Fastenzeit? Weil Gott Heil für uns will!

„Auf was soll ich denn noch verzichten?!“ wird so mancher zu Beginn dieser Fastenzeit denken. „Ich muss doch in dieser Corona-Zeit schon auf so vieles verzichten“, könnte ein Gedanke sein.

Wenn weder der wöchentliche Sport, noch der Kaffee mit der Freundin, der Wochenendausflug mit der Familie oder der Besuch der Chorprobe möglich ist, wollen wir uns nicht noch die letzte kleine Freude mit dem Stück Schokolade, dem abendlichen Glas Wein oder der Lieblingsfernsehsendung nehmen …

Was heißt denn Fastenzeit, wenn wir uns die liturgischen Texte des Aschermittwochs anschauen?

„Kehrt um zu mir?“ – „Zerreißt die Herzen, nicht die Kleider!“ – „Kehrt um zum Herrn, eurem Gott!“ So lesen wir im Buch Joel. Wer umkehren muss, hat sich verlaufen, verirrt, ist zu weit gegangen oder auf der falschen Spur. Die Wortspiele gefallen mir.

Weil wir Menschen sind, gibt es jeden Tag in unserem Leben Momente, in denen diese Menschlichkeit durch unsere persönlichen Grenzen sichtbar wird. In vielen Fällen ist das nicht weiter tragisch und schadet weder uns noch anderen elementar. Aber regelmäßig haben Gedanken, Worte oder Taten, die nicht dem Guten dienen, Folgen für uns oder andere.

Okay, manchmal müssen wir umkehren, weil wir schiefgelegen haben – ja, aber wohin denn? Der Lesungstext vom Aschermittwoch (Joël 2, 12–18) gibt da einen konkreten Tipp: zum Herrn, unserem Gott, weil uns das Segen und Heil bringt. Können Sie das bestätigen, dass Gottes Wege diejenigen sind, die dauerhaft zu unserem Glück, Zufriedenheit, Hoffnung und Segen führen?

Einer meiner Lieblingsverse aus der Bibel findet sich im Römerbrief (Römer 8,28): „Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alles zum Guten gereicht.“ Das hab ich erlebt, und das ist meine Hoffnung. So merke ich, dass es mir immer wieder Segen bringt, wenn ich mein Leben Gott hinhalte, ihn um Rat frage und gegebenenfalls an der einen oder anderen Stellschraube drehe. Konkret spüre ich sogar, dass wenn ich mit einer Situation unzufrieden bin und schließlich mir zugestehe, dass ich falsch gelegen habe, innerer Frieden eintritt.

Das ist der erste Schritt. In der Fastenzeit sind wir eingeladen genau dies zu tun: bewusst auf die eigenen Gedanken, Worte und Werke zu schauen, zu prüfen wohin sie mich führen und unter Umständen dann auch die Richtung zu ändern.

Die Kirche gibt uns dafür Hilfsmittel – nicht nur mit dem Evangelium von heute. Das sind zum Beispiel das Gebet, der Empfang der Sakramente, besonders auch das Sakrament der Versöhnung, das Fasten und das Teilen von materiellen Gütern.

Fasten ist ein freiwilliger Verzicht auf etwas, von dem wir ahnen, dass es uns den Blick auf den Kern unseres Lebens versperrt. Es soll uns helfen, frei für eine Umkehr zu Gott zu werden. Was das ist, kann jeder nur für sich selbst entscheiden. Und ja, vielleicht sind das in diesem Jahr ganz andere Dinge als sonst. Aber auch darauf lohnt sich ein Blick, in dem Wissen, dass Gott uns hilft, den Weg zu ihm und mit ihm zu gehen – und damit zu einem Leben im Guten und in Fülle.

Ziel dieses Weges ist die Auferstehung – nicht nur an Ostern 2021! In diesem Sinne wünsche ich uns allen eine gesegnete Fastenzeit!

