Wir gehören zusammen! Komm, Heiliger Geist!

Foto: Dnalor 01/Wikimedia Commons/CC-BY-SA 3.0

Artikel I, 1, Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Genesis 1: Gott hat den Menschen geschaffen nach seinem Bild; männlich und weiblich. Einzigartig. Besonders. Begabt. Geliebt. Liebenswert. Gewollt. Gebraucht.

Du bist wichtig! Ich bin wichtig! Wir sind wichtig! Einzeln und als Gemeinschaft!

Eine Erfahrung des Menschseins ist, dass Menschen nicht glauben können, dass sie geliebt sind. Es hören wollen, dass sie gebraucht werden. Erfahren müssen, dass sie wichtiger Bestandteil eines Ganzen sind. Ein Leib, viele Glieder. Wo das nicht der Fall ist entstehen Minderwertigkeitsgefühle, Eifersucht, Unzufriedenheit, Gereiztheit, Streit. Muss das sein?

Pfingsten schenkt Leben! Pfingsten schenkt Frieden! Pfingsten schenkt Neuanfang! Pfingsten schenkt Wandlung! Pfingsten schenkt Gottes guten Geist. Mit dem Pfingstfest werden die Mauern der Angst, Selbstbezogenheit, Unsicherheit, Einsamkeit, menschlichen Begrenztheit, in denen die Jünger nach der Himmelfahrt Jesu gefangen waren, gesprengt.

Mit dem Pfingstfest sprudeln die Ideen, sprudelt die Energie, sprudelt das Leben. Das ist der Heilige Geist! Wo ist der Heilige Geist in meiner Welt, in meinem Leben, könnten Sie vielleicht fragen. Genau da – würde ich sagen: Genau da, wo Energie ist, wo unverhofft Kleines und Großes gelingt oder geschieht. Wo Wandel weiterführt, Fesseln gesprengt und Mauern übersprungen werden. Wo Bewegung zur Einheit führt. Wo jede zählt und jeder wichtig ist. Wo alle Talente zur Geltung kommen und sich entfalten dürfen. Wo in der Krise Hoffnung sichtbar wird und neue Gemeinschaft entsteht.

An diesem Pfingstfest wird noch manches anders sein als sonst. In der Corona-Krise sind wir durch Hygienebestimmungen und  Ausgangsbeschränkungen auf vielfache Weise voneinander getrennt. Und dennoch dürfen wir uns im Geist von Pfingsten miteinander verbunden und getragen wissen.

Der Geist weht, wo er will. Auch das ist Pfingsten. Gottes Geist ist gewaltig, lebendig, aber auch unfassbar und unplanbar. Er lässt sich nicht missbrauchen. Denn er weht, wo er will, und wird uns überraschen. Gebeten werden will er und gerufen. In unsere Welt, in unsere Leben, in Deine Wirklichkeit, in meine Sorgen hinein, mitten in eine große Krise unserer Zeit: Komm, Heiliger Geist! Veni sancte Spiritus!

Jesus in unserer Mitte: der Friede sei mit Euch – empfangt den Heiligen Geist! Das galt damals, das gilt heute! Das gilt für uns!

Wundervoller als in der Pfingstsequenz (aus dem 13. Jahrhundert) kann aus meiner Sicht der Heilige Geist nicht beschrieben werden. Besser kann er nicht herbei gerufen werden:

Komm herab, o Heil‘ger Geist,
der die finstre Nacht zerreißt,
strahle Licht in diese Welt.
Komm, der alle Armen liebt,
komm, der gute Gaben gibt,
komm, der jedes Herz erhellt.

Höchster Tröster in der Zeit,
Gast, der Herz und Sinn erfreut,
köstlich Labsal in der Not.
In der Unrast schenkst du Ruh,
hauchst in Hitze Kühlung zu,
spendest Trost in Leid und Tod.

Komm, o du glückselig Licht,
fülle Herz und Angesicht,
dring bis auf der Seele Grund.
Ohne dein lebendig Wehn
kann im Menschen nichts bestehn,
kann nichts heil sein noch gesund.

