Mit Gottvertrauen ins neue Jahr

„Mit Gott-Vertrauen das Neue Jahr beginnen!“ Unter diesem Motto laden die österreichischen Bischöfe ab 1. Januar zu einem 9-Tage-Gebet während des Corona-Lockdowns ein. Eine solche „Novene“ wird zu besonderen Anlässen und in Krisenzeiten gebetet, um Gottes Hilfe zu erbitten und im Glauben zu wachsen.

Das aktuelle 9-Tages-Gebet in Zeiten der Pandemie beginnt am 1. Januar, dem kirchlichen Hochfest der Gottesmutter Maria, an dem Tag, an dem die katholische Kirche auch den Weltfriedenstag begeht, und dauert bis zum 9. Januar. Die Texte für diese österreichweite Gebetsinitiative werden von der Österreichischen Bischofskonferenz herausgegeben.

Mit der Novene wollen die Bischöfe „eine geistliche Spur ins Neue Jahr hinein legen“, erklärte der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler, der federführend bei der Auswahl der Gebete und der Gestaltung der Handreichung war.

Für jeden der neun Tage gibt es ein eigenes Gebetsmotto, einen Bibeltext und einen Meditationstext. Am Ende steht das eigens für die Novene verfasste Gebet zum Jahresbeginn.

Im Beten sind wir in den neun Tagen verbunden und können so die Zeit, bis reale Treffen wieder möglich sind, geistlich nutzen. Außerdem machen wir uns die Anliegen der Novene zu eigen und beten für das neue Jahr.

Noch ein Hinweis: Wem die angebotenen Vorschläge für jeden Tag zu viel sind, kann die Novene auf seine Bedürfnisse anpassen (zum Beispiel die Texte auf den Morgen und den Abend verteilen). Wichtig ist, jeden Tag das Anliegen der Novene aufzunehmen.

Euch allen ein gesegnetes neues Jahr!

(Ludger Fest, 01.01.2021)

Durch verschlossene Tür zu den verängstigten Menschen

Immer wieder sind die Texte von Papst Franziskus für mich Inspiration und Anlass, tiefer zu schauen.

So auch sein Brief, den er dieses Jahr an die Priester in der Diözese Rom geschrieben hat. Darin beschäftigt er sich mit der Bibelstelle Johannes 20,19-22, in der Jesus durch die verschlossenen Türen zu den verängstigten Jüngern kommt, ihnen den Heiligen Geist schenkt und sie aussendet.

Daraus möchte ich ein paar Gedanken mit Euch teilen, weil sie gut zu unserer derzeitigen Corona-Situation passen.

„Obwohl es notwendig war, die soziale Distanzierung einzuhalten, hat dies nicht verhindert, dass sich das Gefühl der Zusammengehörigkeit, der Gemeinschaft und der Mission verstärkte, was uns geholfen hat, dafür zu sorgen, dass die Liebe, vor allem gegenüber den am meisten benachteiligten Menschen und Gemeinschaften, nicht unter Quarantäne gestellt wurde.“

„Die Hoffnung hängt auch von uns ab und erfordert, dass wir einander helfen, damit sie lebendig und aktiv bleibt, jene ansteckende Hoffnung, die in der Begegnung mit den anderen gepflegt und gestärkt wird und die uns als Geschenk und Aufgabe gegeben ist, um die neue »Normalität« aufzubauen, nach der wir uns so sehr sehnen. Ich schreibe euch mit dem Blick auf die erste Gemeinschaft der Apostel, die ebenfalls Momente des Eingeschlossenseins, der Isolierung, der Angst und Unsicherheit durchgemacht hat.“

„Wir haben den plötzlichen Verlust von Familienangehörigen, Nachbarn, Freunden, Gemeindemitgliedern, Beichtvätern, Orientierungspunkten unseres Glaubens, erlitten. Wir haben die untröstlichen Gesichter derjenigen gesehen, die ihren Angehörigen in den letzten Stunden nicht nahe sein durften und sich nicht von ihnen verabschieden konnten. Wir haben das Leid und die Ohnmacht des Krankenhauspersonals gesehen, Ärzte und Pflegekräfte, die sich in nicht enden wollenden Arbeitstagen aufrieben, um die zahllosen Hilferufe zu beantworten.“

„Wir haben die Schwierigkeiten und Nöte der sozialen Einschränkungen gesehen und von ihnen gehört: Einsamkeit und Isolierung vor allem der alten Menschen; Sorge, Angst und das Gefühl der Schutzlosigkeit gegenüber der Unsicherheit in Bezug auf Arbeit und Wohnung; Gewalt und Zermürbung in den Beziehungen. Die uralte Angst vor der Ansteckung hat wieder zugeschlagen. Wir haben auch die beklemmenden Sorgen ganzer Familien geteilt, die nicht wissen, was in der nächsten Woche auf den Tisch kommen soll.“

