Soziale Kontakte auf ein Minimum reduziert

In den letzten Tagen geht mir dieser Satz nicht aus dem Kopf, der nun von den Politikern als Verhaltensregel ausgegeben wurde: Wir sollen niemanden mehr treffen, außer der eigenen Familie (falls vorhanden). Das geht durch Mark und Bein. Denn wenn ich meine Freunde und Verwandte nicht mehr treffen kann, was bleibt dann noch übrig von meinem Leben? Was ist mir wichtig? Was kann ich tun? Schließlich möchte ich ja aktiv bleiben. Ohne Aktivität hört mein Leben auf. 

Arbeit im Homeoffice ist zwar möglich, aber eben auch Arbeit in einer Isolation (auch wenn andere Kanäle zur Kommunikation existieren, die helfen). Und wenn man, wie ich gerade, im Büro eine Flaute hat (die nichts mit Corona zu tun hat), dann bleibt nicht viel übrig von der Aktivität … 

Was mich persönlich glücklich macht ist: Zeit mit Menschen zu verbringen, die ich gern habe. Doch meine Zeit ist begrenzt. Ich schreibe hier, weil ich eine andere Hoffnung habe: Ich hoffe auf Jesus. Ja genau, der Jesus, der vor mehr als 2000 Jahren gestorben ist. Denn er ist nicht mehr tot, er ist lebendig! So lebendig, wie ich es bin! Er schenkt mir seine Liebe. 

Wie? Er kommt zu mir, wenn ich mir Zeit nehme, wenn ich still werde. Wenn ich ihn einlade, in mein Leben zu kommen. Er schenkt mir seine Gegenwart. Und ich kann das in mir spüren. Denn ich werde ganz ruhig, friedlich und von einer großen Freude erfüllt. Diese Liebe, die er mir schenkt, ist an keine Bedingungen geknüpft. Kein „wenn du … dann …“. 

Einbildung? Ganz sicher nicht. Ich kenne mich genau: In Wirklichkeit bin ich ein Angsthase, auch feige. Woher sollte ich diesen Frieden nehmen? Woher? Ich habe nichts davon in mir. Ich bekomme ihn geschenkt. Egal, wie meine Lebensumstände sind!

Versuch‘ es auch mal: Sag zu Jesus: „Komm zu mir, tröste mich!“ Gegen alle Corona-Angst. Gegen alle sonstige Angst: Er ist der Retter.

Gabi Gelhausen, 25.03.2020

Ein Lächeln

Das erste Lächeln des Tages schenkt mir die Sonne bei ihrem Aufgang, wenn ich – wie in den letzten Tagen üblich geworden – sehr früh wach geworden bin.

Das nächste Lächeln zaubert mir ein Foto auf das Gesicht, das mir auf der Suche nach Briefmarken in die Hände gefallen ist: ein Foto von zwei meiner Nichten und mir, das ca. 6 Jahre alt ist. Das verbindet.

Und gleich habe ich diese Foto meiner Schwägerin geschickt. 😊
Sie hat sich auch darüber gefreut – noch ein Lächeln.

Das nächste Lächeln schenkt mir mein Nachbar, den ich aus der Ferne grüße, als ich gehört, habe, dass er aus dem Haus gekommen ist.

Dann ist da die Familie, die an unserem Zaun vorbei geht, während ich im Liegestuhl liege. Ein Kind ruft: Mama, da liegt eine Frau! Ich winke, sie winkt – noch zwei Lächeln.

Auf dem Weg zum Briefkasten halte ich an, weil eine Frau mir entgegenkommt, die etwas aus ihrem Auto geholt hat. Ich grüße, sie antwortet und lächelt – wieder zwei Lächeln.

Ein Lächeln gehört zu den Dingen, die sich vermehren, wenn man sie verschenkt, sie machen uns selbst glücklich (wenn man sich selbst im Spiegel anlächelt, haben negative Gedanken in diesem Moment automatisch keinen Platz in unserem Kopf) und sie sind ein schönes Zeichen der Verbundenheit und Zuversicht.