Was befleckt ist, wasche rein,
Dürrem gieße Leben ein,
heile du, wo Krankheit quält.
Wärme du, was kalt und hart,
löse, was in sich erstarrt,
lenke, was den Weg verfehlt.

Gib dem Volk, das dir vertraut,
das auf deine Hilfe baut,
deine Gaben zum Geleit.
Lass es in der Zeit bestehn,
deines Heils Vollendung sehn
und der Freuden Ewigkeit.
Amen. Halleluja.

Frohe Pfingsten!

Juliane Schaad, 29.05.2020

P.S. Inspiriert wurde dieser Text von den Lesungstexten des Pfingstsonntags. Zum Nachlesen: Apostelgeschichte 2,1–11, 1 Korinther 12,3b–7.12–13,Johannesevangelium 20,19–23

Hochspannung

Es staut sich auf und entlädt sich. Was passiert da gerade? Von verschiedenen Leuten aus ganz verschiedenen Ecken höre ich es: Fast zwei Monate Corona haben eine Wirkung auf uns. Viel Gutes und Positives ist geschehen.

Und dennoch – immer wieder kommt es vor, dass Spannung auftritt und zutage kommt. Bisweilen unbeabsichtigt und unbemerkt, doch die Gereiztheit geht weiter, und irgendwann knallt es. Gewitter kann reinigend sein – hoffentlich und bestenfalls. Ich wünsche uns sehr, dass diese Spannung uns nicht auseinander bringt, sondern weiterführt – miteinander.

Gut, dass wir Menschen Menschen sind. Da gehören verschiedene Stimmungslagen einfach dazu. Da ist nicht immer nur eitel Sonnenschein. Auch bei den Menschen in der Bibel hat es mal geknallt. Auch die Priester, Propheten, Apostel und Heiligen waren nicht immer Musterknaben und brave Mädchen.

Die Geschichten von Mose, David, Petrus, Zachäus oder Sara und noch viele mehr zeugen davon. Auch Jesus hat im Tempel die Fetzen fliegen lassen, weil ihm nicht gepasst hat, wie die Händler mit dem heiligen Ort umgegangen sind.

Immer alle Emotionen zurückzustellen macht krank. Sie allezeit unkontrolliert herauslassen, macht aber auch weder Freude noch Freunde. Den goldenen Mittelweg zu finden und dabei aufrichtig, authentisch und liebend zu bleiben, ist eine der größeren Herausforderungen unseres Lebens.

Viele Dinge füllen meinen Kopf, und ich schaue auf das Licht der Kerze auf meinem Fensterbrett. Dieses Licht dringt direkt in mein Herz und lässt mich lächeln. Auf meinem Handy läuft Musik und irgendwann höre ich „Egal wie du aussiehst, egal wie du dich fühlst: Gott liebt dich!“ Und danach: „Sei mutig und stark und fürchte dich nicht! Denn der Herr, dein Gott ist bei dir!“

Juliane Schaad, 30.04.2020

Und bis wir uns wiedersehen …

Ich hatte Tränen in den Augen, als ich zum ersten Mal ein Video gesehen habe, in dem ein Blasorchester aus dem „Homeoffice“ dieses Lied gespielt hat – den Refrain von „Möge die Straße uns zusammenführen“, nach irischen Segenswünschen und der Melodie von Markus Pytlik: „Und bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in seiner Hand!“

Zum ersten Mal habe ich das Lied als Jugendliche gesungen. Unser damaliger Chorleiter war mit dem Komponisten bekannt und hatte es mitgebracht. Mittlerweile wird es wahrscheinlich in den meisten christlichen Kirchen in Deutschland gesungen und ist sehr bekannt. Und mir wird immer mehr bewusst: Der Text ist wahr und das nicht nur als Verheißung oder Wunsch, sondern als Tatsache.

Besonders der Refrain enthält eine Hoffnung und eine Wahrheit, die uns jetzt in Zeiten der Corona-Krise tragen kann: Wir werden uns wiedersehen! Ganz bestimmt – und das nicht erst im Himmel, sondern bald wieder auch hier auf der Erde. Und bis dahin wissen wir: Gott hält Dich und mich und alle, die wir lieben und gerade nicht treffen oder umarmen können, fest in seiner Hand.

