Pfingsten nach Corona

„Vor Pfingsten waren die Jünger in Quarantäne. Aber was passierte dann?“

Ein lustiges Video der Emmanuel School of Mission (ESM) zeigt, welche Freude der Heilige Geist schenken kann, wenn wir aus der Quarantäne in die Welt hinaus gesendet werden.

Johannes Lerch, 01.06.2020

Wir gehören zusammen! Komm, Heiliger Geist!

Foto: Dnalor 01/Wikimedia Commons/CC-BY-SA 3.0

Artikel I, 1, Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Genesis 1: Gott hat den Menschen geschaffen nach seinem Bild; männlich und weiblich. Einzigartig. Besonders. Begabt. Geliebt. Liebenswert. Gewollt. Gebraucht.

Du bist wichtig! Ich bin wichtig! Wir sind wichtig! Einzeln und als Gemeinschaft!

Eine Erfahrung des Menschseins ist, dass Menschen nicht glauben können, dass sie geliebt sind. Es hören wollen, dass sie gebraucht werden. Erfahren müssen, dass sie wichtiger Bestandteil eines Ganzen sind. Ein Leib, viele Glieder. Wo das nicht der Fall ist entstehen Minderwertigkeitsgefühle, Eifersucht, Unzufriedenheit, Gereiztheit, Streit. Muss das sein?

Pfingsten schenkt Leben! Pfingsten schenkt Frieden! Pfingsten schenkt Neuanfang! Pfingsten schenkt Wandlung! Pfingsten schenkt Gottes guten Geist. Mit dem Pfingstfest werden die Mauern der Angst, Selbstbezogenheit, Unsicherheit, Einsamkeit, menschlichen Begrenztheit, in denen die Jünger nach der Himmelfahrt Jesu gefangen waren, gesprengt.

Mit dem Pfingstfest sprudeln die Ideen, sprudelt die Energie, sprudelt das Leben. Das ist der Heilige Geist! Wo ist der Heilige Geist in meiner Welt, in meinem Leben, könnten Sie vielleicht fragen. Genau da – würde ich sagen: Genau da, wo Energie ist, wo unverhofft Kleines und Großes gelingt oder geschieht. Wo Wandel weiterführt, Fesseln gesprengt und Mauern übersprungen werden. Wo Bewegung zur Einheit führt. Wo jede zählt und jeder wichtig ist. Wo alle Talente zur Geltung kommen und sich entfalten dürfen. Wo in der Krise Hoffnung sichtbar wird und neue Gemeinschaft entsteht.

An diesem Pfingstfest wird noch manches anders sein als sonst. In der Corona-Krise sind wir durch Hygienebestimmungen und  Ausgangsbeschränkungen auf vielfache Weise voneinander getrennt. Und dennoch dürfen wir uns im Geist von Pfingsten miteinander verbunden und getragen wissen.

Der Geist weht, wo er will. Auch das ist Pfingsten. Gottes Geist ist gewaltig, lebendig, aber auch unfassbar und unplanbar. Er lässt sich nicht missbrauchen. Denn er weht, wo er will, und wird uns überraschen. Gebeten werden will er und gerufen. In unsere Welt, in unsere Leben, in Deine Wirklichkeit, in meine Sorgen hinein, mitten in eine große Krise unserer Zeit: Komm, Heiliger Geist! Veni sancte Spiritus!

Jesus in unserer Mitte: der Friede sei mit Euch – empfangt den Heiligen Geist! Das galt damals, das gilt heute! Das gilt für uns!

Wundervoller als in der Pfingstsequenz (aus dem 13. Jahrhundert) kann aus meiner Sicht der Heilige Geist nicht beschrieben werden. Besser kann er nicht herbei gerufen werden:

Komm herab, o Heil‘ger Geist,
der die finstre Nacht zerreißt,
strahle Licht in diese Welt.
Komm, der alle Armen liebt,
komm, der gute Gaben gibt,
komm, der jedes Herz erhellt.

