Wege in die Freiheit

Derzeit wird überall diskutiert, wie, wann und in welchem Umfang es Lockerungen der Corona-Beschränkungen geben kann. Omikron sei Dank. Viele haben lange und ungeduldig darauf gewartet: alte bzw. neue Freiheiten sind in Sicht!

Hoffentlich bleibt es dabei und wir müssen nicht wieder drei Schritte zurückgehen. So wie das Volk Gottes: Es hatte nach dem Auszug aus Ägypten das verheißene Land vor Augen, in dem Milch und Honig fließen. Die Israeliten waren auf dem Weg aus der Gefangenschaft in die Freiheit und schon kurz vor dem Ziel. Aber aufgrund ihres Fehlverhaltens mussten sie wieder zurück in die Wüste und nochmals eine lange, 40-jährige Durststrecke auf sich nehmen.

In der Fastenzeit, den 40 Tagen bis Ostern, können wir dem nachspüren und uns in Geduld üben. Manch einer, der in der Quarantäne gefangen war oder unter dem Lockdown leiden musste, weiß, wie groß die Sehnsucht nach Freiheit sein kann.

Einen ganz besonderen Weg in die Freiheit bieten die Online-Exerzitien „10 Tage Fasten“ an. Letztes Jahr habe ich mich auf dieses Abenteuer eingelassen – 10 Tage heilfasten, jeden Abend einen geistlichen Impuls und anschließend ein Austausch in der Kleingruppe. Man kann körperlichen und geistigen Ballast abstoßen und so das Wesentliche entdecken. Man kann innerlich Platz schaffen, um Gottes Stimme hören zu lernen. Es ist ein bewusster Weg in die Wüste für Geist und Sinne, um zu entdecken, dass sie blüht. Eine tolle Erfahrung. Ich kann es wirklich empfehlen!

Wer Interesse hat, kann sich unter https://10tagefasten.emmanuel.de informieren.

(Johannes Lerch, 19.02.2022)

Spaltpilz Corona

„Früher hatten wir recht unbeschwerte Treffen mit der Familie meines Bruders. Wir lachten viel miteinander und die Stimmung war meist gelöst. Wenn wir uns heute treffen oder auch nur miteinander telefonieren, dann geraten wir ganz schnell in einen Streit über den richtigen Umgang mit der Corona-Pandemie. Das vergiftet mehr und mehr unser Zusammensein. Was kann ich tun?“

Diese Frage aus einem Lebenshilfe-Artikel im Konradsblatt 4/2022 hat mich sehr angesprochen, und ich möchte einige der Gedanken aus der Antwort von Martin Kühlmann wiedergeben und weiterführen.

Auch ich erlebe oft, dass es bei Diskussionen um Corona-Vorschriften und Impfungen oft nur darum geht, wer im Recht ist mit seiner Meinung und im Schlagabtausch mit den besseren Argumenten aufwarten kann. So nehmen Distanz und Unverständnis zu, und man ist geneigt, den Kontakt zu meiden. Damit richtet das Virus schon vor jeder möglichen Infektion großes Unheil an und spaltet Freundschaften, Familien und Gesellschaft. Und oft stehen hinter dem unbarmherzigen Schlagabtausch der Argumente tiefe Gefühle der Unsicherheit und Angst.

„Wir werden einander viel verzeihen müssen“, hat der frühere Gesundheitsminister Jens Spahn für den Umgang miteinander in der Pandemie gesagt. Unser Glauben an die Macht und Möglichkeiten von Wissenschaft und Politik, dem Virus Einhalt zu gebieten, hat Schaden gelitten. Immer wieder müssen Regeln geändert werden und passieren Fehler.

Demut kann helfen

Eine christliche Haltung für den Umgang miteinander ist die Demut (im Gegensatz zum Hochmut – nach dem Motto „Ich habe es schon immer besser gewusst). Denn der Demütige ist bereit, eigene Anteile der Ohnmacht anzunehmen und damit zu leben. Der Hochmütige dagegen verschließt die Augen und verleugnet seine Verwundbarkeit, so Pater Anselm Grün.