Juliane Schad, 20.04.2019

Hier der Liedtext:

1. Möge die Straße uns zusammenführen
und der Wind in deinem Rücken sein;
sanft falle Regen auf deine Felder
und warm auf dein Gesicht der Sonnenschein.

Refrain: Und bis wir uns wiedersehen,
halte Gott dich fest in seiner Hand;
und bis wir uns wiedersehen,
halte Gott dich fest in seiner Hand.

2. Führe die Straße, die du gehst
immer nur zu deinem Ziel bergab;
hab wenn es kühl wird, warme Gedanken
und den vollen Mond in dunkler Nacht.

3. Hab unterm Kopf ein weiches Kissen,
habe Kleidung und das täglich Brot;
sei über vierzig Jahre im Himmel,
bevor der Teufel merkt du bist schon tot.

4. Bis wir uns mal wiedersehen,
hoffe ich, dass Gott dich nicht verlässt;
er halte dich in seinen Händen,
doch drücke seine Faust dich nicht zu fest.

(Markus Pytlik)

Die zwei Balken des Kreuzes

Eines der beliebtesten und bekanntesten Symbole, die es überhaupt auf der Welt gibt, ist das Kreuz. Es ist DAS Symbol des Christentums. Und nicht nur Christen tragen Kreuze, sondern auch als Modeschmuck für jedermann und -frau ist dieses Symbol beliebt.

Es gibt verschiedene Kreuzformen. Die bei uns in Deutschland bekannteste und beliebteste Kreuzform ist ein solches mit einem langen vertikalen Balken und einem kürzeren horizontalen Balken, der von der Mitte des vertikalen Balkens aus etwas nach oben verschoben ist.

Wenn ich mit Kindern zum Beispiel in der Kindertagesstätte oder dem Erstkommunionkurs, das Kreuzzeichen übe, spreche ich dabei nicht nur das übliche „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“, sondern erkläre dieses Zeichen danach beispielsweise auch mit: „Gott ist bei uns von oben bis unten und von links nach rechts.“ Oder: „Gott ist in unserem Denken, unserem Herzen und unserem Handeln.“

Ein weiterer Aspekt des Kreuzes, der sehr gut deutlich macht, was das Kreuz bedeutet, ist die Ausrichtung der Balken. Der senkrechte Balken stellt die Verbindung von jedem einzelnen Menschen zu Gott dar und der waagrechte Balken die Verbindung zwischen uns Menschen untereinander. Beide Verbindungen tragen uns. Auf beide Richtungen sind wir angewiesen. So kann ich das zumindest aus meiner eigenen Erfahrung sagen und der Sicht von jemandem, der an Gott glaubt und daran, dass er bedeutsam für die Welt ist. .

In einer Zeit, in der viele von uns kaum Menschen treffen und nur sehr eingeschränkt soziale Kontakte pflegen können, merken wir, wie sehr wir Gemeinschaftswesen und auf andere angewiesen sind.

Die von der Bundesregierung erlassene Kontaktbeschränkung bringt viele Menschen, so sinnvoll und berechtigt sie sein mag, an ihre Grenzen, sei es aus Einsamkeit, Hilflosigkeit oder weil die häusliche Gemeinschaft unbekannten Herausforderungen oder Enge ausgesetzt ist.

Wir brauchen einander. Und wir brauchen Gott. Immer mehr Menschen fangen (wieder) an zu beten oder beten gerade jetzt sehr intensiv und regelmäßig. Wenn der uns bekannte Alltag wegfällt und trotzdem kein Urlaub ist, wenn Unsicherheit, Sorgen, schlechte Nachrichten und Zweifel das Denken bestimmen, ist die Sehnsucht nach einer höheren Macht, die alles im Griff hat, groß.

Verbindungen müssen gepflegt werden, sonst werden sie marode und brechen ab. Das wissen wir alle aus eigenen Erfahrungen. Eine gut geölte, ab und zu gewartete und genutzte Leitung, ist flexibel, stark und hält auch mal einen Sturm aus. So ist das mit der Leitung zu Gott und so ist das auch mit den Verbindungen zu anderen Menschen.