Höchster Tröster in der Zeit,
Gast, der Herz und Sinn erfreut,
köstlich Labsal in der Not.
In der Unrast schenkst du Ruh,
hauchst in Hitze Kühlung zu,
spendest Trost in Leid und Tod.

Komm, o du glückselig Licht,
fülle Herz und Angesicht,
dring bis auf der Seele Grund.
Ohne dein lebendig Wehn
kann im Menschen nichts bestehn,
kann nichts heil sein noch gesund.

Was befleckt ist, wasche rein,
Dürrem gieße Leben ein,
heile du, wo Krankheit quält.
Wärme du, was kalt und hart,
löse, was in sich erstarrt,
lenke, was den Weg verfehlt.

Gib dem Volk, das dir vertraut,
das auf deine Hilfe baut,
deine Gaben zum Geleit.
Lass es in der Zeit bestehn,
deines Heils Vollendung sehn
und der Freuden Ewigkeit.
Amen. Halleluja.

Frohe Pfingsten!

Juliane Schaad, 29.05.2020

P.S. Inspiriert wurde dieser Text von den Lesungstexten des Pfingstsonntags. Zum Nachlesen: Apostelgeschichte 2,1–11, 1 Korinther 12,3b–7.12–13,Johannesevangelium 20,19–23

Trotzdem Ja zum Leben sagen

Während des Lockdowns ab Mitte März habe ich ein Buch von Viktor E. Frankl, dem Begründer der Logotherapie , gelesen. In diesem beschreibt er seine Zeit im Konzentrationslager. Trotz dieses schweren Themas ist sein Buch „Trotzdem Ja zum Leben sagen“ von einem optimistischen Ton getragen.

Auch wenn unsere Zeit nicht mit der Situation vergleichbar ist, die Frankl durchlebt hat, so bleiben mir doch seine Lehren, die er aus dieser Zeit gezogen hat und die ich mit Euch teilen möchte, im Gedächtnis. Ich finde, sie können für uns gute Orientierungspunkte sein, um durch diese Wochen und die Nach-Corona-Zeit zu kommen.

Hier nun ein paar seiner Erfahrungen/Gedanken:

  • Jeder Mensch hat in jeder Lage die Freiheit, sich zu den ihn umgebenden Verhältnissen so oder so einzustellen. Wichtig ist die innere Einstellung zu den Dingen.
  • Die geistige Freiheit des Menschen lässt ihn die Gelegenheit finden, sein Leben sinnvoll zu gestalten – auch im Leiden.
  • Wer keinen inneren Halt hat, lässt sich geistig und menschlich fallen und verfällt den äußeren Einflüssen. Wer einen inneren Halt hat, kann sich dagegen wehren.
  • Wer das Warum des eigenen Lebens und sein Lebensziel kennt, kann das Wie der gegenwärtigen Lage ertragen und ist ihr gewachsen.
  • „Leben heißt also: Verantwortung tragen für die rechte Beantwortung der Lebensfragen, für die Erfüllung der Aufgaben, die jedem Einzelnen das Leben stellt und für die Erfüllung der Forderung der jeweiligen Stunde.“
  • Diese Forderung und damit der Sinn des Lebens ist von Mensch zu Mensch und von Augenblick zu Augenblick verschieden und jeweils sehr konkret.
  • Jeder Mensch steht mit seinem auch leidvollen Schicksal im ganzen Kosmos einmalig und einzigartig da. Darin wie er oder sie als Betroffene(r) das Leid trägt, liegt die einmalige Möglichkeit zu einer einzigartigen Leistung. Diese Sicht der Dinge kann vor Verzweiflung retten.

Soweit Frankls Gedanken.

Vielleicht können gerade dann, wenn wir in diesen Zeiten neu nach dem Sinn unseres Lebens und speziell dieser besonderen Wochen und Monate fragen, diese Impulse für unser Leben fruchtbar werden.