Demut – so Anselm Grün – heißt im Lateinischen „humilitas“, und das kommt von Humus, also Erde. Demut heißt demnach, erdhaftig zu sein und zu akzeptieren, dass wir nach dem Tod zerfallen wie die Erde. Demut bedeutet zugleich auch, sich damit auszusöhnen, anstatt dagegen anzukämpfen.

Die Argumente Pro und Contra spezieller Corona-Maßnahmen sind auf beiden Seiten oft von Ängsten gespeist. Aber sie können auch einen wahren Kern enthalten, der vielleicht notwendig ist, um den Gesamtprozess zu korrigieren. Stellen wir unsere Überzeugungen in aller Demut als momentan für uns persönlich sinnvollste Handlungsweise dar und räumen wir dabei ein, dass sie möglicherweise auch fehlerbelastet sein können.

Wenn wir so behutsam vorgehen, können wir vielleicht wieder in einen echten Dialog kommen, bei dem wir genau hinhören, was der andere meint, nachfragen, warum er so denkt, welche Erfahrungen und Ängste dahinterstecken. Lassen wir zu, dass uns der andere hinter all den Argumenten und Überzeugungen als verwundbaren Menschen wahrnimmt.

(Johannes Lerch, 31.01.2022)

Angefressen an Weihnachten?

Irgendwie fühlen wir uns doch alle in dieser Corona-Pandemie mittlerweile ziemlich angefressen. Die Einschränkungen des gewohnten Alltagslebens scheinen kein Ende zu nehmen. Und die Zukunft ist nach wie vor ungewiss.

Doch wenn man – wie in diesem Bild – angefressen ist, dann kommt etwas Neues zum Vorschein, etwas bisher Verborgenes, vielleicht ein wertvoller und nützlicher Kern. Und richtig arrangiert, entsteht plötzlich etwas Größeres und ganz Anderes.

Vielleicht kann das in unserem Ärger über die unendliche Corona-Geschichte auch so sein, dass irgendwo die wahre Weihnachtsgeschichte hindurchschimmert.

Angefressen zu sein, heißt, dass wir so richtig genervt sind. Wenn wir uns ärgern, sind unsere übersinnlichen Antennen eingefahren, und wir achten zunächst nur auf unsere Gefühle der Wut – das, was weh tut und uns gereizt macht. Vielleicht erkennen wir aber gar nicht, was sich dadurch innerlich auch zum Positiven verändern kann, was aus der Dunkelheit ins Licht kommen will.

Weihnachten bringt Licht in unsere dunkle Welt, in unseren mühsamen Corona-Alltag und in unser ganz persönliches Leben. Das, was durch das Angefressenwerden an Abfall übrig bleibt, kann zur weichen Unterlage werden, die uns auffängt und weich bettet.

Bitten wir in unserem Angefressensein die Heiligen Familie um Schutz für all die Veränderungen, die auf uns zugekommen sind und noch auf uns zukommen werden.

In diesem Sinne ein gesegnetes zweites Weihnachtsfest unter Corona-Begingungen.

Marion und Johannes Lerch (24.12.2021)

Warten …

In unserer schnelllebigen Zeit fällt es uns heute zunehmend schwer, zu warten. Wir alle – da schließe ich mich ein – sind ungeduldig geworden: Sei es im Straßenverkehr, in der Warteschleife einer Telefonanlage oder beim Anstehen an einem Corona-Testcenter, wie wir es neulich erlebt haben. Trotz gebuchtem Termin kamen wir erst nach ca. einer Stunde dran.

In der Corona-Pandemie warten wir darauf, dass die Inzidenzzahlen so weit heruntergehen, dass wieder normale Begegnungen möglich werden.

Im Advent warten wir Christen auf die Ankunft des Herrn. Hier fällt uns das Warten leichter, denn wir wissen bereits, wann das Ereignis eintritt: am 24. Dezember beginnt die Weihnachtszeit.

Bei Corona ist das schwieriger, denn wir wissen nicht, wann die Pandemie vorbei ist und wie sich die nächsten Monate entwickeln werden. Die Zukunft ist also ungewiss.