Diese Zeit besonderer Herausforderungen ist eine gute Gelegenheit, Verbindungen verschiedener Art wieder neu aufzunehmen. Gerade in der Karwoche haben wir die Sehnsucht nach einer Nähe zu Gott. Wir fühlen das Leid in dieser Welt und wir haben Sehnsucht nach Jesus, der den Weg des Leids für alle Menschen in Not gegangen ist. Das Kreuz ist unser Verbindungsweg. Wenn wir in Gedanken, Gebet oder dem Lesen der Bibeltexte den Kreuzweg mit Jesus gehen, sind wir durch das Kreuz mit Gott verbunden und ebenfalls durch das Kreuz mit allen anderen Menschen in ihrem je eigenen Kreuz.

Beispiele für eine Kreuzwegandacht finden Sie im Gotteslob unter Nr. 683 und Nr. 684 und die entsprechenden Bibeltexte in den Evangelien unter Matthäus 26-28, Markus 14-16, Lukas 22-24 und Johannes 18-20.

In der Verbindung zu Gott und zu den anderen Menschen, wie auch immer sie geartet sein mag, können wir dann spüren, dass wir nicht alleine und getragen sind. Und so können wir voller Überzeugung und Freude auch an diesem Fest die Auferstehung Jesu feiern und erfahren: Jesus lebt!

In diesem Sinne wünsche ich allen gesegnete Kartage!

Juliane Schaad, 10.04.2020

Ein Wort für Dein Leben

Wenn ich eines unserer Kommunionkinder frage, „was bedeutet beten?“, bekäme ich (hoffentlich 😉) zur Antwort: „mit Gott reden“.

Wer betet, wünscht sich Kontakt mit Gott. Einen Kontakt, der nicht einseitig ist, sondern eine Antwort erhält. Eine Antwort, die aber nicht immer so direkt ist wie in dem Gespräch mit dem Kommunionkind. Wer an Gott glaubt und dies auch schon länger tut, kennt wahrscheinlich verschiedene Arten der Antwort.

Eine Form des Gebetes, die in der Gemeinschaft Emmanuel gerne gepflegt wird, ist der Lobpreis.* Am Montagfrüh hatte ich mich dem Lobpreis der Geschwister im Emmanuel-House Münster angeschlossen, die diesen in einem Livestream (live.emmanuel.de) übertragen haben.

An einer Stelle ist es üblich, um den Heiligen Geist zu bitten und in diesem Geist die Bibel frei aufzuschlagen und die Stelle zu lesen, auf die ich als erstes schaue. Ich habe mir also eine Bibel genommen und dies getan. Wer mich gut kennt, wird jetzt lachen, wenn ich sage, dass ich im Buch Jesaja den Anfang des 9. Kapitels (Verse 1-6) aufgeschlagen habe. (Die Bibel ist neu und bisher wenig gelesen, da waren keine Eselsohren und kein Lesezeichen an dieser Stelle. 😉)

Das Volk, das in der Finsternis ging, sah ein helles Licht; über denen, die im Land des Todesschattens wohnten, strahlte ein Licht auf. (Version Einheitsübersetzung 2016)“ So lautet der Anfang dieses Textes, der vielen bekannt ist aus den Lesungen der Christmette am Heiligabend. Wenn es einen Bibeltext gibt, von dem ich sagen würde „Das ist mein Text“, dann ist das dieser. Er begleitet mich schon sehr lange durch alle Höhen und Tiefen, und es war der Text, über den ich meine Diplomarbeit geschrieben habe. Und diesen Text, dieses Wort der Zuversicht, schenkt mir Gott als Antwort (auf mein Leben, mein Gebet, meine Sorgen, meine Fragen), mitten in der Corona-Krise, am Montag in der Karwoche.