Also: Eifrig weiter lächeln …

Es grüßt Euch herzlich mit einem Lächeln

Juliane Schaad, 25.03.2020

Jetzt kommt auch noch der Info-Virus

Ich weiß nicht, ob es Euch auch so geht: Seit alle mehr oder weniger zu Hause sind, ertrinke ich in Nachrichten. Ständig kommen Meldungen auf den Messenger-Diensten, per E-Mail oder Newsletter. Bing, bing, bing, … Und fast alle Infos drehen sich um das Coronavirus.

Über die sozialen Medien werden Kontakte zu Familien-Mitgliedern, Freunden und Bekannten aufgefrischt. Firmen, Schulen, Vereine und Gemeinschaften senden permanent mehr oder weniger wichtige Nachrichten. Unzählige Videos, Livestreams und Kettenbriefe verbreiten sich wie virales Marketing.

Selbst Gebetsinitiativen und Gottesdienstübertragungen prasseln auf uns ein: Soll ich jetzt um 18 Uhr mit allen Musikern „Freude schöner Götterfunken“ aus dem Fenster trompeten, um 19 Uhr bei der weltweiten Lichteraktion mitmachen, eine Kerze ans Fenster stellen und den Rosenkranz beten oder lieber um 21 Uhr auf dem Balkon mit Ovationen dem Gesundheitspersonal danken?

Alles gute Initiativen, die ich gerne unterstützen würde. Aber ich kann leider nicht überall dabei sein. Ich schaffe es auch nicht mehr, auf jede Nachricht zu reagieren, alle erhaltenen Texte zu lesen, geschweige denn jeden YouTube-Link anzusehen, der mir weitergeleitet wird. Mehr denn je muss ich eine sinnvolle Auswahl treffen.

Das Coronavirus hat uns nicht entschleunigt – im Gegenteil wir laufen Gefahr, uns gegenseitig mit Informationen zuzuballern. Wie schütze ich mich vor der Reizüberflutung? In unserer Familie haben wir schon vor einiger Zeit eingeführt, dass wenigstens beim Essen alle Handys ausbleiben. Wer zuwiderhandelt bekommt einen Strich und bei zwei Strichen muss man einen Kuchen backen. Naja, der erste Kuchen kam von mir. 😉

Ich muss mich aber auch tagsüber bewusst dafür entscheiden, nicht aufs Handy zu schauen, Zeiten der Ruhe einzuplanen. Nicht sofort auf alles reagieren. Oh Mann, das fällt mir echt schwer! Eigentlich wollte ich doch mal ein gutes Buch lesen – und jetzt schreibe ich schon wieder was für diesen Blog …

Johannes Lerch, 22.03.2020

Zu Hause sein

In diesen Tagen erleben viele von uns, was es heißt „zu Hause zu sein“. Es bedeutet auch, dass wir neue Strukturen und Rituale finden müssen in dieser Zeit.

Zu Hause sein – bedeutet auch: Zeit zu haben für mich selbst. Wenn der Fernseher, die Hörbücher, das Radio, die Live-Streams ausgeschaltet sind und Telefon oder Handy außer Betrieb sind, kommen plötzlich die Gedanken und die Erkenntnis, dass Ablenkung mich nicht immer weiterbringt. Da bin ich ausgeliefert – mir selbst und meinen eigenen Gedanken und Gefühlen. Gar nicht so leicht, bisweilen. Und auch irgendwie eine große Chance.

Ich merke, dass die Zeit alleine zu Hause für mich auch etwas von Exerzitien* hat. Ich fange an darüber nachzudenken, was mir wichtig ist und was nicht. Ich fange an bei mir selbst anzukommen, bei mir selbst zu Hause zu sein. Und das ist ein sehr schönes Gefühl. Ich werde ruhig.

Immer wieder gelingt es mir, die Grübel-Stopp-Taste in meinem Kopf zu drücken (die Idee dazu habe ich übrigens vor einigen Jahren von meiner Begleiterin bei Heilungsexerzitien bekommen) und meinem Fastenvorsatz zu folgen (voller Zuversicht bleiben! 7-Wochen-ohne-Pessimismus nach der Fastenaktion der evangelischen Kirche). Und dann entsteht da auch Raum, den Gott füllen kann – mit seiner Liebe.