Ludger Fest, 23.05.2020

Platzkarten in der Kirche?

Fast überall können nach der Lockerung der Corona-Maßnahmen jetzt wieder Gottesdienste gefeiert werden. Wir waren gestern mit unseren Kindern dabei, und ich hatte mir im Vorfeld viele Gedanken gemacht, denn die Zahl der zugelassenen Besucher war limitiert.

Zählt jeder von unserer Familie einzeln oder wird unsere häusliche Gemeinschaft als ein Besucher gezählt? Werden wir abgewiesen, wenn wir zu spät kommen? Müsste ich nicht aus Nächstenliebe vorsichtshalber auf den Gottesdienstbesuch verzichten, um anderen nicht den Platz wegzunehmen?

Um Menschen nicht vor der Kirche abweisen zu müssen, vergeben einige Gemeinden Platzkarten, für die man sich vorher anmelden muss. Meine Mutter hatte sich eine Platzkarte telefonisch bestellt und per Post zugesandt bekommen. Was für ein Aufwand. Wenn das so weitergeht, gibt es vielleicht bald eine komfortable Online-Registrierung für den Gottesdienstbesuch – und die Logenplätze auf der Empore? Nein, denn wir wollen den Gottesdienst ja aktiv mitfeiern und nicht nur zuschauen wie im Kino. Vielleicht haben wir uns bei den Livestream-Messen der letzten Wochen auch daran gewöhnt, dass wir gut in der ersten Reihe sitzen können und wagen uns jetzt auch in der Kirche, mal einen Platz weiter vorne einzunehmen.

Aber ob wir überhaupt einen Platz bekommen? Was mir in den Sinn kommt, ist erst einmal der Wirtschaftskundeunterricht über Angebot und Nachfrage. Oft erleben wir unsere Gottesdienste als Angebot mit nur geringer Nachfrage. Wenn jetzt aber das Angebot begrenzt und nur wenige Menschen einen Gottesdienst besuchen dürfen, die Nachfrage von ausgehungerten Christen also steigt, dann müsste der Wert einer Messe ja höher eingeschätzt werden. Vielleicht setzt ja bald ein Run auf die letzten freien Plätze ein – und die Nachfrage wird so groß, dass Platzkarten auf dem Schwarzmarkt verkauft werden? J

Genug der Träumerei. In unserem Gottesdienst haben alle einen Platz bekommen, auch ohne Registrierung. Der Besuch war schon eine eigenartige Erfahrung, aber durchaus mit interessanten, positiven und hoffnungsvollen Aspekten:

  • Am Eingang der Kirche werde ich von freundlichen Helfern begrüßt, die mir Desinfektionsmittel auf die Hände sprühen – wie schön ist doch so eine persönlich Begrüßung: Hier fühle ich mich willkommen.
  • Am Kircheneingang ist kein Weihwasser im Becken. Das lässt mich innehalten: Wozu war noch einmal das Weihwasser? Ach ja, ich erneuere mein Taufversprechen. Dann mache ich das Kreuzzeichen jetzt nicht mechanisch, sondern ganz bewusst.
  • Ein Ordner erklärt mir freundlich, wo ich meinen Sitzplatz einnehmen kann und geleitet mich ein Stück. Ich fühle mich wie im Kino.
  • Auf den Bänken liegen Infozettel für Gottesdienstbesucher aus. Dort stehen alle wichtigen Hygiene-Hinweise, und es wird sehr verständlich und genau erklärt, wie ich mich im Kirchenraum zu verhalten habe. Könnte man da nicht auch mal einen Flyer mit erklärenden Hinweisen zum Messablauf und den liturgischen Elementen des Gottesdienstes auslegen – gerade für Menschen, die nach der Krise wieder neu eine Heilige Messe besuchen und für die eine Orientierung hilfreich wäre?
  • Mitsingen war nicht erlaubt – aber durch innerliches Mitsummen und Hören der Liedtexte kann ich die Inhalte fast noch bewusster wahrnehmen und meinen Gedanken freien Lauf lassen, sodass auch der verinnerlichte Gesang zum doppelten Gebet werden kann.
  • Dass wir uns beim Friedensgruß nicht die Hände geben sollen, sondern durch ein freundliches Zunicken den Frieden wünschen, sind wir bereits gewohnt – allerdings muss ich noch lernen, beim empfohlenen Tragen des Mund-Nasen-Schutzes, mit den Augen zu lächeln. Aber mit einem freundlichen Blick kann ich weitaus mehr Menschen erreichen als nur meinen Banknachbarn.
  • Beim Kommunionempfang wurden wir aufgefordert, unsere Hände weit nach vorne strecken, um möglichst großen Abstand zum Priester oder Kommunionhelfer einzuhalten – diese Geste ist ungewohnt, aber unterstreicht, dass wir uns zum Herrn ausstrecken und ihn bewusst empfangen dürfen.