Vielleicht will er mir sagen: „Vergiss nicht. Viele haben es schon vor dir gesehen und bezeugt. Ich bin das Licht, das scheint, wenn du in der Finsternis bist. Du kennst mich, denn du hast mich schon öfter gesehen und ich bin auch jetzt da; in deiner Finsternis und in der Finsternis der Welt in dieser Zeit.“

Wer im Tunnel der Sorgen und der Angst gefangen ist, wer sich alleine fühlt und hilflos, der kann ein Licht gut gebrauchen. Jesus Christus möchte dieses Licht für uns sein. Dafür ist er den Weg mit dem Kreuz gegangen. Dafür ist er gestorben und auferstanden. Dass Gott Dir Deine eigene Antwort auf Deine Fragen schenkt und dass er für Dich ein Licht ist in dieser Zeit, das wünsche ich Dir.

Juliane Schaad, 09.04.2020

*In Liedern und Gebeten preisen wir Gott als unseren Schöpfer und Erlöser und danken ihm für die vielen kleinen und großen Dinge, die er uns schenkt. Der Lobpreis ist eine Haltung, die uns helfen kann, unser Leben zuerst und vor allem mit Zuversicht und den liebenden Augen Gottes zu betrachten.

Weil Du da bist

Es ist Hoffnung da – ein kleines bisschen Hoffnung
Hoffnung in der Traurigkeit
Hoffnung in der Verzweiflung
Hoffnung in der Hilflosigkeit
Hoffnung in aller Trauer
Hoffnung, wenn die Tränen fließen – einfach so
Hoffnung, weil Du versprochen hast
Hoffnung, weil Du es mir gezeigt hast
Hoffnung, dass Du da bist – immer da bist,
bei mir bist,
ganz nah bist
Der Emmanuel bist – oh Herr
Danke dafür.

Kennt Ihr das? In den Momenten, die am schwersten sind, in denen die Tränen fließen und es mir alles andere als gut geht, entstehen bei mir die buntesten Bilder und die hoffnungsvollsten Texte. Das sind Überlebensstrategien.

Ja, es gibt diese Momente. Ja, in extremen Situationen, zum Beispiel wenn man zwei Wochen lang fast keinen direkten persönlichen Kontakt zu anderen Menschen hat, macht sich auch mal Einsamkeit und Verzweiflung breit. Da kommt es vor, dass für Momente die Sorgen mein Herz eng machen und die Zuversicht sich sehr gut versteckt hält.

Dieser Text oben ist gestern, in einem dieser Momente, entstanden. Wie gesagt: Überlebensstrategie. Ich habe – mithilfe von mir sehr wertvollen Menschen (Danke an Euch alle!) – gelernt, was mir dann helfen kann. „Im Hier und Jetzt sein“ ist so ein Stichwort, „Aktiv werden“ ein anderes.

Konkret bedeutet das für mich zum Beispiel: Tief durchatmen, langsam ruhig werden, aufstehen, einen Tee kochen, trinken und mir daran die Hände wärmen (das hilft mir, mich selbst zu spüren), eine Banane essen (Kalium soll helfen), kreativ werden und eine Handlungsstrategie entwickeln.

Da ist zum Beispiel eine Familien-Videokonferenz bei rausgekommen, die ich einberufen habe. Der Blick auf das Kreuz hilft mir auch. Ich weiß, dass Jesus da ist, dass er bei mir ist, dass er versteht, wie es mir geht und dass er mir hilft, jetzt einen Weg zur Zuversicht und zur Hoffnung zu finden.

Es geht weiter – weil Du da bist!

Juliane Schaad, 31.03.2020

Ein Lächeln

Das erste Lächeln des Tages schenkt mir die Sonne bei ihrem Aufgang, wenn ich – wie in den letzten Tagen üblich geworden – sehr früh wach geworden bin.

Das nächste Lächeln zaubert mir ein Foto auf das Gesicht, das mir auf der Suche nach Briefmarken in die Hände gefallen ist: ein Foto von zwei meiner Nichten und mir, das
ca. 6 Jahre alt ist. Das verbindet.

Und gleich habe ich diese Foto meiner Schwägerin geschickt. 😊
Sie hat sich auch darüber gefreut – noch ein Lächeln.

Das nächste Lächeln schenkt mir mein Nachbar, den ich aus der Ferne grüße, als ich gehört, habe, dass er aus dem Haus gekommen ist.

Dann ist da die Familie, die an unserem Zaun vorbei geht, während ich im Liegestuhl liege. Ein Kind ruft: Mama, da liegt eine Frau! Ich winke, sie winkt – noch zwei Lächeln.