(Juliane Schaad, 17.02.2021)

Wenn eine Zahl ein Gesicht bekommt

Es ist schon so, dass wir uns fast daran gewöhnt haben an diese Zahl, die wir täglich in den Nachrichten genannt bekommen oder als Eilmeldung auf dem Smartphone oder in der Zeitung lesen: die 800, 900 oder 1000 Menschen, die an oder mit Covid-19 gestorben sind.

Lange schon berichten Krematorien oder Bestatter, dass sie die Anzahl der Menschen, die im Moment sterben, kaum mehr bewältigt bekommen. Und manches ist in diesem Zusammenhang nicht mehr so würdig, wie wir uns das für jeden Menschen wünschen würden.

Es hat eine Weile gebraucht, bis ich das für mich verinnerlicht habe, was diese Zahl für einzelne Menschen und einzelne Familien bedeutet. Ja, jedes Jahr sterben viele Menschen in unserem Land tragisch und grausam, jeden Tag, viele Tausend. Und hinter jedem Einzelnen steckt eine Geschichte und Menschen, die um ihn oder sie trauern.

Und doch bewirkt das in uns etwas, wenn wir jeden Tag diese Zahl hören oder lesen. Manche würden jetzt vielleicht sagen, dass das politisch gewollt ist und dazu beitragen soll, die Menschen zu sensibilisieren. Wie auch immer. Vielleicht schafft es aber auch Aufmerksamkeit für ein Thema, dass lange zu sehr totgeschwiegen und in den Hintergrund gedrängt wurde: die Zerbrechlichkeit unseres Lebens und unsere Sterblichkeit.

In der vergangenen Woche nun war es soweit, dass jemand aus unserer Familie – mein Onkel – aufgrund von Covid-19 um sein Leben gerungen hat und schließlich gestorben ist. Das war der Moment, als diese tägliche Zahl für mich ein Gesicht bekommen hat. Das Gesicht eines Menschen, der mir lieb war, mit dem ich besondere Momente meiner Kindheit verbinde und den ich immer gerne getroffen habe.

Auch wenn wir alle einmal sterben müssen, ein Tod wie wir ihn für uns oder unsere Lieben wünschen würden, ist ein anderer. Mit diesem Text möchte ich all derer gedenken, die durch oder mit der Krankheit, die das Corona-Virus verursacht hat, gestorben sind: Gott nimm sie auf in sein Himmelreich. Und ich möchte Gott alle anvertrauen, die einen lieben Menschen durch Covid-19 verloren haben und denen das Abschiednehmen durch die aktuellen Umstände oft schwer gemacht wird: Gott segne sie.

(Juliane Schaad, 31.01.2021)

Jenseits von richtig oder falsch

„Jenseits von richtig oder falsch liegt ein Ort. Dort begegnen wir uns.“ (Dschalal ad-Din ar-Rumi)

Heute ist wieder einer dieser Tage, wo alle in Deutschland darauf warten, was Kanzlerin Merkel und die Ministerpräsidenten der 16 Bundesländer für die nächste Zeit an Regeln, Geboten und Verboten in Bezug auf die Corona-Pandemie beschließen. Sie müssen entscheiden, was das Beste für die Menschen hier ist und wie ihrer Meinung nach endlich die Zahlen der Infizierten, Toten und Menschen mit Covid-19 auf den Intensivstationen zurückgehen kann.

Auch wenn ich jetzt noch nicht weiß, was uns am Ende der Beratungen verkündet wird, weiß ich doch, dass die Meinungen darüber stark auseinander gehen werden: Für die einen werden die Beschlüsse nicht weit genug gehen und die anderen werden sich darüber empören, welche Einschränkungen und Hindernisse uns aufgebürdet werden.

Was ich auch weiß ist, dass es ein richtig oder falsch objektiv nicht geben wird, schon gar nicht jetzt vor dem nächsten Wegstück in dieser Pandemie. Nach der nächsten Biegung werden wir vielleicht schlauer sein und können nur hoffen, dass die Damen und Herren in der Entscheidungsverantwortung gute Schlüsse gezogen haben aus den Erfahrungen der Wegstücke, die hinter uns liegen.