Liebe Leserin, lieber Leser: Ich wünsche Dir, dass das Zu-Hause-sein Dir hilft, auch innerlich zu Hause anzukommen, unabhängig von den Umständen, in denen Du zu Hause bist.

(Dieser Text ist aus der Perspektive einer alleinlebenden Frau geschrieben und mir ist bewusst, dass beispielsweise die Ausgangssituation für Familien mit Kindern eine ganz andere ist.)

Juliane Schaad, 21.03.2020

*Exerzitien sind geistliche Übungen, um mithilfe von inhaltlichen Anregungen, Stille, Gesprächen mit einem Begleiter oder einer Begleiterin über sich und das eigene Leben ins Nachdenken zu kommen. Wichtige Elemente sind Zeit in Stille, Zeit für sich allein und Zeit, um mit Gott ins Gespräch zu kommen und oft auch Zeit in der Natur. Es gibt unendlich verschiedene Formen von Exerzitien, von Exerzitien im Alltag zu Hause, über Schweigeexerzitien im Kloster, bis hin zu Sport-, Wander-, Musikexerzitien oder Exerzitien auf der Straße in einer Großstadt usw.

Aktion „Hoffnungslicht“

Über eine schöne Gebetsaktion hat gestern katholisch.de berichtet: „Ein gemeinsames Vaterunser als Hoffnung und Solidarität in Zeiten der Corona-Krise: Wie eine Kerze im Fenster zur Gebetsaktion wurde“.

Nachdem auch in der katholischen Gemeinde St. Pankratius in Oberhausen alle Gottesdienste abgesagt wurden, hat die Pfarrei ihre Mitglieder aufgerufen, täglich um 19 Uhr eine brennende Kerze auf die Fensterbank zu stellen und das Vaterunser zu beten. In nur zwei Tagen hat sich die Aktion „Hoffnungslicht“ wie ein Feuer verbreitet. Auch andere Religionen beteiligen sich mittlerweile in unterschiedlichen Varianten.

„Wir sind dankbar, dass wir mit so einem kleinen Zeichen vielen Menschen Hoffnung schenken können“, freut sich Pfarrer Christoph Wichmann über den großen Zuspruch. Selbst Atheisten wollten ebenfalls eine Kerze in ihr Fenster stellen. „Das ist eigentlich das Bewegendste: Ich bekomme ganz viele Nachrichten von Menschen, die nicht zu unserem Stammklientel gehören, die aber trotzdem sagen: Es ist uns wichtig.“

Für viele sei nach dem kurzen Vaterunser-Gebet aber noch nicht Schluss, berichtet katholisch.de: Die individuelle Spiritualität gehe dann weiter. Einige Priester würden im Anschluss daran die Vesper beten, Familien noch zusammensitzen, den Rosenkranz beten oder die Kerze schon um 18 Uhr entzünden und eine Zeit lang brennen lassen.  

Man spürt die große Sehnsucht der Menschen nach Sinn und Zusammenhalt in diesen besonderen Zeiten …

Johannes Lerch, 19.03.2020

Gottesdienste im Livestream mitfeiern

Die flächendeckende Absage von Gottesdiensten ist schon einmalig in der Kirchengeschichte. Selbst zu Zeiten von Pest und Cholera und in den beiden Weltkriegen hat es das nicht gegeben. Aber auch die Kirchen können, wollen und sollten sich den allgemeinen Schutzmaßnahmen vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus nicht entziehen.

Doch ein Hoch auf die heutige Technik: Wie schön ist es, dass wir Gottesdienste jetzt online mitfeiern können. Inzwischen gibt es ja viele Angebote: ob Radio (z. B. Domradio, Radio Horeb, Deutschlandfunk), Fernsehen (z. B. ZDF, Bibel TV, EWTN) oder Internet (z. B. domradio.de, bibeltv.de, ewtn.de, feiernwir.de).

