir müssen unfreiwillig auf sehr vieles verzichten: den Eiscafébesuch zur Begrüßung der ersten Sonnenstrahlen, den Abend mit Freunden, Besuche und Erledigungen hier und da, Hobbies, Umarmungen, …

Was bis vor kurzem ganz normal war, ist plötzlich weg. Schon jetzt, nach wenigen Tagen, vermisse ich meine Freiheit und den persönlichen Kontakt zu den Menschen um mich herum.

Von morgens bis abends werde ich im Moment mit Dingen konfrontiert, die ich normalerweise ganz selbstverständlich tun kann ohne darüber nachzudenken. Ich nehme sie jetzt wahr, weil sie plötzlich nicht machbar sind.

Das ist lästig, aber ich spüre auch: Ich habe es gut. Sogar hier und jetzt.

Diese Fastenzeit dauert möglicherweise länger als sonst.

Umso mehr freue ich mich schon darauf, jemandem (außerhalb der Familie) die Hand zu geben, ins Theater zu gehen, an einer Sitzung teilzunehmen, eigentlich sogar mit den Kindern für den Schulbesuch früher aufzustehen.

Bis dahin sammle ich Gründe, dankbar zu sein.

Alexandra Gottwick, 17.03.2020

Eine Antwort auf „Fastenzeit“

  1. In ihrer heutigen Minikatechese „Corona und die biblischen Plagen“ spricht Nina Heeremann davon, dass Gott die ganze Welt in die Fastenzeit und in eine Wüste geführt hat und fordert uns auf die Wüste anzunehmen und Gott zu erlauben, zu uns zu reden.

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