Beim Sortieren von Unterlagen ist mir heute eine Postkarte mit dem oben genannten Spruch in die Hände gefallen: Jenseits von richtig oder falsch liegt ein Ort. Dort begegnen wir uns. Und genau das wünsche ich uns, wenn heute Nachmittag oder Abend die Wegmarken für die nächsten Wochen bekannt gegeben werden, dass wir lernen jenseits von richtig oder falsch im guten Willen das nächste Wegstück zu schaffen, uns begegnen statt uns weiter voneinander zu entfernen – auch wenn diese Begegnung vermutlich leider noch eine ganze Weile digital oder nur von weitem sein wird.

(Juliane Schaad, 19.01.2021)

Mit Ohnmacht und Hilflosigkeit umgehen

Pater Anselm Grün hat in Instagram folgenden Beitrag gepostet:

Liebe Instagramgemeinde!

Trotz aller Verschärfungen der Vorschriften im Lockdown bekommen wir den Virus einfach nicht in den Griff. Das erzeugt in uns ein Gefühl der Ohnmacht und Hilflosigkeit. Das Ohnmachtsgefühl ist unangenehm. Ein Weg, diesem Gefühl aus dem Weg zu gehen, besteht darin, die Schuld entweder bei anderen oder bei sich selbst zu suchen.

Wenn wir die Schuld bei anderen suchen, dann haben wir das Gefühl: Eigentlich könnte man die Krise vermeiden. Sie ist in unserer Hand. Nur ein paar Leute sind Schuld daran, dass sie uns getroffen hat. Doch dann übergehen wir das Gefühl, dass wir dieser Krise einfach ausgeliefert sind. Wir akzeptieren unsere eigene Begrenztheit und Brüchigkeit nicht. Wenn wir die Schuld bei uns selber suchen, dann schwächen wir uns. Und mit unseren eigenen Schuldgefühlen weichen wir letztlich auch dem Schmerz über unsere Hilflosigkeit aus.

Es ist nicht einfach, die eigene Ohnmacht und Hilflosigkeit anzunehmen. Der Glaube an Gott löst die Ohnmacht nicht einfach auf. Aber der Glaube an Gott hilft mir, mit der Ohnmacht umzugehen. Manchen Situationen gegenüber bin ich ohnmächtig. Aber mit meiner Ohnmacht und Hilflosigkeit bin ich in Gottes Hand. Ich bin getragen von Gottes Liebe. Und an Weihnachten haben wir gefeiert, dass Gott selbst in unsere Ohnmacht hinein gegangen ist und sie gemeinsam mit uns aushält.

Die Ohnmacht, in die Jesus hineingegangen ist, gipfelt am Kreuz. Aber wir wissen, dass das Kreuz nicht das letzte Wort ist, sondern dass es verwandelt wird durch die Auferstehung. So dürfen wir hoffen, dass auch unsere Ohnmacht sich in neues Leben hinein verwandelt, dass wir mitten in unserer eigenen Begrenztheit Auferstehung erfahren, dass wir aufstehen in eine neue Lebendigkeit, in ein neues Vertrauen und in eine neue Freiheit und Liebe hinein, die durch nichts zerstört werden kann.

So wünsche ich Euch, dass Ihr alle Schuldvorwürfe an andere und an Euch selbst loslasst und Euch der Situation stellt, wie sie ist. Und dass Ihr Euch in allem, was Ihr an Begrenztheit erlebt, von Gottes guter Hand getragen wisst.

Euer P. Anselm Grün (16.01.2021)

Primetime in der Familie

In der Corona-Pandemie scheinen Familien die großen Gewinner zu sein. Hier gibt es keine Einsamkeit, sondern permanente Beziehung untereinander mit Austausch und Gesprächen, gemeinsamen Aktivitäten, Spielen und Ausflügen. Je mehr Kinder, desto abwechslungsreicher die sozialen Kontakte. Soweit die Theorie.