Mit großer Freude haben wir am vergangenen Sonntag mit der Familie die Messe der Gemeinschaft Emmanuel am großen Bildschirm im Wohnzimmer verfolgt. Übertragen wurde der Gottesdienst mit Pfarrvikar Martin Siodmok aus der Josefsburg in Altötting, gestaltet von den Studenten der Emmanuel School of Mission. (Infos zu den Livestream-Messen der Gemeinschaft Emmanuel gibt es unter https://live.emmanuel.de).

Natürlich sind viele von uns verwöhnt von den profesionellen Gottesdienst-Übertragungen im Fernsehen mit den vielen unterschiedlichen und abwechslungsreichen Kameraeinstellungen, dem perfekt abgemischten Ton und den schönen eingeblendeten Bildern. Aber auch eine einfache Kameraeinstellung genügt. Es fühlt sich dadurch irgendwie authentischer an.

Für mich stellte sich aber zunächst die Frage: Wie verhalte ich mich im Wohnzimmer während der Gottesdienstübertragung?

  • Klar, wir singen mit großer Freude die uns bekannten Emmanuel-Lieder, machen zu Beginn das Kreuzzeichen und sprechen die Gebete mit, was anfangs in den eigenen vier Wänden etwas ungewohnt war.
  • Aber wie verhalte ich mich bei der Eucharistiefeier: Knie ich mich auch zuhause hin bei der Präfation? Vor dem Fernseher? (Das habe ich zuletzt beim Elfmeterkrimi Deutschland–Italien während der WM 2016 erlebt :-)) Glaube ich, dass Jesus auch am Bildschirm gegenwärtig ist, und in dieser Umgebung verehrt werden will?
  • Stehe ich beim Vaterunser auf oder bleibe ich als Zuschauer auf dem Sofa sitzen?
  • Wenn der Priester einlädt, sich beim Friedensgruß freundlich zuzulächeln (gerichtet an die Anwesenden vor Ort): Kann ich dann meiner Frau und meinen Kindern trotzdem die Hand geben?
  • Dann schaue ich zu, wie die anderen zur Kommunion gehen. Und ich überlege mir: Wie sehr vermisse ich die sakramentale Kommunion? Wie groß ist meine Sehnsucht und mein Verlangen wirklich? Ganz neu lerne ich die geistliche Kommunion kennen – ich hatte mich bisher kaum damit beschäftigt. Aber ich habe ein schönes Gebet des Heiligen Pater Pio gefunden:
    Mein Jesus, ich glaube, dass Du im allerheiligsten Sakrament des Altares zugegen bist. Ich liebe dich über alles und meine Seele sehnt sich nach Dir. Da ich Dich aber jetzt im Sakrament des Altares nicht empfangen kann, so komme wenigstens geistigerweise zu mir. Ich umfange Dich, als wärest Du schon bei mir und vereinige mich mit Dir! Ich bete Dich in tiefster Ehrfurcht an. Lass nicht zu, dass ich mich je von Dir trenne. Amen .

Soweit mal einige Gedanken, die mich bei den Online-Gottesdiensten beschäftigen. Das Gute an den Livestream-Messen ist, dass wir vieles neu hinterfragen und einzelne Elemente der Liturgie dadurch wieder ganz neu kennenlernen können.

Johannes Lerch, 18.03.2020

Gebet in der Corona-Krise

Viele Gebete zur Korona-Krise stehen mittlerweile in den Medien zur Verfügung . Wir möchten gerne das Gebet von Hermann Gletter, Bischof von Insbruck und Mitglied der Gemeinschaft Emmanuel, hier wiedergeben:

Herr, Du Gott des Lebens,
betroffen von der Corona-Epidemie kommen wir zu Dir.
Wir beten für alle, deren Alltag jetzt massiv belastet ist
und bitten um Heilung für alle Erkrankten.
Sei den Leidenden nahe, besonders den Sterbenden.
Tröste jene, die jetzt trauern, weil sie Tote zu beklagen haben.

Schenke den Ärzten und Forschern Weisheit und Energie,
und allen Pflegenden Kraft in ihrer extremen Belastung.
Gib den politisch Verantwortlichen Klarheit für richtige Entscheidungen.
Dankbar beten wir für alle, die mit ihren vielfältigen Diensten
die Versorgung und Sicherheit unseres Landes aufrechterhalten.
Wir beten für alle, die in Panik sind oder von Angst überwältigt werden.