Auch wenn wir am Bahnhof auf die Ankunft eines Zuges warten, wissen wir oft nicht, ob wir bei einer Verspätung noch den geplanten Anschluss erreichen. Die Ungewissheit macht uns zu schaffen. Und da kommt die Hoffnung ins Spiel.

Wie eine schwangere Frau auf die Geburt des Kindes wartet und hofft, dass alles gut geht, so waren auch Maria und Elisabeth guter Hoffnung und vertrauten darauf, dass etwas Größeres geschieht, wenn sie durch das Tal der Schwangerschaft hindurch sind. In ihrer Begegnung haben sie über das gesprochen, was sie bewegt. Und im wahrsten Sinne des Wortes bewegte sich bei Elisabeth ihr Kind im Bauch, so erzählt es das Evangelium am 4. Advent (Lukas 1,39-45).

Die Zuversicht hilft uns, das Warten zu ertragen. Corona macht zwar das ganze Jahr zur Geduldsprobe. Aber die Vorfreude auf das, was danach kommt, lässt uns zuversichtlich werden. Freuen wir uns auf die Begegnungen, die nach der Corona-Zeit wieder möglich sein werden. Und freuen wir uns schon jetzt auf die möglichen Begegnungen in der Weihnachtszeit.

Weihnachten ist das Angebot Gottes, uns Menschen zu begegnen und dadurch unser Leben zu verändern – heute wie vor 2000 Jahren. Wir Menschen sind auf Begegnung hin angelegt und können ohne sie nicht leben, wie Martin Buber sehr treffend formuliert hat: „Alles wirkliche Leben ist Begegnung“.

Johannes Lerch (19.12.2021)

Misstrauen oder Vertrauen?

Die Corona-Pandemie spaltet unsere Gesellschaft zunehmend in Impfbefürworter und Impfgegner. Selbst in Familien gibt es Streit zwischen Geimpften und Ungeimpften. Angesichts der momentan sehr hohen Inzidenzzahlen sollen bestimmte Zusammenkünfte oder Veranstaltungsbesuche künftig nur noch für Covid-Geimpfte oder Genesene möglich sein. Für Ungeimpfte drohen Lockdowns und Ausgrenzung.

In weiten Teilen der Bevölkerung ist das Vertrauen in die Wissenschaft verloren gegangen. Viele hinterfragen die Forschungsergebnisse, Erfahrungen und Erkenntnisse von Medizinern, Virologen, Biologen und Instituten. Oft werden ganz andere Quellen und Statistiken aufgeführt, die gut aufgemacht sind und Menschen gezeigt, die überzeugend wirken. Doch wie soll ich als Einzelner beurteilen können, was wirklich wahr ist? Um alle Aussagen und Statistiken im Detail zu prüfen, fehlen in der Regel das Know-how und auch die Zeit. Es geht also letztlich um Vertrauen oder Misstrauen. Welchen Quellen traue ich und welchen nicht?

So geht der Riss mitten durch die Gesellschaft. Was können wir da tun? Wie können wir unseren Teil dazu beitragen, ihn zu kitten?

Als Geimpfter geht es darum, Verständnis für die Sorgen und Ängste von Impfgegnern und Impfskeptikern aufzubringen. Man kann mit ihnen gemeinsam überlegen, woher diese Sorgen rühren und so die Anliegen ernst nehmen und im Gespräch bleiben.

Für die Nicht-Geimpften stellen die aktuellen und geplanten Maßnahmen, um die Pandemie einzudämmen, sicherlich eine große Belastung dar. Sie müssen akzeptieren, dass ihre Handlungsfreiheit eingeschränkt ist und Zeit und Geld für Tests investiert werden muss. Dabei haben sie zunehmend das Gefühl, ausgegrenzt zu werden.