Die Praxis sieht oft anders aus. Nicht nur die Teenies hängen viel am Handy oder ziehen sich in ihr Zimmer zurück, leben in ihrer eigenen Welt und lassen sich oft nur zu den Mahlzeiten blicken. Auch wir Eltern haben festgestellt, dass wir viel zu oft mit eigenen Dingen beschäftigt sind und bedauerten, dass es in unserer Familie mitunter nur selten wirklich gute Interaktionen gab – wo doch gerade jetzt im Lockdown so viel Zeit dafür wäre.

Was nicht ist, kann ja noch werden, dachten wir. Also organisierten wir in den Weihnachtsferien eine „Primetime“, in der jeder mit jedem eine Zeit zu zweit hatte (zur Aufteilung gibt es übrigens praktische Turnierplan-Tabellen im Internet). Für das etwa einstündige Gespräch hatten wir drei Impulsfragen vorgeschlagen: Was schätze ich an dir? Was kann ich von dir lernen? Was ich schon immer mal von dir wissen wollte.

Weil wir uns in dem Zweieraustausch nur auf das Positive beschränkten, entstanden unglaublich schöne, auferbauende und hoffnungsvolle Gespräche, von denen wir immer noch zehren. Manchmal gab es einen Spaziergang, ein andermal eine gemütliche Zeit im Kinderzimmer bei einer Tasse Tee oder ein abendlicher Austausch am Kaminfeuer. Um die vertraulichen Gespräche zu schützen, haben wir Stillschweigen über die Inhalte vereinbart.

In jedem Falle wurde durch diese Primetime eine gute Basis gelegt: Gespräche, an die man immer wieder anknüpfen kann. Vielleicht gibt es bald eine zweite Runde …

(Marion und Johannes Lerch, 10.01.2021)

Mit Gottvertrauen ins neue Jahr

„Mit Gott-Vertrauen das Neue Jahr beginnen!“ Unter diesem Motto laden die österreichischen Bischöfe ab 1. Januar zu einem 9-Tage-Gebet während des Corona-Lockdowns ein. Eine solche „Novene“ wird zu besonderen Anlässen und in Krisenzeiten gebetet, um Gottes Hilfe zu erbitten und im Glauben zu wachsen.

Das aktuelle 9-Tages-Gebet in Zeiten der Pandemie beginnt am 1. Januar, dem kirchlichen Hochfest der Gottesmutter Maria, an dem Tag, an dem die katholische Kirche auch den Weltfriedenstag begeht, und dauert bis zum 9. Januar. Die Texte für diese österreichweite Gebetsinitiative werden von der Österreichischen Bischofskonferenz herausgegeben.

Mit der Novene wollen die Bischöfe „eine geistliche Spur ins Neue Jahr hinein legen“, erklärte der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler, der federführend bei der Auswahl der Gebete und der Gestaltung der Handreichung war.

Für jeden der neun Tage gibt es ein eigenes Gebetsmotto, einen Bibeltext und einen Meditationstext. Am Ende steht das eigens für die Novene verfasste Gebet zum Jahresbeginn.

Im Beten sind wir in den neun Tagen verbunden und können so die Zeit, bis reale Treffen wieder möglich sind, geistlich nutzen. Außerdem machen wir uns die Anliegen der Novene zu eigen und beten für das neue Jahr.

Noch ein Hinweis: Wem die angebotenen Vorschläge für jeden Tag zu viel sind, kann die Novene auf seine Bedürfnisse anpassen (zum Beispiel die Texte auf den Morgen und den Abend verteilen). Wichtig ist, jeden Tag das Anliegen der Novene aufzunehmen.

Euch allen ein gesegnetes neues Jahr!