Alles in allem waren also meine Erfahrungen des ersten Gottesdienstes unter Corona-Auflagen auch ohne Platzkarte sehr positiv – ein erster Schritt nach vorn und ein Zeichen der Hoffnung.

Johannes Lerch, 18.05.2020

Corona-Halleluja

Mitglieder der Gemeinschaft Emmanuel in Flandern (Belgien) haben aus dem fröhlichen Emmanuel-Lied „Halleluja – Jubilate Deo“ eine Corona-Version erstellt und singen aus verschiedenen Häusern mit selbst gedichteten Texten.

Man sieht ein junges Paar, das in der Corona-Krise mit Mundschutz geheiratet hat und auf der Straße tanzt, eine Familie, bei der die Haare wachsen oder eine Lehrerin, die mit den Schülern im Homeschooling ringt.

Das Lied der Hoffnung verschweigt nicht, dass es in Corona-Zeiten auch manchmal schwierig ist. Aber alle vertrauen auf Gott und möchten dazu ermutigen, mit Zuversicht weiterzumachen.

Eine Übersetzung der niederländischen Untertitel findet Ihr hier:

Wir sind getraut, ja es ist wahr – Halleluja
Mit Masken an, etwas bizarr – Halleluja
Erst auf dem Amt, dann in der Kirch – Halleluja
Ein Straßentanz, die Nachbarn froh – Halleluja

Die Vorschulkinder haben Spaß – Halleluja
Sie müssen nicht pünktlich ins Bett – Halleluja
Und die Frisur‘n, etwas bizarr – Halleluja
Sogar Papa hat Lockenhaar – Halleluja

Die Predigt hier, die Arbeit da – Halleluja
Zum Glück hab’n wir es bald geschafft – Halleluja
Bei zehn im Haus, entsteht auch Schmutz – Halleluja
Dann machen wir den großen Putz – Halleluja

Mein Unterricht mit Google-Tools –  jeden Morgen
Die Schüler froh und keine Tests – keine Sorgen
Mein Hund stört mich, das hör‘ ich oft – eine Ausred‘
Und gnäd‘ge Frau, Smart-School klappt nicht – Oh, ich seufze.

Nach all dem Stress bei meinem Job – will ich ausruh’n
Ich nehme ein Bad im kleinen Pool, – denn ich vermiss‘ das Meer
Ich sitze gern auf dem Balkon –  es ist Sonnenschein
Mit ganzem Herz folg‘ ich der Mess‘ – mein Fels ist der Herr

Denkt Ihr Euch auch: Was ist das hier? – das ist nicht normal
Die Menschen krank oder allein – das ist nicht trivial
So singen wir zu unserem Herrn – zünden Kerzen an
Genau für Dich und jedermann – es ist noch nicht getan

Seit einem Monat hier zuhaus‘ – Halleluja
Mit uns sind acht im ganzen Haus – Halleluja
Manchmal sind wir im Hinterhof – Halleluja
Die Sonne scheint, wir sind schon braun – Halleluja