Doch sie sollten darauf vertrauen dürfen, darüber hinaus nicht auch noch zur Zielscheibe von Häme oder gar Pöbeleien zu werden, wie Klaus Gaßner im Konradsblatt vom 14.11.2021 schreibt. Eine demokratische Gesellschaft muss es ertragen, dass Menschen eine andere Meinung haben, und Mittel und Wege für einen akzeptablen Umgang mit einer nicht unbedeutenden Minderheit finden. Förden wir nicht die Spaltung, sondern setzen wir auf Versöhnung untereinander. Stehen wir in diesen schwierigen Zeiten zusammen, und suchen wir das Gespräch mit denen, die sich ausgegrenzt fühlen.

(Johannes Lerch, 18.11.2021)

Hilferufe wie Bartimäus?

Aus dem Bibelbilderbuch mit Illustrationen von Kees de Kort, www.die-bibel.de

Sehen wir jetzt im Herbst der vierten Corona-Welle entgegen? Die Inzidenzzahlen steigen in den letzten Tagen wieder unaufhörlich und liegen auch in Deutschland schon wieder über 100. Haben wir uns mittlerweile an die Covid-19-Krise gewöhnt oder sehnen wir uns wirklich nach einem Ende der Pandemie?

Heute ging es im Tagesevangelium um die Heilung des Bartimäus (Markus 10,46-52). Er war blind und bettelte am Straßenrand. Kein Mensch, keine medizinische Behandlung, keine Brille oder Lupe kann ihm helfen. Bartimäus rief laut nach Jesus, der ihn daraufhin zu sich ruft und fragt: „Was soll ich dir tun?“

Eine typische Frage. Jesus handelt nie, ohne uns vorher zu fragen. Wenn wir Hilfe und Heilung erwarten, müssen wir ihn vertrauensvoll bitten. „Rabbuni, ich möchte wieder sehen können“, antwortet Bartimäus. Daraufhin heilt ihn Jesus: „Geh! Dein Glaube hat dir geholfen.“

Wie ist das mit unserer Corona-Pandemie? Wie steht es um unseren Glauben? Versuchen wir nicht vorrangig, die Krise mit unseren eigenen Mitteln in den Griff zu bekommen – Impfungen, Hygienekonzepte, G3- und G2-Regeln? Das ist sicherlich alles gut und wichtig. Aber es gibt auch noch andere Möglichkeiten: die Dimension des Glaubens. Viele Gebetsinitiativen sind schon entstanden …

Der Blinde hatte sich nicht mit seiner Krankheit abgefunden und zu Jesus geschrien. Ich ertappe mich selbst. Wann habe ich so wie Bartimäus lautstark zum Herrn geschrien und ihn vertrauensvoll um Heilung und ein Ende der Krise gebeten? Da bin ich wohl eher kleinlaut, und mein Glaube ist noch lange nicht so groß wie ein Senfkorn.

Bitten wir den Herrn laut und konkret um Heilung und Erlösung und glauben wir, dass er auch heute Wunder tun kann! David, der sich in seiner Not zunächst von Gott verlassen fühlte, macht uns in Psalm 31,23 Mut: „Doch du hast mein lautes Flehen gehört, als ich zu dir um Hilfe rief.“

(Johannes Lerch, 24.10.2021)

Die 3-G-Regel

Mittlerweile ist sie überall präsent – die 3-G-Regel: Wer geimpft, genesen oder getestet ist, kann auch in Corona-Zeiten relativ unbeschwert leben. Aber, was ist mit all den anderen? Wer weder geimpft, noch genesen ist, muss sich testen lassen, und die Tests sollen ab Mitte Oktober nicht mehr kostenlos sein. Der Druck, sich impfen zu lassen, steigt.

Heute hab ich von einer anderen 3-G-Regel gelesen: Gebraut, Gezapft, Getrunken. So kann man natürlich auch durch den Corona-Sommer kommen und mit Alkohol die Sorgen wegspülen. Oder wegessen: Gekauft, Gekocht, Gegessen.

Da müsste es aber doch eigentlich auch christliche G‘s geben, die uns helfen, den Glauben an Gott nicht zu verlieren. Taufschein-Christen könnten sich vielleicht darauf berufen, Getauft und Gefirmt zu sein.