(Ludger Fest, 01.01.2021)

Meine Zeit steht in Deinen Händen

2020 war ein turbulentes Jahr: Vieles hat die Welt bewegt, manches hat die Welt verändert, und jeder Einzelne von uns war von der weltweiten Krise betroffen. Das Jahr 2020 werden wir wohl alle nicht vergessen. Wenig überraschend wurde „Corona-Pandemie“ zum Wort des Jahres gekürt. In diesem Jahr ist vieles ganz anders gekommen ist, als wir es gewohnt waren und gekannt haben. Selbst das „Alle Jahre wieder“ an Weihnachten war dieses Jahr irgendwie anders.

Die Umstände in diesem Jahr haben jeden von uns auf unterschiedliche Art und Weise herausgefordert, haben uns kreativ gemacht und vielleicht auch stärker. Uns ist bewusst geworden, wie wichtig persönliche Treffen im Leben von uns Menschen sind und wie viel uns fehlt, wenn körperliche Nähe nur sehr eingeschränkt gelebt werden kann. Wir haben erlebt wie wertvoll und kostbar unsere Gesundheit ist und wie stärkend Solidarität und Gemeinschaft im Geist und im Gebet sein kann.

Was sich nicht geändert hat – und was sich gemäß dem christlichen Glauben auch nie ändern wird –, ist die Zusage Gottes, dass er der „Immanuel“ der „Gott-mit-uns“ ist, der „Ich-bin-da“. Er ist nicht nur in unsere Welt gekommen, sondern auch geblieben. Und das feiern wir nicht nur an Weihnachten. Gott sei Dank dürfen wir das immer wieder auf vielfältige Weise greifbar in unserem Leben erfahren: Die Gegenwart Gottes ist uns geschenkt, auch wenn wir es nicht immer spüren.

Es lohnt sich zum Jahreswechsel einmal innezuhalten und dem Jahr in Gedanken noch einmal nachzuspüren: Was ist in meinem persönlichen Leben im vergangen Jahr geschehen? Welche schönen Dinge habe ich erlebt? Was bekam ich geschenkt, ohne es zu ahnen? Welche Rückschläge, Niederlagen, Sorgen haben mich getroffen? Wofür bin ich dankbar, und was hat mich wachsen lassen?

Was auch immer passiert. Wir glauben, dass unsere Zeit in Gottes Händen steht, und so legen wir auch das vergangene Jahr, mit allem, was dazugehört, in seine Hände. Mir ist ein Gebet von Antoine de Saint-Exupéry in die Hände gefallen, dass ich gerne mit Ihnen teilen möchte.

Gebet um die Wunder des Alltags

Ich bitte dich nicht um Wunder und Visionen, Herr, sondern um Kraft für den Alltag.
Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.
Mach mich findig und erfinderisch, um im Täglichen vielerlei und allerlei rechtzeitig meine Erkenntnisse und Erfahrungen zu notieren, von denen ich betroffen bin.
Mach mich griffsicher in der richtigen Zeiteinteilung.
Schenke mir das Fingerspitzengefühl, um herauszufinden, was erstrangig und was zweitrangig ist.
Ich bitte dich um Kraft für Zucht und Maß, dass ich nicht durch das Leben rutsche, sondern den Tagesablauf vernünftig einteile, auf Lichtblicke und Höhepunkte achte.
Bewahre mich vor dem naiven Glauben, es müsste im Leben alles glatt gehen. Schenke mir die nüchterne Erkenntnis, dass Schwierigkeiten, Niederlagen, Misserfolge, Rückschläge eine selbstverständliche Zugabe zum Leben sind, durch die wir wachsen und reifen.
Schicke mir im rechten Augenblick jemand, der den Mut hat, mir die Wahrheit in Liebe zu sagen.
Ich möchte dich und die anderen immer aussprechen lassen. Die Wahrheit sagt man nicht sich selbst, sie wird einem gesagt.
Ich weiß, dass sich viele Probleme dadurch lösen, dass man nichts tut. Gib, dass ich warten kann.
Du weißt, wie sehr wir der Freundschaft bedürfen. Gib, dass ich diesem schönsten, schwierigsten, riskantesten und zartesten Geschenk des Lebens gewachsen bin.
Verleih mir die nötige Phantasie, im rechten Augenblick ein Päckchen Güte, mit oder ohne Worte, an der richtigen Stelle abzugeben.
Bewahre mich vor der Angst, ich könnte das Leben versäumen.
Gib mir nicht, was ich wünsche, sondern was ich brauche.
Lehre mich dir Kunst der kleinen Schritte!
(Antoine de Saint-Exupéry)