„Die Merkmale des Virus bringen die Logik zum Verschwinden, nach der wir gewöhnlich die Realität aufgeteilt oder klassifiziert haben. Die Pandemie kennt keine Adjektive, Grenzen und niemand darf meinen, allein zurechtzukommen. Wir sind alle betroffen und beteiligt.“

„Persönlich und gemeinschaftlich gefährdet und getroffen in unserer Verwundbarkeit und Schwäche sowie in unseren Grenzen, ist die Gefahr groß, dass wir uns zurückziehen und weiter über die Trostlosigkeit nachgrübeln, die die Pandemie uns vor Augen stellt, oder dass wir uns auf einen grenzenlosen Optimismus versteifen, der unfähig ist, die reale Dimension der Ereignisse zu akzeptieren.“

„Als der Herr bei verschlossenen Türen in das Obergemach trat, mitten in Isolierung, Angst und Unsicherheit, in der sie lebten, war er in der Lage, jede Logik zu verwandeln und der Geschichte und den Ereignissen eine neue Bedeutung zu verleihen. Jede Zeit ist geeignet, Frieden zu verkünden, keine Situation ist seiner Gnade beraubt … Durch seine Gegenwart ist das Eingeschlossen-Sein fruchtbar geworden und hat der neuen Gemeinschaft der Apostel Leben geschenkt.“

„Wenn eine nicht fassbare Präsenz (das Virus) in der Lage war, die Prioritäten und eine scheinbar unverrückbare globale Agenda … durcheinanderzubringen und auf den Kopf zu stellen, dann wollen wir keine Angst haben, dass die Gegenwart des Auferstandenen uns den Weg bahnt, neue Horizonte eröffnet und uns den Mut gibt, diesen historischen und einzigartigen Augenblick zu leben.“

„Eine Handvoll furchtsamer Männer war in der Lage, eine neue Bewegung ins Leben zu rufen: die Verkündigung des lebendigen Gottes-mit-uns. Habt keine Angst!“

„Von seiner Seitenwunde her, Zeichen dafür, wie hart und ungerecht die Realität wird, möge er es sein, der uns drängt, der harten, schwierigen Realität unserer Brüder und Schwestern nicht den Rücken zu kehren.“

„Der Herr ist derjenige, der uns verwandelt, der sich unser bedient wie des Brotes, der unser Leben in seine Hände nimmt, uns segnet, uns bricht, uns austeilt und seinem Volk gibt.“

Den vollständigen Text, den ich Euch sehr ans Herz lege, findet Ihr unter diesem Link: http://www.vatican.va/content/francesco/de/letters/2020/documents/papa-francesco_20200531_lettera-sacerdoti.html

(Ludger Fest und Johannes Lerch 09.08.2020)

Trotzdem Ja zum Leben sagen

Während des Lockdowns ab Mitte März habe ich ein Buch von Viktor E. Frankl, dem Begründer der Logotherapie , gelesen. In diesem beschreibt er seine Zeit im Konzentrationslager. Trotz dieses schweren Themas ist sein Buch „Trotzdem Ja zum Leben sagen“ von einem optimistischen Ton getragen.

Auch wenn unsere Zeit nicht mit der Situation vergleichbar ist, die Frankl durchlebt hat, so bleiben mir doch seine Lehren, die er aus dieser Zeit gezogen hat und die ich mit Euch teilen möchte, im Gedächtnis. Ich finde, sie können für uns gute Orientierungspunkte sein, um durch diese Wochen und die Nach-Corona-Zeit zu kommen.

Hier nun ein paar seiner Erfahrungen/Gedanken:

  • Jeder Mensch hat in jeder Lage die Freiheit, sich zu den ihn umgebenden Verhältnissen so oder so einzustellen. Wichtig ist die innere Einstellung zu den Dingen.
  • Die geistige Freiheit des Menschen lässt ihn die Gelegenheit finden, sein Leben sinnvoll zu gestalten – auch im Leiden.
  • Wer keinen inneren Halt hat, lässt sich geistig und menschlich fallen und verfällt den äußeren Einflüssen. Wer einen inneren Halt hat, kann sich dagegen wehren.
  • Wer das Warum des eigenen Lebens und sein Lebensziel kennt, kann das Wie der gegenwärtigen Lage ertragen und ist ihr gewachsen.
  • „Leben heißt also: Verantwortung tragen für die rechte Beantwortung der Lebensfragen, für die Erfüllung der Aufgaben, die jedem Einzelnen das Leben stellt und für die Erfüllung der Forderung der jeweiligen Stunde.“
  • Diese Forderung und damit der Sinn des Lebens ist von Mensch zu Mensch und von Augenblick zu Augenblick verschieden und jeweils sehr konkret.
  • Jeder Mensch steht mit seinem auch leidvollen Schicksal im ganzen Kosmos einmalig und einzigartig da. Darin wie er oder sie als Betroffene(r) das Leid trägt, liegt die einmalige Möglichkeit zu einer einzigartigen Leistung. Diese Sicht der Dinge kann vor Verzweiflung retten.