Welcome im Haus bei Degroote – Halleluja
So eingesperrt ist es nicht schön – Halleluja
Die Sieben hier, lernen so viel – Halleluja
Dreijährige können nichts tun – Halleluja

Sechs Wochen schon auf engem Raum – Halleluja
Nicht viel zu tun, wir drehen durch – Halleluja
Und täglich grüßt das Murmeltier – Halleluja
Ich bau auf Ihn: Er lebt, der Herr – Halleluja

In meinem Haus so eingesperrt – Halleluja
Durch Hausarbeit wird alles rein – Halleluja
Ein schöner Film, eine gutes Buch – Halleluja
und Jesus lebt, erweckt vom Tod – Halleluja

Johannes und Marion Lerch, 05.05.2020

Mit Maske zum Hoffnungsträger werden

Am Mannheimer Stephanienufer wurde auch der Statue von Stephanie de Beauharnais, Adoptivtochter von Napoléon Bonaparte und Großherzogin von Baden, ein Mundschutz angezogen.

Jetzt ist sie also da, die Maskenpflicht. Alle Bundesländer haben inzwischen das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes in Teilen des öffentlichen Raums zur Pflicht gemacht, um die weitere Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen.

Was bisher als Zeichen der Abschottung galt, wird jetzt gesetzlich vorgeschrieben. Was verbinden wir mit einer Maske? Wer sich eine Maske aufsetzt, will normalerweise unerkannt bleiben, sich verstecken oder andere täuschen. Er zeigt nicht sein wahres Gesicht. Maskierte Männer assoziieren wir mit Banküberfällen, vermummte Menschen mit ausfälligen Demonstrationen.

Bei mittelalterlichen Turnieren kämpften die Ritter in der Regel mit heruntergeklapptem Visier – nur wer Mut hatte und ehrenvoll war, kämpfte mit offenem Visier und gab sich dem Gegner zu erkennen. Bei Fastnacht oder Karneval kann der Maskenträger für eine Zeitlang eine andere Rolle spielen und unerkannt Schabernack treiben. Doch am Aschermittwoch fallen die Masken, und wir legen unsere Rollen ab. Denn es folgt die Zeit des Fastens, um das Antlitz von „Gottes Ebenbild“ wieder ins Licht des Glaubens zu rücken.

Bei uns zu Hause laufen die Nähmaschinen heiß, bis für alle Familienmitglieder passende Schutzmasken gefertigt sind. Zum Glück gibt es ja in allen Medien genügend Anleitungen. Mittlerweile ist auch ein Wettbewerb entbrannt, wer die schönste Maske hat. Man kann durch das neue modische Kleidungsstück auch Botschaften transportieren, noch auffälliger wie über T-Shirts: Ministerpräsidenten tragen eine Maske in den Landesfarben oder mit Landeswappen. Fußballfans finden Masken im Vereins-Look.

Auch christliche Motive habe ich schon entdeckt: Ein katholischer Pfarrer trägt einen Mundschutz mit dem Motiv des Guten Hirten.  Ein evangelischer Landesbischof hat das Ulmer Münster direkt vor der Nase. Ein amerikanischer Gesichtsmasken-Schal „Gott liebt dich“ trägt die Aufschrift „If You Are Reading This, God Loves You. But You Are Too Close.“ Über den Hashtag #maskeauf kann jeder ein Bild seiner selbstgemachten Kreationen zur Schau stellen. „Das wird der sinnvollste Modetrend aller Zeiten“, heißt es auf der Website www.maskeauf.de.

Doch in der Öffentlichkeit eine Maske zu tragen ist ungewohnt und mir anfangs schwer gefallen. Das Atmen wird deutlich beschwerlicher. Wie schön ist es, wenn man frei und tief Luft holen kann. Aber ich kann diese Beschränkung auch ganz bewusst auf mich nehmen und die Maske als Zeichen der Hoffnung tragen. Denn ich  nehme damit Rücksicht auf die anderen und schütze sie vor einer Ansteckung. Ist das nicht ein Zeichen der Nächstenliebe?