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen gesegneten Übergang ins Jahr 2021!

(Juliane Schaad, 30.12.2020)

Welt ging verloren, Christ ward geboren!

In seiner Weihnachtspredigt Predigt nimmt Spiritual Dr. Andreas Schmidt drei Sagengestalten der Antike in den Blick, die gerade in der Corona-Zeit unser unerlöstes Lebensgefühl widerspiegeln, und zeigt Wege auf, wie wir uns davon lösen können.

„Freut euch, euch ist der Retter geboren!“ – Gerettet? Wovon, wovor gerettet? Natürlich können wir theologisch antworten: von der Sünde. Damit versteht man aber nicht unbedingt mehr … Oder wenn wir singen: „Welt ging verloren, Christ ward geboren.“ Wieso ist die Welt verloren?

Vor einiger Zeit habe ich eine Karikatur entdeckt, auf der Charlie Brown ein Schild hochhält: „Christus ist die Antwort.“ Im nächsten Bild sieht man Snoopy ebenfalls mit einem Schild: „Und was war die Frage?“ Wir müssen erst der Verlorenheit der Welt – unserer Verlorenheit – auf die Spur kommen, damit Freude über die Rettung – die eigentliche Weihnachtsfreude – aufkommen kann.

Statt theologischer Erklärungen will ich versuchen, einige Helden- und Sagengestalten der Antike zu Hilfe zu nehmen. Sie sind nicht nur Phantasiegestalten, sondern Bilder für unsere Verlorenheit. In ihnen spiegelt sich ein Lebensgefühl der Menschen, das unsere Unerlöstheit und Erlösungsbedürftigkeit zeigt:

Herakles: Er muss zwölf Riesenaufgaben vollbringen – von „Herkulesarbeiten“ sprechen wir heute noch. Erst danach ist er frei zu leben. Er ist ein Bild für die innere Einstellung: „Erst wenn alles erledigt ist, dann darf ich genießen.“ Aber „after the job is before the job“. Wenn das eine erledigt ist, ist schon wieder das nächste zu tun. Ein Leben mit einem dauernden „Erst wenn…“ kann nie das Jetzt auskosten. Es ist nur Mühsal. Das „Leben“, das eigentliche, bleibt in unerreichbarer Zukunft. Auch jetzt können wir uns bei diesem Gedanken ertappen: Wenn Corona erst vorbei ist, dann können wir wieder normal leben, uns am Leben freuen – aber wer weiß, was dann wieder los sein wird…?

Damokles, der Sage nach eingeladen zu einem luxuriösen Festmahl, allerdings schwebt über seinem Kopf ein Schwert, das nur von einem Rosshaar gehalten wird und jederzeit todbringend auf ihn herabfahren kann. Ein Bild für ein Leben mit der inneren Haltung: „Freue dich nicht zu früh. Das dicke Ende kommt noch. Es kann jederzeit etwas Schlimmes passieren.“ Und damit kann ich mich an der Gegenwart, am Leben hier und jetzt, ebenso wenig freuen – selbst wenn ich alles habe, was man sich wünschen kann. Wer weiß, was noch alles kommt an Virusmutationen, an wirtschaftlichen Folgen der aktuellen Krise – mit solchen Nachrichten werden wir momentan dauernd bombardiert. Wenn man sich das alles ausmalt, dann schwebt dauernd ein dunkler, bedrohlicher Schatten über dem Leben, so dass man des Lebens nicht mehr wirklich froh werden kann.