Apropos Gs: Legendär war ja auch das Stück von Heinz Erhard, bei dem alle Worte mit „G“ anfangen: „Geliebte Gisela – geliebter Gregorius“, so beginnt ein Techtelmechtel eines Mannes mit einer verheirateten Frau, bis die beiden vom Ehemann der Frau erwischt werden. „Gnade, gütiger Gatte,“ winselt die Frau, während ihr Liebhaber versucht, alles herunterzuspielen und stottert: „Gewürz-Gurken geplaudert … gänzlich geschäftlich.“ Doch der Ehemann lässt sich nicht beruhigen: „Gemeines Gesindel, greife Gewehr“ und schießt, worauf der Liebhaber Heinz Erhard im Weglaufen noch antwortet: „Gesäß getroffen … Grüß Gott.“

Und schon sind wir wieder bei Gott angekommen. Mir sind drei andere G’s eingefallen, an die zu erinnern ich mir vorgenommen habe: Geliebt, Gewollt, Gesegnet. Wir sind geliebte Kinder Gottes, Er hat uns gewollt, schon vor Erschaffung der Welt und uns immer wieder gesegnet.

Wir können ebenfalls mit 3 G’s antworten: Geliebt, Gebetet, Geholfen – Auch wir zeigen unsere Liebe, indem wir beten und anderen Menschen helfen. Dazu gibt es in der Corona-Krise reichlich Gelegenheit.

(Johannes Lerch, 02.07.2021)

Dankbar voran

Mittlerweile sind bei uns in Deutschland die Inzidenzzahlen auf dem Sinkflug. Die aktuelle Sieben-Tage-Inzidenz liegt aktuell bei 5,0. Die sich in anderen Ländern schnell ausbreitende Delta-Variante scheint hierzulande für die wenigsten eine Bedrohung zu sein. Vielmehr macht sich langsam Hoffnung breit, dass die Rückkehr zur Normalität endlich in Reichweite ist. Grund genug, dankbar voranzugehen.

Vor etwa einem Jahr haben wir in dem Beitrag Corona sei Dank! positive Aspekte der Corona-Krise in den Blick genommen. Auch heute können wir rückblickend für vieles dankbar sein, was sich während der Krise positiv entwickelt hat. Aber wir können auch dafür dankbar sein, dass Maskenpflicht, Beschränkungen und Versammlungsverbote jetzt nach und nach gelockert werden. Doch wie schnell gewöhnen wir uns an die neue Situation, und wie schnell vergessen wir, danke zu sagen.

Geht es uns wie den zehn Aussätzigen, die von Jesus geheilt wurden (vgl. Lukasevangelium 17,11-19)? Nur einer – ein Samariter – kehrt um und bedankt sich. Da fragt Jesus: „Wo sind die übrigen neun? Ist denn keiner umgekehrt, um Gott zu ehren, außer diesem Fremden?“ Seien wir also dankbar, wenn wir – so wie damals die Aussätzigen auch – aus der Quarantäne herauskommen und wieder am normalen Leben teilhaben dürfen.

Dankbarkeit hängt ja auch mit Glück zusammen, wie der australische Bestsellerautor Matthew Kelly in seinem Buch „The Biggest Lie in the History of Christianity“ festgestellt hat: „Man kann nicht dankbar und gleichzeitig unglücklich sein!“

Um diese Dankbarkeit geht es auch beim Forum Emmanuel, das vom 6. bis 8. August in vielen Städten Deutschlands und Österreichs stattfinden wird. Bei einer Wallfahrt am Sonntag wollen die Teilnehmer „dankbar voran“ gehen und gemeinsam in den Blick nehmen und miteinander teilen, was sie in und trotz der Corona-Krise Gutes und Schönes erlebt haben, um so wieder gestärkt und glücklicher in den Alltag gehen zu können. Herzliche Einladung an alle: www.forum-emmanuel.de

(Johannes Lerch, 02.07.2021)

Hängt unser Glück von der Impfung ab?

Die Corona-Krise wird schon seit einiger Zeit zunehmen von den Impfungen geprägt: Welcher Impfstoff wird wann zugelassen und wie und an wen verteilt? Wer darf zuerst, wer muss noch warten, wer drängelt sich vor?