Soweit Frankls Gedanken.

Vielleicht können gerade dann, wenn wir in diesen Zeiten neu nach dem Sinn unseres Lebens und speziell dieser besonderen Wochen und Monate fragen, diese Impulse für unser Leben fruchtbar werden.

Ludger Fest, 23.05.2020

Mit Jona in der Quarantäne

In diesen außergewöhnlichen Zeiten kommt mir immer wieder das Buch Jona aus dem Alten Testament in den Sinn, genauer gesagt die Szene, in der der Prophet Jona drei Tage im Bauch eines großen Fisches verbringt.

Ich frage mich, ob wir nicht alle gerade auch im „Bauch des Fisches“ leben, weil wir auf uns und unsere engste Umgebung zurückgeworfen sind.

Jona landete im Fisch, weil er vor dem Auftrag, den Gott ihm gegeben hat, davongelaufen ist.

Wie steht es mit mir, mit uns? Kennen wir unsere Aufgabe(n)? Kennen wir den Willen Gottes für unser Leben, für die jetzige Situation? Laufen wir vielleicht vor unserem Auftrag davon und suchen uns andere Dinge, um das, was Gott von uns möchte, nicht tun zu müssen? Sind wir bereit, unser Leben gegebenenfalls zu ändern und neu auszurichten?

Es wäre doch spannend, sich mit diesen und ähnlichen Fragen in dieser Zeit auseinandersetzen.

Jona kapierte jedenfalls, wie es weitergehen soll, nachdem der Fisch ihn wieder ausgespien hat, und er führte seine Aufgabe sehr erfolgreich aus. Warum er trotzdem nicht zufrieden war, könnt Ihr selbst im wirklich sehr kurzen Buch Jona nachlesen. Nur so viel sei verraten: Die Geschichte hat einen überraschenden Ausgang.

Und nun: Nutzen wir die vielfach geschenkte Zeit, um wie Jona zu lernen?

Ludger Fest, 15.04.2020

Lied der Hoffnung und des Vertrauens

Eines der Lieblingslieder, die unsere ganze Familie gerne hört, ist „Oceans“ der australischen Band „Hillsong United“. In ihm wird die Bibelstelle (Matthäus 14,22-33) aufgenommen, in der Petrus aus dem Boot, das in stürmische See geraten ist, aussteigt und über das Wasser auf Jesus zuläuft. Bekanntermaßen fängt er an zu sinken, als er den Blickkontakt zu Jesus verliert und nur noch die Gefahren sieht. Jesus rettet ihn dann aus dieser Not.

Ich finde, das passt hervorragend zu diesen außergewöhnlichen Zeiten. Deshalb möchte ich mit Euch diesen Text teilen und hoffe, dass er viele von Euch stärkt.

Wer mag, kann sich eine der vielen verschiedenen Versionen anschauen, die es im Internet von diesem Lied gibt, zum Beispiel das YouTube-Video oben.

„Oceans“ Songtext

You call me out upon the waters
The great unknown where feet may fail
And there I find You in the mystery
In oceans deep
My faith will stand and I will call upon your name

and keep my eyes upon the waves
when oceans rise my soul rest in your inbrase

And I will call upon Your name
And keep my eyes above the waves
When oceans rise
My soul will rest in Your embrace
For I am Yours and You are mine

Your grace abounds in deepest waters
Your sovereign hand
Will be my guide
Where feet may fail and fear surrounds me
You’ve never failed and You won’t start now


So I will call upon Your name
And keep my eyes above the waves
When oceans rise
My soul will rest in Your embrace
For I am Yours and You are mine

Spirit lead me where my trust is without borders
Let me walk upon the waters
Wherever You would call me
Take me deeper than my feet could ever wander
And my faith will be made stronger
In the presence of my Savior

I will call upon Your Name
Keep my eyes above the waves
My soul will rest in Your embrace
I am Yours and You are mine

Ludger Fest, 01.04.2020