Wir beten für alle,

die großen materiellen Schaden erleiden oder befürchten.
Besonders denken wir an Personen und Orte,

die unter Quarantäne stehen,
und an alle, die sich einsam fühlen und niemanden an ihrer Seite haben.
Heiliger Geist tröste die alten und pflegebedürftigen Menschen,
berühre sie mit Deiner Sanftheit und gib ihnen die Gewissheit,
dass wir trotz allem miteinander verbunden sind.

Von ganzem Herzen bitten wir, dass die medizinischen Einrichtungen
auch weiterhin den enormen Anforderungen entsprechen können.
Wir beten, dass die Zahl der Infizierten und Erkrankten abnimmt
und hoffen auf eine baldige Rückkehr zum vertrauten Alltag.
Sehnsuchtsvoll bitten wir um eine weltweite Eindämmung der Krankheit.

Guter Gott,

mache uns dankbar für jeden Tag, den wir gesund verbringen.
Lass uns nie vergessen,

dass unser Leben ein zerbrechliches Geschenk ist.
Wir sind sterbliche Wesen und müssen unsere Grenzen akzeptieren.
Du allein bist ewig, Ursprung und Ziel von allem – immer liebend.
Gemeinsam und im Vertrauen auf Deine Hilfe werden wir die Krise bestehen.

Jesus, Du Herr und Bruder aller Menschen,
Deine Gegenwart vertreibt jede Furcht, sie schenkt Zuversicht
und macht uns offen füreinander – aufmerksam und achtsam.
Dein Herz ist gütig und demütig, eine erfrischende Quelle des Friedens.
Jesus, wir vertrauen auf Dich! 

Heilige Maria,
Mutter unseres Herrn, und alle heiligen Frauen und Männer,
Nothelfer und Schutzpatrone unseres Landes, bittet für uns!  
Amen.

(Bischof Hermann Glettler)

Fastenzeit

Es gibt viele Möglichkeiten, in den vierzig Tagen vor Ostern zu fasten. Man kann zum Beispiel Konsum reduzieren, Ballast abwerfen, bewusst Gutes tun, um sich einfach wieder neu auszurichten.

Ich habe mir dieses Jahr vorgenommen, zwei Tage pro Woche wirklich auf Nahrung zu verzichten. Die dadurch gewonnene Zeit lässt sich sinnvoll nutzen, zum Beispiel zum Lesen oder Beten.

Ein weiterer Nebeneffekt ist, dass ich üben kann, mich nicht von meinen Gefühlen beherrschen zu lassen. Hunger macht mich, sagen wir mal, unausgeglichen und ich übe, trotzdem erträglich für meine Mitmenschen zu sein.

Dieses Jahr hat die Fastenzeit aber eine ganz neue Dimension. Wir müssen unfreiwillig auf sehr vieles verzichten: den Eiscafébesuch zur Begrüßung der ersten Sonnenstrahlen, den Abend mit Freunden, Besuche und Erledigungen hier und da, Hobbies, Umarmungen, …

Was bis vor kurzem ganz normal war, ist plötzlich weg. Schon jetzt, nach wenigen Tagen, vermisse ich meine Freiheit und den persönlichen Kontakt zu den Menschen um mich herum.

Von morgens bis abends werde ich im Moment mit Dingen konfrontiert, die ich normalerweise ganz selbstverständlich tun kann ohne darüber nachzudenken. Ich nehme sie jetzt wahr, weil sie plötzlich nicht machbar sind.

Das ist lästig, aber ich spüre auch: Ich habe es gut. Sogar hier und jetzt.

Diese Fastenzeit dauert möglicherweise länger als sonst.

Umso mehr freue ich mich schon darauf, jemandem (außerhalb der Familie) die Hand zu geben, ins Theater zu gehen, an einer Sitzung teilzunehmen, eigentlich sogar mit den Kindern für den Schulbesuch früher aufzustehen.

Bis dahin sammle ich Gründe, dankbar zu sein.