Manchmal habe ich den Eindruck, wir stehen wie die kleinen Kinder vor der Bonbontüte – können es kaum erwarten, bis wir unsere Ration bekommen und denken dabei nur an uns selbst. Oder wir lassen den anderen großzügig den Vortritt, weil wir glauben, dass die Bonbons vergiftet sind: Sollen die anderen doch erst einmal vorkosten.

Die erbitterte Diskussion zwischen Anhängern und Skeptikern von Impfungen führt mittlerweile zum Riss zwischen Freunden und Bekannten, ja zur Entfremdung der Gesellschaft. Über alle Details wird gestritten – einander widersprechende Studien und Aussagen von Virologen werden zum Beleg der eigenen Überzeugung herangezogen. Dabei ist jeder in seiner Medienblase gefangen und konsumiert nur noch die Informationen, die die eigene Einstellung unterstützen. Ein echter Dialog wird dadurch immer schwieriger.

Querdenker und Impfgegner machen im Internet massiv mobil. Verschwörungstheoretiker glauben, dass Regierung und Pharmaindustrie unter einer Decke stecken, und dass einige Impfstoffe das Erbgut verändern oder Unfruchtbarkeit entstehen könnten. Außerdem wurde viel Angst vor Zwangsimpfungen geschürt.

Auf der anderen Seite jubilieren die Impfbefürworter dankbar, dass es unseren Wissenschaftlern gelungen ist, Impfstoffe zu entwickeln, die wirksam vor Covid-19 schützen. Das lang ersehnte Schutz-Vakzin wird dabei zum göttlichen Heilsbringer hochstilisiert – der Alltag scheint sich wieder zu entspannen, wenn man vor dem Virus geschützt ist, sodass Familien und Generationen sich endlich wieder zwanglos begegnen können.

Das Bemühen um eine Impfung wurde allerdings eine Zeit lang zum Lotteriespiel. Wer einen Impftermin ergattern konnte, freut sich wie bei einem Lottogewinn und triumphiert glückselig in seinem Bekanntenkreis, wie wenn man ihm Glückshormone verabreicht hätte.

Doch hängt unser Glück wirklich von einer Impfung ab – oder stürzt sie uns ins Unglück? Letztendlich muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er sich impfen lassen will oder nicht. Wer allerdings nur um sich selbst kreist, kann nicht glücklich werden. Tiefes, dauerhaftes Glück entsteht da, wo wir anderen eine Freude bereiten.

Jesus ist der beste Chef-Virologe, ihm können wir uns anvertrauen: „Wer auf den Herrn vertraut, den umgibt er mit Gnade.“ (Psalm 32,10). Gott führt uns durch den Heiligen Geist: Sein Impfstoff besteht aus den Geistesgaben, die durch Weisheit, Erkenntnis, Einsicht, Rat, Stärke, Frömmigkeit und Gottesfurcht zum Ausdruck kommen.

„Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentümer noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch irgendein anderes Geschöpf uns zu scheiden vermag von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.“ (Römer 8,38-39)

(Johannes Lerch, 02.05.2021)

Corona-Ostern mit Hoffnung für Neuanfang

Wir feiern das zweite Osterfest unter Corona-Einschränkungen. Während vor einem Jahr alle schockiert waren und die Hoffnung hatten, diese Krise bald zu überwinden, macht sich in diesem Jahr vielerorts Niedergeschlagenheit breit. Über 75.000 Familien haben in Deutschland einen geliebten Menschen durch das Virus verloren, und selbst die Beerdigungen dürfen nur in kleinem Kreis und unter strengsten Auflagen stattfinden.

Hoffnungsschimmer auf Impfstoffe werden immer wieder durchkreuzt, und neue Pandemie-Wellen und Virus-Mutationen lassen uns verzagen. Doch angesichts der drohenden Gefahr für Leib und Leben hat die Botschaft von Ostern eine besondere Kraft. Denn im Zentrum des christlichen Festes steht zunächst eine schreckliche Grenzerfahrung. Dabei geht es nicht nur um den qualvollen Tod eines Menschen, der zuvor gedemütigt und gefoltert wurde, sondern auch um diejenigen, die zurückbleiben. Die Jünger Jesu waren zunächst entmutigt und liefen davon. Angst, Orientierungslosigkeit und Trostlosigkeit machten sich breit.