Auf dem Weg zum Briefkasten halte ich an, weil eine Frau mir entgegenkommt, die etwas aus ihrem Auto geholt hat. Ich grüße, sie antwortet und lächelt – wieder zwei Lächeln.

Ein Lächeln gehört zu den Dingen, die sich vermehren, wenn man sie verschenkt, sie machen uns selbst glücklich (wenn man sich selbst im Spiegel anlächelt, haben negative Gedanken in diesem Moment automatisch keinen Platz in unserem Kopf) und sie sind ein schönes Zeichen der Verbundenheit und Zuversicht.

Also: Eifrig weiter lächeln …

Es grüßt Euch herzlich mit einem Lächeln

Juliane Schaad, 25.03.2020

Zu Hause sein

In diesen Tagen erleben viele von uns, was es heißt „zu Hause zu sein“. Es bedeutet auch, dass wir neue Strukturen und Rituale finden müssen in dieser Zeit.

Zu Hause sein – bedeutet auch: Zeit zu haben für mich selbst. Wenn der Fernseher, die Hörbücher, das Radio, die Livestreams ausgeschaltet sind und Telefon oder Handy außer Betrieb sind, kommen plötzlich die Gedanken und die Erkenntnis, dass Ablenkung mich nicht immer weiterbringt. Da bin ich ausgeliefert – mir selbst und meinen eigenen Gedanken und Gefühlen. Gar nicht so leicht, bisweilen. Und auch irgendwie eine große Chance.

Ich merke, dass die Zeit alleine zu Hause für mich auch etwas von Exerzitien* hat. Ich fange an darüber nachzudenken, was mir wichtig ist und was nicht. Ich fange an bei mir selbst anzukommen, bei mir selbst zu Hause zu sein. Und das ist ein sehr schönes Gefühl. Ich werde ruhig.

Immer wieder gelingt es mir, die Grübel-Stopp-Taste in meinem Kopf zu drücken (die Idee dazu habe ich übrigens vor einigen Jahren von meiner Begleiterin bei Heilungsexerzitien bekommen) und meinem Fastenvorsatz zu folgen (voller Zuversicht bleiben! 7-Wochen-ohne-Pessimismus nach der Fastenaktion der evangelischen Kirche). Und dann entsteht da auch Raum, den Gott füllen kann – mit seiner Liebe.

Liebe Leserin, lieber Leser: Ich wünsche Dir, dass das Zu-Hause-sein Dir hilft, auch innerlich zu Hause anzukommen, unabhängig von den Umständen, in denen Du zu Hause bist.

(Dieser Text ist aus der Perspektive einer alleinlebenden Frau geschrieben und mir ist bewusst, dass beispielsweise die Ausgangssituation für Familien mit Kindern eine ganz andere ist.)

Juliane Schaad, 21.03.2020

*Exerzitien sind geistliche Übungen, um mithilfe von inhaltlichen Anregungen, Stille, Gesprächen mit einem Begleiter oder einer Begleiterin über sich und das eigene Leben ins Nachdenken zu kommen. Wichtige Elemente sind Zeit in Stille, Zeit für sich allein und Zeit, um mit Gott ins Gespräch zu kommen und oft auch Zeit in der Natur. Es gibt unendlich verschiedene Formen von Exerzitien, von Exerzitien im Alltag zu Hause, über Schweigeexerzitien im Kloster, bis hin zu Sport-, Wander-, Musikexerzitien oder Exerzitien auf der Straße in einer Großstadt usw.

Von Mensch zu Mensch

Und plötzlich ist da diese un-fassbare Gefahr ganz nah vor unserer Tür, in Form eines uns noch in vielen Aspekten unbekannten Virus, eines Virus, das durch Menschen übertragen wird – das von Mensch zu Mensch geht.

Wenn wir uns aussuchen könnten, was von Mensch zu Mensch geht, dann sind das vor allem gute Dinge: Freude, Zuversicht, Liebe, Hoffnung, Freundlichkeit, Fröhlichkeit, Zärtlichkeit, Umarmungen, nette Gesten.