Mit dem Tragen einer Maske, die bisher als Symbol der Abschottung galt, kann ich so zum Hoffnungsträger für einen Sieg gegen die Seuche werden.

Johannes Lerch, 03.05.2020

Hochspannung

Es staut sich auf und entlädt sich. Was passiert da gerade? Von verschiedenen Leuten aus ganz verschiedenen Ecken höre ich es: Fast zwei Monate Corona haben eine Wirkung auf uns. Viel Gutes und Positives ist geschehen.

Und dennoch – immer wieder kommt es vor, dass Spannung auftritt und zutage kommt. Bisweilen unbeabsichtigt und unbemerkt, doch die Gereiztheit geht weiter, und irgendwann knallt es. Gewitter kann reinigend sein – hoffentlich und bestenfalls. Ich wünsche uns sehr, dass diese Spannung uns nicht auseinander bringt, sondern weiterführt – miteinander.

Gut, dass wir Menschen Menschen sind. Da gehören verschiedene Stimmungslagen einfach dazu. Da ist nicht immer nur eitel Sonnenschein. Auch bei den Menschen in der Bibel hat es mal geknallt. Auch die Priester, Propheten, Apostel und Heiligen waren nicht immer Musterknaben und brave Mädchen.

Die Geschichten von Mose, David, Petrus, Zachäus oder Sara und noch viele mehr zeugen davon. Auch Jesus hat im Tempel die Fetzen fliegen lassen, weil ihm nicht gepasst hat, wie die Händler mit dem heiligen Ort umgegangen sind.

Immer alle Emotionen zurückzustellen macht krank. Sie allezeit unkontrolliert herauslassen, macht aber auch weder Freude noch Freunde. Den goldenen Mittelweg zu finden und dabei aufrichtig, authentisch und liebend zu bleiben, ist eine der größeren Herausforderungen unseres Lebens.

Viele Dinge füllen meinen Kopf, und ich schaue auf das Licht der Kerze auf meinem Fensterbrett. Dieses Licht dringt direkt in mein Herz und lässt mich lächeln. Auf meinem Handy läuft Musik und irgendwann höre ich „Egal wie du aussiehst, egal wie du dich fühlst: Gott liebt dich!“ Und danach: „Sei mutig und stark und fürchte dich nicht! Denn der Herr, dein Gott ist bei dir!“

Juliane Schaad, 30.04.2020

Und bis wir uns wiedersehen …

Ich hatte Tränen in den Augen, als ich zum ersten Mal ein Video gesehen habe, in dem ein Blasorchester aus dem „Homeoffice“ dieses Lied gespielt hat – den Refrain von „Möge die Straße uns zusammenführen“, nach irischen Segenswünschen und der Melodie von Markus Pytlik: „Und bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in seiner Hand!“

Zum ersten Mal habe ich das Lied als Jugendliche gesungen. Unser damaliger Chorleiter war mit dem Komponisten bekannt und hatte es mitgebracht. Mittlerweile wird es wahrscheinlich in den meisten christlichen Kirchen in Deutschland gesungen und ist sehr bekannt. Und mir wird immer mehr bewusst: Der Text ist wahr und das nicht nur als Verheißung oder Wunsch, sondern als Tatsache.

Besonders der Refrain enthält eine Hoffnung und eine Wahrheit, die uns jetzt in Zeiten der Corona-Krise tragen kann: Wir werden uns wiedersehen! Ganz bestimmt – und das nicht erst im Himmel, sondern bald wieder auch hier auf der Erde. Und bis dahin wissen wir: Gott hält Dich und mich und alle, die wir lieben und gerade nicht treffen oder umarmen können, fest in seiner Hand.