Alexandra Gottwick, 17.03.2020

Geschenkte Zeit sinnvoll nutzen

Mit großer Spannung haben unsere Kinder am Freitag die Pressekonferenz des Landes Baden-Württemberg zur Corona-Krise verfolgt: Groß war der Jubel, dass die Schulen ab Dienstag bis nach den Osterferien geschlossen bleiben.

Natürlich geben die Lehrer viel Stoff zum Lernen mit, aber da auch Sportvereine, Musikunterricht und andere Hobbies ausfallen, bleibt plötzlich viel Zeit, die es sinnvoll zu nutzen gilt. Meine Tochter hat sich gleich ein Plakat gemalt mit dem Titel „Corona-Langeweile“. Darunter sind viele Aktivitäten aufgelistet, was sie in dieser geschenkten Zeit alles tun könnte.

In meiner Firma wurde Homeoffice angeordnet. Ich spare mir jeden Tag 30 Minuten Hin- und 30 Minuten Rückfahrt – das sind fünf Stunden pro Arbeitswoche. Wie gehe ich mit der geschenkten Zeit um? Für einen sinnvollen Einsatz brauchen wir – um es mit Jogi Löw zu sagen – „Högschde Disziplin“. Sonst verlieren wir uns zu schnell in Belanglosigkeiten oder hängen nur am Smartphone.

Natürlich haben wir erst einmal mehr Zeit in und für die Familie. Wir haben als erstes ein 3000er Puzzle ausgepackt und genießen es, gemeinsam ein Bild entstehen zu lassen und nebenher spannende Audiobooks zu hören („Sherlock Holmes“ oder „Die drei Fragezeichen“).

Apropos Audiobooks: Ich höre zurzeit „Skandal der Skandale“ von Manfred Lütz in Spotify. Der Autor erzählt die spannende Geschichte des Christentums, wie sie nach Erkenntnissen der neusten Forschung wirklich war. Was ist dran an der Skandalgeschichte des Christentums?  Das spannende Aufklärungsbuch bietet spektakuläre Überraschungen.

Und weil wir in der Fastenzeit aufs Fernsehen verzichten, ist das die Gelegenheit, mal ein gutes geistliches Buch zu lesen. Auf meinem Programm steht aktuell „The Biggest Lie in the History of Christianity“ (Bestsellerautor Matthew Kelly beschreibt, wie wir uns von den Lügen der modernen Gesellschaft täuschen lassen und zeigt den Weg zurück zu Freunde und Glück).

Aber ich kann auch mein Gebetsleben intensivieren. Jetzt ist mehr Zeit für den morgendlichen Lobpreis. Da viele Abendtermine wegfallen, könnte ich auch mal abends die Komplet beten. Das häufige Händewaschen (siehe Beitrag „Hände waschen mit Gebet“) gibt mir die Gelegenheit für viele Stoßgebete.

Als Christ bin ich aber auch zur konkreten Nächstenliebe aufgerufen: Ich habe mir vorgenommen, mal bei einsamen oder älteren Bekannten anzurufen, nachzufragen, wie es geht, Einkäufe anzubieten. Vielleicht jeden Tag ein Anruf?

Eigentlich wäre es schön, wenn man über die Kirche nicht in den Medien liest, ob und wann sie ihre Gottesdienste absagt, sondern weil sich ihre Mitglieder für andere einsetzen, die Seelsorgeangebote aufstockt, für Hilfsbedürftige spendet, die aufgrund des Coronavirus ihren Job verlieren, und hilft, den Glauben neu erfahrbar zu machen und das Vertrauen in die Existenz Gott zu stärken.

Was macht Ihr mit Eurer geschenkten Zeit? Wir sind gespannt auf Eure Kommentare!

Johannes Lerch, 15.03.2020

Von Mensch zu Mensch

Und plötzlich ist da diese un-fassbare Gefahr ganz nah vor unserer Tür, in Form eines uns noch in vielen Aspekten unbekannten Virus, eines Virus, das durch Menschen übertragen wird – das von Mensch zu Mensch geht.