Die negativen Worte, Gesten, Stimmungen, Haltungen, die von Mensch zu Mensch gehen können – und erst recht ein Krankheitserreger – sind eher dafür geeignet, uns das Leben schwer zu machen, als dass sie Freude bereiten.

Der entscheidende Unterschied zwischen negativen Worten, Gesten, Stimmungen und Haltungen und einem Virus ist, dass das Virus nichts mit der Absicht oder dem Wesens eines Menschen zu tun hat, sondern ungeliebter Gast im eigenen Körper ist. 

Trotzdem bewirkt der ungeliebte Gast oder allein die Angst vor einem solchen, genau das, was sonst negative Worte, Gesten, Stimmungen und Haltungen bewirken: wir halten Abstand zu anderen Menschen.

Die Herausforderung ist jetzt, dass der eingehaltene äußere Abstand, die abgesagten Veranstaltungen, die Einschränkung des Händeschüttelns usw., keine Auswirkungen auf den inneren Abstand haben.

Auswirkungen wird die Situation auf uns haben. Die Frage ist nur welche. Wie so vieles im Leben wird auch das von uns selbst abhängen. Nun gilt es kreativ zu werden, wie die Verbundenheit und der Kontakt bestehen und gestärkt werden können, wenn direkte Treffen nur sehr eingeschränkt möglich sind. Einige Beispiele sind mir dafür schon begegnet. Immer mehr Gottesdienste oder Gebetszeiten werden live im Internet übertragen und so deutlich gemacht, dass es ein Miteinander im Gebet über die Grenzen der eigenen Wohnung hinaus gibt. Videokonferenzen werden abgehalten oder positive Gedanken und Bilder geteilt.

Beispielsweise war es heute so, dass am laufenden Band jemand von meinen Kontakten bei einem beliebten Messenger-Dienst Bilder hochgeladen hat: vom Spaziergang in der Sonne, von sonnigen Wiesen, Seen, blühenden Blumen oder sich selbst in der Sonne. Das war wie ein Gegenprogramm zu den schlechten Nachrichten und Einschränkungen durch das Corona-Virus. Es kam mir vor, dass alle sagen wollten: Schaut her Leute! Das Leben ist immer noch schön! Trotzdem und gerade jetzt stellen wir das Schöne in die Mitte! Und: Wir lassen uns nicht unterkriegen!

Mein Lieblingspsalm ist seit einiger Zeit der Psalm 27. Er ist ein Psalm voller Zuversicht und Hoffnung. Er passt gut an dieser Stelle. Hier die Verse 1-4 und 11-14 in der Version der Einheitsübersetzung 2016:

1 Der HERR ist mein Licht und mein Heil: Vor wem sollte ich mich fürchten? Der HERR ist die Zuflucht meines Lebens: Vor wem sollte mir bangen? 2 Dringen Böse auf mich ein, um mein Fleisch zu verschlingen, meine Bedränger und Feinde; sie sind gestrauchelt und gefallen. 3 Mag ein Heer mich belagern: Mein Herz wird nicht verzagen. Mag Krieg gegen mich toben: Ich bleibe dennoch voll Zuversicht. 4 Eines habe ich vom HERRN erfragt, dieses erbitte ich: im Haus des HERRN zu wohnen alle Tage meines Lebens; die Freundlichkeit des HERRN zu schauen und nachzusinnen in seinem Tempel. 11 Weise mir, HERR, deinen Weg, leite mich auf ebener Bahn wegen meiner Feinde! 12 Gib mich nicht meinen gierigen Gegnern preis; denn falsche Zeugen standen gegen mich auf und wüten! 13 Ich aber bin gewiss, zu schauen die Güte des HERRN im Land der Lebenden. 14 Hoffe auf den HERRN, sei stark und fest sei dein Herz! Und hoffe auf den HERRN!

Juliane Schaad, 15.03.2020

Ungeplant planlos

Wir leben in einem Land, in dem wir normalerweise erstmal keine Angst haben müssen, dass sich ungeplant von heute auf morgen unser Leben ändert und auf den Kopf stellt.