Juliane Schad, 20.04.2019

Hier der Liedtext:

1. Möge die Straße uns zusammenführen
und der Wind in deinem Rücken sein;
sanft falle Regen auf deine Felder
und warm auf dein Gesicht der Sonnenschein.

Refrain: Und bis wir uns wiedersehen,
halte Gott dich fest in seiner Hand;
und bis wir uns wiedersehen,
halte Gott dich fest in seiner Hand.

2. Führe die Straße, die du gehst
immer nur zu deinem Ziel bergab;
hab wenn es kühl wird, warme Gedanken
und den vollen Mond in dunkler Nacht.

3. Hab unterm Kopf ein weiches Kissen,
habe Kleidung und das täglich Brot;
sei über vierzig Jahre im Himmel,
bevor der Teufel merkt du bist schon tot.

4. Bis wir uns mal wiedersehen,
hoffe ich, dass Gott dich nicht verlässt;
er halte dich in seinen Händen,
doch drücke seine Faust dich nicht zu fest.

(Markus Pytlik)

Corona lehrt uns warten

Wenn wir uns beim Einkaufen an der Kasse die Beine in den Bauch stehen, beim Arzt gelangweilt im Wartezimmer sitzen oder händeringend auf Bus und Bahn warten: Selten lassen wir unseren Gedanken freien Lauf. Oft versuchen wir, uns abzulenken und „nutzen“ die Zeit, um die neuesten Nachrichten auf dem Handy abzurufen.

Unsere Zeit ist ungeduldig und hektisch geworden. Haben wir das Warten verlernt? Ist Warten vertane Zeit? Laut Duden bedeutet Warten, „dem Eintreffen einer Person, einer Sache, eines Ereignisses entgegensehen, wobei einem oft die Zeit besonders langsam zu vergehen scheint“.

Lange haben wir alle auf die Regel-Lockerungen gewartet, die für die Zeit nach Ostern angekündigt waren. Jetzt endlich ist etwas Bewegung in die Corona-Einschränkungen gekommen. Zumindest kleinere Geschäfte dürfen wieder öffnen. Aber trotzdem geht das Warten weiter – nämlich vor dem Geschäft, bis wir es überhaupt betreten dürfen, weil die zugelassene Kundenzahl begrenzt ist. Doch ich habe den Eindruck, dass plötzlich eine große Gelassenheit herrscht. Keiner in der Schlange schaut aufs Handy. Auch wenn mich die allgemeine Stimmung eher an das Kaninchen vor der Schlange erinnert – etwas verängstigt, gelähmt und nachdenklich –, so aber doch nicht hoffnungslos.

Hat uns die Corona-Krise das Warten gelehrt? Die Kinder warten darauf, endlich wieder auf den Spielplatz, ins Schwimmbad, oder zum Sportverein gehen zu dürfen. Die Größeren warten darauf, sich wieder mit Kumpels treffen oder ins Kino gehen zu können. Mehrere Kinofilmstarts wie zum Beispiel der neue James Bond „Keine Zeit zu sterben“ wurden aufgrund des Corona-Virus verschoben.

Die Gastronomiebetriebe müssen weiter auf die Öffnung warten. Fußballfans warten auf die Fortsetzung der Bundesliga oder die Fußball-Europameisterschaft, die ebenso wie die Olympischen Spiele um ein Jahr verschoben wurde.

Als Christen haben wir 40 Tage gewartet, bis die Fastenzeit vorüber und Jesus auferstanden ist. Jetzt warten wir 50 Tage bis der Heilige Geist an Pfingsten kommt. Und in der Adventszeit warten wir auf die Geburt Jesus. Für Christen bedeutet dieses Warten aber auch eine Vorfreude!

Die Juden warten noch immer auf den Erlöser und im Islam beginnt in Kürze der Fastenmonat Ramadan. Dann warten die gläubigen Muslime jeden Tag auf Sonnenuntergang, bis sie wieder essen und trinken dürfen.