Tantalus hatte von den Göttern folgende Strafe erhalten: Er musste in einem Teich stehen mit frischen Wasser, über seinem Kopf Zweige mit saftigen Früchten. Wenn er sich in seinem Durst aber beugt, um zu trinken, weicht das Wasser; wenn er die Früchte pflücken will, hebt ein Wind sie empor, so dass er sie nicht erreicht. Er steht für das Lebensgefühl: Das Leben, das ich ersehne, steht mir vor Augen. Ich sehe es, medial oder bei anderen – aber ich kann es nicht erreichen. In dem, was ich erlebe, ist immer irgendwie zu wenig. Ich werde nie erreichen, was ich wirklich will, nie Zufriedenheit, Fülle des Lebens erreichen. Auch jetzt wieder: Kontaktbeschränkungen aller Art, so viel fällt aus, ist nicht möglich von dem, was ich mir wünschen und erträumen würde …

Antike Bilder also für Lebensgefühle, die wir auch heute noch sehr gut kennen, und die in der Corona-Situation auf ihre Weise aktuell werden. Vielleicht findet man sich in dem einen Bild mehr, in dem anderen weniger wieder. Aber man spürt: Das betrifft uns. Es beschreibt eine geheimnisvolle Verlorenheit, die über der ganzen Welt, über allen Menschen liegt.

Welt ging verloren, Christ ward geboren! – Freut euch, heute ist euch der Retter geboren! – Kann uns das Kind aus der Krippe aus dieser Verlorenheit retten, die in den antiken Bildern anschaulich wird?

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Weihnachten findet statt, aber anders

Unser erster gemeinsamer Heiligabend war erbärmlich: Wir waren frisch verheiratet und feierten zum ersten Mal den Weihnachtsabend nicht mit unseren Familien, sondern zu zweit allein in der neuen Wohnung. Nach langen Diskussionen über die Gestaltung des Abends wollten wir im Anschluss an die frühe Christmette Fondue essen. Allerdings wurde ich plötzlich krank und musste mich ins Bett legen, sodass meine Frau alleine vor dem mit Liebe zubereiteten Essen saß und auch den ganzen Abend über alleine war.

Eigentlich ein armseliges Fest – und doch waren wir in dieser Armut Jesus besonders nahe. Schließlich kam Er auch in völliger Armut zur Welt – in einer Notunterkunft, einem Stall, weil für die Familie kein Platz mehr war.

Wie viele Menschen müssen jedes Jahr Heiligabend alleine verbringen, ohne Familie oder Angehörige. Und wie viel mehr sind es dieses Jahr aufgrund der Corona-Beschränkungen!

Bei uns in Mannheim wurden vom 4. Advent bis zum 10. Januar alle Gottesdienste abgesagt. Also auch keine Christmette mehr. Wie kann da Weihnachten überhaupt noch stattfinden? Es geht – aber anders. Und vielleicht deshalb besonders intensiv und tiefer erfahrbar.

Auch in den größten Kriegszeiten wurde Weihnachten gefeiert. Gerade in unserer Armut berühren sich Himmel und Erde und erfüllen die Engel den dunklen Stall in uns mit ihrem Licht. Die Menschen werden kreativ und feiern Weihnachten anders:

  • Musiker ziehen durch die Straßen uns spielen Weihnachtslieder, wie es dieses Video zeigt: https://trotzdemlicht.ch/#video
  • Kinder und Theaterleute spielen an ungewöhnlichen Orten Herbergssuche.
  • An Weihnachtszäunen werden Give-aways zum Mitnehmen verschenkt.
  • Vom Balkon herunter singen Menschen Weihnachtslieder.
  • Es gibt Ideen, mit den Kindern zusammen in den Wald zu gehen, die Weihnachtsgeschichte am Lagerfeuer zu hören und das Fondue über dem Feuer zu essen.
  • Wer lieber zuhause feiern möchte, der kann sich über Videokonferenzen digital mit anderen verbinden.
  • Für Hausgottesdienste gibt es mittlerweile unzählige Vorlagen im Netz, zum Beispiel vom Liturgischen Institut: https://www.liturgie.ch/praxis/gottesdienst-corona/advent-weihnachten/1793-weihnachten-hausgebet-digital.
  • Wer selbst Weihnachtslieder singen möchte, findet im Internet Texte, Noten mit Gitarrengriffen und Musikdateien zum Mitsingen, zum Beispiel in der Liederkiste: https://www.liederkiste.com/index.php?c=weihnachtslieder&l=de