Natürlich kann es vorkommen, dass plötzlich ein geliebter Mensch stirbt, eine tödliche Krankheit diagnostiziert wird oder ein Hochwasser oder Unwetter uns die Lebensgrundlage rauben, aber das ist für viele von uns weit weg. Unser Leben ist in aller Regel über Wochen und Monate, zum Teil sogar für Jahre, vorgeplant. Oft sind die Zeitfenster eng gesteckt und jedes kleine Rädchen muss in das andere greifen, damit am Ende alles passt und funktioniert.

Und plötzlich ist da diese un-fassbare Gefahr ganz nah vor unserer Tür, in Form eines uns noch in vielen Aspekten unbekannten Virus. „Juliane, du kannst nicht mehr planen“, hat am Donnerstag eine Kollegin zu mir gesagt. Mit dieser Aussage habe ich so langsam angefangen zu verstehen, dass sich im Moment wirklich unser ganzes Leben durch die Tatsache ändert, dass dieses un-bekannte Virus an unsere Türen klopft. (Ich habe gerade erstmal nachgeschaut welches grammatikalische Geschlecht „Virus“ hat. Aus Duden.de: „das Virus, außerhalb der Fachsprache auch: der Virus; Genitiv: des Virus, Plural: die Viren“)

Schlag auf Schlag ging es dann am Freitag weiter. (By the way: Darüber hat niemand auch nur einen Gedanken verschwendet, dass das ein Freitag der 13. war 😊. Dieser Aspekt gefällt mir, denn Aberglaube macht nur unnötig Angst, aus Sicht einer Christin, die grundsätzlich erstmal an das Gute glaubt.)

Auf allen Ebenen wurden Krisensitzungen einberufen, getagt und Maßnahmen beschlossen mit dem Ziel, möglichst viele Menschen möglichst lange vor einer Ansteckung mit dem Virus zu schützen. Die Devise wurde immer klarer: Niemand will etwas riskieren oder die Verantwortung für unnötige Ansteckungen übernehmen.

Und plötzlich stehen viele von uns Menschen in Deutschland (und so manchem anderen Land auf dieser Welt) da und wissen nicht mehr, was morgen ist. Für manche mag das ein Grund zur Freude sein, anderen macht das Angst, weil die Befürchtung groß ist, dass die Leere im Kalender unmittelbar zur Leere im Geldbeutel oder auf dem Konto führt.

Floskeln und Plattitüden helfen da nicht weiter, alles auf die Politik schieben jedoch auch nicht. Helfen kann die Erfahrung, dass es im eigenen Leben bisher immer einen Weg gab, wie es weiter ging und dass sich gerade in Notsituationen so manches gut gefügt hat, was nicht zu erwarten war. Gläubige Menschen nennen das Fügung, andere Schicksal. Mein Glaube hilft mir heute zuerst zu sehen, dass die Sonne scheint ist und die Blumen blühen und dann erst das zu betrachten, was als Herausforderungen oder Steine vor mir liegt.

Achtsamkeit, im „Hier-und-Jetzt-Leben“ sind Schlagworte, die in den letzten Jahren immer mal wieder Konjunktur hatten. Vielleicht ist es genau das, was uns jetzt weiter hilft: einfach nur für heute Leben. Das Morgen, kommt morgen.

Der bekannteste Bibeltext hierzu stammt aus der Bergpredigt im Matthäusevangelium (Matthäus 6, 25-29 – hier aus der Einheitsübersetzung 2016): „Deswegen sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen oder trinken sollt, noch um euren Leib, was ihr anziehen sollt! Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung? Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen; euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie? Wer von euch kann mit all seiner Sorge sein Leben auch nur um eine kleine Spanne verlängern? Und was sorgt ihr euch um eure Kleidung? Lernt von den Lilien des Feldes, wie sie wachsen: Sie arbeiten nicht und spinnen nicht. Doch ich sage euch: Selbst Salomo war in all seiner Pracht nicht gekleidet wie eine von ihnen.

Was noch hilft, machen wir hier in diesem Blog: positiv bleiben, kreativ werden und weiter-denken. In diesem Sinne wünsche ich allen einen gesegneten und zuversichtlichen Tag.

Juliane Schaad, 14.03.2020