Doch was alle Religionen verbindet: Sie warten momentan darauf, dass Gottesdienste wieder möglich sind. Immerhin kommen in Deutschland normalerweise weit mehr Menschen am Wochenende in Gotteshäusern zusammen als Fußballfans in die Stadien der ersten und zweiten Bundesliga pilgern.

Wer nicht warten kann, wird ungeduldig und versucht, die Wartezeit dadurch zu verkürzen, dass man ein schnelleres Ende einklagt: Im Einzelhandel ziehen große Kaufhäuser vor Gericht, um die Öffnung zu erzwingen. In Berlin hat eine Gemeinde gegen das Gottesdienst-Verbot geklagt.

Ungeduld ist eines der Merkmale unserer Zeit geworden. Wir sind frustriert, wenn eine Internet-Seite länger als zwei Sekunden braucht, bis sie sich aufgebaut hat. Und Gott bewahre jeden, der an einer gerade grün gewordenen Ampel zu lange braucht, um Gas zu geben. Besessen von immer mehr Schnelligkeit handeln wir unüberlegt, hastig und gereizt.

Üben wir uns in Geduld. Atmen wir mal tief durch. Nutzen wir die Corona-Zeit zur Entschleunigung.

Im Warten kann ich den Wert des ersehnten Ereignisses schätzen lernen. Deshalb sind gerade längere Wartezeiten oft wertvoll. Wer ungeduldig wartet, will weg von der Gegenwart und projiziert alles in die Zukunft, wo er dringend hin will. Das reduziert die Lebensqualität, weil die Gegenwart verloren geht.

Warten wir lieber im Hier und Jetzt. Bleiben wir dabei in der Gegenwart präsent und aufmerksam. Dann kann uns auch Gott begegnen. Und wir können vielleicht die rote Ampel für ein Stoßgebet nutzen, im Wartezimmer für den Arzt und die anderen Patienten beten oder ein Vaterunser sprechen, während der Computer hochfährt.

Wir können uns ein Beispiel an Jesus nehmen, der alles mit Geduld erleidet, der vor allem so viel Geduld mit uns hat und immer wartet, bis wir zu ihm kommen.

Die Geduld ist die Stärke der Schwachen, die Ungeduld ist die Schwäche der Starken.“ (Immanuel Kant)

Johannes Lerch, 18.04.2020

Mit Jona in der Quarantäne

In diesen außergewöhnlichen Zeiten kommt mir immer wieder das Buch Jona aus dem Alten Testament in den Sinn, genauer gesagt die Szene, in der der Prophet Jona drei Tage im Bauch eines großen Fisches verbringt.

Ich frage mich, ob wir nicht alle gerade auch im „Bauch des Fisches“ leben, weil wir auf uns und unsere engste Umgebung zurückgeworfen sind.

Jona landete im Fisch, weil er vor dem Auftrag, den Gott ihm gegeben hat, davongelaufen ist.

Wie steht es mit mir, mit uns? Kennen wir unsere Aufgabe(n)? Kennen wir den Willen Gottes für unser Leben, für die jetzige Situation? Laufen wir vielleicht vor unserem Auftrag davon und suchen uns andere Dinge, um das, was Gott von uns möchte, nicht tun zu müssen? Sind wir bereit, unser Leben gegebenenfalls zu ändern und neu auszurichten?

Es wäre doch spannend, sich mit diesen und ähnlichen Fragen in dieser Zeit auseinandersetzen.

Jona kapierte jedenfalls, wie es weitergehen soll, nachdem der Fisch ihn wieder ausgespien hat, und er führte seine Aufgabe sehr erfolgreich aus. Warum er trotzdem nicht zufrieden war, könnt Ihr selbst im wirklich sehr kurzen Buch Jona nachlesen. Nur so viel sei verraten: Die Geschichte hat einen überraschenden Ausgang.

Und nun: Nutzen wir die vielfach geschenkte Zeit, um wie Jona zu lernen?

Ludger Fest, 15.04.2020