Wenn wir uns aussuchen könnten, was von Mensch zu Mensch geht, dann sind das vor allem gute Dinge: Freude, Zuversicht, Liebe, Hoffnung, Freundlichkeit, Fröhlichkeit, Zärtlichkeit, Umarmungen, nette Gesten.

Die negativen Worte, Gesten, Stimmungen, Haltungen, die von Mensch zu Mensch gehen können – und erst recht ein Krankheitserreger – sind eher dafür geeignet, uns das Leben schwer zu machen, als dass sie Freude bereiten.

Der entscheidende Unterschied zwischen negativen Worten, Gesten, Stimmungen und Haltungen und einem Virus ist, dass das Virus nichts mit der Absicht oder dem Wesens eines Menschen zu tun hat, sondern ungeliebter Gast im eigenen Körper ist. 

Trotzdem bewirkt der ungeliebte Gast oder allein die Angst vor einem solchen, genau das, was sonst negative Worte, Gesten, Stimmungen und Haltungen bewirken: wir halten Abstand zu anderen Menschen.

Die Herausforderung ist jetzt, dass der eingehaltene äußere Abstand, die abgesagten Veranstaltungen, die Einschränkung des Händeschüttelns usw., keine Auswirkungen auf den inneren Abstand haben.

Auswirkungen wird die Situation auf uns haben. Die Frage ist nur welche. Wie so vieles im Leben wird auch das von uns selbst abhängen. Nun gilt es kreativ zu werden, wie die Verbundenheit und der Kontakt bestehen und gestärkt werden können, wenn direkte Treffen nur sehr eingeschränkt möglich sind. Einige Beispiele sind mir dafür schon begegnet. Immer mehr Gottesdienste oder Gebetszeiten werden live im Internet übertragen und so deutlich gemacht, dass es ein Miteinander im Gebet über die Grenzen der eigenen Wohnung hinaus gibt. Videokonferenzen werden abgehalten oder positive Gedanken und Bilder geteilt.

Beispielsweise war es heute so, dass am laufenden Band jemand von meinen Kontakten bei einem beliebten Messenger-Dienst Bilder hochgeladen hat: vom Spaziergang in der Sonne, von sonnigen Wiesen, Seen, blühenden Blumen oder sich selbst in der Sonne. Das war wie ein Gegenprogramm zu den schlechten Nachrichten und Einschränkungen durch das Corona-Virus. Es kam mir vor, dass alle sagen wollten: Schaut her Leute! Das Leben ist immer noch schön! Trotzdem und gerade jetzt stellen wir das Schöne in die Mitte! Und: Wir lassen uns nicht unterkriegen!

Mein Lieblingspsalm ist seit einiger Zeit der Psalm 27. Er ist ein Psalm voller Zuversicht und Hoffnung. Er passt gut an dieser Stelle. Hier die Verse 1-4 und 11-14 in der Version der Einheitsübersetzung 2016:

„1 Der HERR ist mein Licht und mein Heil: Vor wem sollte ich mich fürchten? Der HERR ist die Zuflucht meines Lebens: Vor wem sollte mir bangen? 2 Dringen Böse auf mich ein, um mein Fleisch zu verschlingen, meine Bedränger und Feinde; sie sind gestrauchelt und gefallen. 3 Mag ein Heer mich belagern: Mein Herz wird nicht verzagen. Mag Krieg gegen mich toben: Ich bleibe dennoch voll Zuversicht. 4 Eines habe ich vom HERRN erfragt, dieses erbitte ich: im Haus des HERRN zu wohnen alle Tage meines Lebens; die Freundlichkeit des HERRN zu schauen und nachzusinnen in seinem Tempel. 11 Weise mir, HERR, deinen Weg, leite mich auf ebener Bahn wegen meiner Feinde! 12 Gib mich nicht meinen gierigen Gegnern preis; denn falsche Zeugen standen gegen mich auf und wüten! 13 Ich aber bin gewiss, zu schauen die Güte des HERRN im Land der Lebenden. 14 Hoffe auf den HERRN, sei stark und fest sei dein Herz! Und hoffe auf den HERRN!“

Juliane Schaad, 15.03.2020