„In den dunklen Monaten der Pandemie hören wir den auferstandenen Herren, der uns einlädt, niemals die Hoffnung zu verlieren“, sagte Papst Franziskus in der Osternacht im Petersdom. Ein Neuanfang sei immer möglich. Auch aus den Trümmern unserer Herzen könne Gott ein Kunstwerk schaffen, auch aus dem Scherbenhaufen der Menschheitsgeschichte habe Gott etwas Neues entstehen lassen.

Jesus Christus lebt, hier und jetzt, betonte der Papst: „Er begleitet dich jeden Tag – bei der Situation, die du gerade erlebst, bei der Prüfung, die du durchmachst, bei den Träumen, die du hegst. Er eröffnet neue Wege, wo du meinst, es gäbe keine, er bringt dich dazu, dagegen anzukämpfen, dem Vergangenen nachzuweinen oder alles als „schon dagewesen“ abzutun. Auch wenn dir alles verloren erscheint, öffne dich staunend für das Neue, das er verheißt: Er wird dich überraschen.“

Nach seiner Auferstehung werden die Jünger nach Galiläa gerufen, um dort den auferstandenen Herrn zu treffen. Das bedeutet, sich wegzubewegen vom Grab, neue Wege zu beschreiten, was ja gerade in der Corona-Krise für uns alle wichtig geworden ist. Unser Glaube muss sich wieder neu auf den Weg machen, wenn er lebendig sein soll. Dazu gehört es auch, Kindheitserinnerungen aufzugeben und sich voll Vertrauen und demütig von Gottes Wegen überraschen lassen.

Nach Galiläa gehen bedeutet auch, an die Grenzen zu gehen, denn Galiläa ist der am weitesten entfernte Ort der dortigen Region. So werden auch wir heute gebeten, dorthin zu gehen, wo die Ausgegrenzten sind, wo sich das tägliche Leben abspielt, in die Straßen, auf denen wir jeden Tag unterwegs sind, in die verschiedenen Winkel unserer Städte – dorthin geht der Herr uns voraus und dort zeigt er sich, gerade im Leben derer, die an unserer Seite leben und mit uns Zeit, Haus, Arbeit, Nöte und Hoffnungen teilen. In Galiläa lernen wir, dass wir den auferstandenen Herrn in den Gesichtern unserer Brüder und Schwestern finden können – im Enthusiasmus derer, die träumen, und in der Resignation derer, die verzagt sind, im Lächeln derer, die sich freuen, und in den Tränen derer, die leiden, besonders in den Armen und in denen, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. Wir werden staunen, wie sich Gottes Größe im Kleinen offenbart, wie seine Schönheit in den Einfachen und Armen aufstrahlt.

Wenn wir also in unserem Herzen eine dunkle Stunde tragen, ein verschüttetes Licht, einen zerbrochenen Traum, dann sind wir aufgerufen, unser Herz voll Staunen für die Osterbotschaft zu öffnen: „Erschrick nicht, er ist auferstanden! Er wartet auf dich in Galiläa“. Deine Erwartungen werden nicht unerfüllt bleiben, deine Tränen werden getrocknet werden, deine Ängste werden von der Hoffnung besiegt werden. Denn weißt du: der Herr geht dir immer voraus, er geht immer vor dir. Und mit ihm beginnt das Leben immer neu.

Die Osterbotschaft kennt den Zustand der Verzweiflung und Aussichtslosigkeit. Aber sie will vor allem ermutigen und Hoffnung spenden, damit Leid, Angst und Tod nicht das letzte Wort haben. „Veränderung kann schneller kommen, als wir glauben. Manchmal von unerwarteter Seite“, so ein Zeitungskommentar.

Quellen: Kommentar Hoffnung bleibt im Mannheimer Morgen | Predigt in der Osternacht von Papst Franziskus

(Johannes Lerch, 04.04.2021)