Die Beispiele zeigen, dass Weihnachten nicht von den äußeren Umständen, sondern von unserer inneren Bereitschaft abhängt. Zum Glück gibt es keinen Lockdown der Seelen. Das berührende Weihnachtsvideo von Edeka zeigt, wie Menschen auch in Corona-Zeiten zusammenhalten: https://www.youtube.com/watch?v=Sjo5ue9ZTuw

(Johannes Lerch, 20.12.2020)

Täglich 10 Minuten Stille schenken

Angesichts der aktuellen Herausforderungen durch die Corona-Pandemie und die schwierigen gesellschaftlichen Entwicklungen hat die Akademie für Dialog und Evangelisation in Wien einen schönen Lösungsansatz entwickelt, an dem jede und jeder mitwirken kann. Er ist einfach und herausfordernd zugleich: Schenk dir und anderen täglich 10 Minuten Stille!

Du beginnst einfach damit, nachzudenken, wofür du gerade dankbar bist. Danach kannst du all denjenigen, die es schwer haben, von Herzen Gutes wünschen. Ob du nun gläubig bist oder nicht, jede und jeder kann mitmachen: entweder mit deinen wohlwollenden und positiven Gedanken oder direkt an Gott gerichtet – mit deinem Dank oder einer Bitte für Menschen, die Hilfe brauchen. Ob so oder so, in jedem Fall wird es unser Denken und unser Handeln inspirieren und neu beleben und uns trotz aller Distanzen miteinander verbinden.

Ohne echtes Innehalten gibt es nämlich keine Hoffnung für einen neuen Zusammenhalt und eine großherzige Solidarität, die heute so dringend gebraucht werden. Ganz begeistert von dem ungewöhnlichen Aufruf ist Philippe Pozzo di Borgo, der Welterfolgs-Autor von „Ziemlich beste Freunde“. Sein verfilmtes Schicksal als schwer Gelähmter nach einem  Paragleiter-Unfall und seine Freundschaft mit dem unprofessionellen Pfleger Driss bewegten weltweit viele Menschen. Nicht alle könnten gleich „Ziemlich beste Freunde“ werden, aber unsere zerrissene Gesellschaft könne sich nur erneuern, so Philippe, „wenn wir im Anderen seine Vielschichtigkeit, Zerbrechlichkeit und sein Ruf nach Würde“ neu entdeckten. Das „Virus der Hoffnung“ wachse erst in der „bewohnten Stille“, wo wir nämlich unseren „inneren Reichtum“ fänden.
 
Die Resonanz auf die ersten Einladungen an Menschen unterschiedlichster Weltanschauungen und politischer Richtungen ist gewaltig. Dass nun Stille wie ein geheimes Heilmittel wirkt, scheint nicht nur Bischöfe wie Hermann Glettler und Kardinal Christoph Schönborn zu überzeugen, auch Schauspielerin Maria Happel oder Kollege Cornelius Obonya, ORF-TV-Moderatorin Barbara Stöckl, der Psychiater Michael Lehofer und der Genetiker Markus Hengstschläger haben sich bereits der Aktion angeschlossen.

Wer mitmachen möchte, kann sich auf der Website oder über Facebook eintragen und sich von vielen konkreten Beispielen inspirieren lassen: www.stilleschenken.com
 
(Otto Neubauer, 03.12.2020)